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20 Jahre "Junge Barkenbrüder"
Eine Fahrt durch die Mecklenburgischen Seen

Schnelllebig ist doch die heutige Zeit! Ich könnte auch sagen, das vergangene Jahr ist an uns vorbeigerauscht.

Ich denke dabei an die letzte Abschlussbesprechung unserer Barkenfahrt, die ohne Beschwerden verlaufen ist, auch wenn unsere finanziellen Reserven verbraucht wurden.

Mit Spannung warteten wir auf die Frage "Wohin im nächsten Jahr?" Wie eigentlich immer in den letzten Jahren kam Skandinavien und dabei Finnland und natürlich auch die obligatorische Weserfahrt ins Gespräch. Als aber dann ein Barkenbruder einen ausgearbeiteten Vorschlag mit Kartenmaterial und Kosten auf den Tisch legte und gleichzeitig bekannt gab, dass er die Fahrt organisieren würde, war schon fast alles gelaufen.

Jürgen Köster, genannt Herku, war es, der für das 20-jährige Jubiläum der "Jungen Barkenbrüder" eine Fahrt durch die Mecklenburger Seen geplant hatte. Lediglich ein Mitstreiter wurde benötigt und ohne lange Debatte erklärte sich Manfred Colby dafür bereit und damit endete die Besprechung, die Mitte Dezember stattfand, so schnell wie wohl selten vorher eine solche vonstatten gegangen ist.

Bis zum Beginn der Fahrt sollten noch neun Monate vergehen. Wer fährt mit? Carlos wollte nach Südamerika, Gerd Bruns kam erst Ende der Fahrt vom Urlaub zurück, Ingo Fechtmann hatte anders geplant, musste aber leider ins Krankenhaus. Herku überreichte uns im April eine klug ausgearbeitete Fahrtenmappe, aber auch er musste vierzehn Tage vor Beginn der Fahrt das Krankenhaus aufsuchen.

Geplant waren dreizehn Barkenbrüder und so mussten wir, einmalig, einen Ersatzruderer verpflichten, den wir in Gunter Linnhoff fanden. Gleichzeitig wurde in der letzten Besprechung auf das Mitführen eines Zweiers verzichtet, um so allen Teilnehmern das tägliche Gemeinschaftserlebnis einer Barkenfahrt zu ermöglichen.

Vorerst waren somit alle Unklarheiten beseitigt. Am 6.9.02 waren alle Teilnehmer pünktlich. Flüssige und auch feste Nahrung wurde in der Barke verstaut. Nur ein Außenbremer kam durch angeblichen Stau später.

Um 9.30 Uhr verließ die Kolonne mit Zugmaschine und Barkenhänger sowie zwei PKW bei Sonnenschein das Clubgelände. In problemloser Fahrt, natürlich mit Fahrerwechsel und einem Stopp für ein Holzfällersteak an einer großen Landtankstelle, ging es dann unserem Zielort Neustrelitz entgegen. Mit Conni - er war von Frankfurt direkt angereist - wurde per Handy kommuniziert, aber trotz Beschreibung nahmen wir erst einen Umweg, um mit der Barke zu wenden, bevor wir unser Hotel erreichten.

Für den Umweg gab es gleich die Ausrede: "Wir wollten euch ja nur die Gegend zeigen!" Das Hotel Haegert aber war bestens. Ein schöner Innenhof lud gleich zum ersten Bier ein, bevor wir zum Aufriggern der Barke an die neue Slipanlage des Segelvereins am Sportboothafen fuhren, den Conni bereits erkundet hatte. Das Aufriggern war ja problemlos; das Aufstellen des Verdecks jedoch bereitete wieder einmal Schwierigkeiten, da ja wie immer viele Meinungen und somit auch Möglichkeiten bestehen.

Barke zu Wasser, zwei Barkenbrüder verholten sie paddelnder Weise in den Sportboothafen. Der Hänger wurde sicher im Paddelverein abgestellt und wir genossen unser Abendmahl im Innenhof des Hotels.

Der erste Rudertag war angebrochen und wenn einigen wenigen der späte Barbesuch im Hotel noch etwas anzusehen war, so erschienen doch alle pünktlich zur Kaffeetafel um 8 Uhr. Die für den Zweier vorgesehene Mannschaft wurde auf die Barke verteilt und bei strahlender Sonne verließen wir den Bootshafen, um über den Zierker See unsere Tagesetappe anzugehen. Spiegelglatt war der See und erstaunlicherweise ohne Gegenwind, so dass Pausen wohl verständlich waren, bevor wir den Kammerkanal erreichten. Die erste Bekanntschaft mit der Kanalfahrt, die uns aber von der Müritz 1995 nicht unbekannt war. Paddler und Kanuten mit teilweise unkontrollierbarer Fahrt begleiteten uns. Eine von uns nicht verschuldete Kollision stieß einen Kanuten dabei vom Sitz.

So erreichten wir die erste Schleuse Voßwinkel, bevor wir in den Woblitzsee einfuhren. Vor Wind und Wellen waren wir gewarnt, aber die volle Sonne zeigte keine Gefahr an. Vorbei ging es an einem ehemaligen Kanulager des Sportbundes der DDR und weiter in die Havel, bei der dem Steuermann beim Passieren der großen Sportboote, bedingt durch die engen Kurven, einiges abverlangt wurde.

Wir erreichten den Großen Labussee und steuerten die Zwenzower Schleuse (Floßschleuse) an, die alle zwei Stunden geöffnet werden sollte. Nun, da irrten wohl der Fahrtenleiter und die Information! "Erst um 16 Uhr!", hörten wir nach Befragen und später erfuhren wir, dass der Useriner See zu wenig Wasser hätte, bereits zum Müritz-Nationalpark gehört und Befahrungsregelungen beinhalte. So nutzten wir die Zeit, um ausführlich Mittag zu machen, wobei wir genügend Unterhaltung durch viele Paddler hatten, die die Bootsschleppe benutzten. Nun, dann suchen wir uns eben einen neuen Liegeplatz, ruderten und fanden einen kleinen, fast privaten Badestrand mit Strandkörben. Wir fragten, ob es wohl gestattet sei, fanden eine herrliche Terrasse zum Kaffeetrinken und genossen die Sonne. Der Service wurde informiert. Wir hatte ca. 13 km gespart und waren so gegen 17 Uhr wieder in Neustrelitz.

Was machen wir nun heute Abend? Wir waren zwar in der ehemaligen Residenzstadt der Herzöge von Mecklenburg-Strelitz, bei der slawische Bogenschützen, die Strelitzer, einst die Burg vor Angreifern verteidigten, aber außer einem Spaziergang durch den Schlossgarten im französischen Stil bestand wohl der Charme des Ortes in erster Linie in seiner reizvollen Lage am See.

Auf der Terrasse im Restaurant Helgoland am See konnten wir ausgiebig speisen und fanden später noch eine gemütliche Kneipenbar, wo wir den Abschluss des ersten Tages begießen durften.

Den zweiten Rudertag begannen wir mit der Erkenntnis, dass die uns zugedachte Etappe ca. 10 km weniger sein würde. So stand viel Zeit zur Verfügung, die aber die Sonne versüßen würde. Der Große Labussee war bald errudert. Bevor wir in die Havel einfuhren, kam die erste Pause, bei der, wie eigentlich immer, einige ihr Fett mitbekamen. So stand der Spruch "Stark auf der Rolle - schwach auf der Dolle!" auf der Tagesordnung.

Wir kamen in den Woblitzsee und nun links ab und nach einer Einengung stand der See für uns offen in Richtung Wesenberg. Hier waren uns die Reste einer Burgruine und eine Kirche aus dem 15. Jahrhundert avisiert. Wir aber waren der Meinung, dass die herrliche Sonne der Kultur vorzuziehen sei!

Kurz nach der Einfahrt in die Havel kam die Schleuse Wesenberg. Weiter ging es in den kleinen Finowsee und dann in den Drewensee, der von herrlichen Wäldern umgeben ist. Hier war ein Campingplatz nach nur 18 km unser Etappenziel.

Der letzte Abend im Hotel begann mit Kofferpacken, bevor wir uns in einem besseren Restaurant als gestern trafen, wo wir, auf der Terrasse sitzend, sehr gut gegessen haben bei untergehender Abendsonne.

Während der Service mit Koffern und Taschen unser neues Domizil in Fürstenberg aufsuchte, durften wir die Stadt auf dem Wasserwege ansteuern. Wir verließen den Drewensee und sahen die Wälder jetzt an der anderen Seite, vorbei an Ahrensberg mit seiner Hausbrücke, durch den kleinen Finowsee, entlang der Havel in den Großen Priepertsee, in dem auch Wasserskiläufer ihr Revier hatten. Vor dem Übergang in Richtung Ellbogensee sahen wir ein großes öffentliches Freibad und am Ende das Sees einen großen Campingplatz mit 120 Wasserwanderplätzen. Wir ruderten durch den Ziernsee. Die Campingplätze waren wohl alle noch aus der DDR-Zeit und, bis auf wenige, noch in altem Zustand. Die Schleuse Steinhavelmühle hatte die Tore bereits geöffnet, aber die avisierte nette Wirtschaft sahen wir nicht. Der Roblinsee war schnell durchfahren und an einer schönen alten überdachten Holzbrücke prangte der Schriftzug: Herzlich willkommen in Fürstenberg. Um den kleinen See lag eine Marina an der anderen, an einer neuen aber stand der Service und winkte uns nach 24 km in unser Hotel.

Die Überraschung war gelungen! Das Hotel Seestern war ein Neubau direkt neben einer großen Halle, die als Winterlager diente. Wir nahmen die Zimmer ein und eine freundliche Bedienung erklärte uns, dass ein weiteres Zimmer im nahe gelegenen Bungalow zur Verfügung stehen würde. Jan und Jürgen reklamierten sofort, denn es handelte sich augenscheinlich um eine bessere Gartenlaube. Alle Zimmer waren bereits in 2001 bestellt und bezahlt. Nach Verhandlung sorgte ein Nachlass für Ruhe, zumal das Hotel sowie das spätere Essen letztendlich uns alle völlig zufrieden stellte.

Auf der Terrasse erlebten wir noch einen schönen Abend, der hauptsächlich ein Thema hatte: Was erwartet uns am kommenden Tag, unserem D-Day?

Nun, schon gestern Abend hatten wir lange versucht, Licht in das Dunkel zu bringen, aber der Fahrtenleiter schwieg nur vor sich hin. Jeder kann anziehen, was er will. Wir rätselten weiter und konnten ihm nur abringen, dass Sportzeug wohl das Richtigste sei. Beim Frühstück hieß es, der Linienbus würde um 8 Uhr fahren. Kurz darauf aber war dieser schon weg und alle mussten wie gewohnt in unsere Wagen steigen.

Heute fahren wir nun nicht auf dem Wasser, sondern durch ein Eldorado mit unzähligen Seen und Wäldern, die immer herrliche Ausblicke gestatteten und landeten in Templin, einer Stadt umgeben von einer erhaltenen Stadtmauer und einem barocken Rathaus um 1751. An allem aber fuhren wir vorbei und kamen vor dem Ort an einen Bahnhof. Nun konnten wir sehen, was uns erwartete. Es waren Fahrraddraisinen, mit denen wir uns über die Strecke von 30 km von Templin nach Fürstenberg sportlich bewegen sollten! Je drei Ruderer nahmen Platz auf insgesamt vier Draisinen und ab ging die Strampelei. Auch Verpflegung nahmen wir mit, denn bei zwölf Stationen konnte man die Draisine aus den Gleisen heben, um gegebenenfalls andere vorbeifahren zu lassen.

Bei strahlender Sonne radelten wir über die Templiner Brücke durch Felder und Brachland und 10 km Wald nach Alt- und Neu Placht, wo Zens- und Platkowsee zusammentreffen, über Tangersdorf, Hohenlychen und Lychen mit Blick auf den Großen Lychensee, wo wir die Hälfte der Strecke erreicht hatten.

Pause war angesagt. Frage, ob noch jemand nach uns kommt. Wir ließen die Draisinen auf den Gleisen und gestatteten uns, ausführlich Mittag zu machen.

Weiter ging es über den alten Bahnhof Himmelpfort, wo der Weihnachtsmann sein Büro hat, und weiter durch Fichten- und Kiefernwälder zur Endstation nach Fürstenberg. Natürlich fuhren wir nicht immer zusammen, denn gegenüber einem Radrennfahrer wie Jan, der für seinen Italienurlaub trainierte, konnten auch Mitfahrer Jürgen und Manni T., aber auch andere nur schwer mithalten. Besser wäre es gewesen, jeder hätte Verbandszeug mitgenommen, denn der Sanitäter Jürgen musste zweimal eingreifen, da Max eine hohe Bahnsteigkante übersehen hatte und Pummi meinte, sich festhaltend, hinterher zu laufen.

Es war für uns eine außergewöhnliche Art der Erholung, die gegen 15 Uhr im Hotel endete.

Den Rest des heutigen Tages konnte jeder selbst gestalten. Nun ist ja Fürstenberg eine Kleinstadt an der Grenze zwischen Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern, geprägt durch das Schiffergewerk, aber auch der Archäologe Heinrich Schliemann hat hier gelebt, aber sonst gibt es nicht viel zu sehen. Einige wollten sich vom Radfahren erholen, andere besuchten die Gedenkstätte des ehemaligen KZ Ravensbrück, wo die alten Kasernen des Wachpersonals restauriert wurden, die heute als internationales Jugendtreff-Zentrum dienen, in dem man auch wohnen kann.

Wir blieben zum Essen - wo konnten wir besser bedient werden? - im Hotel. Natürlich wurde der Tag noch mal durchgehechelt; es kamen aber auch einige Gedanken über die Zukunft der Jungen Barkenbrüder auf, ein Thema, mit dem man sich wohl noch öfter befassen muss.

Wieder war Kofferpacken angesagt. Der Service fuhr am fünften Tag nach Rheinsberg. Für uns aber begann der vierte Rudertag, der uns schnell zur Schleuse Fürstenberg brachte. Die Sonne brannte unverändert. Wir wollten zwar rudern, aber ein Gespräch wurde uns quasi aufgezwungen, so dass wir schon mal die Leine parat legten. Mit dieser wurden wir zur Schleuse Steinhavelmühle gezogen, wo wir trotz genauem Hinschauen die nette Wirtschaft wieder nicht fanden. Wieder durchfuhren wir den Menow- und Ziernsee sowie den Ellbogensee, dann aber links ab in Richtung Schleuse Strasen. Hier waren wir schon 1995 und auch wenn die Saison vorbei war, gab es manch kurioses Bootsmanöver hinter der Schleuse, wo ein schönes Hotel und der große Biergarten vorerst nur zum Bier, aber dann auch zum Essen einlud.

Nach einer längeren Pause ging es weiter durch den Kleinen und Großen Pälitzsee und den Hüttenkanal zur Schleuse Wolfsbruch, wo Steigenberger eine riesige Marina mit Hotel erbaut hat. Eine von diesen großen Motorjachten erbarmte sich unserer kleinen Barke und so kamen wir unter einer schmalen Brücke hindurch in den Zitzowsee und durch den Jagowkanal in den Schlabornsee. Ab hier sollten wir allein weiterrudern. Bald waren wir im Rheinsberger See und im Grienericksee, wo wir die Trainingsruderer des Rudervereins Rheinsberg bewunderten, wobei nur ein Trainer zwei Vierer, zwei Zweier und vier Skiffs zu betreuen hatte. Im Ruderverein fanden wir einen Steg für uns allein zum Anlegen und bekamen Kaffee und Bier auf dem Balkon. Nach 33 km waren wir am Ziel im Hotel Zum Jungen Fritz.

Das Hotel in der Schlossstraße war sehr ordentlich, Zimmer stimmten und auch die Speisekarte stellte uns zufrieden, also blieben wir am Ort. Anschließend machten wir einen Spaziergang durch den Schlossgarten, eine schöne Anlage, in der der Bruder Friedrichs des Großen seine Residenz hatte. Obwohl nur rangniedrigstes Mitglied der königlichen Familie war er auf politischem, militärischem und musischem Gebiet der wohl Gebildetste und Talentierteste. 1744 bekam er Schloss und Gartenanlage geschenkt. Es wurde für 50 Jahre sein Refugium.

Wir wollten hier nur prüfen, ob wir mit der Barke an der Freitreppe anlegen konnten, um ein Foto - so wie in Pilnitz - schießen zu können. Dies aber erschien uns selbst für morgen, lichttechnisch gesehen, ungünstig. So gingen wir zum Hotel zurück, um, vor demselben sitzend, ein Bier zu genießen. Gleich aber wurde uns gesagt, dass um 22 Uhr zum Zapfenstreich geblasen würde, und da sonst nichts anderes geboten wurde, mussten wir schlafen gehen.

Ein neuer Rudertag begann erneut mit einem Gang in den Schlossgarten, wo das Licht günstig fiel. Das Foto ist wohl gelungen.

Die erste Strecke war uns bekannt, nur dass wir sie diesmal aus anderer Sicht betrachten durften. Am Schlabornsee vorbei, wo uns gestern der Schleppdienst allein weiterrudern ließ, vorbei am Ort Zechlinerhütte. Eine Glasbläserei gab den Namen, aber auch der Grönlandforscher Alfred Wegener, der die Kontinentalverschiebung entdeckte, lebte hier. Wieder durch den Hüttenkanal mit der Marina und durch die Schleuse Wolfsbruch und im Kleinen Pälitzsee ging es dann links ab zur Schleuse Canow. Gleich daneben warb ein Fischverkaufsrestaurant um Kunden; uns aber kam hier alles nicht ganz geheuer vor. Gleich im nachfolgenden Labussee erblickten wir ein Schild "Boot und mehr", ein Restaurant-Imbiss, zwar mit einem schönen Blick, aber der Imbiss war teuer und wurde für nicht gut befunden. Die Toiletten dagegen waren sehr gut.

Bald danach kamen wir an den Gobenowsee, der von viel Wald und Sumpfland umgeben war. Hier fanden wir auch unsere Anlegestelle, einen Campingplatz, bei dem bereits der Service wartete.

Zurück nach Rheinsberg. Alle Geschäfte waren schon geschlossen. Wir bereiteten uns vor zum Besuch im Restaurant Ratskeller, einem prinzlichen Keller, zu dem vormals auch eine Brauerei gehörte, später Zolldepartment, aber auch Rathaus, teils abgerissen und aufgebaut. Man sagt heute, der Ratskeller ist ebenso bekannt wie Rheinsberg selbst.

Trotz Vorbestellung bekamen wir leider nicht einen, sondern drei Tische, an denen wir vorzüglich gespeist haben. Die Getränke trugen zu bester Laune bei. Der Verein musste natürlich wieder herhalten und bei einigen, wie wir später feststellten, der Kopf wohl auch. Gegen 23 Uhr war die verbliebene Bedienung kaum sichtbar und meinte, dass wohl Schluss sei.

Der letzte Umzug war angesagt. Der Service brachte uns zur Barke am Campingplatz und fuhr weiter nach Mirow, einer Stadt, die wir schon 1995 angelaufen hatten. Uns aber führte der sechste Rudertag über den Labussee zur Diemitzer Schleuse, die 95 nicht intakt war, über den Vilz- und Mössensee zum Zotzensee, wo wir erst einmal Mittag machten. Nach dem gestrigen Abend schmeckte nun auch das Bier wieder, das nach dem Essen durch den Inhalt von kleinen Gläsern auch einen anderen Geschmack erzeugte.

In der Fahrteninformation waren wir für die schon beschriebene Seenplatte besonders vor Mücken gewarnt, von denen wir hier, aber auch anderswo Gott sei Dank nie geplagt wurden.

An der letzten Etappe, dem Müritz-Havel-Kanal, sahen wir viele Bootshäuser, Bootsgaragen, als Pfahlbauten erstellt, aber auch enge Brückendurchfahrten, die durch den Sportbootverkehr zu manchen Pausen Anlass gaben, bevor wir dann im Ruderverein Blau-Weiß Mirow unseren Steg und den Service fanden.

Wir fuhren in die Stadt, fanden Unterkunft im Mecklenburger Hof. Das klang zwar gut, aber die Zimmer waren nicht so, wie man gedacht hatte. Zwei unserer Ruderer wohnten in einem anderen Haus, fünfzig Meter weiter, in das auch die jetzt umzogen, die nicht zufrieden waren.

Nicht ganz beruhigt schmeckte uns das Bier vor dem Hotel, das an der Hauptverkehrsstraße lag. Es war Freitag und am Sonnabend wollten wir nur kurz rudern, um mittags die Barke zu übergeben, und am Nachmittag? Das waren die Gespräche vor dem Abendessen. Manni C. verholte gerade den Hänger von Neustrelitz nach Mirow und als er zurück war, konnte er überredet werden, dass wir alle schon am nächsten Tag nach Mittag nach Bremen fahren wollten.

Ein wichtiger Punkt war im Guten geklärt und begrüßt, zumal einige einen freien Tag hatten, bevor der Alltagsstress wieder beginnt. So machten wir uns frohen Mutes auf den Weg zur Mirower Schlossinsel, um hier die Nacht der Ritter zu erleben und zu genießen. Diese Veranstaltung fand in historischen, 400 Jahre alten großen Kellergewölben statt, die vor langer Zeit einer Brauerei als Eiskeller dienten, wobei das Eis aus dem nahem Mirowsee herausgesägt wurde. Eine freundliche, in historische Gewänder gehüllte Bedienung servierte erst einen Begrüßungstrunk, das "Elixier des langen Lebens". Es gab Brot und Schmalz und Pellkartoffeln, für die es sogar ein Messer als einziges Besteckteil gab. Es gab Rüben und Mönchskraut mit Klößen und jede Menge Bier, das natürlich als Met angeboten wurde. Alle fünf Gänge wurden begleitet von einem Zeremonienmeister, der uns über Mirow, den Ort des Friedens, aber auch über die Historie mit launischen Worten viel erzählte. Gegen Ende des Essens überreichte John an Martin eine Urkunde über 20 Jahre Barkenfahrt, was eine Runde aus kleinen Gläsern nach sich zog und unserem strapazierten Magen sicher gut bekommen ist.

Der letzte, wenn auch nur kurze Rudertag war angebrochen. Kurz, weil erstmals das Wetter keine Sonne zuließ, aber auch wohl, weil ein umgefallener Baum einen Stichkanal blockierte. Wir hatten uns mit Thomas Frischmuth und seiner Familie im Granzower See an einem Campingplatz verabredet. Seine beiden Jungs wollten mit Großvater Jan einmal gern mit einer Barke rudern. Es war kalt und windig, aber trocken. Nach längerer Wartezeit kam die Familie endlich. Die Jungs stiegen ein, saßen mit auf dem Steuersitz oder auch mal vorn und, angeleitet durch Jan, durfte jeder mal steuern. So konnten wir dank Rückenwind schnell wieder unseren Steg erreichen. Es war ein schöner Abschluss unseres Ausflugs in der Mecklenburger Seenplatte.

Unsere Vorräte waren noch ausreichend und so entschlossen wir uns mit einigen Gegenstimmen zum Picknick auf dem Vereinsgelände. Als wir im Hotel zurück waren, hatten die Nicht-Picknicker bereits eine Stunde auf ihr Essen gewartet.

Die Barke war zwischenzeitlich an Hoya ordnungsgemäß übergeben und der Rückfahrt nach Bremen stand nichts mehr im Wege. So landeten wir heil und gesund gegen 19 Uhr wieder da, wo wir vor neun Tagen abgefahren waren.

Ja, das war sie, die zwanzigste Fahrt der "Jungen Barkenbrüder". Wir waren Gäste in einer wunderschönen Landschaft. Unzählige große und kleine Seen, teilweise verbunden durch Kanäle, ergeben ein herrliches Ruderrevier, das meistens von Kiefern- und Fichtenwäldern umgeben ist, wobei es sicher am schönsten ist, dies alles vom Wasser aus zu erleben. Wir jedenfalls waren begeistert und können nur jedem, der diese Landschaft nie gesehen hat, anraten, eine Reise hierhin zu unternehmen.

Wir hatten eine hervorragende Crew, die sich durch Teamgeist und Kameradschaft, vor allem aber Harmonie auszeichnete. Mein Dank gilt der Fahrtenleitung und dabei vor allem dem Initiator der vorzüglichen Fahrtenmappe, dem es hoffentlich wieder gut geht. Mein Dank gilt aber auch allen "Jungen Barkenbrüdern", die mir gelegentlich mal Hilfestellung haben angedeihen lassen.

Auch wenn wir alle von und mit Erinnerungen leben, denke ich doch, dass jeder schon heute mit Spannung und Vorfreude an die Fahrt im kommenden Jahr denken wird.

Martin Vaupel

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