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Bremer Ruder-Club "Hansa" (1879/83) e.V. |
Freitag, 21.06.02 von Bremen nach Waren an der Müritz
Der Transport der Barke Richtung Waren an der Müritz läuft wie geschmiert. Mit Reinhard Pokall vom VRV haben wir einen erfahrenen und versierten Fahrer, der mit seinem Pajero die Barke sicher von Bremen nach Waren zieht. Die Autobahn ist an diesem Anreisetag fast leer. Im Fernsehen läuft die Übertragung der Fußballweltmeisterschaft. Selbst die Straßenbauarbeiter hocken in ihren Baubuden vor dem Fernseher.
Beim Segelverein Kamerun in Waren wird die Barke von den Zug fahrenden Barkenfrauen jubelnd in Empfang genommen. Und man(n) glaubt es nicht, wie schnell das geht, kurz darauf liegt die Barke fertig für den ersten Rudertag geriggert und gut vertäut am Anlegesteg des Segelvereins. Jetzt fehlt nur noch ein leckeres Abendbrot, ein frisches Bier und ein gemütliches Bett.
Samstag, 22.06.02 von Waren nach Plau
Das mit dem Bier und dem Abendbrot am Vortag hat ja geklappt. Aber die Betten der Warener Jugendherberge haben leider von der Wende nichts mitbekommen. Der Mief vergangener sozialistischer Erziehung hängt hier noch gewaltig in den Schlaf- und Essensräumen. Kurz vor dem Zubettgehen stand die Entscheidung an: Mief oder Mücken. Egal, wie wir uns entschieden: Wir haben alle ziemlich schlecht geschlafen. Die einen litten an der dicken Luft, die anderen an den Mücken. Helga plagten Träume mit einem entsetzlich großen Hund, der kurz darauf ganz realistisch seine riesigen Vorderpfoten auf die Fensterbank ihres Schlafraumes legte. Trotz all dieser Widrigkeiten, starkem Wind und drohenden Regenschauern starten wir an diesem ersten Morgen guten Mutes. Vor uns 32 km Ruderstrecke, dazu noch 3 große Seen: der große Kölpingsee, der kleinere Freesensee und bei Malchow der Plauer See. Nur die erfahrenen Ruderinnen wissen, dass wir uns angesichts des zunehmenden Windes "am Riemen reißen müssen", um planmäßig in Plau anzukommen.
Sonntag, 23.6.02 von Plau nach Lübz
Das "Aufstehwetter" ist heute nicht ganz optimal. Es muss geschöpft werden. Aber der wieder recht steife Wind hat den Regen schnell weggeblasen und es geht trocken weiter. Die Müritz-Elde-Wasserstraße präsentiert sich sehr wenig kanalartig. Flora und Fauna sind reichhaltig, aber Eisvögel sehen wir nicht. Dafür treffen wir viele Freizeitkapitäne auf den unterschiedlichsten Booten.
Die Mittagspause mit Erbsensuppe, Topfkuchen und Kaffee auf dem privaten Rastplatz Kuppentin ist sehr produktiv. Die Planung der nächsten Barkenhexenfahrt wird in Angriff genommen.
Alle Schleusen werden problemlos gemeistert und der Liegeplatz für Gustav und ATH ist direkt am Hotel. Den Abend beschließen wir mit heißem Holunderbeersaft im Innenhof eines sehr netten Lokals.
Montag, 24.06.02 von Lübz nach Parchim
Eine Barke voller Frauen fällt auf! Aber eine Barke voller Frauen, die dazu noch inbrünstig, laut und sehr schön "Muss i denn, muss i denn zum Städele hinaus" singen, scheint für manchen Betrachter schon ein besonderes Erlebnis zu sein. Die Blicke der am Ufer Stehenden sind schwer zu interpretieren: skeptisch, spöttisch, neidisch, anerkennend, vielleicht belustigt. Es ist alles dabei. Egal, uns geht´s gut. Die Kilometerzahl 88 wird von Helga zünftig begrüßt und auch Frauke rettet sich bei Kilometer 77, wenn auch mit einem noch etwas zaghaften "Hipphipphurra" vor der abendlichen Runde. Noch im Sonnenschein legen wir in dem hübschen Städtchen Parchim an. Gisela spendiert einen Begrüßungssekt, bevor wir uns gemeinsam zum Abendessen im sehenswerten alten Zinnhaus einfinden.
Dienstag, 25.6.02 von Parchim nach Neustadt-Glewe
Heute startet der Tag mit "Kultur". Wir besichtigen die St. Marien Kirche von Parchim. Der pensionierte Pastor der Gemeinde erklärt uns den Altaraufsatz aus dem 15. Jahrhundert, berichtet lebhaft über seine Amtszeit vor der Wende und gestattet uns sogar einen Aufstieg auf den Glockenturm. Von hier haben wir den gleichen Ausblick wie die Turmfalken in ihren Nestern in den Nischen des Turms.
Jetzt geht es weiter auf der Barke mit Mitmachmärchen von Elke und auf der "All to Hoop" mit Turnübungen und Kletterkunststücken bzw. der Frage: Wie wechselt man vom Steuerplatz auf den Rollsitz?
In Neustadt-Glewe bringt ein Hundefänger unser Gepäck zum Hotel. Und wir beschließen den Tag mit einem ausgezeichneten Essen im Sportboothafen.
Mittwoch, 26.6.02 von Neustadt-Glewe nach Eldena
Heute dürfen wir Überraschungseier zusammenbauen, als Einlösung der Schnapszahlrunden des Vortages. Der "Rennbiber" auf dem Laufsteg der Barke treibt die Crew zu Spitzenleistungen. Schnell ist Grabow erreicht, das sein 750-jähriges Jubiläum feiert. Wir werden zum Mitmachen bei der Drachenbootregatta am Abend eingeladen. Vielleicht hätten wir die Jungs am Ufer ("Guck mal da, lauter Omas") beeindrucken können. Aber wir haben abends ja schon den nächsten Kulturtermin im Elternhaus von Johannes Gillhoff, dem Autor von Jörnjakob Swehn, dem Amerikafahrer. Hier in Glaisien, einem "aktiven Frauendorf", wie wir erfahren, haben wir ein ausgesprochen schönes Quartier im Forsthaus bezogen. Nach einer Besichtigungstour durchs Gillhoff-Museum und die Kulturscheune stärken wir uns mit Sanddornsaft in allen Variationen.
Donnerstag, 27.6.02 von Eldena nach Hitzacker
Der erste Rudertag, der mit richtigem Regen beginnt. Bis zur Mittagspause in Dömitz üben wir Regenzeug an- und ausziehen. Die Festung in Dömitz können wir dann in der Sonne genießen. Nur der Wind, der immer mehr auffrischt, macht uns zu schaffen. Auf der Elbe müssen wir richtig knüppeln und können die tieffliegenden Störche und die herrlichen Sandbuchten gar nicht genießen. Unser Etappenziel in Hitzacker erreichen wir völlig erschöpft erst gegen 20 Uhr. Nach dem Essen fallen wir müde in die Jugendherbergsbetten.
Freitag, 28.6.02 Fahrradtour von Hitzacker nach Breese im Bruche
Heute ist ein besonderer Tag. Statt ins Ruderboot steigen wir aufs Rad. Geplant ist eine mehrstündige Tour quer durchs Wendland. Ziel ist ein für diese Gegend typisches Runddorf mit dem bemerkenswerten Namen "Breese im Bruche". Das Dorf ist nach 20 km schnell erreicht und umrundet. Die alte Kirche können wir leider nur von außen betrachten. Für innen hätten wir einen Schlüssel gebraucht. Aber die Küsterin hat ihren freien Tag. Stattdessen versuchen wir die verwitterten Grabschriften zu entziffern. In Dannenberg unterbrechen wir unseren Ausflug, um eine spannend gestaltete Ausstellung über Frösche anzuschauen. Diese Ausstellung "Sei (k)ein Frosch" ist so genial, dass nicht nur die rudernden Lehrerinnen ihren Spaß daran haben. Am Abend sind wir uns einig: Hitzacker, Dannenberg und Breese im Bruche sind eine Fahrradtour wert.
Samstag, 29.6.02 von Hitzacker nach Lauenburg
Der Wind weht uns wieder mit unverminderter Kraft entgegen. Also ist es nichts mit gemütlichem Treibenlassen. Zum Mittagspicknick treffen wir uns in Bleckede. Die Pause haben wir uns jetzt auch verdient. Dann geht es weiter durch die Wellen, bis endlich die Eisenbahnbrücke von Lauenburg auftaucht. In der Marina machen wir die Barke fest und legen den Dreier an Land. Ein letztes Mal das große Gepäckgerödel. Dann geht es ins Fischerhaus zur Übernachtung.
Sonntag, 30.6.02
Heute steht ein Stadtrundgang in Lauenburg und Barke verladen auf dem Programm, bevor es wieder heimwärts geht.
Dank Reinhards gekonnter Rangiermanöver wird unser Gustav die fast zugewachsene Slip-Anlage der Marina heraufgezogen. Alles klappt wie am Schnürchen und wir können uns in Ruhe die schöne Altstadt von Lauenburg ansehen. Die Stadtführerin berichtet Interessantes aus alter und neuer Zeit. Dann geht es zum Bahnhof und ab nach Bremen.
Heidegret Bosche
Anke Heitmann