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Bremer Ruder-Club "Hansa" (1879/83) e.V. |
Sie sind in diesem knappen Jahr eine richtige Werkstattehe eingegangen, der alte Klinkervierer aus Vegesack und Klaus Ahrens. Die Beziehung war ja von Anfang an für unseren Klaus eine echte Herausforderung, auch wenn zunächst alles ganz harmonisch begann. Aber das Maß an Zuwendung, das der Vierer verlangte, hatte Klaus sich denn doch wohl nicht vorgestellt. Der Klinkervierer stellte seine Gutwilligkeit, sein Improvisationstalent, sein fachliches Können und seine Ausdauer auf eine harte Probe. Schließlich haben Mitglieder der Altherren-Arbeitsgruppe vermittelnd und unterstützend eingegriffen und die eine oder andere Stunde eine der vielen Lackschichten vom Boot und aus den letzten Winkeln seines Rumpfes gekratzt.
Aber allein viele hundert Arbeitsstunden aufzuwenden, um aus einem betagten Klinkervierer mit etlichen Alterserscheinungen wieder ein richtiges Schmuckstück zu machen, ist denn doch eine bewundernswerte Leistung, nicht nur in puncto Ausdauer, sondern auch an handwerklichem, bootsbauerischem Geschick! So hatten wir schließlich am 22.08.02 das Glück, ein wirkliches Meisterstück taufen zu können. Der Name "Klaus" ist selbstverständlicher Dank und verdiente Anerkennung für unseren Klaus und seinen außergewöhnlichen Einsatz im Interesse der HANSA.
In ihrer Taufrede ging unsere 1. Vorsitzende Ute Kolb auch auf den Werdegang des Täuflings ein:
Er mutet fast wie in einem Märchen an -
Es war einmal .....eine besondere Geburtstagsfeier in unserem Bootshaus vor langer Zeit - nämlich im vergangenen Jahrhundert anno 1993. Es war eine Feier, die nicht nur der Geselligkeit in eigenen Reihen, sondern auch mit Kameraden aus dem Norden unserer Stadt dienlich war. Diese Feier war Anlass, eine Handlung vorzunehmen, deren Folgen gar nicht vorhersehbar sein konnten. Stand da wohl die Feierstimmung Pate?
Wir hatten zu diesem Zeitpunkt gerade ein altes Klinkerboot in Betrieb genommen, welches von einem Ruderkameraden aufs feinste herausgeputzt worden war - die Ise. Nun lag im Vegesacker Ruderverein ein ähnlich gebauter Vierer, der dort keine Verwendung mehr fand. Unser allseits bekannter Ruderkamerad aus Vegesack, Bimbo, kam auf die famose Idee, uns dieses Boot zu einem moderaten Kaufpreis anzubieten. Was passierte? "Hansa"-Leute wie Uwe, Andreas, Heinz schnappten sich einen Hut und sammelten den geforderten Kaufpreis in der Geburtstagsrunde. Das Boot wechselte die Bootshäuser - und ja, leider geschah dann nicht das, was ursprünglich Vorstellung war. Der Vierer fristete auch bei uns viele Jahre sein Dasein auf dem höchsten Lager in der Bootshalle. Schade um den Klinker-Vierer.
Aber irgendwann nahm die ursprüngliche Idee wieder Gestalt an, das Boot aus seiner recht ausweglosen Lage zu befreien. Klaus Ahrens ließ sich eines schönen Tages im Herbst 2001 das Boot in die Werkstatt bringen. Er sah mit Sicherheit sofort, dass eine einfache Überholung nicht ausreichte. Ob Klaus allerdings im entferntesten ahnte, auf was er sich dabei eingelassen hatte, bezweifele ich. Aber einmal begonnen, packte ihn die Sucht, dieses Werk zu beenden.
Um uns überhaupt einmal klar zu machen, um welchem Umfang es sich dabei gehandelt hat, gebe ich einige Informationen aus dem Arbeitsleben einerseits von Klaus, andererseits dem Entstehungsweg des Bootes wieder:
Baujahr des Bootes ist 1955. Es wurde auf der Werft Abeking und Asmussen in Lemwerder gebaut. Es ist ein aus Zedrela gebauter Klinker-Vierer, bestehend aus 14 Planken. Es misst 11 m, ist 0,798 m breit und wiegt 107 kg.
Klaus investierte über 1.000 Arbeitsstunden, meistens im Alleingang, oft unterstützt vom Werkstattteam. Der Bootskörper wurde 4-5-mal außen und innen abgezogen und ebenso oft lackiert. 9 m neue Planken, 6 neue Bodenspanten, alle Rollschienen, 16 Auslegerkeile und die Kielleiste mussten eingebaut werden. Klaus fertigte alle Stemmbretter neu an (die alten waren von eifrigen Vegesacker Ruderern und Ruderinnen durchgetreten) und sanierte die Steuerleutelehne.
Ute Kolb beendete ihre Taufrede mit dem Dank an Klaus Ahrens für seinen enormen Einsatz. Dabei dachte sie auch an seine Frau Anneliese, die während der Renovierungszeit viel Verständnis für den ständigen Aufenthalt ihres Mannes im Bootshaus aufbringen musste.
Schließlich taufte Anke Heitmann das neue alte Boot, wünschte ihm stets eine freundliche Mannschaft, allzeit gute Fahrt und immer eine handbreit Wasser unterm Kiel.
Und als ich den Vierer bei der Taufe eitel glänzend vor der Bootshalle in der Sonne liegen sah und sein Restaurator freundlich lächelnd in der Nähe stand, schienen die Mühen vergessen und die Welt zwischen Klaus und Klaus wieder in Ordnung zu sein.
Jürgen Keunecke
Der Mensch wird geboren, ist fast immer da mit allem Zubehör.
Ein Boot wird gebaut, wie der Mensch, nur meistens in etwas kürzerer Zeit und hat auch meistens verschiedene Formen, wie der Mensch.
Die Menschen freuen sich ungeheuer über die Ankunft des Nachwuchses und machen meistens ein großes Palaver in der Verwandtschaft und verkünden das Ereignis sogar in der Zeitung, damit es alle wissen sollen. - Dann wird getauft, festlich natürlich!
Das neue Boot wird allen Interessierten und zukünftigen Nutzern vorgestellt und dann auch getauft - nachdem von einigen schon die ersten Einwände laut geworden sind. Es kommt von der falschen Werft, ist immer zu schwer, könnte mit einer anderen Form viel besser laufen, es ist aus dem falschen Material gefertigt und überhaupt ganz falsch geriggert usw. usw. Aber weil es neu ist, wird es trotzdem mit Freude angenommen und natürlich geliebt!
Der neue Mensch wird geliebt und gehätschelt und sooo zart behandelt, es darf ihm doch nichts zustoßen!
Auch das neue Boot wird gehätschelt - außer, einer vergisst z.B., auf dem Anleger - natürlich überhaupt nicht aus Bosheit - das Ding auf dem Kiel zu halten. Dann ist, wenn es gut geht, nur eine Schramme drin. So ein Pech - oder kein Wille zur Konzentration???
Der Mensch wird älter. Die ersten Macken treten auf. Die Zähne fallen aus, es kommen aber ganz ohne Hilfe neue. Bekommt er eine Erkältung, wandert er garantiert ins Bett und muss sich auskurieren. Zwackt der Blinddarm und die besorgten Eltern passen auf, geht es ohne lange Überlegung ab ins Krankenhaus und wird repariert.
Das Boot wird auch älter. Kleine oder größere Macken treten auf. Die Zweifel entstehen: Sollen wir den Schaden gleich bekannt geben oder lieber warten, weil wir das Boot morgen und am Wochenende doch noch unbedingt fahren wollen. Wir wissen zwar, dass der Schaden dann schnell größer wird, aber das Boot wird schon noch halten. Zum ersten Mal muss es dann leiden, wie das Kind im Krankenhaus. Nur mehr, weil es zu spät repariert wird!
Die Jahre ziehen ins Land. Aus dem Kind wird ein Erwachsener. Mit dreißig Jahren, meist auch schon früher, sind oft Weisheit und Kraft zum Rudern entstanden. Meistens auch Verantwortungsbewusstsein für Gemeinschaftseigentum und das wirkt sich dann enorm auf die gute Behandlung unserer Boote aus.
Ein Boot aus Kunststoff wird in dem Alter nicht mehr gern benutzt! Es ist einfach zu alt, die Dollen hängen, wenn sie nicht nachgearbeitet werden, "im Keller", es ist weich geworden usw. Oft entsteht der Beschluss: Das Boot muss weg!!
Ein Boot aus Holz liegt vor euch. Es war schon einmal zu alt, war die Meinung! Dann lag es bei uns in der Halle ganz oben und die Scheu, es zu überholen, war riesig!!!
Ein Bootsbauer kam und entdeckte das Boot. - Spontaner Ausruf: Welch ein Schatz liegt da in Ihrer Halle!
Und das war der Anfang eines lang anhaltenden Werkstattaufenthaltes.
Klaus Ahrens