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Donaufahrt der 1. Bremer Barkenbruderschaft

Es war warm geworden. 27° C zeigt das Thermometer am Mittwoch, den 5. Juni 2002. Es war das richtige Wetter, um die Verladung der Barke "Gustav" und des Doppelzweiers "Aller" zu einer lustigen Angelegenheit werden zu lassen.

Donnerstagmorgen, und nicht wie geplant Freitag, machten sich sechs Barkenbrüder auf den Weg, um die gute Barke "Gustav" sicher zur blauen Donau zu bringen. Um "Gustav" diese lange, ermüdende Strecke nicht in einem Stück zuzumuten, haben wir kurzfristig die Hinfahrt auf zwei Tage verteilt.

Bis zu der sehenswerten Stadt Bamberg waren wir am ersten Tag in der Lage, das Gaspedal zu treten, dann benötigten wir eine Übernachtungsmöglichkeit. Nach kurzem Suchen beherbergte uns das historische Gasthaus "Zum Goldenen Anker". In dem Gebäude fand ich mich am Abend in einem riesigen Vierbett-Zimmer mit imposanter Stuckdecke wieder. Ich hatte das Bedürfnis, tief unter die Bettdecke zu kriechen. Konnte man einer überladenen Stuckdecke aus dem Jahre 1550 trauen? Ein ausgiebiger Stadtrundgang und gewöhnungsbedürftiges Rauchbier ließen mich jedoch bald in den verdienten Schlaf fallen. Selbst das mannhafte kräftige Schnarchen eines lieben Barkenbruders konnte mich am ersten Abend nicht am Schlaf hindern.

Am Freitagmorgen machten wir uns gut gelaunt auf die Autobahn. Über Passau ging die Fahrt bis nach Obernzell. Dort im Segelhafen sollte Gustav in sein Element - in die blaue Donau - gelassen werden. Ein bayrisches Unwetter färbte jedoch Himmel und Donau mit grauer Farbe und "Gustav" wurde nicht nur von unten nass... Ob "Gustav" Freudentränen vergossen hat, da er das Bootslager mit dem Donaubett tauschen konnte, war bei den Wetterverhältnissen nicht auszumachen.

Der Abend im Hotel in Passau sah etliche lachende Gesichter, da alle im Barkenanzug eine gute Figur machten und sich alle 14 teilnehmenden Barkenbrüder freudig begrüßen konnten. Besonders herzlich wurden die auswärtigen Barkenbrüder begrüßt. Es wurde viel gelacht, viele Geschichten wurden erzählt und Informationen getauscht. Natürlich wurde gut gegessen und einiges getrunken. Unser Barkenkapitän Tilo hatte nach seinen begrüßenden und gute Laune stiftenden Worten seinen gläsernen, leeren und nach Getränken fordernden Pokal auf den Tisch gestellt. Der Andrang der freigebigen Spender, den Pokal mit gutem Wein zu füllen, war beachtlich. Es wurden viele Gründe gefunden, die zu einer Runde führten. Sogar ein falsches Outfit des Barkenanzugs, wie eine falsche Krawatte, füllte den Pokal. Der Barkenkapitän sorgte mit seinem Vorschlag, dass eine Runde auf zwei Spender verteilt werden konnte, auf Zustimmung und Kostenteilung und wohl letztlich für noch mehr Pokalfüllungen. Außerdem sorgte der Barkenkapitän dafür, dass kräftig aus unseren Liederbüchern gesungen wurde und wir damit einen guten Eindruck im Hotel errangen.

Am nächsten Morgen ließen wir uns bei strahlendem Wetter von Passau bei einem Rundgang durch den Altstadtteil beeindrucken. Frühzeitig waren wir im Dom zum Plätzesichern, um entspannt der größten Orgel der Welt zu lauschen.

Anschließend wurde die Mannschaft vom Service nach Obernzell gefahren. Hier wartete "Gustav" bereits sehnsüchtig auf uns. Endlich ging es in die Boote und Donau abwärts. Kräftige Ruderschläge und eine kräftige Strömung brachten uns termingerecht zur ersten Schleuse. In der langen Schleuse Jochenstein kam sich "Gustav" doch recht verloren vor, insbesondere, als wir zwölf Meter tiefer heruntergelassen wurden.

Die Donau zeigt sich auf dieser Strecke schon recht malerisch und das sollte sich noch steigern. Unser Ziel war die berühmte Donauschlinge bei Schlögen mit gleichnamigem Hotel.

Nach 25 km Ruderbetrieb benötigten alle ein ordentliches Abendessen an der frischen Luft mit untergehender Sonne. Mit aufkommender Dunkelheit kamen die Kräfte zurück, um das programmgemäße Kegeln zu absolvieren. Unser Zeremonienmeister Günter hatte für den besten Kegler sogar eine Schärpe "Das blaue Band der Donau 02" gebastelt und verliehen.

Hier sei schon einmal bemerkt: Unser Zeremonienmeister hat eine ausgesprochen gute und lobenswerte Organisation der gesamten Donautour gestaltet.

Der Sonntagmorgen sah Ruderer bei ungewohnter Tätigkeit. Sie wanderten und wagten den Aufstieg zum Schlögener Blick. Die, die dort oben ankamen, wurden mit einer Postkartenansicht der Donauschleife belohnt.

Ein winziger kleiner Segelhafen in Brandstadt, 30 km Donau abwärts, war das nächste Ziel. Dabei war die Schleuse Aschach nur zu festen Schleusenzeiten zu passieren, d.h. strammes Rudern, um die Zeit einzuhalten. Liebevoll hatte die Ehefrau eines Barkenbruders einen Kuchen gebacken. Den in der Schleuse zu vertilgen, war eine gute Idee des Services. Leider stand der Kuchen noch im Auto des Barkenbruders in Passau. Somit hatte der Service eine Aufgabe. Der Kuchen hat gut gemundet.

Das Wetter ließ abends nur einen kleinen Rundgang durch Aschach zu und somit bestand anschließend Gelegenheit, dass Manni einige Filme vergangener Barkenfahrten vorführen konnte. Ein Abend freudiger Erinnerungen.

Am frühen Morgen, beim allgemeinen Gewusel in der Barke zum Startklarmachen, legte ein eifriger Barkenbruder alle Pinsel in die falsch ausgerichteten Dollen. Großes Geschrei und Aufforderung zur Notiz auf der Rundenliste waren die Folge. Ich glaube, mit der Bemerkung: "Die Dollen sind richtig, das Boot liegt falsch herum!" kam kein Eintrag zustande.

Eine längere Strecke von ca. 40 km und zwei Schleusen sollten an diesem Tag bewältigt werden. Die Besichtigung der Bootswerft Schellenbacher fiel daher ein bisschen knapp aus. Trotzdem konnten wir Interessantes über Bootsbau erleben und Herrn Schellenbacher, einen erfahrenen Bootsbauer mit viel Liebe zu Holz und Ruderbooten, kennen lernen.

Nachmittags wurde der Ruderanzug feucht vom gelegentlichen Nieselregen und von der anstrengenden Ruderarbeit, die uns von dem grünen Licht der Schleuse kilometerweit sichtbar aufgezwungen wurde, um noch rechtzeitig die Schleuse zu erreichen. Erholung fanden wir abends in der Kneipe "Zum Schlägl Wirt Otto" in Linz. Der schräge Wirt Otto und natürlich wir selbst sorgten für eine fröhliche Stimmung. Unsere gekonnt vorgetragenen Lieder und Sprüche brachten uns den tosenden Applaus der anwesenden Gäste ein.

Der nächste Tag begrüßte uns wieder mit strahlendem Sonnenschein. Über das Wetter ist bis zum Ende der Fahrt kein Wort mehr nötig, denn die Sonne schien von nun an jeden Tag auf uns herab.

Der Tag begann mit der Fahrt in der historischen Pöstlingbergbahn, die uns auf eine Anhöhe mit einem prächtigen Rundblick über die Stadt Linz brachte. Bei der Rückfahrt erhielten wir einen Gratisvortrag über Barkenfahrten. Ein Barkenbruder erklärte einigen Damen die Vorzüge und Schönheiten dieser Fahrten, nachdem er eine vertraute liebliche Mundart (sächsisch) vernahm. Ob auch Frauen unter den Barkenbrüdern seien, wollten die wissbegierigen Damen wissen. Unser Barkenbruder wollte wohl das Wort "Barkenhexe" gegenüber den Damen nicht in den Mund nehmen. Er erklärte, dass die Frauen in den Barken "Barkenziegen" hießen. Ich frage mich noch heute: Hexe oder Ziege, was klingt besser? Dass ein Kielschwein ein "nutzloser Gast" sein soll, rundete den Vortrag noch ab.

Der weitere Tag sah uns bei einer Rundfahrt durch Linz, faulem Sitzen im Café am Marktplatz, geruhsamem Rudern in der Barke, genüsslichem Essen und Trinken in der treibenden Barke.

Vom Boot aus konnten wir erleben, wie gefährlich Radfahren sein kann. Ein Radfahrer stürzte schwer auf den Radweg. Per Handy konnte vom Boot aus die nötige Hilfe geholt werden.

Noch eine Episode zum Thema "Kommunikation". Der Zeremonienmeister hatte gut vorgesorgt. Telefonlisten der Handys lagen in jedem Boot, in den Autos und im Gepäck. Der Zweier und die Barke hatten sich aus den Augen verloren. Nummer zwei im Zweier "Aller" benötigte irgendeine Instruktion aus der Barke. Per Handy sollte die Verbindung zur Barke aufgenommen werden. Aber die ersten vier Anrufe landeten auf unbeaufsichtigten Handys. Der fünfte Anruf erreichte endlich einen Teilnehmer. Nummer zwei gab eine kurze Lagebeschreibung des Standortes. Diese wurde vom Teilnehmer bestätigt und ebenfalls beschrieben. Nummer zwei war erstaunt und musste erkennen, dass Nummer eins im gleichen Boot am anderen Ende der Leitung saß.

Das Ende der Tagesfahrt war der Liegeplatz in Altarm nach der Schleuse Wallsee. Der Service fuhr die Mannschaft in das gute Hotel Traube im malerischen Grein.

Der Donauengpass Hößgang bei dem kleinen Orte Struden sollte am Mittwochmorgen von Land aus besichtigt werden. Angeblich der reizvollste Flecken an der Donau und natürlich die gefährlichste Stromschnelle, durch die wir nachmittags hindurch rudern sollten, mussten in Augenschein genommen werden.

Im Schloss Greinburg mit Schifffahrtsmuseum wurde die Ausstellung "Leben und Arbeiten am Fluss" der vergangenen Jahrhunderte gezeigt. Das Leben in der Barke fiel uns nach den Bildern aus dem Museum plötzlich sehr leicht, zumal die heutige Zeit das Rudern im Viererpack zuließ, d.h. erst rudern die vorderen vier und dann die hinteren vier.

Bergfest war an diesem Mittwochabend angesagt. Alle erschienen im vorgeschriebenen Anzug. Die falsche Krawatte des ersten Abends wurde durch eine richtige ersetzt. Per Post befreite die liebe Ehefrau den betroffenen Barkenbruder von einer erneuten Runde. Es war wie immer ein fröhlicher Abend: Verdiente und Mehrfach-Barkenfahrer wurden geehrt, die Novizen durften sich einmal zu Wort melden, die Rundenlisten abgearbeitet, Pläne für die nächsten Tage geschmiedet, Lieder gesungen und der Weinpokal geleert. Weiteres Bemerkenswertes des Abends ist jedoch bei mir in eine unaufgeräumte Schublade gekommen und kann nicht näher erläutert werden.

Die Route am Donnerstag brachte uns nach Melk. Es war eine flotte Fahrt mit starkem Rückenwind und lachender Sonne. Bei unserem Erscheinen öffnete sich die riesige Schleuse sofort. Der Service brachte die Mannschaft sicher zum nächsten guten Hotel. Die Stadt Melk erkundeten wir bei einem gemächlichen Rundgang. Dieser wurde unter den Hotelarkaden an dem warmen Sommerabend gemütlich beendet.

Die einzige kleine Aufregung des Tages ergab sich aus der Nachricht aus dem Hotel der letzten Nacht. Ein weißes Hemd mit viel Geld in der Brusttasche sei gefunden worden. Der Service hatte eine Aufgabe, denn ein Barkenanzug ohne weißes Hemd ist unzumutbar. Der betroffene Barkenbruder hatte das Fehlen seines Hemdes allerdings noch gar nicht bemerkt.

Freitag war der Besichtigungstag. Das Kloster Melk mit Ausstellung, Bibliothek und Kirche wurden uns auf nette Weise dargebracht. Die Burgruine Aggstein mit herrlichem Blick über das Donautal wurde von den Barkenbrüdern besichtigt. Der Rundgang durch Krems und Stein mit einer Pause auf den Bänken unter stark duftenden Linden wird sicherlich unvergessen bleiben.

Ebenso die abendliche reichliche Weinprobe in Dürnstein mit einem Vortrag über den Weinanbau in der Wachau vom Schuldirektor unter einem riesigen Kirschbaum in lauschiger Sommernacht. Es wurde bis spät in die Nacht hinein gefeiert. Beim Verlassen des Weinlokals höre ich noch die Bemerkung: "Wir haben das Lokal wieder leer gekriegt…"

Am Sonnabend sollte die letzte Etappe von 34 km bis Krems bewältigt werden. Die gewaltige Strömung bewältigte dies jedoch weitgehend für uns. Wir hatten Zeit und Muße, die vorbeiziehende Landschaft der Wachau vom Boot aus zu genießen.

Erhöhte Temperatur erreichten einige Barkenbrüder nur durch die Handy-Nachricht, dass Deutschland während der Fußballweltmeisterschaft 1:0 gegen die USA gewonnen hat.

In Krems war leider die wunderschöne Fahrt auf der schönen blauen Donau zu Ende. Übrigens, nie habe ich eine blaue Donau gesehen. Woher kommt nur dieser Begriff?

Viel Zeit für wehmütige Gedanken blieb nicht. Die Boote mussten verladen werden und die lange Fahrt über Passau bis nach Büchelberg zur Übernachtung stand uns bevor. Spät am Abend kamen wir dort an. Die Nacht war kurz. Ein gewaltiges Gewitter, die Feuersirene und heulende Feuerwehren holten uns aus dem Schlaf. Um fünf Uhr war Weckzeit und kurz darauf die Fahrt nach Bremen mit den kostbaren Booten im Schlepp, die uns auf der Donau gute Dienste geleistet hatten.

Leicht gerädert sah uns Bremen am Abend wieder. Die Donaufahrt war wesentlich angenehmer, denn auf dem Wasser gab es keine stundenlangen Staus.

Zum Schluss noch einen riesigen Dank an die Organisation und die Verantwortlichen. Es war meine erste Barkenfahrt, von der ich glaube, dass zukünftige Fahrten an Kameradschaft, Gestaltung, Wetter und Spaß nicht übertroffen werden können. Trotzdem warte ich gespannt auf die nächste, an der hoffentlich alle Barkenbrüder gesund und bei Kräften teilnehmen können.

Peter Tietjen

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