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Bremer Ruder-Club "Hansa" (1879/83) e.V. |
Donnerstag, 09.05.02
Frank, Ulrich, Martin und Klaus waren schon am Vortag mit dem Bootshänger nach Roßleben gefahren. Während Martin sich als (einziger anwesender) Nichtvater bereit erklärt hat, den Hänger nach Magdeburg zu bringen, unternahmen die drei Väter eine Rudertour flussaufwärts. Nachmittags trafen Hülse und Olaf per Zug ein, Wilfried konnte wegen einer Feier erst in Merseburg zur Gruppe stoßen. Der Tag endete auf dem Feldherrenhügel, geräuschvoll und hart an der Schmerzgrenze untermalt von einer Seniorendisco. (Olaf Köhn)
Freitag, 10.05.02
Der erste offizielle Tag der Wanderfahrt beginnt bei sonnigem Wetter in Roßleben. Mit guter Strömung rudern wir auf der Unstrut. Der Fluss fließt durch Baumalleen und vorbei an ins Wasser herabhängenden Bäumen durch die Thüringer Burgenlandschaft. Nachdem wir die fünf Schleusen des ersten Tages passiert haben, gibt es eine verdiente Pause auf der Terrasse des Brauhauses Bürgmühle in Freyburg. Kurz vor Naumburg, unserem Tagesziel, fällt bei der Einfahrt in die Saale beinahe der Flaggenstock der ALL TO HOOP dem Zugseil einer Gierseilfähre zum Opfer.
Der Abend klingt nach einer Stadtbesichtigung der sehenswerten Altstadt von Naumburg im Ratskeller der Stadt aus.
Die Nacht verbringen wir in Gesellschaft einer Ameisenkolonie im Aufenthaltsraum des Naumburger RC Rot-Weiß. (Ulrich Krüger)
Sonnabend, 11.05.02
Um 9:15 Uhr sind wir fast planmäßig auf dem Wasser. Eine Strecke von 47 km liegt vor uns. Nach der vierten Schleuse bessern Klaus und Hülse die Proviantlage durch Großeinkauf auf, der Rest vergnügt sich im Biergarten bzw. am Ufer. Weitere drei Schleusen werden noch bis zum Ziel bewältigt.
Abends gestalten wir die mittlerweile reglementierte Kultourzeit in Merseburg mit Besichtigung von Schloss und Schlosskirche. (Frank Brand)
Sonntag, 12.05.02
Am Muttertag nahmen wir um 8 Uhr ein ausgiebiges Frühstück bei der Merseburger Rudergesellschaft zu uns, welches neben Wurstsalat auch Rollmöpse vorhielt. Um 10 Uhr ging es bei leichtem Nieselregen auf die 22 km kurze Tagesetappe, unterbrochen von 4 Schleusen. Auf dem Anleger hatten wir mittags viel Zeit für eine Siesta.
Vom späten Nachmittag an besichtigten wir die Altstadt von Halle, welche neben der Stadtkirche und dem Händel-Denkmal viele bereits restaurierte Häuser aus der Gründerzeit vorhielt. Die Architektur wies stärkste Kontraste auf, denn neben den Gründerzeit-Häusern standen noch Kriegsruinen und Plattenbauten.
Den Abend ließen wir in einer hübschen Pizzeria in der ansehnlichen Altstadt bei Wein und Bier ausklingen, bevor wir per Straßenbahn in unseren beengten "Damenumkleideraum" zurückfuhren. (Joachim Hülsmann)
Montag, 13.05.02
Ruderischer Höhepunkt der heutigen 53-km Etappe war die einzige Begegnung mit einem Binnenschiff auf der Saale.
In Bernburg übernachteten wir im Aufenthaltsraum des örtlichen Ruderclubs in einem belebten, sehr gepflegten Bootshaus. Der Rundgang durch die Oberstadt endete bei italienischem Essen, der anschließende Bummel durch die Unterstadt endete bei tschechischem Bier in einer Studentenkneipe im Klostergewölbe. (Olaf Köhn)
Dienstag, 14.05.02
Die heute erstmals auf uns lauernden Geierfähren konnten nicht verhindern, dass wir nach 69 Kilometern und den letzten beiden Saale-Schleusen sicher den Magdeburger Ruderclub erreichten. Die Landschaft wurde flacher und weitete sich beim Erreichen der Elbe. Mittagspause war auf einer Buhne mit Sandstrand bei Elbkilometer 300 (Eisvogel) oder in Schönebeck (ATH).
Für Klaus und Ulrich war dies die letzte Etappe. Sie wurden für den Rest der Fahrt von Sabine und Kai abgelöst. (Olaf Köhn)
Mittwoch, 15.05.02
Zum Frühstück unter einem schattenspendenden Zeltdach brachte unser Gastgeber Torsten vom Magdeburger Ruderclub Brötchen mit. Bei der anschließenden Stadtführung widerlegte bereits der Gang durch den schönen Rotehorn-Park alle vorgefassten Meinungen über die angebliche Tristesse der Stadt. Torsten, vor einiger Zeit an archäologischen Ausgrabungen beteiligt, berichtete lebendig und spannend aus der Stadtgeschichte. Die Verbindung von Stadt und der oftmals ihren Lauf ändernden Elbe, die Nachbarschaft von Franken und Slawen, das ottonische Kaiserhaus, das Erzbistum, der Dreißigjährige Krieg, das alles ließ sich bei einem Gang durch die Stadt und vor allem bei der Dombesichtigung bestens nachvollziehen. Großzügige Boulevards aus der Gründerzeit rund um den Hesselbachplatz vermittelten ein urbanes Flair, wie es im doppelt so großen Bremen nicht anzutreffen ist. (Martin Kühn)
Donnerstag, 16.05.02
Am Donnerstag brachte uns Frank Brand mit dem Auto von Bremen nach Magdeburg. Einen besseren Landdienst hätten wir uns nicht wünschen können. Schnell waren die Boote beladen und wir konnten eine der längsten Etappen in Angriff nehmen. Schnell lag Magdeburg hinter uns und wir waren umgeben von den Elbauen mit seiner Vogelvielfalt. An einem schönen Sandstrand stärkten wir uns bei leckerem selbstgebackenen Kuchen (Sabine sei Dank) und erfrischten uns bei Alsterwasser. Tangermünde hatte zwar ein kleines Bootshaus, dafür hatte der Ort einiges zu bieten. Nach 35 Minuten Kultur besuchten wir einen örtlichen Gastronomen und ließen uns verwöhnen. Ein erlebnisreicher Tag mit viel Wind neigte sich dem Ende zu. (Kai Basedow)
Freitag, 17. 05. 2002
Wir starten in Tangermünde bei strahlendem Sonnenschein, ausgerüstet mit von Olaf sorgfältig zubereiteten hartgekochten Eiern.
Unterwegs kommt heftiger Gegenwind auf, der unser 66 Kilometer entferntes Tagesziel in weite Ferne rücken lässt. Schließlich wird die ATH zum ungesteuerten Vierer umgebaut, damit wir etwas besser vorankommen.
Die Berufsschifffahrt beschränkt sich zwar auf nur ein Bockschiff, dennoch müssen die Steuerleute Martin und Frank angesichts der Strömung, der vielen Buhnen und der widrigen Witterung konzentriert ihre Arbeit verrichten. Hin und wieder wird bei der heutigen anstrengenden Etappe das Auge erfreut durch die nahezu perfekte einheitliche Ruderbekleidung der "Eisvogel"-Besatzung. Bei der späten Mittagspause am Elbstrand sieht man hie und da denn auch sonst voller Tatendrang steckende Ruderer ermattet vor sich hin dösen.
Gegen 18:15 Uhr erreichen wir nach einer nicht enden wollenden Hafeneinfahrt den Wassersportverein Wittenberge, eingewiesen durch aufmerksame Angler. Die freundlichen und hilfsbereiten Pächter servieren uns Bratkartoffeln mit Spiegelei oder "Kammschnitte", so dass die Lebensgeister für den obligatorischen Stadtspaziergang wieder geweckt werden. (Sabine Junker)
Sonnabend, 18.05.02
Nach einem üppigen Frühstück im Bootshaus Wittenberge sowie einer Standpauke eines Motorbootfahrers über einen ausgeliehenen Fender verließen wir den Hafen in die Stromelbe. Die Fahrt überstanden wir dank einer üblichen Mittagspause. Nach 51 km erreichten wir Dömitz. Da die für die Übernachtung geplante Pension einen Wasserausfall hatte, kommen wir im Scheunencafé bei einem singenden Architekten unter. Dank Martins Ansage "Wir müssen noch die Stadt sowie die Festung besichtigen!" wurde Frank von seinen Sangesleistungen freigekauft. Dafür durfte Frank - er gilt als ungefährlichster Tourteilnehmer - mit Sabine, scharf bewacht von drei anderen Ruderern, im Himmelbett übernachten. Sabine, gab's etwas, was den Wächtern entgangen ist? (Frank Brand)
Sonntag, 19.05.02
Unserem Gastwirt, dem singenden Architekten, gelang es beim Frühstück ebenso wenig wie bereits am Abend zuvor, unseren Fahrtenleiter und Berufskollegen Frank zu einem Gesangsduo zu überreden. Seine beharrliche Verweigerung (schade!) machte Frank mit einer Besichtigung des Tanzbodens wieder gut.
65 km von Dömitz nach Lauenburg lagen nun vor uns. Das Rudern war auf langen Geraden in gleichbleibend flacher Landschaft bei Gegenwind und bedecktem Himmel zunächst eine etwas eintönige Angelegenheit. Etwa auf Höhe von Hitzacker erfreut dann ein bewaldeter Bergrücken am linken Flussufer das Auge. Zur Mittagspause legten wir in einem Jachthafen, einem ehemaligen Kohlehafen der Hamburger Stromversorgung, an. Immer mehr Motorboote wühlten nun das Wasser auf.
In Lauenburg kamen wir in einer Turnhalle unter. Der Ruderverein feierte nämlich eine "Ü-30"-Fete. Das waren wir doch auch! Und so mischten wir uns mit unseren gesammelten Jahren unters Volk. (Martin Kühn)
Montag, 20.05.02
Nach einem Frühstück bei Nieselregen auf der Terrasse der RG Lauenburg begann die letzte Etappe. Nach 16 (von insgesamt 46) km wurde bei Sonnenschein die Schleuse Geesthacht passiert, die vorherige Schleuse (Calbe) lag 283 km zurück. Nach der Schleuse nervte starker Motorbootverkehr, der auf der Süderelbe wieder abnahm.
Die Wanderfahrt durch 7 Bundesländer endete nach 535,2 Flusskilometern und diversen Hafenfahrten am frühen Nachmittag auf dem Steg des Rudervereins Süderelbe in Harburg. Die Boote waren gerade gereinigt und auf dem Bootshänger, den Klaus auf dem Rückweg von Magdeburg hier abgestellt hatte, verladen, als Ulrich und Ubbo zum Abholen mit zwei PKW und einem zusätzlichen Hänger fürs Gepäck ankamen.
Ein Dank gilt Frank für die wieder einmal perfekte Organisation dieser Fahrt und allen anderen, die zum Gelingen der Fahrt beigetragen haben. (Olaf Köhn)