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"Hansa" (1879/83) e.V.

Hiddenseefahrt

Vier Ruderer der HANSA konnten der Verlockung einer Wochenendfahrt von Stralsund nach Vitte auf Hiddensee nicht widerstehen. Ihr Ausblick aus dem Bott sollte nicht - wie bei Flussruderern üblich - am Ufer enden, sondern über offenes Wasser bis an den Horizont schweifen.

Am Freitag, dem 21. Juni trafen wir im Stralsunder Ruderclub ein. Ein großes freudiges Hallo setzte bei der Begrüßung der Teilnehmer ein. Ich musste feststellen, dass die Mehrzahl sich bereits von vielen Wanderfahrten kannte.

Nach dem Abendessen im Bootshaus mit anschließendem Rundgang durch die sehenswerte Hansestadt Stralsund durften wir im Großraumschlafsaal auf der Luma Kräfte sammeln für die Fahrt am nächsten Tag.

20 Ruderer und Ruderinnen aus sieben Vereinen stärkten sich beim ausgiebigen Frühstück im Bootshaus für die 17. Fahrt nach Hiddensee, organisiert von Wolfgang Krutzke von der HSG Universität Rostock und Jens Krause und Hartmut Wohlert vom Stralsunder Ruderclub. Jens und Hartmut waren zugleich unsere Pfadfinder als Gewässerkundige.

Die Sonne schien, weiße Wolken schmückten den blauen Himmel und die Bucht vor dem Ruderclub war ruhig wie auf dem Ententeich. Nur die Spitzen der mächtigen Bäume rauschten mächtig im Wind. Rund 30 Kilometer Ruderstrecke lagen nun vor uns.

Aus sieben Booten schauten gutgelaunte Gesichter und freuten sich über die schöne Landschaft und den weiten Himmel. Das Rudern machte Freude, auch als das schützende Ufer zurücktrat und das tiefere Wasser uns mit kräftigen Wellen empfing. Etliche Duschen und einige Liter Wasser mussten wir über uns ergehen lassen, bis wir in flaches Wasser gelangten.

Bei der Fahrwassertonne 43 war Pause. Es ist schon beeindruckend, wenn im knietiefen Wasser wenige Meter neben der Fahrrinne die Ruderer neben ihren Booten stehen und ihre Mahlzeit zu sich nehmen und dabei von den vorbeifahrenden Schiffern begrüßt werden.

Gute Laune und gutes Wetter begleiteten uns auf dem Rest der Fahrt bis nach Vitte. Dort wurden die Schule belegt und die Lumas auf verschiedene Klassenräume verteilt.

Um einen kleinen Eindruck von der berühmten Insel zu erhalten und um die müden Beine zu schonen, hatte Wolfgang eine Kremserfahrt organisiert. Sie endete im Norden der Insel in einer Gastwirtschaft. Zurück sollte es jedoch zu Fuß gehen. Es sollte ca. 1½ Stunden dauern, bis wir unsere Schlafstätte wieder erreichten. Es war ein schöner Weg, denn wir erklommen den Hügel zum Leuchtturm und wurden abends um 22 Uhr (kürzeste Nacht des Jahres) mit einer wunderschönen Aussicht belohnt.

Am nächsten Morgen hatte der Wind noch mal aufgedreht. Nach unserem Räuberfrühstück ließen sich drei Ruderinnen von der Rückfahrt freistellen. Der Wind und die Erfahrungen des Vortages ließen ihnen die Überfahrt mit der Fähre angenehmer erscheinen.

Die Rückfahrt war bei ablandigem Wind ohne Wellen in sehr flachem Wasser etwas kräfteraubend. Die Sonne schien und mit guter Stimmung erreichten wir wieder Tonne 43. Das Essen wurde wieder stehend eingenommen. Die Fähre fuhr vorbei. Unsere drei Ruderinnen standen an der Reling und winkten. Wir winkten freudig und besonders kräftig zurück.

Die Fahrt ging weiter. Der Wind blieb kräftig. Wir hatten verabredet, im Flachwasser an der Kante zum tieferen Wasser so lange wie möglich zu bleiben. Das war ein ordentlicher Umweg. Aber auch der führte durch die Fahrrinne und durch tiefes Wasser nach Stralsund.

Nach einiger Zeit tauchte ein Zollschiff in der Ferne in der Fahrrinne auf. Es fuhr mit Blaulicht. Wir machten unsere Scherze. Später erschien noch ein kleiner Seenotrettungskreuzer.

Die Fahrrinne war erreicht. Die gedeckten Boote sind für dieses Wasser und diese Wellen besser geeignet als unsere Boote. Der Wind und die Wellen zeigten uns jedoch bald, wo die Grenzen für das Rudern sind. Nass und mit viel Wasser im Boot kämpften wir uns durch die wenigen Kilometer mit unfreundlichem Wasser. Durch den Wind und die unterschiedliche Besetzung der Boote verloren wir uns teilweise aus den Augen.

Nach und nach trafen die Boote hinter einer Landzunge im ruhigen flachen Wasser ein. Ein Boot tauchte nicht wieder auf. Nach längerem Warten erschien der Zollkreuzer in der Nähe unserer Liegestelle. Ein Boot ruderte zu dem Schiff. Wir erfuhren, dass der fehlende Zweier gekentert war. Das Seenotrettungsschiff hatte die drei Personen aufgenommen. Das Boot mit Gepäck war abgetrieben.

Niedergeschlagen und still ruderten wir die restlichen Kilometer zum Bootshaus. Die Schiffbrüchigen waren bereits dort. Wir erfuhren, dass eine Welle das Boot zweimal umgedreht hatte. Unser Vereinskamerad Henning schilderte uns seine bangen Eindrücke bis zum Zeitpunkt, als er aus dem kalten Wasser gezogen wurde. Wir waren dankbar für das Eintreffen der Rettungsschiffe. Dankbar müssen wir auch dem Kapitän der Fähre sein, der wir an der Tonne 43 wie verrückt zugewinkt hatten. Der Kapitän, so wurde mir zugetragen, hatte unser Winken als Hilferuf verstanden. Er hat die Schiffe zu Hilfe gerufen.

Meine Gedanken sind bei Wolfgang und den Stralsunder Ruderkameraden, die die Fahrt für uns mit viel Arbeit vorbereitet haben. Dass die 17. Fahrt so traurig enden musste, haben sie nicht verdient. Meine Gedanken sind aber auch bei der Überlegung, dass eine Vorbereitung auf unvorhergesehene Ereignisse und Unglücke - das gilt für alle und jede Wanderfahrt - zukünftig vorgenommen werden muss.

Peter Tietjen

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