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Bremer Ruder-Club "Hansa" (1879/83) e.V. |
Die diesjährige Trainingsverpflichtung fand am 21. März statt. Während Wolfgang Mocha die Begrüßungsworte sprach, stellte Andreas (Hermy) Möller anschließend die Aktiven vor. Zuvor servierten Herr Erbel und seine Mannschaft jedoch das traditionelle Gulaschgericht, zu dem zahlreiche Paten die Trainingsmannschaft eingeladen hatten.
Dann folgte:
1. Begrüßungsrede von Wolfgang Mocha
2. Vorstellung der Aktiven von Hermy Möller
Liebe Trainingsleute, Trainer, Ruderfreunde,
eine Antwort auf die berühmteste aller Fragen war ganz einfach. "Was ist der Mensch?", fragte Platon und gab die Ant-wort: "Ein aufrecht gehender Zweibeiner ohne Federn", worauf ihm Diogenes - das war der in der Tonne - ein gerupftes Huhn auf den Tisch legte.
Menschen verfügen zweifellos über viele Talente. Das Talent zur Selbstdarstellung und die Neigung zur Selbsttäuschung gehören auch dazu. Was aber ist der Mensch? Und jeder hier mag sich jetzt einmal die Fragen stellen: Was kann ich? Was kann ich nicht? Wo sind meine Grenzen? Was unterscheidet mich von anderen? Wer bin ich?
Ränder bilden Umrisslinien, Grenzen. Wenn das, was jeden Einzelnen hier im Raum ausmacht, wenn das durch die eigenen Grenzen bedingt ist, dann müssen wir diese Grenzen herausbekommen, um zu erfahren, wer wir sind.
Rudern ist ein besonders wirksames Mittel, Grenzen zu entdecken. Es befördert uns in jene Grauzone, wo die unscharfe Trennungslinie zwischen Können und Nichtkönnen verläuft, wo Sehnsüchte und Fähigkeiten aufeinander prallen. Jeder im Raum hat die Erfahrung seiner eigenen körperlichen und psychischen Limits wohl schon machen können, bei einem Ren-nen zum Beispiel oder einer total verregneten Wanderfahrt. Beim Rudern kann jeder für sich prüfen, wo seine eigene Leis-tungsfähigkeit endet, was er leisten kann, sieht auch, was andere können und welche Grenzen andere haben. Diese Erfah-rungen macht jeder für sich, wir machen sie aber auch gemeinsam und wissen: Gemeinsame Erfahrungen verbinden ebenso wie gemeinsame Schwächen uns zusammenkitten.
Jeder kann durch Üben seine Grenzen ausweiten, indem er sich bis zum Versagen seiner Kräfte anstrengt. Ohne Versagen kein Fortschritt. Nehmt einmal an, ihr zieht auf dem Ergo eine bestimmte Leistung. Wenn ihr es bei eurem Training dabei belasst, werdet ihr diese Kraft halten, sie aber nicht steigern. Erst eine höhere Wattzahl ist es, die euch voran bringt. Die Leistungssteigerung verlangt dem Körper mehr ab, als er eigentlich leisten kann. Sie verlangt, dass er sein Leistungsvermö-gen steigert. Wir zweifeln, dass wir eine höhere Wattzahl ziehen können, aber irgendwie schaffen wir es dann doch - die höhere Wattzahl zu ziehen ist ein Willensakt, der Grenzen verschiebt.
Seit vielen Jahren hat die Trainingsverpflichtung einen festen Platz im Terminkalender unseres Ruder-Clubs. Training und Verpflichtung werden hier jedes Jahr neu und auch heute wieder verknüpft und eingegangen. Wo Pflichten bestehen, gibt es auch Rechte, beide möglichst so ausgewogen wie eine Balkenwaage oder ein Boot, dessen Arme die Skulls sind. Wie sich ein Zuviel auf einer Seite auswirkt, kennt jeder hier, wer ist noch nicht gekentert?
Eure Grenzen herauszufinden und auszuweiten und dabei euer Bestes zu geben, dazu verpflichtet ihr euch heute öffentlich. Der Beifall im Anschluss an die Verpflichtung ist für euch so etwas wie ein gesellschaftlicher TÜV und bedeutet: So ist al-les in Ordnung. Nebenbei gesagt kannten schon die alten Griechen zur Vorbereitung auf die Festspiele in Olympia eine mehrmonatige Trainingsverpflichtung.
Damit jeder Einzelne von euch die Verpflichtung erfüllen kann, stellt der Ruder-Club alles, was dazu nötig ist: Ausbildung, Betreuung, Boote, Gerät und Material und organisiert Teilnahme an Trainingslagern, Regatten und Meisterschaften oder Wanderfahrten.
Daneben gibt es einen weiteren Pluspunkt für den Ruder-Club: Ihr seid nirgends besser aufgehoben als hier, seid unter Eu-resgleichen. Nirgendwo liegen Sieg und Niederlage so dicht beisammen wie hier. Die Auseinandersetzung damit prägt euer Leben und fördert die Entwicklung der eigenen Persönlichkeit.
Noch eine Bemerkung zur Angst vor einem Rennen: Ob Einer oder Achter, vor einem Rennen kommt sie jedes Mal auf, die Angst. Das muss auch so sein, die Evolution hat es so eingerichtet. Fehlt die Angst, fehlt es am Einsatz, und fehlender Einsatz und Zweifel können lähmen. Die Angst besteht dabei darin, am Ende als das gerupfte Huhn dazustehen. In der Gruppe aber können Angst und Krisen besser bestanden werden, sind Zweifel und Bedenken leichter abzuwehren. Die so-ziale Disziplin des Ruderns prämiert deshalb die Koordination; auf der Werteskala von Ruderteams rangiert Gemein-schaftsgeist höher als Individualität, allerdings wird durch Gemeinschaftsarbeit erst die Persönlichkeit gebildet und es ent-steht das, was mich dann ausmacht, die Antwort auf die Frage: Wer bin ich?
Wolfgang Mocha
Es werden sich heute 12 Jugendliche und 4 Kinder verpflichten, die Farben und die Gemeinschaft der Hansa im Jahre 2002 auf deutschen Regatten zu vertreten. Zudem verpflichtet sich noch Christiane Will aus der Ferne, für die Hansa auf nationalen und internationalen Regatten und, wenn die Saison so läuft, wie Christiane es sich vorstellt, auch auf den Weltmeisterschaften in Sevilla zu starten. Sie möchte uns mit Siegen in der Frauen-Riemenklasse erfreuen.
Mit Siegen unser Herz höher schlagen lassen möchten auch die folgenden Junioren und Kinder, wobei wir vom Vorstand gerne anmerken, dass uns eure Gemeinschaft und Zufriedenheit genauso am Herzen liegen wie Siege und wir uns auch über Platzierungen freuen werden.
Lars Thoben und Nico Bornitz, leichte Jun. A, fahren in diesem Jahr Zweier ohne und in Renngemeinschaft mit Oldenburg Vierer ohne. Ihr Ziel ist sicherlich die DJM und sie haben mit Philip und Simon Rode vom ORVO gute Partner hierfür gefunden.
Simon Langer, schwerer Jun. B, hätte im LRV-Pool starten sollen, hat aber in Bremen keine Partner. So startet er unter der Flagge des ORVO in diesem Jahr im Zweier ohne mit Mathias Lose. Im nächsten Jahr hofft Trainer Wolfgang zusammen mit Oldenburg einen sehr starken RGM-Zweier mit Simon bilden zu können. D.h. im nächsten Jahr startet Simon wieder für die Hansa.
Alle drei Junioren werden von Wolfgang betreut. Den hohen Fahraufwand nach Oldenburg nimmt er gerne auf sich, sieht er doch gute Chancen, in dieser guten Zusammenarbeit mit Oldenburg bis zu den Meisterschaften zu kommen.
Sonja Bremer trainiert nach einer kleinen Pause im letzten Jahr wieder mit voller Kraft und will im Jun. A Einer und zusammen mit Anja Nordmann auch im Doppelzweier versuchen, bis zu den DJM zu kommen. Die ersten Regatten werden den Weg weisen. Anja wird ebenfalls noch im Einer an den Start gehen.
Oscar Torney, Jun A, hat im letzten Jahr angefangen zu rudern, trainiert sehr fleißig und will im Einer und in RGM mit Martin Puntke von 82 im Doppelzweier starten. Für beide ist dieses ein Aufbaujahr. Wir sind gespannt, was dabei herauskommt.
Sonja, Anja und Oscar werden von Guido betreut.
Stefan Weger, der vom Verletzungspech gebeutelte schwere Jun B, startet im LSB Pool. So hat er in diesem Jahr die Chance, im schweren Achter, betreut von Carsten Hartung (82), zu starten. Dies verspricht ein ähnlich interessantes Projekt wie der Hansa-Achter im letzten Jahr zu werden und Carsten will auf Stefan nicht verzichten.
Sven Osmers hatte sich im letzten Jahr noch mit überraschenden Siegen im Einer hervortun können, möchte sich in diesem Jahr etwas zurückziehen und mit reduziertem Training in der 2. Wettkampfebene im schweren Jun A Einer tummeln.
Und dann haben wir noch einen Mädchen-Vierer. Kira Renzelmann, Ann-Kathrin Stensen, Kathrin Tussinger und Hanja Warnke fahren einen schweren Jun B Doppelvierer. In diesem Aufbaujahr starten sie unter der Flagge des LRV Pool, sind aber im Herzen volle Hanseaten und wollen unbedingt zusammenbleiben. Wir wünschen ihnen viel Erfolg beim Sammeln der ersten Regattaerfahrungen.
Stefan, Sven und die vier Mädchen werden von Andreas Liesenhoff trainiert.
Kommen wir jetzt zur Kinderabteilung. Hier haben wir zur Zeit noch 4 Betreuer: Dirk Guddat, Christian Walter, Veronica Henker und Alexander Möller. Aus der großen Zahl der Kinder und auch Jugendlichen, die von dieser Gruppe betreut werden, haben wir heute diejenigen eingeladen, die durch intensives Training in diesem Jahr auch auf Regatten starten wollen. Dies sind Katharina Brand - sie ist schon seit 4 Jahren bei Hansa - und Andrea Gerken. Andrea hat im letzten Jahr schon den Jun B Achter gesteuert und so Lust zum Selberrudern bekommen. Beide sind in ihrem letzten Kinderjahr und wollen Doppelzweier fahren. Ihre Trainer hoffen, mit ihnen bis zum Bundesentscheid zu kommen. Ebenso im Zweier und im Einer wollen Jasper Dunker und Pablo Fritsche an den Start gehen. Beide rudern auch schon seit 2 Jahren und haben im Winter Trainingseifer gezeigt. Wir werden die ersten Regattaergebnisse mit Spannung erwarten.
Allen Betreuern und Trainierenden wünschen wir viel Erfolg und verpflichten sie für die Saison 2002 mit einem dreifachen Hipphipphurra.
Andreas Möller