|
|
Bremer Ruder-Club "Hansa" (1879/83) e.V. |
Aufregung, große Aufregung herrschte nach der Probefahrt mit dem neuen namenlosen C-Gig-Achter.
Aber der Reihe nach.
Nach meinem Urlaub erhielt ich die Nachricht: Am Donnerstag, den 4. April treffen sich die Altherren (AH) um 17.30 Uhr im Ruderclub zum Rudern auf der Weser. Endlich wieder an die Luft! Kein Quälraum- oder Lehrbecken mehr!
Schon früh war ich am Donnerstag im Club. Meine Freude wurde noch größer, als ich erfuhr, dass der neue Achter zur Probefahrt ins Wasser gelassen werden würde.
Leider bekam meine Spannung einen Dämpfer. Die Altherren haben ein gutes Informationssystem. Es waren plötzlich Männer für zwei Achter anwesend. Also musste John mit seiner unnachahmlichen Einteilungssystematik eingreifen. Ich frage mich immer wieder: Wie macht das der Mann? Hat er so eine Lottotrommel mit den Namen auf den jeweiligen Kugeln im Kopf?! Oder mischt er heimlich die Karten der Ruderwilligen?
Das Schicksal hatte mich nicht für den neuen Achter vorgesehen. Max, der Hauptsponsor des neuen Achters, hatte da mehr Glück. Zufällig hatte ihn die "Lostrommel" für den Achter eingeteilt.
Meine Mannschaft ging nach dem unbenutzten namenlosen Achter zu Wasser und vor diesem wieder heraus.
Die Herren im neuen Achter genossen die Fahrt scheinbar ausgiebig.
Wo bleibt nun die erwähnte Aufregung? Es verhielt sich so: Ich kam "frisch gestrichen" aus dem Umkleideraum und sah etliche AH um den neuen Achter versammelt, der wieder friedlich in seinem Regal lag. Die AH zeigten sich irgendwie erregt, erhitzt und gestört. Wild gestikulierend kamen einige auf mich zu.
"Eine Delle, der neue Achter hat eine Delle!", war die grausame, aufregende Nachricht.
Ich musste sie gleich in Augenschein nehmen. Also, hinter den Achter ins Regal, auf einen Holzklotz steigen, schräg von unten nach oben schauen, den Kopf und den Körper etwas zur Seite neigen, dabei etwas in die Knie gehen und angestrengt am glänzenden Boot entlang sehen. In dieser unbequemen Haltung sah ich das Malheur, noch dazu vom Oberlicht des Hallendachs beleuchtet. Eine dunkle Stelle zeichnete sich in diesem sonst so makellosen Bootskörper ab.
Frisch geduscht und gekämmt, mit geradem Scheitel oder teilweise auch ganz ohne Scheitel, saßen die AH später am zentralen Ecktisch.
Die Delle war noch im Kopf!
Von zweiter Wahl, Transportfehler, mangelndem Geradeauslauf, fühlbarer Ausbeulung, Spannung in der Außenhaut war die Rede aus dem Mund der anwesenden Experten.
Einige Tage später habe ich unsere beiden Bootsmänner Klaus (Hobel) und Bob getroffen. Sie waren wie immer ruhig, gekonnt und unermüdlich zum Wohle unserer Boote bei der Arbeit.
Meine Frage nach der Abhilfe der Delle im neuen Achter wurde kurz und ohne Unterbrechung der Arbeit beantwortet: Die dunkle Maserung im Holz der Außenhaut des Achters schadet nichts und wir lassen es so!
Peter Tietjen