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"Hansa" (1879/83) e.V.

Die Feuerzangenbowle der Herren

Wie in jedem Jahr hatte unser Altherrenpräsident John Thoms zur Feuerzangenbowle geladen und alle alle kamen am 27. Dez. 2001 und das trotz schlechter Witterungsbedingungen.

Um 19.30 Uhr nahmen wir im Vorstandszimmer Platz und John begrüßte uns wie immer ganz herzlich und gab einen kurzen Abriss über die abgelaufenen Aktivitäten des letzten Jahres.

Außerdem teilte er uns mit, dass ein edler Spender die auf dem Tisch stehenden Berliner und Käsehäppchen gestiftet hatte. Dafür waren wir natürlich dankbar und zeigten das, indem wir kräftig auf den Tisch klopften. Danach machten wir uns sofort daran, das Feuerzangenritual zu zelebrieren.

Zuerst wurde geguckt, wo die vollste Rumflasche stand, und die um die verschiedenen Töpfe versammelten Teilnehmer versuchten, diese Flasche zu ergattern. Dagegen protestierten natürlich die der Flasche am nächsten sitzenden und man gab dann schließlich nach und nahm die Flasche, die zum eigenen Topf gehörte. Dieses Ritual gehört unbedingt zur Feuerzangenbowle und bringt schon mal Schwung in den Laden.

Der Wein ist schon im Topf, das Stövchen unter dem Topf wird angezündet und der Zuckerhut auf das Blech gelegt, das an zwei Topfenden aufliegt. Dann wird es spannend! Wer von den um die Töpfe Versammelten kann am sparsamsten Rum auf den Zuckerhut gießen und dabei trotzdem die schöne blaue Flamme erhalten ? Berufen fühlen sich viele, aber auserkoren sind nur wenige.

Diejenigen, die sich gar nicht trauen, geben wenigstens fachmännische Kommentare ab.

Letztlich sind sich aber alle Teilnehmer einig, dass sie alle - ohne Ausnahme - ausgesprochen fundierte Kenntnisse über die Herstellung einer guten Feuerzangenbowle haben. Das hebt natürlich die Stimmung und das Gemeinschaftsgefühl. Alle Sorgen sind vergessen und ein harmonisches Miteinander greift Platz. Willkommen im Club.

Auch die Rotweinfraktion, die immer am Ende des Tisches Platz nimmt, wird lebhafter und lauter und kommt gut in Fahrt.

Zwischendurch ergreift Tilo, der zu den Bowletrinkern gehört, das Wort und facht die Stimmung weiter an, indem er uns lustige Gedichte oder Geschichten vorliest. Und nach jeder Geschichte gießen wir uns noch ein Gläschen Bowle ein. Und schließlich ist es so weit. Wir können uns nicht mehr bremsen. Wir wollen nun endlich singen. Das macht die Seele frei und die Kehle noch weiter.

Tilo verteilt milde lächelnd die Gesangsbücher und die so lange zurückgehaltene "Sangesluscht" bricht sich vehement Bahn. Nach einigen Liedern und weiteren Gläsern suchen wir in dem Liederbuch nach etwas deftigeren Texten, ja, es dürfte ruhig ein klein wenig unanständig sein, aber so etwas ist in den Liederbüchern nicht enthalten. Wir behelfen uns, indem wir aus dem Gedächtnis einige gewagte Lieder singen, aber es sind nicht viele. Da fragt man sich doch, warum wir nur so wenige gewagte Lieder kennen. Lässt das Gedächtnis nach oder sind wir einfach zu anständig? Ich fürchte, letzteres ist der Fall. Wer jahrzehntelang von den Frauen zur Wohlanständigkeit ermahnt und erzogen wurde, der kann bei einer Feuerzangenbowle nicht plötzlich "die Sau rauslassen". Es ist überhaupt keine Sau mehr da!

Diese Erkenntnis ernüchtert. Nach und nach machen sich die Feuerzangenbowler auf den Heimweg.

A

n der Tür höre ich noch, wie eine kleine Schar Unentwegter freudig singt: "Aber der Nowak lässt uns nicht verkommen." Das ist zu dieser Zeit eine ungemein beruhigende Botschaft. Ich weiß, dass meine Ruderkameraden in guten Händen sind. Mit einem leichten Schluckauf mache ich mich nun endgültig auf den Heimweg.

Günter Bussenius

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