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"Hansa" (1879/83) e.V.

Odyssee auf'm Neckar

12.10.01, Bremen-Stuttgart

Die Wanderfahrt beginnt um 16:14 Uhr mit der Ausfahrt des ICE 683 aus dem Bremer Hauptbahnhof. Gute 6 Stunden später und nach einem Umsteigehalt in Kassel-Wilhelmshöhe erreichen die sechs Bremer TeilnehmerInnen Esther, Frank, Martin, Gerd, Wilfried und Olaf mit bundesbahnüblicher Verspätung Stuttgart Hbf. Christian, in Schwaben aufgewachsen und nach Zwischenstation in Bremen mittlerweile in Franken wohnhaft, ist schon da und lotst uns zur Haltestelle der "U-Bahn" genannten Unterpflasterstraßenbahn. Nach kurzer Fahrt und längerer Suche erreichen wir mit Hilfe eines Taxifahrers das Bootshaus des Stuttgart-Cannstatter Ruder-Clubs, wo wir müde auf die Lumas fallen. (Olaf Köhn)

13.10.01, Marbach-Stuttgart

Früh brechen wir auf, um nach einem Frühstück in der Nähe des Stuttgarter Hauptbahnhofs mit der S-Bahn nach Marbach zu fahren. Dort werden zwei Boote des Marbacher Rudervereins übernommen, je ein gesteuerter Vierer und Zweier in Holzbauweise. Diese Etappe verdanken wir einer kurzfristigen Routenoptimierung, um den Bootstransport nach Plochingen zu sparen und die sonntags eingeschränkten Schleusenzeiten zu umgehen, zumal die Gegenströmung dank der vielen Staustufen nicht der Rede wert ist.

Die Landschaft ist trotz dichter Besiedlung erstaunlich idyllisch, betont durch sonnig-warmes T-Shirt-und-kurze-Hose-Wetter (auch für Steuerleute), das uns den Rest der Fahrt begleitet. Erwähnenswert ist die dank vorausschauender Einkäufer bei der Mittagspause vor der Schleuse Aldingen begründete Vesper-Tradition dieser Fahrt: eine Dose CD mit Brezel und Landjäger.

Der Tag endet in der erstaunlich provinziellen Stuttgarter City bei "Ketterer" mit dem Testen schwäbischer Spezialitäten. (Olaf Köhn)

14.10.01, Kultur in Stuttgart

Heute gibt es Frühstück in der Bootshaus-Gastronomie. Danach fahren wir per Zahnradbahn-SEV zum 1956 eröffneten Stuttgarter Fernsehturm. Bei Fernsicht kann man von dort bis zu den Alpen schauen, heute reicht es nur für den Stuttgarter Talkessel.

Nach einer Erfrischung am Fuße des Turmes bringt uns die Schmalspurstraßenbahn in die Innenstadt, um nach einem Mittagsimbiss entweder die neue Kunsthalle oder die Wilhelma zu besichtigen und das Abendessen nach vergeblicher Kneipensuche bei einem Pizzabäcker einzunehmen. (Olaf Köhn)

15.10.01, Stuttgart-Marbach

Nach allen erfolgten Programmänderungen folgt nun der erste geplante Verlauf der Wandi. Wir fahren die Tour wie Samstag, nur in umgekehrter Reihenfolge von Stuttgart-Cannstatt nach Marbach. Mittags machen wir Rast unter einem Zeltdach auf dem Motorbootclubgelände in Poppenweiler. Als Imbiss bürgert sich unter anderem das einzige Gebäck mit Griff (Brezīn) und Bier sowie ein kurzes Mittagsschläfchen ein. Na ja, das ist bei 22 km Tagesleistung und 4 Schleusen schon drin.

Nach dem Aufbau der Schlafgelegenheit im Marbacher RV macht Christian eine Stadtführung in seiner "Heimatstadt". Abends laben wir uns im Restaurant "Glocke" mit meist heimischen Gerichten (Spätzle, Maultaschen) bei einem netten jugoslawischen Wirt aus Split. (Frank Brand)

16.10.01, Marbach-Lauffen

Und wieder GOLDENER OKTOBER - denn wir frühstücken halt gern ausdauernd im Freien. Unser Weg - nee, Wasser - führt uns heute von Marbach nach Lauffen. Eine eindrucksvolle Landschaft, die wir vom Wasser aus bestaunen können.

Nach 32 km /3 Schleusen erreichen wir unser Ziel und beziehen im Bootshaus des Lauffener Ruderclub "Neckar" Quartier. Essen muss der Ruderer, und was steht natürlich auf der Speisekarte? à Spätzle und Maultaschen! Den Abend beschließen wir dann doch feucht-fröhlich-fremdländisch im Irish Pub. (Wilfried Strehlau)

17.10.01, Lauffen-Bad Wimpfen

Nach einer Nacht in der kalten Bootshalle mussten wir morgens feststellen, dass die Sichtweite keine 10 m betrug. Nach einem ausgiebigen Frühstück sah das allerdings schon ganz anders aus. So machten wir uns denn auf, die ersten 500 m bis zur nächsten Schleuse zu rudern.

Gegen Mittag erreichten wir Heilbronn und, wie sollte es anders sein, wieder eine Schleuse. Da die Schifffahrtsschleuse defekt war, wurden wir vom Schleusenwärter durch den Altarm geschickt. Nach etlichen Kurven erreichten wir eine per Hand zu bedienende Schleuse aus dem 19. Jh. Hier durften Olaf und Frank ihre Muskelkraft beweisen. Die Tore mussten mit einem Holzpfahl geschlossen und geöffnet werden. Danach war es Zeit, sich "traditionell" mit Brez'n, Landjägern, Bier und einem Nickerchen in der Mittagssonne für die zweite Etappe zu stärken.

Am Nachmittag erreichten wir bei schönstem Wetter Bad Wimpfen. Die alte Kaiserpfalz war schon von weitem zu sehen. Nachdem wir die gemütlichen Clubräume in Beschlag genommen hatten, machten wir uns an den Aufstieg zur Kaiserpfalz von Friedrich I. (Barbarossa). Vom blauen Turm (12. Jh.) aus genossen wir den wunderschönen Blick auf die Altstadt und den Neckar. Dann wurde es Zeit für den gemütlichen Teil, den wir schließlich im alten Bahnhof bei einem letzten Bier ausklingen ließen. (Esther Kollo)

17.10.01, Bad Wimpfen-Eberbach

"Es gibt Badische und Unsymbadische" lautet eine Redensart, mit der die Badener ihre angeblich unsympathischen Württemberger Nachbarn ärgern wollen. Frank und ich machten am Donnerstag Morgen allerdings eine andere Erfahrung. Als wir in einem Tankstellenshop vergeblich nach ein paar Kleinigkeiten für unsere Picknickpausen fragten, machte uns ein älterer Herr das Angebot, uns mit seinem Auto zum nächsten Supermarkt im Stadtzentrum zu fahren. Da wir bis zur Öffnung des Ladens noch 20 Minuten Zeit hatten, machte er mit uns noch eine kleine Stadtrundfahrt und zeigte und erklärte uns sowohl die historische Stadt als auch die modernen Kuranlagen. Doch damit nicht genug - er bestand darauf, uns nach den Einkäufen wieder zurück zum Ruderverein zu fahren.

Nachdem wir gut gefrühstückt hatten - es gab sogar richtigen Kaffee aus einer Kaffeemaschine -, begann unsere mit 42 km längste Etappe. Sonnenverwöhnt, wie wir inzwischen schon waren, empfanden wir das Wetter schon beinahe als "schlecht", denn die Sonne durchdrang erst gegen Mittag den Hochnebel. Die Landschaft wurde dagegen immer schöner - anstatt der Weinberge, die in den vergangenen Tagen vorherrschten, sahen wir jetzt bewaldete Hügel mit Burgen und Schlössern über hübschen Fachwerkstädtchen.

Am späten Nachmittag trafen wir in Eberbach ein, wo uns natürlich die Gebäude der Empacher-Ruderbootswerft sofort ins Auge fielen. (Gerd Kotzke)

18.10.01, Eberbach-Heidelberg

An das Frühstück in der Bootshalle des Rudervereins schloss sich eine Besichtigung der Bootswerft "Empacher" an. Der Kontaktmann von der Werft beäugte zunächst neugierig unseren Christian: "Ist das nicht einer von den Beckers?" , was dieser wahrheitsgemäß bejahte. Die Rudersippe der Beckerbrüder ist neckarauf, neckarab bekannt wie ein Rudel bunter Hunde.

Wir bestaunten nun den Produktionsprozess der Rennboote, eine Kombination aus HiTec und filigraner Handarbeit. Sodann befuhren wir den wohl schönsten Neckarabschnitt. Wieder einmal war das Wetter uns hold und lud zu einer ausgedehnten Siesta in Neckarsteinbach ein. Man sitzt am Wasser, isst Brezel, trinkt was, füttert die Schwäne, liest den "Spiegel", Esther hört über Discman ein als Musik bezeichnetes schauerliches Etwas (von den Jungs auf dem schwarzen T-Shirt mit dem Totenkopf), ist aber glücklich und zufrieden, unser Fahrtenleiter Frank verspricht Schokolade, aber erst nach dem Nickerchen.

Vor den beiden letzten Schleusen mussten wir erstmals etwas länger warten.

Unser Quartier in Heidelberg war die Jugendherberge. Sie liegt vom Wasser her nicht einsichtig, etwa 100 m landwärts, am Schleusenkanal (km 21,5 und nicht, wie im Wanderruderführer angegeben, 22,0). Die ortskundigen Jogger am Ufer unterstützten unsere Suche mit Hinweisen wie " 50 m links", "500 m rechts", "die gibts hier nicht", "die ist hinter dem Tiergarten". Aber ein echter Wanderruderer findet sein Ziel immer.

Abends trafen wir uns mit Martins Schwester, die für uns einen Tisch in einer vorzüglichen Pizzeria reserviert hatte. (Martin Kühn)

19.10.01 Heidelberg-Worms

Früher als am Freitag kam die Sonne schon um ca. 9 Uhr durch, offensichtlich gab es diesmal keinen Hochnebel. Frank fuhr früh los mit dem Zug zum Transport-Fahrzeug nach Worms, um damit den Bootshänger zu holen. Deshalb haben wir im Zweier "Schultheis" auf dem Steuersitz einen Cargo-Platz eingerichtet. Der Vierer "Nixe" war auf dieser Tour sowieso mit einem Platz Cargo geplant. Beide Boote wurden jetzt bewusst hecklastig beladen, um die Wellen auf dem Rhein abzufangen.

Im windstillen Neckartal wurde es langsam immer industrieller und nach der letzten Neckarschleuse kam schon Rhein-Feeling auf. Als wir uns dem Neckar-Kilometer 0 näherten, stellten wir fest, dass es auf dem Rhein ebenfalls windstill war. Die Berufs-Schifffahrt am Samstagmorgen hielt sich in Grenzen, jedoch hat der Seegang auf dem Rhein natürlich eine ganz andere Dimension als auf dem Neckar.

Mithilfe von Martins Rhein-Kenntnissen hielten wir uns großzügig fern sowohl von den Bockschiffen als auch von den Untiefen. Letztere waren zum Teil so untief, dass die Steine aus dem Rhein guckten. Und schon eineinhalb Stunden später legten wir am Steg in Worms an, begleitet von den neuesten Hit-Paraden-Liedern aus einem Leierkasten.

Als Frank mit Zugfahrzeug und Bootshänger eintraf, waren die Boote schon abgeriggert. Kurz drauf machte sich das 3er-Team Frank, Martin und Olaf auf, die Boote wieder neckaraufwärts zu fahren (diesmal auf dem Bootsanhänger). Die übrige Mannschaft erkundete Worms und fand heraus, wo der Dom steht. Letzterer wurde dann am Sonntagvormittag in aller Ruhe noch mal begutachtet, bevor wir um 2 Uhr auf den Zug mussten. Die Bahn brachte uns dann mainaufwärts (Christian) bzw. rheinabwärts (alle anderen) wieder nach Hause. (Christian Becker)

Einen großen Dank an Christian Becker, der erstmals eine komplette Tourenplanung übernommen hat. Mit einigen Anschüben und Nachhilfen aus der Wandi-DIN haben wir den lieblichen Neckar genießen können.

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