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Bremer Ruder-Club "Hansa" (1879/83) e.V. |
Gibt es bei den 1. Bremer Barkenbrüdern eine Unterabteilung?
In gewisser Weise, ja. Es sind die 1. Bremer Badebrüder, die fast alle der 1. Bremer Barkenbruderschaft angehören, denen aber eine Wochenfahrt im Jahr nicht genug ist, und so wurde schon zum zweiten Mal eine weitere Wochenfahrt unternommen.
In diesem Jahr ging es auf die Elbe und zwar von Wittenberg bis Lauenburg, eine Strecke von 355 km.
Wie aber kam es zu der scherzhaften Namensgebung
1. Bremer Badebrüder?
Nun, auf unserer Fahrt vom 19.8.-26.8.2001 war es sehr heiß und es wurde sehr viel in der Elbe gebadet. Als einmal beiläufig festgestellt wurde, dass wir fast alle der 1. Bremer Barkenbruderschaft angehörten, meinte einer, dass wir uns auf dieser Fahrt bei der vielen Planscherei wohl eher zu den 1. Bremer Badebrüdern zählen müssten. So bekam die Gruppe ihren Namen.
Sechs Mann waren es, die begeistert auf der Elbe ruderten und in der Elbe schwammen, tauchten und planschten, nämlich
Günter Bussenius
Gerd Hilgendorff
Peter Kloss
Jürgen Köster (Hercu)
Friedo Koop und
Günther Kupplich.
Peter Kloss hatte die Idee gehabt, diese Fahrt zu unternehmen, und wir anderen schlossen uns ihm gerne an.
Peter hat auch die ganze Fahrt organisiert und im Namen aller Teilnehmer möchte ich ihm für die hervorragende Organisation meinen herzlichen Dank sagen. Es klappte einfach alles.
Am Sonntag, den 19.8.01 ging es mit dem gemieteten VW-Bus und dem vom Bremer Ruderverein von 1882 gemieteten Bootsanhänger los.
Auf den Hänger hatten wir das zum Dreier mit Steuermann umgerüstete Boot "All to hoop" gelegt und natürlich auch befestigt.
Um ca. 15.00 Uhr erreichten wir den Wittenberger Ruderclub und machten uns sofort auf, die Luther- und Universitätsstadt Wittenberg zu besichtigen.
Hier war ja früher, wie man heute so sagt, der Bär los. An den Häusern verkünden Tafeln, welche berühmten Leute hier gelebt und gearbeitet hatten und man kommt aus dem Staunen nicht heraus.
Unter anderen wurde an den Maler und Graphiker Lucas Cranach (1472-1553) erinnert, an den Theologen und Revolutionär Thomas Müntzer (1490-1525), erst Freund dann Gegner Luthers und als einer der Führer im Bauernaufstand hingerichtet.
Weitere Tafeln belegen, dass Leutnant von Siemens da war und natürlich der unvermeidliche Herr von Goethe (1749-1832), der ja wohl bald überall war und das ohne Auto, was mich natürlich furchtbar ärgert, weil ich in der - ach so modernen Zeit - noch längst nicht überall dort war, wo Herr von Goethe schon früher mit Pferd und Wagen hingekommen ist. Selbstverständlich wurde noch an viele weitere berühmte Persönlichkeiten erinnert, aber ich kann sie hier ja nicht alle aufzählen.
Als wir uns von unserem ehrfürchtigen Staunen erholt hatten, sahen wir, dass der Himmel inzwischen tiefschwarz geworden war. Ein sattes Gewitter drohte und wir beschlossen, unsere Besichtigung mit einem schmackhaften Mahl zu unterbrechen.
Nachdem wir im Kartoffelhaus gut gegessen und getrunken hatten, hörte auch der Regen auf und wir gingen neugierig zur Schlosskirche, an deren Portal Dr. Martin Luther die 95 Thesen gegen den Ablasshandel angeschlagen hatte.
Zu unserer Freude waren die Thesen - oder das, was wir dafür hielten - in schmiedeeisernen Buchstaben auf dem Portal angebracht worden, allerdings in Latein.
Nun traf es sich gut, dass zwei gelehrte Männer unserer Crew fließend Latein sprechen, lesen und schreiben konnten. So las also einer die lateinisch abgefassten Thesen vor und der andere übersetzte simultan. Ein Erlebnis!
In Wirklichkeit war keiner der lateinischen Sprache mächtig und wir standen vor den Buchstaben und verstanden nichts.
Zu wissen, was an dem Portal stand, war wieder einmal nur einer gewissen Schicht vorbehalten. Wir, das Volk, brauchten nicht zu wissen, was da stand. Das wäre Luther bestimmt nicht recht gewesen, hat er doch das neue Testament und später die gesamte Heilige Schrift ins Deutsche übersetzt. Lt. Lexikon gehört Luther als religiöse Persönlichkeit zu den größten Gestalten und gilt als bahnbrechender Gestalter der deutschen Hochsprache.
Dies und die Charakterfestigkeit Luthers nötigt wohl jedem Respekt ab. Darum hier einmal ein paar Daten über Dr. Martin Luther.
Er wurde am 10.11.1485 als Sohn eines Bergmanns in Eisleben geboren und starb auch dort am 18.2.1546, also mit 62 Jahren. Die Beisetzung fand in Wittenberg statt.
Er war ursprünglich Jurist und wurde mit 22 Jahren Augustiner-Mönch in Erfurt. Nebenbei bemerkt erstaunt es mich, wie fix man früher ein Studium absolvieren konnte. Aber weiter mit Luthers Lebensweg. Von 1508 bis zu seinem Tode 1546, also 38 Jahre lang, war er Professor der Theologie an der Universität Wittenberg.
Er ging durch die Veröffentlichung seiner 95 Thesen am 31.10. oder 1.11.1517 gegen den Ablasshandel vor (Sowie das Geld im Kasten klingt, die Seele aus dem Fegefeuer springt) und legte sich dadurch mit der katholischen Kirche an. Niemand lässt sich gerne ein gutes Geschäft kaputt machen, auch die Kirche nicht. Daher wurde Luther im Jahre 1521 exkommuniziert. Das heißt, er wurde aus der Gemeinschaft der Gläubigen ausgeschlossen, nicht aber aus der Kirche. Außerdem sollte er auf dem Reichstag zu Worms, der ebenfalls im Jahre 1521 stattfand, seine Thesen widerrufen. Aber der Mann hatte Mumm. Er widerrief nicht. Stattdessen stellte er sich vor unsere erlauchten Adeligen und Kirchenfürsten hin und sagte:
Hier stehe ich, ich kann auch anders!
Kleiner Scherz. Er sagte wirklich: "Hier stehe ich, ich kann NICHT anders." Man war baff. Der Mann musste mundtot gemacht werden. Also wurde die Reichsacht über ihn verhängt, d.h. er wurde für vogelfrei erklärt und jeder, der Lust dazu hatte oder vielleicht dazu beauftragt wurde, hätte ihn totschlagen können. Aber er hatte Glück. Sein Kurfürst, Friedrich der Weise von Sachsen, schützte ihn, indem er ihn auf der Wartburg in Gewahrsam nahm. Dort übersetzte er das Neue Testament und die gesamte Heilige Schrift ins Hochdeutsche. 1525 heiratete er Katharina von Bora.
Dank Friedrich dem Weisen war also alles noch einmal gut gegangen und durch die Hochzeit gab es sogar ein Happyend.
Ich finde, aus dieser Geschichte sollte Babelsberg, nicht Hollywood, mit Unterstützung der Kirche, einmal einen tollen Film machen. Übrigens hat Wittenberg zur Zeit 53.000 Einwohner. Wie viele es zu Luthers Zeit waren, weiß ich nicht.
Am Montag, den 20.8.01 nahmen wir Abschied von Wittenberg und das Rudern "hub" an. Es sollte bis Aken gehen, 63 km. Und es ging auch bis Aken. Wir hatten traumhaftes Wetter. Es war sonnig und warm, überall hinter den Buhnen waren saubere weiße Strände zu sehen und luden zum Verweilen ein. Zweimal legten wir an und schwammen, badeten und planschten ausgiebig in der Elbe herum. Es war eine Wonne. Nachmittags war der Himmel bedeckt, was aber zum Rudern auch nicht schlecht war.
Wir erreichten den Ruderclub Aken, stellten den Hänger dort ab, betteten die "All to hoop" sanft ins Gras und fuhren mit unserem VW-Bus zur Pension "Hotel zur Post".
Dort richteten wir uns in unseren Zimmern häuslich ein, duschten und machten uns landfein. Nun meldete sich auch der Appetit.
Da das deutsche Lokal am Montag geschlossen hatte, besuchten wir unsere griechischen Freunde und bereuten es nicht. Man bewirtete uns gut und reichlich und jedes Mal, wenn der Ober an unserem Tisch vorbeiging, um irgendwo zu servieren oder zu kassieren, stellte er uns eine Runde Ouzo auf den Tisch. Zuerst dachten wir, dass jemand von uns heimlich bestellt hätte und da hatten wir zuallererst unseren Organisator Peter Kloss im Verdacht und wunderten uns, was er alles aus unserer Fahrtenkasse bezahlen konnte. Aber auch Peter hatte nichts bestellt, der Grieche war einfach gut gelaunt und stellte weiter Runde auf Runde auf den Tisch. Wir wurden sehr vergnügt und. fanden das alles großartig und wollten den Griechen ja auch nicht durch Ablehnung der einen oder anderen Runde beleidigen und so ging das also immer weiter mit den Runden. Irgendwann aber, durch den Ouzo-Nebel, schwante uns, dass unser Ziel, am nächsten Tag Magdeburg zu erreichen, gefährdet war, wenn das so weiter ging.
Wir zahlten also und verließen fast fluchtartig die äußerst gastliche Stätte, aber natürlich nicht, ohne noch einen letzten Ouzo zum Abschied zu trinken. Der Wirt wollte es so und wir, wie gesagt, wollten ihn ja nicht beleidigen.
Übrigens hat Aken ca. 12.000 Einwohner.
Am Dienstagmorgen hatte einer von uns einen leichten Kopfdruck, bedingt wahrscheinlich durch eine gewisse Wetterfühligkeit. Die anderen Fünf fanden das Wetter ganz in Ordnung und auf ging es nach dem Frühstück gen Magdeburg. Wir hatten 63 km vor uns.
Auf halber Strecke, in Glinde, stiegen die beiden Service-Leute ins Boot und zwei Ruderer übernahmen Bus und Hänger.
In Magdeburg angekommen, ließen wir Boot und Hänger im Magdeburger Ruderclub zurück und "brausten" mit unserem VW-Bus in die Innenstadt. Dort besichtigten wir zuerst den frühgotischen Magdeburger Dom (1208-1336) mit den Gräbern Ottos des Großen und seiner Gemahlin. Der Dom ist sehenswert und es ging lebhaft dort zu, weil eine Ausstellung über Otto vorbereitet wurde. Otto, 962 zum Kaiser gekrönt, hatte das Erzbistum Magdeburg errichtet und viel für die Stadt getan.
Nun sagt man ja immer - besonders vor Wahlen - die Menschen hätten ein kurzes Gedächtnis, aber an der Ausstellung über Otto d.Gr. sieht man doch, dass die Menschen noch heute dankbar dafür sind, was Otto für Magdeburg getan hat. Und das ist ja doch immerhin eine ganze Weile her.
Wir sahen uns noch das Rathaus von außen an und liefen auch sonst noch ein bisschen in Magdeburg herum, dann aber meldete sich wieder einmal der Appetit und wir suchten nach einem gemütlichen Lokal. Aber so recht gefiel uns nichts. Schließlich sagte Hercu, dass er uns zum Paulaner in der Weiss-der-Kuckuck-Str. führen könnte und wir vertrauten uns ihm an. Es war sehr weit und unser Vertrauen wurde auf eine harte Probe gestellt. Aber dann, als wir fast am Ende unserer Kräfte waren und an das Vorhandensein des Lokals schon fast nicht mehr glaubten, da sahen wir in der Ferne, fast wie eine Fata-Morgana, das "Paulaner". Als wir es erreicht hatten, ließen wir uns ächzend in die Stühle fallen. Da es weiterhin sehr warm war, hatten wir einen Tisch im Freien ausgewählt und bestellten erst einmal eine Runde Bier, um die Lebensgeister wieder zu wecken und dann weitere Runden, um sie ja nicht wieder einschlafen zu lassen. Die Lebensgeister blieben wach und so konnten wir auch unser reichhaltiges, herzhaftes, warmes Abendessen genießen. Ach Gott, was war das doch nach diesem langen Marsch für eine Wohltat!
Wir blieben lange, waren sehr vergnügt und genossen den lauen Sommerabend. Schließlich machten wir uns aber doch auf zu unserem Quartier im "Haus der Athleten". Es schmeichelte uns sehr, dass wir dort wohnen durften und machte uns Magdeburg noch sympathischer. Übrigens hat Magdeburg ungefähr 288.000 Einwohner.
Mittwoch , den 22.8.01 ging es weiter von Magdeburg nach Tangermünde, eine Strecke von 65 km. Als wir von Magdeburg losfuhren, erlebten wir die Elbe in der Nähe des Doms erst einmal als eine Art Wildwasser mit teilweise sehr flachen Stellen. Und natürlich kommt dem Steuermann und seiner Besatzung an solch einer schwierigen Strecke selbstverständlich ein Binnenschiff entgegen. Aber wir haben die Ecke dennoch gut bewältigt. Auch an diesem Tag war es sehr warm und sonnig und wir haben mehrmals an den schönen weißen Stränden gebadet.
In Tangermünde angekommen, wurde besichtigt, im Hotel gegessen und Saale-Wein getrunken, der überraschend gut schmeckte. Übrigens hat Tangermünde ungefähr 13.000 Einwohner.
Weiter ging es am Donnerstag, den 23.8.01 nach Havelberg, das ich vor einigen Jahren einmal gesehen hatte. Ich war gespannt, wie es sich verändert hatte, und ich muss sagen: Donnerwetter, tadellos! Havelberg hatte sich gut herausgeputzt. Wir sahen uns die Innenstadt an und aßen dann draußen vor dem Rathaus. Das Essen war schlecht zubereitet und als Genussmensch nehme ich der Küche das heute noch übel und räche mich dafür, indem ich mein "vernichtendes" Urteil im Clubschlüssel veröffentliche. Übrigens sage ich aus dem gleichen Grund auch nichts über die Einwohnerzahl.
Ich wachte auf und ohne, dass ich es bemerkt hatte, war Freitag der 24.8.01 über uns hereingebrochen, ein sehr heißer Tag. So heiß, dass die Rinder auf den Weiden das Grasen vergaßen und stattdessen lieber im Wasser standen und sich die heißen Füße kühlten. Uns ging es ähnlich, wir vergaßen teilweise das Rudern und planschten stattdessen wieder einmal ausgiebig in der Elbe herum.
In Hinzendorf winkte uns der Service zum Mittagessen an Land und labte uns mit gutem Essen und gekühltem erfrischendem Wasser. Auch kühler Weißwein wurde gereicht und wer davon getrunken hatte, fiel unmittelbar danach in einen wohltuenden Mittagsschlaf.
Ach, wenn so ein Mittagsschlaf doch auf allen Fahrten möglich wäre! Nach der Mittagspause ruderten wir dann weiter bis zu unserem Ziel, der Stadt Schnackenburg. Dort gingen wir abends noch einmal an die Elbe. Es war sehr einsam und dunkel, denn auf der gegenüber liegenden Seite lag ein Streifen des unbesiedelten ehemaligen DDR-Gebietes. Unser hell erleuchtetes Wirtshaus war da schöner anzusehen und so setzten wir uns nach der Hitze des Tages, bei jetzt angenehmen Temperaturen, draußen an einen Gartentisch und nahmen in gut gelaunter Runde unser Nachtmahl ein. Ein schöner Tag der "Badebrüder" neigte sich dem Ende zu.
Auf der Strecke von Schnackenburg nach Hitzacker erlebten wir die Elbe noch einmal still und ruhig. Es war heiß und wir konnten in Ruhe dahinrudern, uns treiben lassen oder baden. Auch dieser Tag war wieder sehr schön.
Dann aber, am Sonntag, den 26.8.01, kurz vor Lauenburg, wollten uns die Motorbootfahrer durch ständiges Hin- und Herflitzen mit der Leistungsfähigkeit ihrer Boote beeindrucken. Auch Wasserskifahrer sausten durch die Gegend und fanden das Leben schön. Alle waren voll Fröhlichkeit, die wir aber nicht so recht teilen konnten, weil wir ständig halten und die Wellen abreiten mussten. Wir kamen nur mühsam voran. Dazu war auch dieser letzte Tag unserer Fahrt sehr heiß.
Endlich aber legten wir am Steg des Ruderclubs in Lauenburg an und der Service drückte jedem von uns erst einmal eine kühle Flasche Bier in die Hand. Ein traumhaftes Labsal bei dieser Hitze! Nachdem wir uns etwas abgekühlt hatten, nahmen wir das Boot aus dem Wasser, säuberten die "All to hoop" und zurrten sie auf dem Hänger fest. Nach dem Duschen traten wir dann die Fahrt nach Bremen an, die gar nicht lange dauerte, weil unser ,,rasender Roland", der sich im bürgerlichen Leben Günther Kupplich nennt, ordentlich aufs Tempo drückte.
Wir werden noch oft an die schöne Elbe denken, an die weißen Strände, die abwechslungsreichen Landschaften und Städte und auch an die freundlichen Menschen, denen wir überall begegnet sind.
Günter Bussenius