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Bremer Ruder-Club "Hansa" (1879/83) e.V. |
Am 6. September 2001 trafen sich 18 Männer im Bootshaus im Morgengrauen. Die Betonung liegt auf Grauen. Ich bin kein Frühaktivler.
Aber das sollte sich schnell ändern. Nachdem John die ausgewachsenen Herren (oder was bedeutet AH?) in bekannter souveräner Art auf zwei Achter verteilt hatte, brachten wir die Boote zu Wasser.
Der Dunst über der Weser lichtete sich bereits und die verschleierte Sonne zeigte sich schon. Es sollte ein wunderschöner Tag werden, ideal zum Rudern. Mit jedem Ruderschlag kamen die Boote zügig voran und die lachende Sonne ein Stück höher am Himmel. (Was Ruderer alles bewegen können!)
Das Ziel sollte die Gaststätte Spille-Strom Zur Ochtumbrücke sein. Meine Befürchtungen, bei Nebel und Dunkelheit würden wir das Ziel nicht finden, verflogen schnell an dem fröhlichen hellen Morgen, zumal sich auch bald ein munterer Seehund einfand, der uns die Fährte wies.
Die Organisation hatte sogar an ein Frühstück gedacht. Beim ersten Halt, so in Höhe Industriehafen, gab es ein kühles Bier auf dem kühlen Wasser am kühlen Morgen. Vor fast 40 Jahren bin ich das letzte Mal die Weser hinunter gerudert. Da gab es noch viele Strände. Warum fiel mir das auf? Es waren keine Anlegemöglichkeiten vorhanden. Mit sinkendem Pegel in der Bierdose stieg bei einigen Ruderern der Pegel in der Blase. Unser Steuermann trieb die Männer zur Eile an. Fündig wurde er aber erst, nachdem die Bremer-Stahlwerke passiert waren. Erst hier gab es am kanalisierten steinigen Ufer einen kleinen Hafen mit Anleger. Dieser wurde blitzschnell geentert und der Steg zum Land gestürmt. Zurück ins Boot ging es dagegen ganz ruhig und befreit.
Zum Glück hatten wir Frido an Bord. Wo war die Einfahrt zur Ochtum? Das steinige Ufer sieht gegenüber Moorlosen-Kirche überall gleich aus. Frido wies uns die Fährte, der Seehund hatte uns verlassen. Der braucht nicht an Land.
Die Schleuse in die Ochtum wurde uns sofort weit geöffnet. Fachmännisch haben wir alle notwendigen Manöver gekonnt erledigt. Es waren auch etliche Zuschauer auf der Brücke. Neu war für mich - nach fast vierzig Jahren ohne Rudervergnügen gibt es eben Änderungen -, dass der Mann, der das Boot mit einem Tampen in der Schleusenwand sichert, auch gesichert wird. Er bekam einen kräftigen Tampen um den Hals, den sein Hintermann (richtig: Vordermann) stramm in die Hand nahm.
Auf der Ochtum änderte sich das Bild der Landschaft. Flache Zonen mit Schlick oder Schilf, Wiesen und Kühen säumten das Ufer. Die strahlende Sonne sorgte für steigende gute Laune und angenehme Wärme. Es war ein Vergnügen. Ob die Ochtum wohl schon jemals zwei Achter gleichzeitig gesehen hat? Zwei rostige kaum leserliche Schilder am rechten und linken Ufer mit dem Hinweis "Grundschwelle" wiesen auf eine Untiefe hin. Steine im Fluss stellten eine Staustufe dar, die nur genau in der Mitte etwas mehr Wassertiefe hatte. Das Wasser stürzte nicht gerade wie bei den Niagara-Fällen hinunter, aber immerhin........die Mitte der Staustufe musste schon getroffen werden. Wir hatten einen Steuermann mit einem glücklichen Händchen! Oder Zufall?
Zum frühen Mittag erreichten wir unser Ziel. Die Speisekarte pries leckere Speisen an. Je nach Hunger und Durst wurde ausgiebig getafelt. Eine gute Gelegenheit für mich, eine Runde zu spendieren, da ich nach langer Zeit reumütig zum Rudern zurückgefunden habe und hier auf Männer gestoßen bin, die mich "mitziehen". Tilo dankte mit seiner Runde der vorzüglichen Organisation. Am späteren Nachmittag gab sich Jürgen mit seiner Runde als Fan eines neuen Enkelkindes zu erkennen und wir konnten den Opa hochleben lassen.
Der Schleusenwärter hatte uns eine Uhrzeit mitgegeben, zu der wir durch die Schleuse fahren konnten. Also machten wir uns gesättigt mit Essen, Trinken und Neuigkeiten aus gemeinsamem Plausch wieder auf den Weg.
Unter blauem Himmel, unter bewundernden Blicken der Kühe, unter der strahlenden Sonne, dazu frisch gestärkt, haben wir die "Stromschnellen" in der Ochtum gemeistert und rasch die Schleuse durchquert.
Am Yachthafen Hasenbüren war kein Vorbeikommen. Zwei Achter im Segelhafen haben die Segelschiff-Kapitäne sicherlich zum Erstaunen gebracht. Der Grund für die frühe Unterbrechung (nach dem Mittagessen!) war der verlockende Zwetschenkuchen mit Sahne und Kaffee in der Restauration im Segelhafen. Diszipliniert im Gänsemarsch und einheitlicher Ruderkleidung ging es zum Verpflegungs-Ort.
Kaum wieder auf dem Wasser, witterten einige Herren den heimatlichen Stall. Ohne nennenswerte Pause und kräftig in die Riemen bzw. Skulls gelegt, ging es Richtung Bootshaus.
Vor den Weser-Brücken kamen wir noch in "schwere See". Einige Ausflugsdampfer und Freizeitkapitäne mit schnellen Schiffen pflügten das Wasser zu großen Wellen. Aber unser Steuermann erkannte mit sicherem Blick, dass wir mit unserem schnittigen und schnellen Achter ohne Halt die Wellen zerteilen konnten. Das Boot hob sich auch etwas aus dem Wasser, weil einige viel Luft zum Protestieren auf nahmen und mit dem Hintern mindestens zehn Zentimeter über dem Rollsitz "schwebten", um diesen nicht nass werden zu lassen.
Gut gelaunt und mit dem Gefühl, an einem schönem Tag dabei gewesen sein zu dürfen, gingen wir an Land.
Die AHs freuen sich auf ihr nächstes Treffen.
Peter Tietjen