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"Hansa" (1879/83) e.V.

Memeltour - 18. bis 28. Mai 2001
Der ideale Lebenszweck ist Rudersport und Schweinespeck

Vierzehn Teilnehmer aus sechs Vereinen, zwei Verbindungsleute (Vida + Hans-Heinrich Busse) sowie zwei örtliche Betreuer fanden sich zu einer lange im Voraus geplanten Litauen-Wanderfahrt zusammen. Vom BRC "Hansa" fuhren mit: Bothi + Hermann Meyer-Richtering, Maren Schierholt und Joe Duncan.

Fährhinfahrt, 15.-17. Mai
Anne Schnelleraite
"Eine Seefahrt, die ist lustig, eine Seefahrt die ist schön ...", heißt es im Lied und die Seefahrt von Kiel nach Klaipeda war auch schön. Die Zugfahrt von Hannover nach Kiel war allerdings "Stress pur". Sie endete schon in Hamburg, da in Neumünster ein Lkw die Oberleitung gekappt hatte. Per Bus ging es weiter, d.h. von Stau zu Stau, und ich sah die Fähre schon ohne mich ablegen. So weit kam es dann doch nicht; ich hatte eine schöne Überfahrt: glattes Wasser, gutes Essen, ein traumhafter Sonnenuntergang und interessante Mitreisende, die mich mit Litauentipps versorgten. In meiner Kindheit, als in den Bremer Häfen noch richtig Betrieb war - auch am Wochenende -, ging mein Vater mit uns dort manchmal sonntags spazieren. Die eine volle Stunde dauernde Fahrt durch den Hafen von Klaipeda bis zum Fähranleger habe ich daher besonders genossen. Einer meiner Reisegenossen wurde von seiner litauischen Freundin abgeholt; die beiden fuhren mich bis vor die Jugendherberge. Dabei handelte es sich um eine Zwei-Zimmer-Wohnung. In diesen Zimmern wohnten die Gäste, die Herbergsmutter (Anfang zwanzig) lebte und schlief in der Küche. Einen Tag später kamen Maren und Ingmar an. Am nächsten Morgen fuhren wir auf die Kurische Nehrung, stiegen in Nida (Nidden) auf die hohe Düne, wanderten an der Ostsee entlang bis zur litauisch-russischen Grenze und besichtigten diverse Museen, unter anderem das Thomas-Mann-Haus. Weil das Tragflügelboot leider erst ab Juni fährt, konnten wir nicht auf der Memel nach Kaunas düsen, sondern mussten den Bus nehmen. Im Gegensatz zu dem altersschwachen Marschrutinis-Taxi, das uns auf der Nehrung nach Nida gebracht hatte, war es ein hochmodernes Gefährt mit Fernseher. Während draußen die grünen Hügel Litauens, gelb und weiß betupft mit Butter- und Pusteblumen, vorbeizogen, tobte auf dem Bildschirm "The perfect storm", ein hochdramatisches Seestück, bei dem der englische Originalton aus dem Fernseher und der "eingesprochene" litauische Text aus einem Lautsprecher hinten im Bus kam. Als wir uns mit den Fliegern am Kaunas ZOB trafen, hatten wir schon ordentlich was erlebt in Litauen.

Freitag, 18. Mai
Frankas Brandis
8.00 Uhr Treffen im Hauptbahnhof Bremen, mit dem Zug nach Hamburg - mit Halt auf der Strecke wegen Mensch(en) auf den Gleisen - erreichen wir noch ausreichend pünktlich den Airport Hamburg und treffen auf Vida und Hans-Heinrich, Hans-Christian und Wolfgang. Leicht verspäteter Abflug des Turboprop-Fliegers der Air Lithuanian, nach einer kurzen Zwischenlandung in Palanga (Badeort an der Westküste) landen wir pünktlich in Kaunas und treffen dort planmäßig auf die Fährfahrer. Mit zwei Kleinbussen geht's nach Birstonas, hier ist unser Stammquartier in einem Haus der litauischen, katholischen Kirche. Nach einem reichhaltigen, warmen Abendbrottisch besichtigen wir noch den örtlichen Skulpturenpark und erkunden den Ort und die Baras. (Es ist die Einzahl!)

Samstag, 19. Mai
Elke Ehlichiene
Heute wollen wir endlich auf der Memel rudern! Nach dem reichhaltigen Frühstück fahren wir mit zwei Kleinbussen und drei Vierern auf dem Bootshänger nach Druskininkai, einem Kur- und Erholungsort in Südlitauen unweit der Grenze zu Weißrussland. Die erste Ruderetappe ist nicht lang; so bleibt uns der Vormittag für eine Stadtbesichtigung. Der Budenmarkt am Rande der Stadt ist typisch und dokumentiert die Armut großer Teile der Bevölkerung. Per Pedes (wir sind schließlich auf einer Wanderfahrt) umrunden wir einen See, kommen am sowjetischen Soldatenfriedhof vorbei zum Museum für Ciurlionis, einem bedeutenden Sohn der Stadt, Maler und Komponist (1875-1911). Nach einem Gang um die russisch-orthodoxe Kirche durchqueren wir den Kurpark und genießen (manche mehr, viele weniger) das wahlweise kalt oder warm gezapfte Wasser der Heilquelle. Ein typisch litauisches Mittagessen nehmen wir in einem Lokal ein. Anschließend folgen wir dem hohen bewaldeten Ufer der Memel stromabwärts, um die Einsetzstelle für die Boote zu suchen. Vida, Vidmantas und Rokas haben bereits alles vorbereitet, so brauchen wir fast nur einzusteigen und loszurudern. Der Wind bläst aus der günstigen Richtung, die Regenschauer haben sich verzogen, wir können die schöne Landschaft genießen und kommen nach 28 km in Merkine an. Die Boote werden dort über Nacht bei einem kleinen Gehöft gelagert. Zur Stärkung bekommen wir frisches Brot, geräucherten Speck, Gurken, Tomaten und aus Roggen gebranntes "Mineralwasser". Das Motto dieser Fahrt - siehe Überschrift - wurde geboren.

Sonntag, 20. Mai
Frankas Brandis
Unser um eine Stunde auf 7 Uhr (3/4 Mehrheitsbeschluss) vorverlegte Frühstückstermin funktionierte. Heute steht die Mörderetappe von 62 km von Merkine bis Alytus an. Die Memel trägt uns, mal Regen, mal Sonne, berauschende Landschaft. Irgendwo mittendrin wieder ein toll organisierter Stehimbiss im Regen mit Lagerfeuer.

Montag, 21. Mai
Klausas Wulffis
Am 5000-$-Gehöft in Nemunaitis steht es fest: Bayern ist Meister! ("one call does it all!")Diese Nachricht baut alle so weit auf, dass wir der von Frankas vorgesehenen 60-km-Mörder-Etappe nach Balbieriskis über die berüchtigten Geröllbänke von Alytus gelassen entgegensehen. Schön, wenn man beim Steuern den Hagel nicht unter, sondern nur auf der Brille hat - unhübsch, wenn das Wasser durch den Reißverschluss der Regenjacke in die Unterhose läuft - brr!! Es gab aber auch sonnige Abschnitte - wie das von Vida und Vidmantas servierte Picknick im Grünen bei Regen unterm Sonnenschirm - viel frischer Knoblauch und litauischer "Whisky" schützen zuverlässig vor Erkältung. Die Entdeckung des Tages verdanken wir Wolfgang: "Klaus, da vorne schwimmen Steine!", rief er aufgeregt kurz vor der Landung am Picknickplatz - wie Hans-Heinrich versichert, gibt es die schwimmenden Steine aber nur in Seitenarmen, die man bei sommerlichen Niedrigwasserständen nicht befahren kann, von einer Beschreibung im Wanderführer der Mittelmemel sehen wir daher ab. Nach der Pause kommt Vida für Hans-Heinrich zu Elke, Maren, Wolfgang und Klaus ins Boot - nun ist es vorbei mit der Ruhe: Den Rest der Strecke durch die "kleine" Memelschleife fahren wir litauisches Intervalltraining - immer 10 Dicke, 10 Halbe. Dadurch waren wir 5 Minuten vor der angegebenen Zeit am Etappenziel - Vidmantas hat seine Uhr denn doch nicht in den Fluss geworfen.

Dienstag, 22. Mai
Dr. Wolfgang Krutzkeas
Es war der Tag der Besuche der Hauptstädte Litauens. 7.30 Uhr hatte sich als Frühstückszeit durchgesetzt und so konnten kurz nach 8.30 Uhr die Busse bestiegen werden. Die Fahrt führte zunächst nach Trakai, hier residierten im 15. Jahrhundert die litauischen Großfürsten, zunächst auf einer Halbinsel, später auf einer Insel des Sees bei Trakai und nahmen an Wanderfahrten teil. Der Name Litauens wurde 1009 das erste Mal erwähnt. Die Anfänge des litauischen Staatswesens gehen auf das 13. Jahrhundert zurück. Die erste Hauptstadt Litauens war Kernave. Damals gelang es Mindaugas, die litauischen Fürsten zu vereinen und einen Großstaat zu bilden. Litauen war von Westen her den Angriffen der Kreuzritter und von Osten her den Angriffen der Tataren ausgesetzt. Mit bröckelnder Macht der Großfürsten wurde Trakai die Hauptstadt und eine Tataren-Gruppe zum Schutz der Herrscher geworben. Ihre Nachfahren leben noch heute in Trakai. Die Kleinbusse setzten die wandernden Ruderer am Leistungszentrum in Trakai ab und wir konnten erst die Austragungsstätte der Juniorenweltmeisterschaften 2002 besichtigen. Ein kurzer Spaziergang am Ufer des Trakaisees führte uns zur Wasserburg der Großfürsten, die seit 1986 wieder aufgebaut wird und in der viele Museen untergebracht sind. Eine Stunde galt der Besichtigung der Burg, um danach eine gastliche Stätte aufzusuchen und eine tatarische Spezialität zur Wiedergewinnung der physischen Kräfte zu nutzen. Ab ging es in die Busse und nach Vilnius, der aktuellen Hauptstadt des seit 1991 wieder unabhängigen Litauen. Als Start des Stadtrundganges wählte Hans-Heinrich Busse den Bahnhofsvorplatz, um von hier nach einem kurzen Abstecher über den Zentralmarkt das Tor der Morgenröte zu erreichen und hier die Innenstadt Vilnius' zu betreten. Vilnius, 1325 am Zusammenfluss der Vilnia und der Neris gegründet, erlebte eine turbulente Geschichte und ist heute ein kultureller Treffpunkt von Ost und West und seine Altstadt ist "UNESCO-Weltkulturgut". Die Gruppe wanderte vom Osttor über den Rathausplatz zur Deutschen Straße, warf mal einen Blick in diese oder jene Kirche, hörte auf dem Gelände des ehemaligen Gettos etwas über das Schicksal der Juden in der deutschen Besatzungszeit während des zweiten Weltkrieges, kam am Haus der Unabhängigkeitserklärung von 1918 vorbei und stieg letztlich am Balletttheater wieder in die Busse, um mit dem litauischen Nationalgericht "Cepelini" eine Stärkung zu sich zu nehmen. Um 19.00 Uhr wurde eine Folklore-Veranstaltung besucht, die auf Grund des unbeständigen Wetters kurzerhand unter den Dächern der Ausgrabungen der Reste des mittelalterlichen Stadtschlosses stattfand. Sechs Damen mit verschiedenen Instrumenten brachten den Zuschauern über eine Stunde litauische Volkslieder nahe. Nach der Aufführung konnten die Ruderer noch individuell durch die Stadt bummeln, was die meisten zu einem Aufstieg auf die Burganlage nutzten, und danach folgte die Rückfahrt nach Birstonas in die Unterkunft. Wer die Informationen zur litauischen Geschichte noch beim Bier verdauen wollte, traf sich in der nahen Bar und so ging ein gelungener Tag der Memelwanderfahrt zu Ende.

Mittwoch, 23. Mai
Dr. Hans-Christianas Lindneris
"Boah-Äei!", beim Aufwachen: Blick aus dem Fenster, purer Sonnenschein nach Tagen spürbarer Kühle - vorsichtig ausgedrückt. Raus aus den Federn war leicht. Die Küche aber hatte noch ein arktisches Frühstück bereitet, oder war es litauisch? Würstchen mit Nudeln. Dann ging's mit starkem Wind von achtern von Balbieriskis nach Birstonas. Angefeuert durch eine Flasche Müller-Thurgau von Wolfgang ließen die Ruderer das Boot dahinfliegen. So war der Nachmittag frei für neue Taten. Ein Teil der Gruppe nahm das Angebot von Hans-Heinrich an, mit ihm nach Kaunas zu fahren. Man besuchte die Synagoge, die Kathedrale und bummelte durch die Neustadt. Das war alles sehr interessant, aber nicht sehr sozialverträglich und fand deshalb nicht die ungeteilte Zustimmung der Fahrtenleitung und der Übrigen. Man hatte nicht bedacht, dass in Birstonas für die Ausflügler das wohlvorbereitete Abendessen wieder abbestellt werden musste. Trotzdem versicherte man sich weiterhin der gegenseitigen Hochachtung und die exzellent gute Stimmung nahm keinen Schaden. Im Laufe des Abends trafen sich viele beim Gitarrenkonzert im Kulturhaus und ließen den Tag beim Bier in der Baras ausklingen.

Donnerstag, 24. Mai
Joachimis Hülsmannas
An diesem sonnigen und wärmsten Tag der Reise stand die Etappe Birstonas bis Kuonis (43 km) auf unserem Programm. Auf Wunsch einiger Damen kam es zu einem reinen Damenvierer und auf Wunsch der 82er zu einem reinen 82er-Vierer. Gestartet wurde um 10.00 Uhr und zügig die Mittagsrast nach 25 km erreicht - ein Picknick in der Sonne mit viel Obst. Aufkommender Wind hatte zur Folge, dass die letzten 3 km der Tagesetappe Platz 1 und 2 rudernd und 3 und 4 stabilisierend erfolgten und wir uns wie Helden fühlten, als wir unterhalb eines Wasserkraftwerkes das Ziel erreichten. Im Anschluss fuhren wir zum größten Freilichtmuseum Europas nach Rumsiskes. Beim Ausziehen seiner Stiefel unter Mithilfe von Maren und Vidmantas zog sich Klaus nach einer Dreipunktlandung eine Bänderdehnung im rechten Knie zu, die ihn dazu zwang, tags darauf auf das Rudern zu verzichten. Im Freilichtmuseum wurden uns anschaulich litauische Bauernhäuser aus dem 18. und 19. Jahrhundert und deren unterschiedliche Bauart nach geografischer Lage in Litauen erläutert. Nach dem Abendessen in Birstonas wurde der Abend bei einigen Glas Bier in der örtlichen Bar fröhlich beendet.

Freitag, 25. Mai, Kaunas-Stausee
Martinas Kühnis
Der Rudertag beginnt leider mit einem Ausfall. Klaus muss wegen seines lädierten Beins pausieren, so dass ein Vierer in Unterbesetzung fährt. Wieder einmal hat Frank die Mannschaften ordentlich durchmischt. Die neugebildete Osterholz-Hansa-Crew geht als erste aufs Wasser, bei Sonnenschein und mäßigem Wind. Der Wellengang auf dem Stausee lässt es dennoch als ratsam erscheinen, sich hart am Ufer in Richtung Kaunas vorzuarbeiten, vorbei an dichtem Wald und einsamen Buchten, von keinerlei Siedlungen unterbrochen. Der Wind nimmt zu, Schaumkronen bilden sich auf den Wellen. Das Hansa-Osterholz-Boot kann als erstes noch ohne Schwierigkeiten den Jachthafen von Kaunas erreichen. Der unterbesetzte Vierer übernimmt beim Queren des Sees so viel Wasser, dass schließlich nur noch Maren rudert, während die anderen schöpfen. Unser letztes Boot muss nach heftiger Wasserübernahme unterbrechen; mit Mühe kann gerade noch ein halbwegs zur Landung geeigneter Uferstreifen angesteuert werden. Vida und Hülse kämpfen sich durch dichten Wald zu einer Kleingartenansiedlung durch. Über Telefon wird Vidmantas verständigt. Derweil baut die restliche Mannschaft einen Unterstand und macht Feuer. Der Wellengang lässt stundenlang ein Flottmachen des Bootes und die Weiterfahrt noch nicht zu. Endlich naht Hilfe: Vidmantas hat einen Kutter organisiert. Der nimmt unser Boot auf den Haken. Bei allen ist die Erleichterung groß, als wir in den Jachthafen von Kaunas eingeschleppt werden. Beim anschließenden Essen im Jachtclub wärmen wir uns auf. Abends treffen wir uns mit Ruderern aus Hamburg-Wandsbek zu einer Gartenparty auf dem Lande. Hans-Heinrich hat zudem eine folkloristische Darbietung organisiert. Die alten Damen des Dorfes, in traditioneller litauischer Tracht, begeistern mit Gesang und Tanz. Da lassen Hamburger und Bremer sich nicht lumpen und stimmen ihrerseits Shantys an. Gemeinsam wird getanzt. Die Sonne ist schon lange hinter dem Horizont verschwunden, als mit "Der Mond ist aufgegangen" der Abend ausklingt.

Samstag, 26. Mai
Frankas Brandis
Heute verlassen wir unser schon vertrautes Kirchenasyl in Birstonas und ziehen in die Großstadt Kaunas in ein Sporthotel. Einfachste Ausstattung lässt uns den letzten Tag nicht vergraulen, wir hatten auch schon die gehobene Klasse. In Kaunas steht das Teufelsmuseum - eine Sammlung von Teufeln in allen möglichen Formen -, die Besichtigung von historischen Gebäuden, Kirchen sowie ausführliches Shopping und wieder ein typisches litauisches Mittagsmahl auf dem Programm. Nachmittags heißt es Abschied nehmen von den Fährfahrern, da ihre Fähren Sonntag pünktlich in Palanga starten. Den Abend genießen wir in einer Holzhauskneipe, mitten in ein Wohnquartier hineingebaut.

Sonntag, 27. Mai
Hannes Ehlichas
Nach einer ziemlich kurzen Nacht im Sporthotel in Kaunas gilt es, schnell die Sachen zu packen, um mit dem Bus rechtzeitig zum Flughafen zu kommen. Dort angelangt legt sich die Hektik schnell, denn wir haben viel Zeit bis zum Abflug: Viele nutzen sie, um das Frühstück nachzuholen. Die Fensterplätze im Flieger sind heute begehrt. Den Lauf der Memel können wir lange aus der Luft verfolgen, vor der Zwischenlandung in Palanga sehen wir das Haff und die Nehrung. Auf dem Weiterflug versperren uns überwiegend Wolken die Aussicht. So werden wir kurz vor Hamburg von der Ansage der baldigen Landung überrascht. In Hamburg verabschieden wir uns von Hans-Heinrich, Hans-Christian und Wolfgang mit der Hoffnung, uns alle in Hemmoor am 23./24. Juni wieder zu sehen.

So.Mo., 27./28. Mai, Fährrückfahrt
Marene Schierholtaite
Eine Seefahrt, die ist lustig eine Seefahrt, die macht froh ... und so lief die dem Wasser treu bleibende Fraktion Tage später mit Zeit zum Genießen in Kiel ein - so soll's sein.

So.-Mi., 27.-30. Mai, Fährrückfahrt
Anne Schnelleraite
Nach neun Tagen in der Gruppe und einem Übergangstag in der Kleingruppe war es schon ein komisches Gefühl, mit einem Mal ganz allein zu sein. Am Sonntag wanderte ich in Klaipeda und noch einmal auf der Nehrung herum, Montag und Dienstag war ich in Palanga, u.a. im Bernsteinmuseum und im Botanischen Garten (der direkt an der Düne endet). Auf der etwa einen Kilometer langen Straße, die von der Stadtmitte zum Strand führt, steht Kneipe an Kneipe. Und überall wurde gesägt, gehämmert und gebohrt, um noch eine Terrasse, ein Vordach o.ä. zu installieren - ein Badeort rüstete sich für die Saison. Das Litauen-typische wechselhafte Wetter lieferte sein Meisterstück: Vor dem Bernsteinmuseum hatte ich auf einer Bank in der Sonne gesessen. Bis zur Düne waren es nur wenige Minuten, aber als ich über die Düne kam, war die Ostsee nicht mehr zu sehen - pottendichter Nebel. Gut eine Stunde, bei der Ankunft in Klaipeda, begann es zu regnen. Alle drei Abende verbrachte ich auf den Veranstaltungen der deutsch-litauischen Kulturtage und beim anschließenden geselligen Beisammensein mit deutschen Wissenschaftlern, Lehrern und Zivildienstleistenden, die in Litauen und Lettland arbeiten, und Künstlern, die bei den Kulturtagen auftraten. Dabei stellte sich heraus, das Hans-Heinrich in der deutschen Kolonie bekannt ist wie ein bunter Hund; ich bekam diverse Grüße an ihn aufgetragen und auch noch einen für einen Litauenspezialisten, der unter den Passagieren auf meiner Fähre sein sollte. Pflichtschuldigst suchte ich Herrn Wennau, der, wie sich beim Tausch der Visitenkarten herausstellte, in Lilienthal wohnt. An Bord befand sich außerdem eine fünfzehnköpfige Brigade des Roten Kreuzes aus Hastedt, die von einem Hilfstransport nach Riga zurückkehrte. Von ihnen erfuhr ich allerlei über die Verhältnisse in Lettland. Ein Rentnerpaar berichtete von seiner fünfwöchigen Reise per Bahn durch die GUS-Staaten. Wenn einer mit der Fähre fährt, bekommt er was zu hören. Zu sehen auch: Die Kreidefelsen von Rügen passierten wir im letzten Büchsenlicht; Kap Arkona war, als die Wolken für wenige Minuten aufrissen, als Silhouette vor dem rosa Abendhimmel zu sehen. Danach begab ich mich in die Sauna, dann in die Admiralitätsbar und schließlich in die Koje. Punkt sieben Uhr früh machte die "Petersburg" in Kiel fest.

Für die gute Organisation, die Vermittlung vieler Informationen und Eindrücke von einem kleinen, aber bedeutenden Land mit herrlicher Natur bedanken wir uns bei Vida und Hans-Heinrich, Vidmantas und Frank.

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