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"Hansa" (1879/83) e.V.

KIRCHBOOTFAHRT mit VRV

Die Vegesacker Damen hatten eingeladen zu einer Picknickfahrt am 10. Juni zum Harriersand mit dem gerade gekauften alten Kirchboot "EISBRECHER".

Diese ca. 15 m langen Kirchboote wurden früher in Finnland für die Fahrten zwischen den Schäreninseln und dem Festland benutzt. Es gibt 14 Ruderplätze und nur einen schmalen Platz für den Steuermann. Normalerweise sind die Ruderplätze feste Bänke, aber die Vegesacker haben den "EISBRECHER" mit Rollsitzen versehen, was das Rudern natürlich erheblich angenehmer macht. Es gibt keine Ausleger, sondern die Riemen werden in auf der Bordwand eingeschraubte Haken eingehängt. Somit lassen sich die Riemen auch nicht drehen - das ist zu Anfang recht ungewohnt, weil man gewohnheitsmäßig zunächst versucht zu drehen.

Von HANSA fuhren Anneliese, Bothi, Dorni, Gisela und Margita mit. Bothi hatte sich netterweise bereit erklärt, den "EISBRECHER" zu steuern (mit Pinne). Das Boot lag schon bereit am Steg, die Sonne schien, es war wenig Wind, und so wurde das Boot mit einer fröhlichen Mannschaft vom Steg abgedrückt und rauschte mit ablaufendem Wasser in gutem Tempo weserabwärts. Vor der Vegesacker Promenade machten wir einen kurzen Stop, um mit langen blauen Kreppbändern einer VRV-Kameradin zuzuwinken, die oben am Hang wohnt und Geburtstag hatte - natürlich brachten wir ihr auch ein Ständchen, worüber sich alle Leute an der Promenade und auf dem Wasser freuten und wunderten, weil sie nicht wussten, wem dieses Ständchen galt. Man kann sich vorstellen, dass 14 Frauen nicht schweigsam vor sich hinrudern: Es war ein fröhliches Geschnatter, so dass Bothi Mühe hatte, ihre Kommandos zu Gehör zu bringen. Das Boot lief gut - es gab ein paar kurze Pausen, um Dornis Geneverflasche und Knabberzeug herumzureichen.

Nach ca. zwei Stunden steuerte Bothi auf den schönen Strand des Harriersandes zu. Schuhe und Strümpfe wurden ausgezogen und raus aus dem Boot - hinein in das kalte Weserwasser. Das Boot wurde mit Hilfe von drei dicken runden Holzstangen aus dem Wasser raus nach oben auf den Strand gezogen und geschoben und beidseitig mit dicken Fendern abgestützt, so dass es auf Kiel lag.

Bei Sonnenschein mit wenig Wolken wurde am Strand nun ein großartiges Buffet auf einer großen runden knallgelben Tischdecke mit einer Kerze in der Mitte aufgebaut. Alle Frauen hatten etwas mitgebracht: Es gab verschiedene Salate, herzhafte Blätterteigschnecken mit Schinken, Käse- u. Kräuterbrote/Fladen, diverse Sorten Butterkuchen, Muffins , ......., Kaffee, Wasser ..... und natürlich Sekt.

Nach etwa zwei Stunden zogen verdächtig dunkle Wolken am Himmel auf, aber es war sowieso langsam Zeit, das abgegessene Buffet wieder einzupacken und den "EISBRECHER" wieder ins Wasser zu schieben. Mit auflaufendem Wasser und Schiebewind erreichte uns ein kurzer Regenschauer auf halber Strecke, aber der Wind trocknete die feuchten Klamotten schnell wieder. In Vegesack war wegen des Hafenfestes schwer was los: Boote aller Art sorgten für ziemlich unruhiges Wasser, rasten, tuckerten, segelten, dümpelten kreuz und quer, alle voll beladen mit "Seh-Leuten", die mal ein bisschen Seeluft schnuppern wollten. Und dann kamen wir angerudert - 15 Frauen in einem Boot! Das erregte doch einiges Aufsehen. Das letzte Stück auf der Lesum stellte große Anforderungen an die Steuerfrau, aber bei Bothi kann man die Augen zumachen und einfach nur ihren Kommandos folgen: Sie steuerte unser großes Boot durch den dicken Verkehr mit einer Wende ganz sanft an den VRV- Anleger, genau so, wie routinierte LKW-Fahrer ihren LKW durch dicksten Großstadtverkehr lenken, mitten auf einer mehrspurigen Straße wenden und rückwärts einparken.

Dann war noch eine schwierige Aufgabe zu lösen, die aber auch gut gemeistert wurde:

Der "EISBRECHER" musste gedreht werden, also Bug stromaufwärts, dann je sechs Frauen Bb und Stb, zwei kräftige Frauen mussten den im Heck befestigten Tampen festhalten und das Boot so festhalten, dass es in Längsrichtung zum Steg kam, damit die Mannschaft es geradeaus aus dem Wasser auf den Steg und auf Kiel nach oben ziehen und schieben konnte. Das war Millimeterarbeit. Oben angekommen wurden dann wieder die Holzstangen zum Weiterrollen untergeschoben, so dass das Boot problemlos zum Waschplatz und anschließend in sein Lager gerollt werden konnte.

Das war mal wieder eine schöne Tour mit den Vegesacker Damen. Für mich war die Fahrt besonders schön, weil meine Mutter aus Finnland ist und als Kind gelegentlich im Kirchboot den Weg zwischen Festland und Schäreninseln zurückgelegt hat.

Margita Voswinkel
(Stöpsel)

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