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Bremer Ruder-Club "Hansa" (1879/83) e.V. |
Kohlkönigin Kathleen und Kohlkönig Hagen müssen einen besonders guten Draht zum Wettergott haben. Haben sie es doch hingekriegt, dass am Tag der diesjährigen Kohlfahrt das schönste Winterwetter herrschte, das man sich denken kann.
Entsprechend fröhlich ging es nach kurzem organisationsbedingten Aufenthalt auf dem von Kohlwanderern aller Art und Güte bevölkerten Bahnhofsvorplatz per Straßenbahn in Richtung Werdersee. Hier tummelte sich alles, was laufen (und fahren) konnte, mittendrin die 36 kohlsüchtigen Hanseaten. Nach beherztem Eingreifen von Prinzgemahl Lüder, der dafür sorge trug, dass ein Nachzügler, der die Kohlfahrt auf das kommende Wochenende verlegen wollte, nachkommen konnte, ging es mit den ersten Aufgaben los. Das Autorennen, das so viel feinmotorisches Geschick erforderte, verhalf mir zum Gewinn des Tages: Ich darf den Bericht über die Kohlfahrt verfassen.
Die Wanderung am See entlang war ein Genuss, nur leider wurde sie häufig unterbrochen durch allerlei Hindernisse, die wegzuräumen waren, wie z.B. Käse, Wurst und Brötchen. Mit entsprechenden geistigen Flüssigkeiten wurde alles bewältigt. Wohl wegen des trockenen Wetters war der Bedarf an Flüssigkeit etwas größer als im Vorjahr.
Seltsame Dinge geschahen auf unserem Weg: Da standen etwa erwachsene Menschen mitten in der Landschaft und aßen offensichtlich paarweise Nudeln, und zwar ungekochte. Der gute Geschmack allein kann nicht der Grund für diese Beschäftigung gewesen sein! Zwischendurch war immer wieder der gestöhnte Satz zu hören "Ich bin drin!" In Bremen und umzu geschehen während der Kohlzeit wahrlich absonderliche Sachen. Zumindest kommt es einem Niedersachsen wie mir so vor. Das Schlimmste ist die mangelhafte Disziplin des Kohlvolks. Es gehorcht nicht einmal seinem Königspaar, wenn dieses eine komplizierte Aufgabe erklären will. Und ganz ohne Grund bricht dieses Volk immer wieder in Lachen aus. Verstehe einer diese seltsamen Menschen! Es steht zu befürchten, dass auch unsere Gäste aus Rostock einen schockierenden Eindruck von den Bremern bekommen haben.
Endlich kamen wir dann auch zu einem Restaurant, in dem es appetitlich nach Kohl roch. Und so schmeckte es auch. Ausgelaugt von der übermenschlichen Anstrengung des Nachmittags machten wir uns über die Mahlzeit her. Wir schafften auch dieses noch, allerdings nur mit Hilfe weiterer Flüssigkeiten.
Was danach kam, gestaltete sich etwas unübersichtlich. Plötzlich (viel schneller als die Amerikaner ihren Präsidenten) hatten wir ein neues Königspaar: Silke Derlien + Günter Börchers, das nach Inthronisation seinen königlichen Schmuck zeitweise dem Kellner überließ. Der wusste ihn aber auch mit Würde zu tragen. Das Ganze wurde mit Argusaugen beaufsichtigt von unserem Senior Hubert, der in Vereins-Gala unser Ansehen rettete.
Mitten im schönsten Tanz mussten wir Niedersachsen dann leider unseren Heimweg nach Osnabrück antreten. Deshalb kann ich über das Ende der Kohlfahrt nichts ausplaudern.
Peter F. Mayer