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"Hansa" (1879/83) e.V.

Sieben-Seen-Tour in der Uckermark und Mecklenburg-Strelitz

Den nachfolgenden Fahrtenbericht hat Dr. Wolfgang Krutzke (HSG Universität Rostock) verfasst und uns freundlicherweise zur Verfügung gestellt. An seiner Sieben-Seen-Ruder-Tour hatten Peter und Brita Schönbeck (Anklamer Ruderclub) und Martin Soltau (BRC „HANSA“) teilgenommen.

Wanderfahrtsberichte sind immer ein Unikat, weil sie etwas beschreiben, was sich so nicht wiederholen wird.

Es gibt historische Fahrten, die in hundert Jahren noch Bedeutung haben. Das trifft auf die „Sieben-Seen-Tour” nicht zu.

Es gibt Fahrten mit einer großen Anzahl von Teilnehmern, die von ihrem Zusammenspiel und den daraus entspringenden Anekdoten leben. Eine solche Fahrt war die zu beschreibende auch nicht. Ihr reibungsloser Ablauf und die Erlebnisse ergaben sich gerade aus der geringen Zahl der Teilnehmer, was im Folgenden nicht in den Mittelpunkt gestellt werden soll.

Es gibt aber auch Fahrten, die so interessant sind, dass sie anderen RuderInnen bekannt gemacht werden sollten, um zu informieren und zur Nachahmung anzuregen. Dieses trifft auf die „Sieben-Seen-Tour” voll zu.

Wenn der Autor, der bestimmt nicht wenige Wanderfahrten bisher erlebt hat, diese zu den schönsten zählt, dann kann er die Begeisterung nur weitergeben.

Natürlich waren die Seen nicht auf sieben abgezählt, natürlich wurden alle möglichen Seen durchrudert und das ergab eine Menge Neuwasser für alle Beteiligten. Warum die Popularisierung im Vorfeld nicht reichte, ist im Nachgang müßig zu untersuchen. Wer von dem Projekt wusste und nicht mitgefahren ist, ist selbst schuld und hat viel versäumt.

Am 21. Juli dieses Jahres trafen sich die Teilnehmer in Anklam, verluden das Boot auf den Hänger und waren gespannt, was am Morgen des folgenden Tages losgehen würde.

Früh ging es dann auf die Fahrt durch das schöne Vorpommern hinein in die brandenburgische Uckermark zum Ferien-Ort Warnitz am oberen Uckersee. Die Badestelle des Ortes eignet sich ausgezeichnet als Einsatzstelle, zumal man bei dem trüben Wetter des Sonnabendvormittag nicht von Badebetrieb sprechen konnte. Gerade beim Ablegen fing es an zu regnen und es wehte ein kräftiger Wind aus Nordost. So blieben den Ruderern die Schönheiten des Sees doch verborgen. Einem Hinweis nachgehend, dass sich bei Seehausen im Verbindungskanal der beiden Uckerseen eine Pontonbrücke befände und ein Weiterfahren da wohl nicht möglich sei, begab sich der Landdienst zu dieser Stelle zwischen Seehausen und Potzlow.

Tatsächlich war die Straßenbrücke abgerissen und für Fußgänger und Radfahrer gab es die besagte gut verankerte Behelfsbrücke. Dichtes Buschwerk säumte den Kanal. Das Geländer der Brücke war an einem Ende nicht vollständig und genau dieses war die Stelle zum Überwinden der Brücke, fragte sich nur, wie die Spanntrossen im Oberwasser überwunden werden konnten. Aber kommt Zeit, kommt Rat und in diesem Fall die „Pommernland“ aus Anklam.

Peter zeigte dann viel Geschick, bugsierte das Boot unter den Trossen hindurch und legte so an, dass das leere Boot nur über die offene Stelle gezogen zu werden brauchte. Aus der Baustellenbeschreibung ging hervor, dass der Kanal im Jahre 2001 wieder hindernisfrei befahrbar sein wird.

Sieht man vom schlechten Wetter ab, verlief die Fahrt nach Prenzlau problemlos. Hier hielt der Landdienst am Fahrgastanleger einen Imbiss bereit und dieser wurde im nahe gelegenen Café noch getoppt. Martin übernahm den Landdienst und damit das Quartiermachen und für die RuderInnen folgte eine schöne Tour mit Wind vom Heck und Sonne vom Himmel, so dass Peter auch noch einem Abstecher in die Bucht von Seehausen zustimmte.

In Warnitz angekommen, wurde das Boot verladen und der Hänger mit auf den Reiterhof genommen. Als Quartier bekamen wir Doppelstockbetten und der Rest des Abends klang mit Essen und Trinken im Hof aus.

Sonntagfrüh umsetzen nach Feldberg. Hier war im Vorfeld der Campingplatz „Am Bauernhof” als Standort gewählt. Über diesen Standort kann man nur Positives berichten. Herr Greilich hat als Betreiber Stück für Stück den Platz zum Juwel umgestaltet. Kaum noch DDR-Nostalgie. Als Unterkunft kann man Ferienwohnungen buchen oder auf dem Platz zelten. Es gibt ein modernes Waschhaus und für Wasserwanderer gibt es einen für diese Mitmenschen vorbehaltenen Teil, auf dem auch Paddelboote, Ruderdingis, Segeljollen oder Tretboote ausgeliehen werden können. So entsteht auf dem Platz nie ein Konflikt zwischen Wassersportlern und „Normalcampern”. Für das leibliche Wohl sorgt eine fast nie schließende Einkaufsstätte mit angeschlossenem Ausschank und durch die ständige Präsenz des Chefs auf dem Platz entsteht auch nie irgendeine Art von Unruhe. Für Ruderer eine runde Sache, die man nur weiterempfehlen kann.

Sportlich stand am Sonntagnachmittag eine Angewöhnungstour über den Breiten Luzin und den Haussee auf dem Programm. Ruhiges Wasser ließ das Boot richtig laufen. Auch die Stadt Feldberg hat am Haussee Einrichtungen zum Anlegen geschaffen, die wir gerne zur Pause nutzten. Am Amtswerder fand die für Feldberg typische Wasserskishow statt, der wir Dank unserer Ausrüstung mit Boot wasserseitig zuschauen konnten. Nach dem Ausrudern des Haussees ging es in den Rosenkanal und hinter der Umsetzstelle erwischte uns der Regen des schon längere Zeit heraufziehenden Gewitters. Schnell unter die Brücke zwischen Schmalem und Breitem Luzin und schon war alles nur halb so schlimm, denn Duschen wollten wir erst in der Unterkunft.

Es gab noch eine Fortsetzung des sportlichen Teils. Beim Abendbrot warf Peter die Idee einer Fahrradtour in die Runde, was dann auch umgesetzt wurde. Erst wurde ein Stück Straße gefahren und dann am Nordufer des Breiten Luzins in die Landschaft abgebogen und der herrliche Abend von der Landseite genossen. Kurze Pause in der ehemaligen Ranch eines SED-Funktionärs und dann in die Auf- und Abfahrten des Hüttenbergs. Es ging schon sehr rasant zu. Nach zwei Stunden gaben wir Herrn Greilich die Räder zurück und ließen den Abend bei einem Gläschen Rotwein ausklingen.

Am Montag stand der südliche Teil der Feldberger Gewässer auf dem Plan der Mannschaft. Um diesen zu erreichen, muss der Schmale Luzin durchrudert werden. Der Schmale Luzin ist mit seinem klaren Wasser und seinen steilen bewaldeten Ufern eine Perle Mecklenburger Natur. Diese am Morgen bei gleißendem Sonnenlicht erlebt, lässt die Fahrt eben unvergesslich werden. Nicht ganz einfach war es, die Einfahrt zum Carwitzer Bach zu finden, der uns dann eine 100 m lange Urwaldpassage brachte, die man im Ruderboot staken musste. Da der Wasserspiegel der oberen Seen zu dem Carwitzer Seen um 20 cm differiert, folgte nun das Umsetzen des Bootes über ca. 20 m in den unteren Bachteil.

Kein Motorboot weit und breit und das Boot lief im gleißenden Sonnenlicht. Die Ufer meist hinter dem Schilfgürtel dicht bewaldet und die Größe der Wasserfläche brachte dem Bugmann keine Probleme beim Steuern. Die Namen der Seen sind wenig bekannt, sollten für Insider aber mal genannt werden: Lütter See, Carwitzer See, Zansen und Dretz. Eine befahrbare Verbindung zum Wootzen haben wir nicht gefunden.

Zum Mittagessen waren wir wieder in Carwitz verabredet, aber die Ansteuerung des Treffpunktes vom Wasser her gestaltete sich schwieriger als gedacht. Schließlich fanden die Ruderer aber den Platz bei den Fischern. Es wurde Suppe gekocht, diese mit Würstchen verspeist und es war auch noch Zeit für eine Siesta. Danach ging das Boot auf den Nachmittagstörn in den Dreetzsee. Die Feldberger Seen haben keinen offiziellen Abfluss, weil eben an den Ufern des Dreetzsees so viel Wasser versickert, dass es eines anderen Abflusses nicht bedarf. Ein Novum in Deutschland.

Es folgte die Rückfahrt, Umsetzen in Carwitz und Rudern über den Schmalen Luzin zur Unterkunft, Abriggern und Verladen des Bootes. Nach dem Essen wurde der Feuerplatz aktiviert und beim Beobachten der Flammen ein wenig Rotwein verzehrt.

Am Morgen freuten wir uns auf die frischen Brötchen aus dem Campingshop, frühstückten auf dem Balkon und spannten dann das vierrädrige Pferd vor den Wagen, um nach Lychen umzusetzen. Hier hat man in der Grünanlage am Mühlenstau eine schöne Einsatzstelle in den Oberphulsee und die Herren machten sich auf, die oberen Lychener Seen abzurudern. Der Eindruck von der Landschaft war hier derselbe wie schon einen Tag zuvor bei Carwitz. Ungestört konnte jeder der Bewegung und den Gedanken nachgehen. Brita ging als „Landdienst” ihren künstlerischen Ambitionen nach.

Für Peter und Brita war die Neuwasserzeit hier zu Ende, weil sie zu Pfingsten die Neustrelitzer Tour mitgemacht hatten.

Zum Mittag wieder zurück im Stadtpark und das Boot in den Stadtsee hinübergehievt. Nach der Pause beschlossen wir, in den Wurlsee zu rudern, Brita mitzunehmen, um dort gemeinsam Eis zu essen.

Am Abend wurde das Boot an der Mühlengaststätte wie abgesprochen zur Nachtruhe gebettet und die Mannschaft zog ins Quartier im Internat des Gymnasium ein. Ein großes Dankeschön dem Direktor, der uns dieses schöne Quartier ermöglichte.

Der Mittwoch brachte die Einfahrt in die Havelgewässer, also wurde noch mal der Stadtsee durchrudert, dann über den Großen Lychener See, durch die malerisch bewaldete Woblitz zum Haussee bei Himmelpfort zur Selbstbedienungsschleuse Himmelpfort. Es war früh am Tag und die Schleusung problemlos. Danach war es mit der Ruhe auf dem Wasser vorbei, denn auf dem Stolpsee kamen die PS-getriebenen Motorbootfreunde aus der Richtung Berlin dazu und vor der Schleuse Fürstenberg warteten zirka 50 Boote auf die Schleusung.

Wir fuhren mit einem Mix aus Warten und Vordrängeln ganz gut, brauchten aber auch damit zwei Stunden für die Passage in Fürstenberg. Geregelter ging es an der Steinhavelschleuse zu, weil es hier kein Drängeln gab. Jeder Ankommende legte sich als Letzter in die Warteschlange am Ufer des Kanals und so ergaben sich für uns wieder eineinhalb Stunden für die Schleusung. Danach wurde erst mal in Steinförde Mittagspicknick gemacht und sich der Ruhe hingegeben. Ausgeruht und frisch gestärkt ging es auf den letzten Tagesabschnitt über den Wentowsee, Ziernsee und Ellenbogensee. Am Ende des Ellenbogensees liegt die Marina „Priepert“, die uns als Bootsunterkunft dienen sollte, während die Mannschaft ins Quartier in Lychen zurückkehrte. Der Abend brachte ein gemeinsames festliches Essen und mehr bleibt dem Chronisten an diesem Tag nicht zu berichten.

Der Donnerstag sollte den Abschied von den Schönbecks bringen, da sie am Freitag einen privaten Termin wahrnehmen wollten. Deshalb wurde bis Mittag die Strecke nach Neustrelitz gerudert. Die Schleusen Wesenberg und Voßwinkel waren kein Problem und so blieb auch noch Zeit für das Ausrudern des Wanglitzsees und eine Kaffeepause am Woblitzsee.

Auf dem Gelände des WSV ging alles zügig. Boot abbauen und samt Zubehör verladen. Die geliehenen Paddelhaken abgeben und nach dem Essen die Fahrt nach Anklam.

Am Freitag fuhren Wolfgang und Martin mit dem Anklamer G. Schulz noch zur Karniner Eisenbahnbrücke und so ging diese herrliche Sommertour zu Ende.

Das Boot legte 238 km zurück.

Dr. Wolfgang Krutzke
HSG Universität Rostock

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