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"Hansa" (1879/83) e.V.

Ohne Weib, aber mit Wein und Gesang

Ruderwanderfahrt auf Saar, Mosel und Rhein ("SaMoRhei")

Teil der Fahrtstrecke von Saarbrücken nach BonnSonnabend, 7.10.
Nach frühem Aufstehen in der Umkleidekabine der Saarbrückener Rudergesellschaft "Undine", Aufriggern der beim Bonner Ruderverein 1882 geliehenen Boote "Baas" und "G.A.-Vierer", Einkauf und Frühstück bei McDoof starteten wir zur ersten und mit 59 km längsten Etappe dieser Tour nach Mettlach. Zuvor verabschiedeten wir Hans-Peter, einen Bonner Wanderruderer, der Hänger und Bully "SAUS" wieder nach Bonn fuhr. Bei Sonnenschein durchquerten wir Saarbrücken und Industrielandschaften auf der hier frisch kanalisierten Saar, die 4 Schleusen passierten wir ohne Probleme. Später wurde die Landschaft sehenswerter, in Dillingen ging Olaf von Bord, um mit der Bahn zum rechtzeitigen Schlüsselholen zu den Kanu-Freunden Mettlach vorzufahren. Mit dem letzten Tageslicht erreichten die Boote Mettlach. Der Abend wurde nach kurzer Zugfahrt in Merzig verbracht, dort war "Viezfest" (Viez = leichter Apfelwein).

Sonntag, 8.10.
Nachdem die Nachwehen des Viezfestes überstanden waren, strebten wir am Morgen zur nächsten Bäckerei. Unser Frühstücksdirektor Jürgen konnte uns mit der Aussicht auf Kaffee mit trockenen Brötchen nicht so ganz überzeugen, so dass ein Teil der Mannschaft einen 1/4 stündigen Fußmarsch in die Innenstadt in Kauf nahm und dort mit einem reichhaltigen Frühstück belohnt wurde. Frisch gestärkt stiegen wir in die Boote und verließen die Porzellanstadt (Villeroy u. Boch) Mettlach. Kurz hinter der Landesgrenze sahen wir die ersten Rebhänge, die uns von hier bis nach Koblenz begleiteten. In Saarburg unterbrachen wir unsere Fahrt, um unsere Akkus mit SchniPoSa aufzufüllen. Weiter ging es der Mosel entgegen, die wir bei Konz erreichten. Im strömenden Regen passierten wir die 2000-jährige Römerbrücke und erreichten nach 40 Ruderkilometern unser Tagesziel, Trier, die älteste Stadt Deutschlands.

Montag, 9.10.
Unser heutiges Frühstück ist üppig, wir genießen es in der gerade neu erstellten Vereinsgastronomie. Kultur in Trier ist heute angesagt, zur Einstimmung fahren wir mit der Seilbahn auf die linke Moselseite. Von hier aus hat man einen netten Blick auf Trier, unser Kulturbeauftragter I. O. gibt Erläuterungen zur Geschichte der Stadt. Wir betreten die Stadt durch das römische Tor Porta Nigra, später als Kirche erweitert, schlendern durch den Dom, genießen bei Kesselstadt (Winzergut) einen Imbiss und Wein. Weiterhin steht das Amphitheater (1. Jh.) mit 30.000 Plätzen (!), einige Thermen sowie das Karl-Marx-Museum an. Krönender Abendabschluss an der Moselkulturmeile "Lauben" bei Staubflusenflair und mittelmäßigem Essen war eher der besonders in politischem Sinne mutige Wirt.

Dienstag, 10.10.
Wie auch an den anderen Tagen sind wir um 7:00 Uhr aufgestanden, haben das "Männerwohnheim" des Trierer RV verlassen und im gelungenen Neubau des Vereinsheims bestens gefrühstückt. Rechtzeitig zum Bootebeladen hörte der Dauerregen auf, so dass die Tour halbwegs trocken für alle bis auf Ingmar verlief, der beim Aussteigen in Trittenheim leichte Probleme hatte. Nachdem alle Gepäckstücke quer durch den Ort zu unserem nächsten Quartier, einer ungeheizten Schule, geschleppt waren, ging es in die Weinberge mit ausreichend Weintrauben zum Probieren und gutem Blick auf die abgeruderten Moselschleifen.

Mittwoch, 11.10.
An einem stürmisch-regnerischen Morgen erwachten wir im Lehrerzimmer der Trittenheimer Grundschule. In Anbetracht der Wetterlage tröstete ich mich damit, dass heute mit knapp 28 km die kürzeste Etappe vor uns lag. Die Mannschaftseinteilung wurde nach dem Alter vorgenommen - die Jugend (Jo, Olaf, Jens, Gerd, Ingmar) "gegen" die Senioren (Wilfried, Martin, Frank, Klaus, Jürgen). Völlig unerwartet hatte es sich aufgeklärt und bei guter Strömung und zunehmend sonnigen Abschnitten glitten wir vorbei an steilen Weinhängen, begegneten etlichen Fahrgastschiffen und lernten u.a. Ingmars alte Heimat Mühlheim kennen. Bernkastel empfing uns mit dem bereits gewohnten Begrüßungsschauer. Nachdem wir unser Quartier beim Bernkasteler RV bezogen hatten, besichtigten wir die schönen Fachwerkhäuser der Stadt und erklommen die Burgruine Landshut, wo Ingmar uns über die Geschichte dieses Ortes informierte. Den Abend verbrachten wir in einem indischen Restaurant, wo wir nach langer Wartezeit scharfe Gerichte und wieder einmal Martins trockene Witze genossen.

Donnerstag, 12.10.
Der erste regenfreie Tag seit Sonntag! Unterstützt durch weiterhin starke Strömung (!) und Rückenwind erreichten wir nach 2 Schleusen und 37 Kilometern unser heutiges Ziel Briedel; unterbrochen durch eine Mittagspause auf dem sonnenbeschienenen Steg des Ruderclubs Traben-Trarbach. In Briedel waren es vom Anlegeplatz an einer Slipanlage nur wenige Meter zur Wein- und Sektkellerei Schneiders-Reis, die Klaus bei einer früheren Moselfahrt entdeckt und für uns dort die Übernachtung und eine Weinprobe organisiert hat. Schlafen in echten Betten in Doppelzimmern, z.T. mit Dusche und WC - der pure Luxus! Nach dem Abendessen in der einzigen Speisegaststätte des kleinen Ortes machten wir eine Weinprobe: Als Besonderheiten probierten wir zuerst zwei Spätburgunder- und einen Rivanerwein um dann, unterhaltend und interessant von Herrn Schneiders moderiert, diverse moseltypische Rieslingweine zu kosten.

Freitag 13.10.2000
Gut 50 km von Briedel nach Treis-Karden standen auf dem Programm und das ohne den hauptverantwortlichen FL Slobo B. (Denke an das Volk!). Dieser war nach der ausgiebigen Weinprobe dem Briedeler Herzchen erlegen, die halbe Nacht brauchte er, um diesen Wein wieder loszuwerden. Aber es gab ja noch den Co-FL Klaus, dieser hatte zwar noch ausgiebiger dem Wein zugesprochen, zeigte aber keine Ausfallerscheinungen. Und so verließen wir unseren Winzer, der für die beste Übernachtung stand: Wir schliefen alle in Doppelbetten und hatten am nächsten Morgen ein bemerkenswert reichhaltiges Frühstück, kein Vergleich zu der am Abend folgenden Pension. Es ging durch eine sehr reizvolle Landschaft mit 2 Höhepunkten: das Dornröschen (?!) der Mosel, die Burg Beilstein und die Burg Cochem. Hier entstand eines der schönsten Fotos der Wafa, wie es immer gern gesehen wird: 4 Gestalten, feixend, lachend, sich umarmend, in abgewrackten Ruderklamotten mit der Weinflasche in der Hand vor der Burg Cochem stehend. Kurz vor dem Ziel verwechselten 4 Jungen unsere Nationalität ("Scheiß Amis"), ob unseres 82er Wimpels, nachdem wir auf die Anfeuerungsrufe und das Winke-Winke nicht ausreichend reagiert hatten. Dann waren wir endlich da, in der 700-Seelen-Gemeinde Treis. In der Pension ging es etwas beengt zu: In 3 Zimmern standen 5 Betten, für die Bettlosen war Luma-Übernachtung in den nicht ganz so großzügig ausgelegten Zimmern angesagt. Auf der Suche nach etwas Essbarem ließen wir den Italiener und den Griechen sowie den Deutschen in Treis links liegen, obwohl wir rechtsseitig der Mosel waren, wechselten die Moselseite nach Karden und suchten erst richtig. Der Abend fand seinen Höhepunkt in dem Besuch des Italieners in der Bahnhofsgaststätte.

Sonnabend, 14.10.
Na und die Treppe... aber das später. Heute starten wir bei 40,2, um über 0,0 bei 608,3 anzukommen. Wetter wie immer im Herbst. Schleuse - die 24. und dann gleiten wir auch schon an den vielen Schaulustigen am Deutschen Eck vorbei - vor uns im Panoramablick die Feste Ehrenbreitstein. Vater Rhein, wir kommen! Er hat uns behutsam reingelassen - wir ihn aber nicht. 608,3 - da dümpelt so'n kleiner Anleger - mit ohne Bootshaus?? Na... na... und da kommste eben nur über die gigantische Treppe hin, übern Deich, mit Sack und Pack und Boot - 32 Stufen rauf und 21 wieder runter, ohne Lift und Schmierseife. Treis-Karden über Koblenz nach Neuwied mit einer Exkursion zum Chinamann.

Sonntag, 15.10. Leidlich erholt von den Strapazen des Neuwieder Nachtlebens, unserer leidenschaftlichen Anteilnahme an der "Rache des Bruders" und dem frühmorgendlichen Treiben unserer Mitgäste im Ruderverein, einer polnischen Hochzeitsgesellschaft, fanden wir uns zu dem durch Überreste (z. B. in Schinken eingerollte Spargel) des besagten Hochzeitsschmauses aufgewerteten Frühstück ein. Nun galt es, die Mannschaften einzuteilen, heute nach dem Motto "Buten und Binnen"(-Bremer). Der Rhein präsentierte sich im Wesentlichen ruhig, bei wolkenverhangenem Himmel und leichtem Gegenwind. Dennoch ließ sich die Übernahme einiger Koffer Rheinwasser bei den Flussquerungen oder in den berüchtigten Gefahrstellen "Andernacher Loch" und "Unkeler Loch" nicht vermeiden. Zum Scheitern verurteilt war allerdings unser Versuch, auf Höhe der Insel Nonnenwerth auf dem linksseitigen Rheinufer anzulegen, um bei einem von Klaus empfohlenen Spanier eine letzte Stärkung einzunehmen. Die bewachsene Uferböschung ließ ein sicheres Vertäuen der Boote nicht zu. Da sich sonst nicht mehr viel ereignete, sei noch berichtet, dass sich auf der Insel Nonnenwerth ein Kloster befindet. Das streng verbotene Anlegen auf der Insel selbst und was einem dort unter den Nonnen widerfahren kann, bildet den mythenumwobenen Gegenstand zahlreicher Erzählungen im Kreise der Bonner Ruderer. Die ehemalige Bundeshauptstadt präsentierte sich zum Abschluss von der Wasserseite aus als das charmante, leicht verschlafene Dorf, als das wir Bonn aus den Jahren vor 1949, aber auch danach kennen. Schließlich bleibt der Dank an Frank "Slobo" Brand, der alles wieder einmal hervorragend organisiert hatte. Die Versuche einiger geschichtlicher Trittbrettfahrer, im Gefolge der serbischen Wirrnisse um den dortigen Diktator auch seine Autorität in Frage zu stellen, wehrte er mit Bravour ab, nämlich mit Humor. Fazit: eine abwechslungsreiche, interessante Fahrt. Für die Teilnehmer steht fest, dass sie auch beim nächsten Mal wieder mit dabei sind.

Der Bericht ist zusammengestellt aus Beiträgen (fast) aller Teilnehmer: Jürgen Blanke, Frank Brand, Jo Duncan, Olaf Köhn, Gerd Kotzke, Martin Kühn, Ingmar Ostermann, Wilfried Strehlau, Jens Thilo-Pfeiffer, Klaus Wulff

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