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Bremer Ruder-Club "Hansa" (1879/83) e.V. |
Freitag, 11. August 2000; ich sitze auf einer Parkbank, blicke auf den Strelasund und lese. Hinter mir liegen sechs Stunden Autofahrt durch Mecklenburg-Vorpommern. Leider bin ich einige Minuten zu spät gekommen, denn Günther Bussenius, Frank B. (82), Wolfgang (Rostock) und Jens (Stralsund) haben gerade, als ich ankam, abgelegt zu einer abendlichen Rudertour um den Dänholm. So sitze ich auf der Parkbank, lese im spannenden Buch und genieße zwischendurch den herrlichen Blick auf den Strelasund und lasse mir das Rostocker Bier schmecken.
Stunden später sitzen wir alle im Bootshaus; wir, das sind Ruderer und Ruderinnen aus Stralsund, Rostock, Kopenhagen und Bremen. Am nächsten Tag werden wir von Stralsund nach Vitte auf Hiddensee rudern.
Nach einem ausgiebigen Frühstück werden drei gesteuerte und ein ungesteuerter Zweier zu Wasser gelassen. Günther, Jens und ich wurden einem Boot zugewiesen. Die Platzverteilung hatte sich auch schnell geklärt: Günther auf 1, Jens auf 2 und ich hielt die Zügel in der Hand. Von Jens erhielt ich die Kursangaben und auf ging´s. Windstärke 3-4 und verschiedenste Wellenarten erschwerten das Rudern. Mehrmals flog ein Skull aus der Dolle. Günther, der sonst immer gesellig und gesprächig ist, verstummte auf Platz 1. Ab und zu hörte man sein Fluchen, wenn die Gischt über seinen Rücken sprühte. Auch ich hatte mächtig zu kämpfen. Einerseits musste ich den Kurs halten (Jens konnte genau sehen, wenn ich abwich), andererseits musste ich den richtigen Weg durch die schäumende und aufbrausende See finden. Gar nicht so einfach! Und so kam es, dass ich eine riesige Welle falsch ansteuerte, sie sich am Ausleger 2 brach und spritzend über mich ergoss. Von Jens kam prompt die Ermahnung, stets wachsam zu steuern und von Günther kam die ernüchternde "Steuer"-Weisheit "Nur ein nasser Steuermann ist ein guter Steuermann!". So musste ich dann in nasser Hose weitersteuern bis Boje 43. Hier war Mittagspause. 13m von der Fahrwasserrinne standen die Großen bis zum Knie im Wasser. Hier war es nicht mehr so wellig. Nach einer Stärkung steuerte ich meine Crew erfolgreich nach Vitte. Als wir auf der Höhe der Südspitze von Hiddensee waren, konnte man am Himmel die Wolkengrenze sehen; Strasund bewölkt, über Hiddensee strahlend blauer Himmel.
Um 16 Uhr erreichten wir unser Quartier, die Schule in Vitte. Das Abendprogramm sah Folgendes vor: 18 Uhr Essen gehen, 20 Uhr Überraschung. Bis dahin machten sich einige auf zum Strand, um sich in der brandigen Ostsee abzukühlen. Ich genoss hinterher noch ein Bad in der Sonne.
Das Abendessen (leckerer Fisch) wurde mit der einheimischen Spezialität, dem Sanddornlikör, beendet. Die abendliche Überraschung war eine Bootstour mit Tanz (=Dampferfahrt) zum Feuerwerk des Störtebeckerfestspiels in Ralswiek. Wir fuhren in eine Nacht, die mit einem einmalig schönen Sonnenuntergang mit einem orangerot gefärbten Himmel begann und später in einen klaren, sich im ruhigen Wasser spiegelnden Vollmond wechselte. Die Tanzfläche blieb unberührt. Wir verweilten lieber auf dem Oberdeck mit diesem herrlichen Ausblick und bei interessanten Gesprächen. Das Feuerwerk krönte dann den Abschluss.
Bevor wir es uns am Frühstückstisch bequem machten, wurde in der kalten, aber nun ruhigen Ostsee ein Morgenbad genommen. Ein Blick zum Himmel versprach einen sonnigen und wolkenfreien Rudertag. Nun überließ ich Günther die Steuerleine und machte es mir auf Platz 1 bequem. Das Wasser war spiegelglatt, ein leichter Wind hauchte und die Sonne strahlte in voller Pracht vom Himmel. Boje 43 wurde wieder angesteuert. Mittag. Danach konnte auch Günther in den vollen Rudergenuss bei idealen Wetterbedingungen kommen.
Am späten Nachmittag saßen wir im Biergarten des Stralsunder Ruderclubs und aßen leckere Gulaschsuppe. Mit zunehmender Zeit löste sich die Gruppe auf, um die Heimreise anzutreten. Ich, da ich noch zwei Tage länger blieb, um mir die Störtebeckerfestspiele anzuschauen, nahm mein Buch und mein Bier Glas. Und nun saß ich wieder auf der Parkbank mit dem Blick auf den Strelasund.
Oft werde ich noch an dieses Ruderwochenende zurückdenken.
Martin Soltau
PS: Das Buch heißt "Die weiße Löwin" von Henning Mankell (ISBN 3-423-20150-9)