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Bremer Ruder-Club "Hansa" (1879/83) e.V. |
Vergessener Bremer Ruder-Club "Butterfly" um 1839 und Bremer Gymnasial-Ruderverein "Hansa" um 1884
Auf die Frage, seit wann wird eigentlich in Bremen gerudert, wird jeder Hanseat mit dem Brustton der Überzeugung antworten "seit 1879" (Gründungsjahr des ältesten bremischen Rudervereins und Hansa-Vorgängers Oberweser-Ruderverein). Natürlich können wir annehmen, und mittelalterliche Funde bestätigen es, daß unserer Ur-Ur-Ahnen schon vor über 1000 Jahren Fischer- und Lastkähne auf der Weser ruderten. Auch die alten Wikinger dürften bei ihren nicht gerade freundschaftlichen "Besuchen" bei ungünstigen Segelwinden sicherlich schon "ruderische Spitzenleistungen" auf der Weser gebracht haben. Sozusagen Tiden-Rallye im Frühstadium. Wir meinen hier aber das ausschließlich sportliche Rudern, und das begann 1839, eventuell auch schon einige Jahre vorher.
Das hat unser früherer Hansa-Trainer Otto Charlet 1955 herausgefunden: Junge Kaufleute brachten aus England die neue Sportart mit und gründeten in Bremen den Ruder-Club "Butterfly". Leider weiß niemand mehr Näheres. Die alte Rudergeneration ist längst nicht mehr da und die Vereinsgeschichte erwähnt nichts davon. Aber durch einen Zufall fand 1899 ein alter Bremer Ruderer im Nachlaß seines Vaters ein kleines, unscheinbares Cassa-Buch des Ruder-Clubs "Butterfly". Schlägt man das Buch auf, so Charlet, prangt auf der ersten Seite ein Vortrag aus dem Jahr 1839 über 51,23 Louisdors. Mithin fällt die Gründung dieses Clubs mindestens in dieses Jahr. Darunter folgen in langer Reihe die eingegangenen Beiträge der einzelnen Mitglieder in Louisdors. Den angeführten Namen nach scheint der Club ungefähr 20 Mann stark gewesen zu sein.
Interessant auch die Buchungen:
100 Louisdors für das Boot "Mariposa",
110 Louisdors für das Boot "Butterfly",
144 Louisdors für 3 silberne Präsentteller,
50,36 Louisdors für 1 silbernes Teebrett,
10 Louisdors für 1 silbernen Schmetterling.
Diese letzten Posten wiederholten sich. Nun eine Idee für Nachahmer: Die Mitglieder schenkten sich zur Hochzeit ein silbernes Tablett mit eingraviertem Schmetterling. Bei der Verlobung gab's für die Braut als Brosche einen Schmetterling in Silberfiligran mit Türkisen. Die Butterflys trugen (auch beim Rudern) kurze Jacken aus weißem Leinen mit blauseidener Schärpe und Strohhüte mit blauseidenen Bändern. Wenn die mir vorliegenden Wertangaben zutreffen, entsprachen 100 Louisdors 500 Bremer Talern und lagen im oberen Bereich des Jahreseinkommens von Mittelstandsangehörigen (das könnte - mit Fragezeichen - zutreffen für die Bootskosten, ist aber kaum vorstellbar für das Silber).
Also ein nobler kleiner Club! Leider verrät das Buch nichts über Beginn und Ende. Es endet 1842, offenbar ohne jeden Schlußvermerk. Keiner weiß heute, ob dies das Ende des Vereins war oder ob nur der Kassenführer abgewählt wurde. Naja, verdenken können wir es ihnen nicht, daß sie nach einigen Jahren vom Rudern auf harten Bänken (Rollsitze kamen erst in den 1870er Jahren auf) genug hatten. Man erzählt ja auch vom Rudern in damaliger Zeit in Lederhosen, die zum Hin- und Herrutschen auf den Holzbänken mit Wagenschmiere geschmiert wurden.
Mehr Ausdauer hatten dann - mit einer Ausnahme - die Vereinsgründer und Mitglieder ab 1879:
1879 Oberweser-Ruderverein
1882 Bremer Ruderverein
1883 Ruderverein Brema
1900 Vegesacker Ruderverein
1928 Postsportverein
1946 Bremer Ruder-Club "Hansa" (1879/1883).
Aus Bremer Landes-Sicht nicht zu vergessen der Bremerhavener Ruderverein von 1889. Aus den Gründerjahren nicht bestehen geblieben ist unser Namensvetter, der "Bremer Gymnasial-Ruderverein Hansa". Von ihm wird die Anekdote überliefert, daß bei der Schülerregatta 1884 ein Boot disqualifiziert wurde, weil während des Rennens der ermüdete Schlagmann den Platz mit dem Steuermann tauschte.
Alle bremischen Vereine hatten, wie Otto Charlet schon 1955 festhielt, ihre großen Jahre und Erfolge. So ist es bis heute geblieben. Wechselnde Jahre von Aufbau, Stagnation und immer wieder Fortschritt, immer wieder neue Ruder-Generationen mit neuer Tatkraft und neuen Ideen gab es in all diesen Jahren und wird es sicherlich auch weiter geben.
Werner Kollmann