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"Hansa" (1879/83) e.V.

Bald rudern auf dem neuen See im Werderland? Oder nur Zukunftsmusik?

Wie sind denn nun die Chancen einer 2000-m-Trainings- und Regattastrecke im Werderland? Und wie ist - nachdem schon erste großflächige Baggerungen begonnen haben - der Stand der Planungen? Gibt es, wenn die neue Strecke fertig ist, Auswirkungen auf die Rudernutzung des stadtbremischen Werdersees? Diese Fragen tauchen in den bremischen Rudervereinen immer wieder auf.

Die Regierungskoalition in Bremen hat das Projekt prinzipiell als "Option" gebilligt, allerdings bisher, ohne Geldmittel einzuplanen. Der Landesruderverband Bremen unterstützt die Planung nachdrücklich und hat einen Ausschuss unter der Leitung von Bernd Gabriel (VRV) eingesetzt, an dem auch die stadtbremischen Vereine und Bremerhaven beteiligt sind. Ein erster Erfolg war kürzlich die Bildung einer Arbeitsgruppe des Landessportbunds. Damit sitzen erstmals außer den Ruderern auch die Kanuten und Segler (Kinder- und Jugendausbildung) mit den Behördenvertretern an einem Tisch, außerdem sogar Inline-Skater (mögliche Wettkampfbahn parallel zur Regattastrecke). Mit diesen Ausschüssen kann der Sport ständig seine eigenen Interessen abstimmen und in die Planungen beim Bauamt Bremen-Nord und anderen Behörden einbringen, auch bei dem hier betroffenen Umweltschutz mit seinen Institutionen.

Hier kurz die Gründe für diese Planung:
- Gezielte Ausnutzung des für die Industrieansiedlung ohnehin erforderlichen Sandbodenaushubs für ein späteres Freizeitgelände ähnlich dem Werdersee. Keine erheblichen Mehrkosten für einen längeren See an Stelle eines runden Baggersees (Die finanziellen Vorteile und ökologischen Vorzüge der Sandbodenentnahme vor Ort - Einsparung von rd. 300.000 LKW-Fahrten hin und zurück - sind unbestritten)
- Ein Freizeitpark um den See erhöht die Attraktivität von Bremen-Nord
- In Nordwestdeutschland westlich von Hamburg und nördlich von Münster existiert keine gerade 2000-m-Ruder- und Kanu-Regattastrecke. Diese Lücke kann durch intelligente Nutzung des Sandabbaus zur Herstellung eines 2.300 m langen Baggersees gefüllt werden. (Außerdem erhebliche Windanfälligkeit und damit eingeschränkte Nutzbarkeit der vorhandenen Regattastrecken in Hamburg, Ratzeburg, Hannover).
- Für das Kinder-, Jugend- und Schulrudern, den Kanusport, auch für die Seglerausbildung in Bremen-Nord würde eine sichere Trainingsmöglichkeit geschaffen. Z. Zt. Gefährdungen auf der Lesum und Weser infolge der z.T. starken Strömung und des erheblichen Schiffs- und Motorbootverkehrs. (Diese Argumentation ist noch gewichtiger als die Schaffung einer internationalen Regattastrecke, die voraussichtlich jährlich nur wenige Male für größere Veranstaltungen benutzt würde (Rudern und Kanu)).
- Auf der Lesum und der Geeste mit ihren Strömungen, zahlreichen Kurven und Motorbootsverkehr ist ein effektives Ruder-Leistungstraining nicht mehr möglich (Vegesacker RV, Bremerhavener RV). Beide Vereine brauchen dringend ein neues Trainingsrevier. (Werdersee dagegen jetzt schon durch Schulrudern und 3 stadtbremische Rudervereine sowie Freizeit-Bootsbenutzer stark belastet, außerdem für Kinder- u.Juniorentraining zu weit von Vegesack u. Brhv. entfernt).
- Neben dem Schul- und Ausbildungsbetrieb für den Breitensport kann im Werderland auch für den gesamten bremischen Leistungssport eine 2.000-m-Trainings- und Messstrecke auf stehendem Wasser ermöglicht werden, die im Unterweserraum sonst nicht vorhanden ist.

Probleme:

- Lange Aushubdauer (der weitere Sandbedarf ist abhängig vom Umfang der neuen Industrieansiedlungen im Werderland)
- Umfangreiche und voraussichtlich lang andauernde planungs- und wasserrechtliche Verfahren, Landschaftsschutz, Baumschutz
- EU-Vogelschutz im Westbereich des Sees (besonders problematisch, im Gegensatz zu den anderen Verfahren abhängig von Entscheidungen in Brüssel)
- Erhebliche Größe des "Dreiecksees" (große Ausweitung des Gewässers im östlichen Bereich; hier sind seitliche Wellen zu erwarten bei, wenn auch seltenem, N- bis O-Wind; sie mindern die Qualität als Regattastrecke) - Windschutz möglich?
- Unterschiedliche Tiefen, bei über 3 m Tiefe ohne Belang?
- Motorboot-Nutzung (für Trainingsbegleitung, geringfügig, und für Regatten) ./. Naturschutz
- Kosten / Finanzierung? (Stufenplan für Erschließung/Infrastruktur?)
- Nutzung zum Training durch den Vegesacker RV schon nach Fertigstellung des 2. Bauabschnitts (zunächst nur ca.1.200 m) möglich? Zuwegung und Anleger erforderlich.

Man sieht, es gibt noch viele Fragen und Probleme. Die Behördenvertreter schätzen, dass das 2300-m-Becken wohl "nicht vor dem Jahr 2010" fertig wird. Bis dahin wird sich für die stadtbremischen Rudervereine, auch für die Bremer Ruder- und Kanuregatten, nichts ändern. Aber auch nach Fertigstellung der Werderlandstrecke und der notwendigen Infrastruktur werden zwar Regatten und leistungssportliche Messfahrten der stadtbremischen Ruderer zum Werderland verlegt. Für das Kinder-, Schüler- und (weitgehend) auch das Juniorenrudern in Bremen-Stadt wird es aber nach meiner Einschätzung mit Blick auf die bisherigen Investitionen für das Bootshaus am Werdersee und für die Anleger beim Alten bleiben.

Kurzum: Von "nur Zukunftsmusik" kann nicht die Rede sein. Wir müssen uns aber noch einige Zeit gedulden.

Werner Kollmann

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