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Bremer Ruder-Club "Hansa" (1879/83) e.V. |
Die Zusammenkünfte der jungen Barkenbrüder wiederholen sich bekanntlich von Jahr zu Jahr und eigentlich gleichen sie sich immer. So war es jedenfalls in den vergangenen Jahren. Doch im letzten Jahr sollte es anders sein. Max und Otto hatten eingeladen, es wurde eine kurze Nachlese gehalten und dann kam wie immer die obligatorische Frage: Wohin geht die nächste Fahrt?
Um Vorschläge wurde gebeten, wobei natürlich die Weserfahrt wieder aufkam und, wenn ich mich recht erinnere, auch Berlin zur Sprache kam, bis sich Max zu Wort meldete und uns fragte: "Was haltet ihr denn so von Italien?" Diese Frage löste allgemeines Erstaunen aus. "Wieso kommst du auf Italien?" Die Aufklärung kam prompt. Max war zu Ohren gekommen, dass die Osterholzer planten, die Lagunen östlich von Venedig ruderisch zu erkunden und auch bereit wären, uns danach ihre Barke zu überlassen. Prof. Krüger war die ruderischen Möglichkeiten bereits abgefahren und war begeistert. Das war natürlich ein Angebot, das auch von unseren Teilnehmern schnell akzeptiert wurde, aber die Frage: "Wer richtet die Fahrt aus?" dauerte etwas länger. Keiner erklärte sich spontan bereit und es ist Max und Otto hoch anzurechnen, dass die beiden sich wiederum bereit erklärten, die Fahrtenleitung zu übernehmen.
Dies alles spielte sich so im September 99 ab. Die Kalkulation ging so von zwölf Teilnehmern aus. Zum 22. Oktober war Anmeldeschluss und was wohl keiner erwartet hatte, es waren nicht zwölf, sondern sechzehn Ruderer, die nach Italien reisen wollten. Das brachte die Fahrtenleitung etwas in Schwierigkeiten, die aber letztlich zu lösen waren. In nur fünf Briefen wurden die Teilnehmer entsprechend aufgeklärt. Im April erhielt jeder eine informative Fahrtenmappe, die auch viele kulturelle Hinweise enthielt, die uns auf die mit Spannung erwartete Reise vorbereiten sollte.
Am 19.5. Treffen im Bootshaus um 5.30 Uhr und zum Erstaunen der Fahrtenleitung waren alle Teilnehmer pünktlich. Das Verladen vom Gepäck und der Getränke klappte, zumal sich Otto noch bereit erklärt hatte, seinen Wagen zusätzlich zu den angemieteten beiden VW-Bussen zur Verfügung zu stellen.
Pünktlich um 6.00 Uhr startete die Kolonne. Ab Hannover kam vorsichtig die Sonne. Um 10.15 Uhr waren wir in Eckarts im Gasthaus "Schwarzes Ross", nahe Bad Brückenau liegend, in einer herrlichen Waldgegend. Hier durften wir unsere letzten Teilnehmer Conni und Günther aufnehmen. So komplettiert ging die Fahrt weiter mit einer ausgiebigen Erdbeerpause, die Günther spendiert hatte, über München, mit Blick auf die Voralpen. Den Zoll Reichenhall passierten wir um 16.15 Uhr. Dann auf der Tauernautobahn mit ihren vielen Tunnels und herrlichen Ausblicken auf schneebedeckte Berge erreichten wir, genau wie verabredet, um 18.00 Uhr das Hotel Austria in Seeboden am Millstätter See. Nach zwölf Stunden Fahrt mit viel Sonne erwartete uns hier ein nicht nur gutes, sondern auch ein von Max spendiertes Essen mit Getränken, das einen runden Abend garantierte mit vielen Gesprächen, der lebhaft an einen Clubabend erinnerte.
Wie bei jeder Fahrt 8 Uhr Frühstück, 9 Uhr Abfahrt über Villach in Richtung Dreiländereck - Wurmpass - durch die Karawanken, 10 Uhr Grenze Arnoldstein. Italien nahm uns auf, allgemeine Richtung Udine. Nachdem wir das Gebirge verlassen hatten, hörte der leichte Regen auf. In der Ebene sahen wir erstmals exakt angelegte Pappelpflanzungen, die uns in den nächsten Tagen begleiten sollten. Über Trento ging es an Padua und Mestre vorbei über S. Dona di Piave nach Jesolo.
Nun aber erst einmal die Fahrt zum Lido, eine Strecke entlang an großen Vergnügungsparks, die zu unserer Freude, da noch keine Saison, nicht frequentiert waren. Nun ging die Suche nach der Marina, in der die Barke liegen sollte, los. Selbst unser Dolmetscher Carlos kam hier nicht weiter, aber es fand sich ein Deutscher, der uns mit seinem Wagen sicher zu der in direkter Nähe liegenden Marina lotste.
Um 12.30 Uhr standen wir an einer Ampelanlage mit Schranke, vor uns eine riesige Marina. Erst nach hinterlegtem Ausweis und nach Bezahlung von DM 165,-- konnte die Aushändigung der Barke erfolgen, die dann angeklinkt mit uns auf die Fahrt nach Grado ging, durch eine ziemlich öde erscheinende Gegend. Ein starker Wind war aufgekommen. Der trockene Landboden erzeugte wahre Sandstürme, die von weitem aussahen wie Nebelwände. Wir fuhren über Caorle - Latisana - Aquileia zum Ausgangspunkt der Ruderreise nach Gradoi. Die kleine Marina, auf einer Insel mit Friedhof liegend, war schnell gefunden. Hänger nicht abladen, nur abstellen und ab in unser Hotel, so dachten wir, aber die Sonne brachte es an den Tag, denn beim Verschieben des Hängers sahen wir sie durch die Planken der Werra scheinen und dies gleich an mehreren Stellen. Das Geschrei war groß und der angeblich Schuldige war schnell gefunden. Die Debatten aber wurden abgebrochen, da unser Hotel Ariston rief, unser Quartier für drei Nächte.
Es war erst 17 Uhr und da die Restaurants erst um 19 Uhr öffneten, entschlossen wir uns zu einem Spaziergang. Grado ist ein viel besuchtes Seebad und liegt auf der südlichen Nehrung der Lagune. Das Fischerstädtchen nimmt den mittleren, der Hafenkanal den nördlichen und das Hotel und Villenviertel den östlichen Teil ein. Vor dem östlichen Teil liegt ein 3 km langer Sandstrand, bestückt mit aufgereihten Sonnenschirmen. Die Stadt selbst ist als Seebad des römischen Aquilega entstanden und hatte ihre Glanzzeit nach 568, als der Patriarch vor den Langobarden geflüchtet war. Damals entstand auch der Dom mit seinem herrlichen Mosaikboden.
Wir meinten genug gesehen zu haben, suchten einen Platz im Café und landeten dann später endlich in einem Restaurant. Mit der Speisekarte hatten wir kaum Schwierigkeiten, denn überwiegend wurde Deutsch gesprochen. Natürlich war das Thema des Abends "Hobel(Klaus) und der Zweier". Es fielen Begriffe wie "das Totenschiff" oder "der Tod in Venedig", immer nach dem Motto "Hauptsache man hat jemanden, über den man reden kann", auch wenn es gar nicht so ernst gemeint ist. So endete letztlich ein langer Tag in einer fröhlichen Runde.
Die Sorge um oder über das Frühstück war unbegründet.. Es gab alles, was wir uns vorgestellt hatten, dazu noch italienische Spezialitäten. Bei klarstem Wetter mit viel Sonne und spiegelglattem Wasser nun erst mal zur Marina. Hat es überhaupt Zweck, den Zweier zu Wasser zu lassen? Hobel war wieder gefragt und dank Mannis MAN-Klebeband wurden die Risse oder auch die Öffnungen der Planken mit mehr oder weniger fachmännischen Hinweisen von innen und außen abgeklebt. "Ich dachte immer, das Boot sei vorher nachgesehen und geprüft worden!", hörte man immer wieder. Hobel versuchte immer wieder, uns mit Argumenten zu überzeugen. Nun ja, ich denke, dass jeder den wahren Grund ahnte. Die Werra hatte die ganze Zeit ungeschützt vor Sonne auf dem Hänger gelegen, wohl nicht gerade ideal.
Eine gute Rampe stand zur Verfügung. Die Barke ging problemlos zu Wasser, auch der Zweier schien dank Klebeband dicht zu sein. Doch: Wo ist das Steuer? Dreimal wurde von verschiedenen Gruppen das Gelände und der Hänger abgesucht, doch vergeblich. Nun ging das Gewetter wieder weiter. "Das hast du Hobel doch einfach vergessen!" "Nein es ist alles verladen worden!" Alle Möglichkeiten wurden durchgespielt, ein Paddel musste als Steuer dienen und ab ging es zur ersten Etappe auf der Lagune.
Ein Ziel war zwar ausgemacht als Treffpunkt für den Service, Frage war nur, ob das zu schaffen war. Eine große Lagune lag vor uns, auf der man nicht überall rudern durfte, da es viele Naturschutzgebiete gab. Durch Duckdalben waren gewisse Wasserstraßen gekennzeichnet. Diese zu missachten, kann gefährlich sein, da man leicht in Flachwasser geraten kann. Natürlich waren Schwimmwesten Vorschrift, das Wetter zeigte sich aber mehr als gnädig und die Sonne knallte nur so vom Himmel. Der Service stand stündlich in Kontakt mit der Barke dank Handy. Wenn ich da so an vergangene Zeiten denke, frage ich mich immer: Wie ging das alles eigentlich damals? Ehrlich gesagt hatte der Service bestimmt keine leichte Aufgabe, denn während die Barke mit Zweier genüsslich die Gegend betrachtete, suchte der Service den Fluss Natisse, der Aquileia mit der Lagune verbindet, ab nach einer günstigen Anlegestelle. Beide Ufer waren mit Booten belegt und nachdem dann endlich eine Möglichkeit gefunden war, meldete sich die Barke mit dem Hinweis: Wir fahren weiter. Wohin aber?, fragte sich der Service. Das Lagunenufer wurde an vielen Stellen abgesucht, aber erst auf der Rückfahrt wurden die Hanseaten gesichtet. Sie ruderten gerade auf der Wasserstraße parallel zur Straße, einem Damm, der von Belvedere nach Grado führt. Bei mitgebrachtem Kuchen berichteten die Ruderer, dass die Werra absolut dicht und ein herrliches Boot sei. Alle waren restlos zufrieden mit dem ersten Rudertag. Gegen 17 Uhr waren wir wieder im Hotel und am Abend fanden sechzehn Personen Platz in einem guten Restaurant. Gut, dass noch keine Saison war.
Der neue Tag begann nicht so strahlend, aber es war wie immer sehr warm. Gemeinsam ruderten wir durch die Stadt, bis wir das so genannte offene Wasser erreicht hatten und Duckdalben die Route bestimmten. Wir hatten uns nur eine kurze Etappe vorgenommen, zumal auch nicht abzusehen war, wie sich das Wetter entwickeln würde. Wir nahmen Kurs auf Santa Maria di Barbana, einer Kloster-Kirchen-Insel, einem beliebten Ausflugsort. Für uns war die Tour lohnend, denn so hatten wir Gelegenheit, die Kirche von nahem zu sehen. Den Turm sahen wir immer von weitem, egal von welcher Richtung. Ein kleiner Hafen nahm uns auf, ein Rundgang schloss sich an. In der großen Kirche herrschte ein diffuses Licht, fast konnte man Dunkel sagen, sodass ein wachender Mönch fast nicht zu sehen war. So interessant aber erschien uns das alles nicht und da leichter Regen einsetzte, fanden wir in einer großen Cafébar Platz, um den Regen abzuwarten.
Nachdem wir abgelegt hatten, kam auch die Sonne wieder. Auch der Hunger meldete sich. Wir fanden eine geeignete Stelle, aber die starke Sonne ließ uns kaum Zeit, die Butter auf das Brot zu bringen. Eine breite Wasserstraße zeigte uns den Weg zurück zur Marina. Kurz vorher musste eine Brücke mit Kopf einziehen passiert werden, wobei zwischen Flaggenstock und Brücke gerade noch ein Zentimeter Spielraum bestand. So kam der Steuermann, dank seines guten Augenmaßes, an einer Runde vorbei. Wohlbehalten waren wir um 16 Uhr im Hotel. Jetzt war Kultur angesagt und ab ging es.
Aquileia könnte man mit Recht eine antike Großstadt nennen, denn sie war einmal die viertgrößte Stadt auf Italiens Boden und ein internationaler Handelsplatz für Waren von der Ostsee bis Asien, 181 v. Ch. von den Römern gegründet, im Altertum ein bedeutendes Erzbistum mit einer Basilika. Die Basilika kann sich rühmen, den größten Mosaikboden ihr Eigen zu nennen. Erst um 1910 wurde dieser 760 qm große Boden aus der ursprünglichen Kirche freigelegt. Nicht einmal in Rom ist ein Boden in dieser Größe zu finden. Ein Rundgang lohnt sich.
Vom Dom aus führt eine sieben Meter lange Zypressenallee, die Via Sacra, zu den jüngeren Ausgrabungen wie die eines Flusshafens mit Grundmauern von Lagerhäusern und eines Kais von ca. 300 Metern Länge. Ich denke, dass alle Teilnehmer unserem Kulturwart Jan mit einer gewissen Begeisterung gern gefolgt sind, auch wenn es bei der Hitze schon in gewisse Anstrengung ausartete. Jan aber meinte im Nachherein: Das ist endlich mal eine Reise mit Format! Nur so ist es zu verstehen, dass auch die auf dem Rückweg liegenden Kulturstätten noch Beachtung fanden, bevor wir uns den verdienten Erfrischungen widmeten, um danach über den 5,6 Kilometer langen Damm zu unserem Hotel zurückzufahren.
Ein freundlicher Italiener hatte uns ein Restaurant im alten Hafen empfohlen. Wir wurden nicht enttäuscht, es wurde frisch gefangener Fisch präsentiert, den wir gegrillt serviert bekamen. Es wurde ein fröhlicher Abend und da Fisch ja schwimmen muss, endete dieser in einer Bar an einer noch immer belebten Straße.
Am nächsten Morgen hieß es Abschied nehmen von unserem sehr guten Hotel. Gepäck verladen und ab ging es wieder zur Marina.
Eine neue Lagunentour konnte beginnen. Ein letzter Blick auf die Julischen Alpen mit ihren schneebedeckten Gipfeln, die in der Sonne klar zu sehen waren, dann ruderten wir in eine kurvenreiche Kanalstrecke, die Litoranea Veneta, ein, die allerdings mit den uns bekannten Kanälen nicht vergleichbar sind, weil es immer wieder große Wasserflächen gibt, an deren Duckdalben Hinweisschilder angebracht sind, die uns den Weg weisen. Dadurch, dass noch keine Saison war, gab es auch keinen Bootsverkehr und somit war auch keinerlei maschinelle Hilfe zu erwarten.
Wenn man die Karte betrachtet, ruderten wir durch ein Gewirr von unzähligen Inseln, bis wir gegen Mittag in einem kleinen Hafen auf der Insel Anfora landeten. In einem viel besuchten Gartenlokal fanden wir unter Sonnenschirmen einen guten Platz mit Rundumblick und einer großen Speisekarte. Erstaunlich, wenn man bedenkt, dass alles per Boot angeliefert werden muss. Hier ließ es sich wirklich ausruhen, aber wir wollten ja weiter, wobei die Frage aufkam: "Wollen, können wir das letzte Stück auf dem Canale Anfora Vecchia und dann über die Adria oder weiter durch den Canale Muro durch die Lagunen rudern?". Erst einmal um die Ecke sehen und das offene Wasser, und als es so weit war, hieß es dann: "Wer war denn schon mal mit einer Barke auf der Adria?" und wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Wir erlebten eine spiegelglatte See und ruderten, wenn auch immer mit Landsicht, problemlos in die breite Bucht von Sabbiadoro.
Durchs Handy wurde uns mitgeteilt, dass wir den riesigen Yachthafen nicht ansteuern könnten, aber unweit davon die Rampe einer Polizeistation benutzen dürften. Durch die starke Strömung war das Herausnehmen der Barke nicht so ganz einfach, aber unser Fachpersonal bewältigte auch diese Klippe. Also Barke aufladen und ab ging die teilweise viel zu schnelle Fahrt über die Autobahn, wo erst einmal Halt gemacht werden musste, weil keine Klarheit bestand, wohin die Barke verbracht werden sollte. Während wir beschlossen, immer nach dem Motto "Sicher ist sicher!" das Schiff in die uns bekannte Marina nach Cavalino zu bringen, machte sich der Rest der Truppe auf den Weg nach Mestre in unser neues Hotel. Nachdem die Barke einen sicheren Platz gefunden hatte, kehrten wir, da es schon spät war, zu einem schnellen Essen gleich am Ort ein. Obwohl wir danach die genaue Adresse unseres Hotels kannten, war ein Verfahren programmiert. Ein freundlicher Italiener war es, der extra seinen Wagen aus der Garage holte, um uns nach langer Fahrt durch die Stadt dann zum Hotel zu lotsen, wo der Rest der Truppe bereits beim Bier auf der Terrasse auf uns sehnsüchtig wartete. So ging ein langer Tag zu Ende.
Unser neues Quartier war okay, wenn auch nicht ganz so feudal wie in Grado, aber es hatte einen großen Parkplatz, der durch Bäume beschattet war.
Der heutige Tag begann mit Arbeit, denn Boote mussten abgeladen, aufgeriggert und zu Wasser gebracht werden, eine Arbeit, die trotz der morgendlichen Hitze die eingespielte Mannschaft schnell erledigte. Die Fahrt begann. An den Ufern hingen große Netze, die über den Fluss gezogen werden konnten und dann abgelassen zum Fischen bereit waren.
Schon um 10 Uhr passierten wir die einzige Schleuse auf allen Strecken. Der Unterschied jedoch betrug nur ca. 20 cm.
Nun hatte uns das reine Lagunengebiet wieder mit seinen Kanalstraßen, die nacheinander fünf verschiedene Namen hatten. Alle waren zwar ausgezeichnet, aber verfahren haben wir uns trotzdem. Zweimal sind wir dann fast aufgelaufen - Flachwasser -, aber hängen geblieben sind wir nicht.
Die Mittagspause wurde im Boot; am Duckdalben festgemacht, verbracht. Als wir den Canale S. Felice erreicht hatten, weitete sich das Gelände, große Wasserflächen taten sich auf und im Canale Treporti begegneten wir den ersten Schiffen, die Touristen auf die Inseln befördern, die wir in den kommenden Tagen auch besuchen wollten. Da die Hafen- und Marinaausfahrten durch Duckdalben markiert waren, mussten wir sie großzügig umfahren. Der Schiffsverkehr wurde mehr. Uns aber erreichte die Nachricht, dass wir in einer kleinen Marina Platz finden könnten. Wir waren in Sabbioni und konnten über die große Bucht hinweg Venedig sehen. In einem Straßencafé platziert sahen wir, direkt am Meer sitzend, dem Publikum zu, das in Bussen ankam, um die Schiffe zu besteigen. Allein die verschiedenen Typen zu betrachten und zu lästern, bereitete uns viel Vergnügen.
Wir aber fuhren bald weiter nach Jesolo, machten einen Spaziergang. Am Lido fanden wir ein gutes Restaurant, wo uns vorab Schinken mit Pfannkuchen kostenlos serviert wurde, speisten vorzüglich und auf ging es wieder nach Mestre, um auf der Terrasse sitzend den Tag Revue passieren zu lassen.
Der letzte Rudertag in Italien war angebrochen, wir wollten die Zeit und das herrliche Wetter nutzen. Eine Fahrt nach Murano war geplant, aber erschien uns zu lang und so wurde die davor liegende Insel Burano ins Auge gefasst. Trotz aller Markierungen war es nicht immer einfach, dem starken Lustdampferverkehr auszuweichen. Den Zweier mit Gerd und Klaus, am Steuer Jan, konnten wir lange Zeit nur aus großer Entfernung sehen, da er schon bald auf die andere Seite gefahren war. Wir warteten , dies war bei der Strömung nicht einfach, an der Kanaleinfahrt, die uns zur Insel führen sollte. Der Zweier kam in Sicht, steuerte allerdings auf eine Einfahrt zu mit der Meinung, auch so, wir nahmen an über total flaches Wasser, Burano zu erreichen. "Nur zu!" So waren die Aussprüche der Barkenmannschaft, die die offizielle Wasserstraße, einen sehr breiten Kanal entlang, auf Bukano zu ruderte. Boote lagen überall. Wohin sollten wir fahren? Aber wir fanden einen schmalen Stadtkanal und gleich vorn noch vor den Fischerbooten fanden wir einen guten Platz.
Stadtgang stand an. Die schmale Hafenstraße wurde durch Brücken überspannt, die teilweise mit Treppenliften für Rollstuhlfahrer ausgerüstet waren. Saubere kleine Häuser reihten sich aneinander und gestatteten interessante Einblicke. So kamen wir in die Ladenstraße Via Galuppi, an deren Ende die Piazza gleichen Namens lag, zur Pfarrkirche mit dem schon von weitem sichtbaren schiefen Turm. In der Geschichte ist nachzulesen, dass auch diese Insel von Zuflucht suchenden Festlandbewohnern gegründet wurde. Sie war mal Leprastation, mal Lustinsel, auf der ein altes Handwerk, die Spitzennäherei, zu Hause ist.
In einem Restaurant direkt an der Hauptstraße konnten wir, unter Sonnenschirmen sitzend, unseren Hunger und Durst stillen. Hier tauchte auch die Zweiermannschaft wieder auf, die uns mit Stolz von der problemlosen Ein- und Überfahrt berichtete.
Auf Umwegen kamen wir wieder zu unseren Booten, in denen - und das in Italien! - noch alles am Platz vorhanden war. Auch auf der Rückfahrt nahm der Zweier wieder einen anderen Kurs, merkte aber bald, dass die eingezeichnete Sandbank wohl nicht zu überrudern war.
Die Marina nahm uns gegen 15.30 Uhr wieder auf, wo die eigentliche Arbeit begann. Barke raus und sauber machen war angesagt, war eigentlich gar nicht vorgesehen, aber wir kennen ja unsere Pappenheimer und wissen, dass, wenn wir erst mal in Bremen sind, alle schnell in alle Richtungen flüchten. Also Eimer und Putzmittel beschaffen, Schlauch war vorhanden und die Arbeit schnell geschafft: Ein Abendessen winkte direkt am Ende des Lidos in einem Strandrestaurant, von wo aus wir die großen Schiffe, die Venedig verließen, gut betrachten konnten. Auf dem Hotelparkplatz hatte unsere Barke einen guten Platz und wir ließen auch diesen Abend auf der Terrasse ausklingen.
Unser letzter Tag war Venedig gewidmet. Um genügend Zeit zu haben, erbaten wir im Hotel als Sonderstatus ein frühes Frühstück.
Mit dem Stadtbus, Haltestelle am Hotel, ging es durch die Industriestadt Mestre und über einen vier Kilometer langen Damm zum Busbahnhof nach Venedig, der in direkter Nähe des Canale Grande liegt. Wir hatten eine Tageskarte für alle Verkehrsmittel in und um Venedig gebucht. Wir bestiegen den Stadtdampfer, der uns erst einmal zum Markusplatz bringen sollte. Die eine halbe Stunde dauernde Fahrt über den siebzig Meter breiten Kanal bietet eine Fülle von Einblicken auf stolze Privatpaläste der einst fürstengleichen Kaufherren, man spürt den Reichtum und den Glanz des alten Venedigs. An der Mole angekommen war unser Kulturwart der Meinung, wir sollten erst übersetzen zur Insel San Giorgio Maggiore, um vom sechzig Meter hohen Campanile der gleichnamigen Klosterkirche den herrlichen Rundblick zu genießen. Leider aber war dieser geschlossen und so ging es wieder zurück zur Mole, dem Standort der Gondelführer, die die 404 noch verbliebenen Gondeln meisterhaft zu händigen wissen. Wir wanderten zum Markusplatz, dem Mittelpunkt venezianischen Lebens, dem Festsaal der Stadt. auf dem im Sommer Konzerte und Opern aufgeführt werden. Hier, auf dem von drei Seiten mit Arkaden umgebenen Platz, gönnten wir uns ein Bier im Schatten, für das wir - aber mit Musik - 21 DM bezahlt haben. Man gönnt sich ja sonst nichts!
Gern hätten wir auch den Markusturm erstiegen und auch die Kirche besichtigt aber lange doppelreihige Schlangen hielten uns davon ab. Wie mag das wohl in der Saison sein? Natürlich bewunderten wir auch den Dogenpalast, durchwanderten die teilweise engsten Gassen, bestaunten auf den Kanälen die Frachtkähne, die die engsten Durchfahrten meisterten, beachteten die Auslagen in den Geschäften, in denen uns die vielseitigen Masken auffielen.
So kamen wir zur Rialto-Brücke, die wohl jeder vom Kreuzworträtsel her kennt, ein von Antonio das Ponte erbauter 48 Meter langer Marmorbogen mit 27,5 Metern Spannweite, auf dem zwei Reihen Kaufläden angeordnet sind. Ich selbst war hier schon einmal vor 45 Jahren, muss aber sagen, dass derzeit nicht so viel Kitsch für Touristen in den Auslagen zu sehen war.
Ich glaube,, wir hatten eine Menge gesehen und sicher lag es an der Hitze, die uns beflügelte, eine Dampferfahrt nach Murano zu unternehmen, einer Insel, die wir, um dahin zu rudern, als zu weit befunden hatten.. Also zurück zur Mole, wo die Stadtdampfer halbstündlich abfahren und uns, an der Friedhofsinsel S. Michele vorbei, wo namhafte Persönlichkeiten ihre letzte Ruhe fanden, nach Murano zu bringen, einer Insel mit ca. 9000 Einwohnern, seit dem 13. Jahrhundert Hauptsitz der venezianischen Glasindustrie. Heute ist den Glasbläsern Mobilität zugesagt, während in den vergangenen Jahrhunderten beim Verlassen der Insel noch Todesstrafe bestand.
Wir waren gut in der Zeit, durchwanderten die kleine Stadt, in deren Geschäften natürlich Glaswaren die Anziehungspunkte waren. Wenn auch die Blütezeit dieser Industrie im fünfzehnten und sechzehnten Jahrhundert war, hat diese nach 1945 durch zeitgenössische Formgebung wieder weltweit Ansehen erhalten.
Bevor wir den Dampfer zurück bestiegen, saßen wir am Hauptkanal im Café, wo Carlos fast in den Kanal gefallen wäre, dieweil er sich auf ein wackeliges Schiebegitter setzen wollte, um ein erfrischendes Bier zu sich zu nehmen.
Nach der Rückfahrt, wieder in Venedig, waren wir für ein Restaurant noch zu früh. Ein kleiner Stadtgang war angesagt mit einem Stadtbier, bevor wir die ersten Gäste im Allapalazzima waren, einem Restaurant, vom Hotel empfohlen. Bei einem guten Essen und mehreren Karaffen Wein ließen wir Venedig noch einmal Revue passieren, bevor wir mit dem Bus in die Terraferna, so wurde das einst von der Seerepublik genannte Festland bezeichnet, in unser Hotel fuhren.
Auch wenn das frühe Aufstehen am nächsten Morgen nicht so einfach war, haben wir, einschließlich Frühstück, das Hotel bereits um 6.15 Uhr in guter Laune verlassen. Ich erspare mir und euch die weitere Streckenbeschreibung, aber die Fahrtenleitung hatte sich entschlossen, diesmal über den Brenner zu fahren, den wir bereits um 10 Uhr passierten. Es ist der niedrigste Übergang über die Hauptkette der Alpen, 1370 Meter hoch. Selbst die Auffahrt ist eine sehr schön einzusehende Gegend, geschweige die Abfahrt.
Weiter geht es über die Europabrücke, für die man Maut bezahlen muss, an Innsbruck vorbei auf die Inntalautobahn zum Dreieck Rosenheim in Richtung München und weiter nach Norden. Gegen 18 Uhr waren wir wieder in Eckarts, wo wir im Schwarzen Ross Quartier fanden.. Hier verabschiedeten wir Günther und Conny, die es zum Wochenende nach Hause zog. An einem großem Tisch nahmen wir gemeinsam das Abendessen ein, bei dem John mit einer launigen Rede Jan eine Urkunde überreichte, die ihm seine zehnte Barkenfahrt bestätigte.
Im Anschluss hatte ich das Vergnügen, unserem Jan für die 25-jährige Mitgliedschaft Dank zu sagen. So ging auch der letzte Abend vergnüglich seinem Ende zu.
Nach der letzten Nacht in fremden Betten ging es auf zur letzten Etappe nach Bremen, wo wir nach zwischenzeitlichem Regen wieder mit Sonne um 14.30 Uhr im Bootshaus eintrafen. Wie vorausgesehen ging nun alles schnell. Die Barke wollte Jan nach Osterholz verbringen, Gepäck wurde aus- und umgeladen, die restlichen Getränke wurden verteilt. Nur Ede hatte sich gleich aus der Hektik entfernt, ging in die Bootshalle und kam triumphierend mit dem verstaubten Steuer der Werra zur laut grölenden Mannschaft. Die Kommentare: "Ich wusste es doch!"
Das war der Abschluss unseres Ausflugs nach Italien.
Zehn wunderschöne, ereignisvolle Tage lagen hinter uns, die sicher durch das hervorragende Wetter beeinflusst waren. Ich denke, dass die verhältnismäßig lange An- und Abfahrt keinen Einfluss auf die nie gestörte gute Laune gehabt hat. Die schöne Landschaft mit schneebedeckten Bergen, die wir durchreisten, die Lagunenlandschaft mit Blick auf die Julischen Alpen, bekannte Badeorte, die verträumten Städtchen auf den Inseln, dies alles waren Eindrücke, die lange noch in uns haften bleiben werden. Auch wenn bei dem Gedanken an Italien sicher nicht jeder gleich in Bewunderung gefallen ist, dürfte die Freundlichkeit der Menschen, die uns begegneten, negative Gedanken beiseite geschoben haben.
Ganz allgemein möchte ich der Mannschaft meinen Dank für die hervorragende Harmonie aussprechen. Dank auch der Fahrtenleitung Max und Otto, deren Organisation auch dann noch klappte, wenn es kleine Änderungen gegeben hat. Großen Dank auch an die wechselnden Fahrer und mein persönlicher Dank gilt all denen, die mir mit kleinen Hilfeleistungen nützlich waren.
Ich will hoffen, dass wir alle gesund bleiben, Venedig 2000 in guter Erinnerung behalten und freue mich schon jetzt auf die neunzehnte Barkenfahrt in 2001.
Martin Vaupel