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Bremer Ruder-Club "Hansa" (1879/83) e.V. |

1998 beim Herbsttreffen der Dänemarkfahrer in Stralsund hörten Rosi und ich das erste Mal von der Möglichkeit, an der Algarve zu rudern. Das klang viel versprechend! Ich nahm gerne die Unterlagen mit und eine "fixe Idee" setzte sich bei mir fest... Die Gruppe fand sich schnell zusammen und per ePost konnten alle wichtigen oder unwichtigen Details geklärt werden, die Flugtickets in Bremen und Naumburg gekauft werden....
Einiges war anders als erwartet, einiges unerwartet, dafür waren wir auf Anhieb eine prima Truppe und hatten unseren Spaß.
Hier unser gemeinsamer Bericht aller Mitruderinnen und Ruderer.
Sonnabend- Anreise nach Faro
Am 23.10.1999 mittags - alle in Bremen freuen sich auf den Freimarktsumzug - wir nicht! Wir wollen zum Flughafen und das bedeutet einmal quer durch die Stadt. Sonst geht das ganz einfach mit der Straßenbahn, heute aber ist alles gesperrt. So müssen wir ein Taxi nehmen, DM 35,- bezahlen und sind länger als sonst unterwegs. Aber wir sind pünktlich am Terminal 3, unserem Abflugplatz nach Faro. Rosi aus Timmendorf, Gabi und Gisela sind auch schon da, Margot noch nicht. Auch nach längerer Zeit noch nicht! Wo bleibt sie nur? Henning geht auf Suche. Bei Terminal 1 wird er fündig. Bis Bremen Nord hat es sich noch nicht herumgesprochen, dass unser Flughafen vergrößert worden ist. Nun kann es losgehen!
Ein Kaffee in der Abflughalle und ab ins Flugzeug ! Auf dem Weg dorthin gibt´s ein großes Hallo. Günther Röhrbein vom Post SV und seine Frau fliegen auch an die Algarve. So kommt es gleich zu einer Einladung zum Grillen an einem unserer Ferientage.
Der Flug bringt nichts Besonderes. Zu sehen ist auch nichts, wir fliegen über den Wolken. Erst kurz vor dem Ziel bekommen wir einen herrlichen Blick auf die unendlich vielen Lagunen vor der Küste. Wie soll man da rudern und den richtigen Weg finden?
Ankunft in Faro: Dierk steht schon da. Herzliche Begrüßung, dann geht´s zum Bus der "ecole alaman", unserem Transportmittel für die nächste Woche. Wie macht man bei so einem Oldie die seitliche Schiebetür zu? Man fährt mit offener Tür los, fährt einige Meter, bremst dann plötzlich und kräftig und die Tür ist mit lautem Knall zu! Für die Ohren am Anfang gewöhnungsbedürftig, bringt aber viel Spaß. Man sollte aber aufpassen, dass kein Kopf oder keine Hand im Sand liegen bleibt.
Nach 20 Minuten Fahrt durch kleine Orte und eine Landschaft mit Palmen, Mandel-, Feigen-, Orangen/Zitronen-, und Granatapfelbäumen erreichen wir das pompös wirkende Gebäude der deutschen Schule, in der Dierk und Ingrid Weber seit 7 Jahren wirken. Es ist eine Minischule mit 3 Klassen und z. Zt. 16 Kindern, oft sind es sogar weniger. Für Lehrer also eine Paradiesschule, für den Geldbeutel aber eine recht sparsame Quelle.
Wir 5 Frauen schlafen in einem Nebengebäude und schaffen es wieder, den Raum in kürzester Zeit in einen chaotischen Zustand zu versetzen. (Henning hat ein Extragemach für sich allein, aus akustischen Gründen).
Während wir mit Ingrid zum ersten Einkauf in den Supermarkt fahren, holt Dierk Rosemarie und Helmut aus Naumburg/Saale vom Flughafen ab.
Zum Abendessen fahren wir alle gemeinsam in ein kleines Lokal in der Nähe. Dort bekommen wir gleich einen Überblick über die verschiedenen portugiesischen Vorspeisen (die Oliven schmecken besonders gut), es folgen herrliche Fischgerichte und zum Schluss ein Teller voll der verschiedensten Nachspeisen. Natürlich gibt´s Wein dazu und Kostproben mehrerer Baumerdbeerschnäpse.
Vollbeladen fahren wir dann wieder in unser Quartier und sitzen hier noch lange in der gemütlichen Wohnküche mit Ingrid und Dierk und weiteren Rotweinflaschen.
Die Blutspuren an den Wänden zeugen von einigen Kämpfen gegen Mücken in der Nacht.
Sonntag: Bekanntmachen mit den Ruderstrecken
Ab 8.00 Uhr wird ausgiebig in der 8-10-Personen-Frühstücksecke in Webers Großküche gefrühstückt. Dabei deutet sich schon an, dass wir alle miteinander viel Spaß haben werden und uns gut verstehen. Anfänglich ist es noch regnerisch-trübe, aber dann scheint die Sonne.
Kurz nach 10 Uhr besteigen wir den Schulbus (ist im Gesamtpreis ca. 300 DM/P/d). Dierk fährt uns zunächst zum Bootsliegeplatz bei Aldeia de Marim am Canal de Marim (Lagunenbereich). Wir sind von allem begeistert, vor allem vom nahen Atlantik, und sehen den kommenden Tagen mit großer Erwartung entgegen. Hier wird die erste Ruderetappe beginnen. Nach diesem "Beschnuppern" fahren wir zur spanischen Grenze zum Guadiana, um das dortige Revier in Augenschein zu nehmen, zunächst durch bergiges Gelände nach Aleutim. Dort besichtigen wir das Ortsbild mit seinen strahlend weißen Häusern gegenüber dem spanischen Ort Sanlúar mit seiner gewaltigen Festung.
Gegenüber dieser erscheint das portugiesische Castell direkt bescheiden. Dieses Castello geht aus einer arabischen Befestigung aus dem 11. Jahrhundert hervor. Zu besichtigen sind u.a. alte Fundamente, die bei Grabungen freigelegt worden sind. Seit 1878 wird diese Burg nicht mehr militärisch genutzt. Auf dem Burggelände begegnen wir der "portugiesischen Schießgurke", auch "Ecballium elaterium".
Schon unterwegs wurden einige Besonderheiten nach Rudererart bestimmt: der portugiesische Berg-Koala, der Eichhörnchenhund und die Kreuzungsmöglichkeiten zur schwarz-weiß karierten Holzfliege. Hierzu hatte besonders Hennig seine wissenschaftlichen Beiträge geleistet.
Den Ort durchforsten wir etwa von 12 bis 14 Uhr und beenden das Ganze mit einem ,Galano' (Milchkaffee) aus Gabys Fahrtenkasse. Die bettelnden Hunde (auf jeden Touristen kommt fast einer) sind friedlich. Wir müssen noch weiter zum künftigen Fahrtziel Mertola. Dazu müssen wir die Algarve verlassen und in die Region Alentejo überwechseln. Mertola soll das Ziel des Guadiana-Unternehmens werden. Mertola besitzt eine historische, moslemisch geprägte sehenswerte Altstadt. Ein bescheidener Abendimbiss mit ersten portugiesischen Bierverkostungen beendet um etwa 18 Uhr den Aufenthalt. Zuvor waren Tidenzeiten und Anlegemöglichkeiten erkundet worden. Zu beachten sind die Wehre, Stromschnellen und sonstigen Hindernisse an den Gezeiten(?)-Wassermühlen, die allerdings nicht mehr genutzt werden. Die Rückfahrt führt uns wieder über die malerischen Bergstraßen und dann über die Autobahn nach Estoi. Dort finden wir im Restante Milroi ein gutes Abendessen. Bei einigen Gläschen Rotwein klingt das Erlebte in der Weberschen Frühstücksecke aus. Morgen wird endlich gerudert! (Henning freut sich da ganz besonders).
Montag - Endlich rudern!
Der Wecker holt uns aus dem inzwischen fast mückenlosen Schlaf. Heute geht´s nun endlich mit dem Rudern los. Die Transporttechnik der Boote auf LKW und Hänger ist ohne Zeichnung, nur mit Worten, nicht zu beschreiben. Unser Bootswart in Bremen würde das ohne Nervenzusammenbruch nicht überstehen. Aber es klappt alles bestens und nach - wie üblich - rasender Fahrt landen wir am Strand von Faro. Dort liegen die Boote (Spende aus Stralsund) voll Wasser im Sandstrand. So heißt es lenzen (dabei können wir gleich unser Gastgeschenk testen). Lose teilen uns in Zweier- undVierermannschaft ein. Dann tragen wir die Boote ins Wasser, d.h.wir erleben eine Schlammwanderung bis zu den Knien. Alle sehen wir aus wie die dreckigsten Schweine. Aber es gibt ja Atlantikwasser und bald sind wir alle wieder rein.
Dierk hat uns den Weg beschrieben, der Anfang klappt auch. Bald sind wir zu einer gegenüber liegenden Insel gerudert, dort am Ufer in Richtung offener Atlantik und nun auf den Atlantik selbst!!! Leider sind die Wellen aber bald doch zu hoch und gewaltig, so dass wir umkehren müssen. Dafür gibt es ein herrliches Baden im Atlantik. Wieder in den Booten geht es nun durch die Lagunen - nach Dierk ganz einfach. Wir aber finden Beutellagune 1, Beutellagune 2 und 2a, erst Durchfahrt 3 bringt uns dann ganz ohne Probleme, dafür mit einem heftigen Regenguss, nach Fuzeta.
Fuzeta ist ein kleiner, netter Fischerort. Zuerst müssen wir aber in trockene Sachen kommen. Endlich sind Motorräder mal etwas Nützliches. Sie bilden eine herrliche Umkleidekabine inklusive Garderobenständer. Eine heiße Tasse Milchkaffe am Kiosk erwärmt uns von innen und als Dierk kommt, um uns von unserer Nässe zu befreien, ist der Regen weg.
Wir entscheiden uns aber trotzdem, mit dem Rudern aufzuhören und den Rest des Tages an Land zu genießen.
So fahren wir mit dem Bus nach Tavera mit einer sehr schönen Altstadt. Besonders die Kachelfassaden an den Häusern gefallen uns, ebenso wie die Köpfe der alten Leute, die aus den Fenstern der ebenerdigen Häuser das Leben auf der Straße beobachten. Die Kirche von Tavera wirkt auf uns alle recht befremdlich, besonders der Altarraum. Schön dagegen sind die blau-weißen Motive auf den großen Fliesenwänden.
Vor der Kirche beginnt dann das Wühlen in, das Einkaufen von und das Lästern über Souvenirs in den vielen kleinen Läden. Ein Bummel durch die Stadt schließt sich an. Den krönenden Abschluss bekommt dieser Tag mit Gabis herrlicher Käsesuppe, zu Hause in Estoi in unserer gemütlichen Küchenecke, begleitet natürlich wieder von mehreren Flaschen Rotwein, der uns in jeder Menge bestens bekommt.
Dienstag - Kulturtag
Morgens gießt es in Strömen, so dass statt der geplanten Rudertour auf dem Guadiana eine Land-Besichtigungsfahrt angesagt ist. Das Hinterland von Faro und die Wälder mit den Korkeichen haben unser Interesse geweckt. Um 8.30 Uhr starten wir mit dem Schulbus (Achtung "bremsen" Tür zu!!), fahren durch verschlafene Orte über die Autobahn nach Tunes. Der Regen hört auf, die Sicht wird besser und vereinzelt kommt auch die Sonne durch.
Über Algos erreichen wir die herrliche alte Stadt Silves mit seiner überragenden Burgruine, der größten der Algarve aus der islamischen Epoche Portugals. Eine Besichtigung ist selbstverständlich. Wir laufen auf den Mauern und Zinnen der Burg entlang und genießen den wunderschönen Blick auf die Dächer der Stadt und auf die sie umgebende Landschaft. Ein Bummel durch die Gassen, eine Stippvisite durch die Markthalle - als Souvenir werden in Rotwein getrocknete Feigen gekauft und gleich probiert (sehr lecker!) und dann geht es weiter am Riba de Arade entlang (noch ein letzter Blick auf die alte Brücke) Richtung Monchique.
Wir fahren durch die Wälder der Eukalyptusbäume und der Korkeichen, mit ihren bizarren abgeschälten Stämmen, die dunkel gefärbt und mit Jahreszahlen versehen sind, denn man kann nur alle 8-10 Jahre die Rinde abnehmen. In Monchique bewundern wir den Brunnen, der einem arabischen Schöpfrad gleicht, bestaunen einen Lastwagen voller Korkrinde und fahren weiter durch die Berge nach Aljezur. Unterwegs kommen wir an einem großen Korklagerplatz vorbei: Anhalten, Aussteigen, Wühlen nach geeigneten Stücken für die heimische Souvenirsammlung ist einfach unumgänglich!
In Monte Clevigo haben wir dann die berühmte Steilküste erreicht. Ein toller Anblick, wie sich die tosenden Wellen des Atlantiks an den Felsen brechen. Wir sind begeistert und bedauern nur, kein Badezeug mitgebracht zu haben, sonst hätten wir uns noch schnell in die Fluten gestürzt! Durch eine Heidelandschaft voller Thymianduft geht es dann in Richtung Lagos, um den Tag mit einem Shoppingbummel und einem schönen Abendessen zu beenden.
Gisela erinnert sich an einen Urlaub mit ihrer Mutter, Rosi hat einen Laden mit schönen Katzenbildern entdeckt, Margot pflückt eine quietschsaure Apfelsine, Henning hat Hunger, Elke stöbert in den Keramik-Angeboten, Rosemarie ist auf Motivsuche, Helmut mag nicht mehr laufen und Gaby flirtet mit dem Koch in dem Restaurant, in dem wir dann alle gemütlich sitzen und exzellent speisen.
Satt und müde fährt uns Gabi durch die Nacht nach Hause, vorbei an den beleuchteten Touristenorten und wir freuen uns auf den nächsten Tag, an dem wir nun endlich den Guadiana berudern wollen.
Mittwoch - Rio Guadiana, stromaufwärts
Es wird um 7.30 Uhr gefrühstückt, um ca. 9 Uhr geht es ab zum Guadiana. Es ist warm, leicht bedeckt. Wir nehmen den C-Vierer mit und in Faseta den Zweier. Dann fahren wir zurück auf die N 125 nach Vila Real zur Sporthafen-Rampe. Der Tiefstand der Ebbe ist um 11.50 Uhr erreicht, dann kommt die Flut langsam aufwärts in unsere Fahrtrichtung Alcutim. Gisela und Dierk müssen inzwischen den Bus in Alcutim vorparken. Während der Wartezeit wird so allerlei erledigt: Pipi unter Aufsicht der Wasserpolizei, Massagen, Rotwein einkaufen und kosten, in den Taschen und Säcken kramen oder einfach in der Sonne vor sich hindösen. Um 13.10 Uhr erfolgt dann der Start im breiten Mündungsbereich der Guadiana. Nach ca. 12 Stunden ist die moderne Brückenkonstruktion oberhalb Vila Real erreicht, dabei schieben Flut und Rückenwind. Auf der Backbordseite liegt Portugal, steuerbord Spanien. Der Fluss ist breit und von spärlich bewachsenen Hügelchen beiderseits umgeben. Gaby schielt immer nach den Störchen - warum? Der Mittags-Rotwein oder auch das harmlose Teechen aus der Flasche zeigen wieder Wirkung: Keine Anlegestelle - da muss der Ausleger für einige der Damen als ,Brille' dienen. Auf der portugiesischen Seite wird nach einigen Kilometern das Bild etwas abwechslungsreicher, es taucht ab und zu ein Dörfchen mit einem Anleger auf. Sich anbietende Ufer-Restaurants haben wir standhaft "vorbeigelassen". Unterwegs begegnet uns sogar einmal ein Fahrgastschiff. Ansonsten friedliche Stimmung und Natur pur.
Um 17.45 Uhr vertäuen wir unsere Schiffe am Anleger in Alcutim zwischen den ehemals feindlichen Burgen. Nach dem Anlegen sind alle lustig und zufrieden über das Geschaffte, was dann auch mit Rotwein gefeiert wird. Gaby muss freiwillig verzichten (sie will uns zurückfahren). Um 18.10 Uhr ist Gezeitenwechsel, um 18.45 Uhr fahren wir los Richtung Heimat, zunächst nur bis zum "Fonte Nova" in Pechao. Dort ist der Wirt ganz besonders nett zu Gaby. Er hat es aber nur auf ihre Weste abgesehen. Es ist alles sehr lustig, wir sind alle in guter Stimmung.
Donnerstag - Ein Fehltritt und eine Fahrt in die Nacht
Wir treffen uns um 8:00 Uhr zum Frühstück. Wie jeden Tag haben Rosemarie und Helmut, die ein Zimmer im Haupthaus haben, schon den Tisch fertig gedeckt, als wir aus unserem Schlafquartier erscheinen. Vielen Dank!
Wir haben heute Morgen viel Zeit. Gaby, Margot und Elke sind nach unserem Frühstück erst einmal einkaufen gefahren, denn Gaby wird heute Abend für uns kochen. Wir anderen Urlauber klaren die Küche auf. Anschließend ist Warten und Trödeln angesagt.
Das Wetter meint es auch heute mit uns nicht besonders gut. Es ist gleichmäßig grau und erinnert uns an die trüben Herbsttage in Deutschland. Es wird also wieder nichts mit Sonne-Auftanken im Süden. Aber es ist trocken und warm - also gutes Ruderwetter.
Um 11.30 Uhr starten wir endlich mit dem Schulbus nach Alcoutim. Die Fahrt auf der serpentinenreichen Straße führt uns am Guadiana entlang. Wir genießen die wunderschöne Landschaft mit den herrlichen Ausblicken in die wenigen kleinen Ortschaften, auf den Fluss und auf die Berge. An einem besonders schönen Platz kurz vor Alcoutim machen wir Halt. Auf der gegenüberliegenden Flussseite steht einsam ein gelbes Haus. Wir klettern am steilen Hang zwischen Steineichen herum und pflücken Kräuter. Margot sammelt Champignons, die keiner außer mir (und Gisela) bereit ist zu essen. Aus Zeitmangel konnten wir nicht mehr beweisen, dass man auch nach einem köstlichen Champignon-Mahl weiter fröhlich rudern kann.
In Alcoutim angekommen sehen wir, dass das Wasser noch immer zu stark abläuft Wir müssen also noch warten, bis die Tide aufläuft. So ganz behagt uns das nicht, weil wir nicht genau wissen, wie weit es bis zu unserem Zielort Mertola ist (es gibt keine topographischen Karten von dem Grenzfluss ) und es abends schon recht früh und schnell dunkel wird.
Wir bummeln noch einmal durch die schmalen steilen Straßen von Alcoutim und genießen die Atmosphäre dieser Bergkleinstadt der Algarve.
Um 14.30 Uhr sitzen wir endlich in den Ruderbooten. Die Bootseinteilung ist ganz einfach. Gaby und Elke hatten noch nicht im Zweier gerudert, sie dürfen dies heute tun. Ich hatte noch nicht das "Steuer-Vergnügen" und kann dies jetzt im Zweier genießen ( nun weiß ich, dass ich kein Gramm mehr zunehmen darf). Rosemarie, Helmut, Henning, Margot und Gisela verteilen sich im Vierer.
Wir kommen flott voran. Die Tide schiebt uns tüchtig. Bald wird das Tal enger und die Berge am Flussufer werden steiler. Auf der portugiesischen Seite sind die Hänge saftig grün nach dem Regen in den letzten zwei Wochen. Vereinzelt sind kleine Fischersiedlungen am Ufer und kleine Ortschaften mit den charakteristischen andalusischen Kirchen und Burgruinen auf den Bergen zu sehen. Anlegestellen für Ruderer sind so gut wie gar nicht auszumachen. Als sich dann auf der Backbordseite eine Slip-Rampe als gute Möglichkeit anbietet, nimmt der Vierer diese Gelegenheit war. Wir sind nicht so schnell wie der Vierer und die Ungewissheit über die noch zu rudernde Strecke bis zur Dunkelheit sind der Grund, dass wir zügig weiter rudern.
Es ist die falsche Entscheidung. Wir haben das einmalige Schauspiel "Margots Untergang" ( oder ist der Titel "Margots Fehltritt" treffender?) nicht sehen können.
Während Gisela versucht, mit Dierk zu telefonieren, geht Margot in dem kleinen Dorf auf Erkundungstour. Als Erstes findet sie abgeschnittene Zweige eines Gummibaumes und entscheidet spontan, dass einer dieser Zweige die fehlende Flagge im Vierer ersetzen muss. In welchem Ort sie angelegt haben, möchte Margot auch noch wissen. Sie fragt einen jungen Mann danach. In seinem kleinen, bescheidenen Häuschen schreibt er ihr den Ortsnamen auf einen abgerissenen Papierschnipsel.
So gut ausgerüstet kehrt sie an die Anlegestelle zurück und nimmt sich sofort die Verschönerung des Vierers vor. Am Boot entlang marschiert sie mit ihrem Gummibaum durchs Wasser um das Heck zu erreichen - weg ist sie - versunken.
Nach einigen Schrecksekunden taucht neben dem Boot ein nasser Blondschopf auf, in der einen Hand einen Gummibaum, in der anderen einen Schnipsel Papier, und meldet sich mit Pomarao (dem Ortsnamen) über Wasser zurück.
Als uns der Vierer wieder überholt, können wir nur an Margots nassen Haaren und dem neuen Ruderoutfit erkennen, dass wir etwas verpasst haben.
Wir schätzen, dass wir noch eine Ruderstrecke von ca. 20 Kilometern vor uns haben. Wir werden also unser Ziel nicht mehr bei Tageslicht erreichen.
Das Flusstal wird enger und schlängelt sich durch die Berge. Der Tidenstrom hat aufgehört. Wir rudern in einsamer Gegend. Jetzt stehen auch keine Fischerhütten mehr am Ufer. Das Tageslicht wird schwächer und die Berge sehen kalt und schwarz aus. Dann ist es dunkel. Als die Augen sich an die Dunkelheit gewöhnt haben, sind auch wieder die kleinen Felseninseln mit Buschwerk im Flussbett rechtzeitig auszumachen.
Trotzdem ist mir als Steuerfrau die Nachtfahrt nicht ganz angenehm, denn es sollen noch die Stromschnellen kommen. Wir rudern seit Pomarao schon über 2 Stunden und noch immer ist kein Lichtschein von Mertola in der Ferne auszumachen. Der Vierer ist auch schon lange nicht mehr zu sehen.
Dann endlich steht hell angestrahlt die Burg von Mertola vor uns. Um 19.50 Uhr legen wir unterhalb der Burg sicher an.
Der Bus wird geholt (alle, die in dieser Zeit keine Aufgabe haben, lassen sich in einem kleinen Lokal ein Glas Wein oder ... schmecken ), die Boote werden aufgeladen und dann fahren wir durch die Dunkelheit zurück zum Quartier.
Hier bereitet uns Gaby zu später Stunde ein köstliches Abendessen. Vielen Dank! Ein aufregender, wunderbarer Rudertag ist zu Ende. Wir gehen satt, müde und zufrieden zu Bett.
Freitag - Regen zum Abschied
An unserem letzten Rudertag steht die Erkundung des Wasserreviers um Faro an. Dierk hat seinen Unterricht auf den späten Vormittag verlegt und so geht´s im Konvoi (Kombi mit abenteuerlich verschnürtem Zweier samt Bootshänger mit Vierer und wir Aktive im Schulbus dahinter) durch die morgendliche Rushhour von Faro. Allein hätten wir die versteckt gelegene Zufahrt des Rudervereins im Sportboothafen nie gefunden. Unter neugierigen Blicken der Angler und Hafenarbeiter sind die Boote schnell startklar und über eine Schräge im Wasser. Vorbei an Segel- und Motorbooten empfängt uns die Lagune bei Sonnenschein und ziemlicher Ebbe.
Rechts und links der Fahrrinne gibt es große Sandbänke, auf denen neben vielen Störchen die Einheimischen Muscheln für das nächste Mittagessen ausgraben.
Und ständig begegnen uns mit Sand beladene kleine Motorboote - sicherlich Nachschub für den eigenen Hausbau oder Ähnliches. Wäre das nicht auch eine Variante für die Hanseaten zum Entfernen des Buhnensandes am Verein?
Bei leicht bewegtem Wasser geht´s weiter in Richtung offenes Meer. Am Himmel baut sich eine fast schwarze Wand auf - ob wir die wohl abkriegen? Als die düsteren Wolken sogar den Blick auf Faro verhindern, stürzt ein Regenguss auf uns nieder bzw. fegt von der Seite fast waagerecht um uns rum. Der Regenschauer wird nach Anziehen der Regensachen stoisch ertragen - ein grandioses Schauspiel! Nur Elke, die meint, dass das Ganze schnell vorüber geht, lässt sich nassregnen. Das "Ende vom Lied": Sie wird hinterher gar nicht mehr warm und verzichtet sogar auf das letzte Bad in der Meeresbrandung - bei strahlendem Sonnenschein!
So erfrischt geht´s quer über die Lagune, oft mit Blick auf den dicht mit Algen bewachsenen Grund, zurück zum Festland. Dierk erwartet uns bereits mit seiner Schüler-Ruder-AG und einem erwachsenen Anfänger, dem wir gleich den ersten Unterricht angedeihen lassen.
Zur Abschiedsgrillparty am Abend sind wir bei Günter Röhrbein und seiner Frau eingeladen. Samtfein gestylt, von je zwei Hunden und Katzen freudig begrüßt, kann es uns bei einem erlesenen Buffet und unserem mitgebrachten Rotwein gar nicht besser gehen. Mit der nötigen Bettschwere versehen geht es spät in der Nacht zurück
Samstag - Rückreise
Leider kommt der letzte Morgen viel zu schnell. Gerne würden wir alle bleiben. Aber leider geht es nicht (immer diese Lehrerinnen mit ihren Ferien!) So packen wir das inzwischen viel voluminöser gewordene und leider noch feuchte Gepäck mit viel Mühen ein. Dann gibt´s das große Abschiednehmen von Ingrid und Dierk mit dem Überreichen von Gastgeschenken (unsere Lenzpumpe ist wirklich eine sehr nützliche Gabe, wie wir während dieser Woche selbst erfahren haben), Flaggen, T-Shirts und vielen lieben Worten.
Dann kommen Rosemarie und Helmut an die Reihe, die glücklicherweise noch einige Tage bleiben können.
So geht´s nun das letzte Mal in unserem so heimisch gewordenen Bus zum Flughafen - anfahren - stoppen KRACH, RUMMS - Tür zu, an den Kreuzungen oder anderen engeren Situationen schaltet Dierk das gelbe Warnlicht an und ab durch die Mitte! Ein letzter, trauriger Blick auf den an diesem Morgen besonders schönen Sonnenaufgang mit Palmen, Granatapfel-, Zitronen-, Dattel- und Mandelbäumen im Vordergrund. Dann sind wir mitten unter den Touristen des Flughafens. Gaby, Margot, Henning und ich legen die letzten Pesos zusammen und kaufen aufs Gramm genau dafür lauter süße Scheußlichkeiten.
Mit der ganzen Auswahl von Zeitungen beladen steigen wir ins Flugzeug. Noch einen letzten Blick auf die tolle Lagunenlandschuft um Faro, dann fliegen wir wieder problemlos gen Bremen.
Bei unserer Ankunft steht Gabys Vater schon zur Begrüßung da, nimmt Gabys und Giselas Gepäck mit, und wir fahren zum Hauptbahnhof, um Rosi und Margot zum Zug zu bringen. Der geplante Freimarktsbummel muss leider ausfallen, da es keine Schließfächer für unser Gepäck gibt. So genießen wir nur Fischbrötchen vor dem Bahnhof.
Es war eine wirklich schöne Woche mit vielen neuen Eindrücken, herrlicher Landschaft, netten kleinen Städten, herzlicher Gastfreundschaft, erlebnisreichem Rudern, einer völlig harmonischen und flexiblen Gruppe und leider zu viel Regen.
Margot Gabriel
Rosemarie Baune
Elke und Henning Siemßen
Gaby Redecker
Rosemarie und Helmut Grusenik
Gisela Temme