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"Hansa" (1879/83) e.V.

Ein Schlag Rudertechnik gefällig?

Im Rahmen meines Trainer-B-Lehrgangs hatte ich die Aufgabe bekommen, zum Thema "Rudertechnik" eine Hausarbeit zu schreiben. Mehrere Bücher haben mich beim Schreiben unterstützt. Die Hausarbeit wurde von den Prüfern für gut befunden und ich habe die Lizenz bekommen. Jetzt droht die Hausarbeit im Datenmüll der Festplatte zu versinken. Vielleicht hat noch jemand Interesse, ein paar Sätze zum Thema "Rudertechnik" zu lesen?

Der Ruderschlag beim Skullen (Vgl. S. Piesik: Die Kunst des Skullens, Zeitschrift Rudern, Ausgabe 3/98)

Der Ruderschlag kann in vier Phasen unterteilt werden. Eine genaue Abgrenzung der Phasen ist nicht möglich, weil sie fließend ineinander übergehen. Der Anfang des Ruderschlages kann auch an verschiedenen Stellen (z.B. Vorrollen, vordere Bewegungsumkehr) gesetzt werden. Der Ruderschlag wird folgendermaßen eingeteilt:
1. Freilaufphase/Vorrollen
2. Vordere Bewegungsumkehr
3. Durchzug
4. Hintere Bewegungsumkehr

Die Freilaufphase und das Vorrollen

Ein Ruderschlag beginnt und endet, wenn die Arme nach dem Ausheben wieder gestreckt sind. Die Hände befinden sich vor den Knien. Der Oberkörper ist nach vorn geneigt. Er hat schon annähernd seine Auslageposition. Die Handführung lautet: linke Hand über und vor der rechten Hand (in Fahrtrichtung gesehen). Das Anrollen sollte kaum spürbar erfolgen mit dem aktiven Zug der Füße am Stemmbrett. Der Körper des Ruderers/der Ruderin wird bei leicht zunehmender Geschwindigkeit mit den Füßen in die Auslageposition hineingezogen, wo die vordere Bewegungsumkehr fließend beginnt.

Die vordere Bewegungsumkehr

Die vordere Umkehr besteht aus dem Ausholen zum Wasserfassen, dem Wasserfassen und der Druckaufnahme. Während des letzten Teils des aktiven Vorrollens beginnt die Vorbereitung zum Wasserfassen. Die Blätter werden rechtzeitig aufgedreht und nah am Wasser geführt. Die Arme sind gestreckt. Der Oberkörper bleibt ruhig, die eigentliche Ausholbewegung geschieht ausschließlich aus den Schultergelenken. Die Hände sind auf gleicher Höhe. Das Wasserfassen erfolgt mit Gefühl. Die direkte Druckaufnahme sollte möglichst schnell die momentane Bootsgeschwindigkeit kompensieren und das Boot zusätzlich beschleunigen. Der Weg der Innenhebelbeschleunigung ist möglichst gering, d. h. der Punkt des ersten Wasserkontaktes muss nahe am tatsächlichen Umkehrpunkt liegen. Der Übergang vom Treten zum Ziehen des Stemmbretts vollzieht sich ohne Pause. Der Rollsitz wird ruckfrei abgebremst und direkt wieder beschleunigt.

Der erste Teil der Druckaufnahme erfolgt schwerpunktmäßig aus den Beinen, der Oberkörper wird nur aktiv eingespannt, die Arme bleiben gestreckt. Die vordere Bewegungsumkehr geht nahtlos in den Durchzug über.

Der Durchzug

Der Durchzug entwickelt sich aus der vorderen Umkehr und zielt auf die konstante Beschleunigung des Bootes. Hüft- und Beinwinkel lösen sich gemeinsam auf, d. h.während des kompletten Durchzugs wird das Stemmbrett konstant getreten und der Oberkörper aktiv eingesetzt. Dabei sollte keine bzw. kaum Hubarbeit verrichtet werden. Die Schultern bleiben auf einer Höhe und werden nach hinten eingesetzt. Der Rücken ist bei aufgerichtetem Becken leicht gekrümmt, der Kopf in gerader natürlicher Position. Der Krafteinsatz erfolgt ruckfrei und ohne Spitzen, sodass nur ein Maximum entsteht. Ein fließendes Ineinandergreifen der einzelnen Bewegungskomponenten Beine, Rücken, Arme ist dafür Voraussetzung. Die Schultergelenke bleiben bis zum Erreichen des Kraftmaximums (ca. 20-10° vor der Orthogonalstellung) vor dem Hüftgelenk. Die Arme bleiben bis zum Überschreiten der Orthogonalstellung nahezu gestreckt, die Skulls liegen in den vorderen Handflächen. Die Handgelenke sind bis zum Erreichen der Endzugposition ebenfalls annähernd gestreckt. Die Wasserarbeit ergibt sich aus der Schwimmlage der Blätter in Verbindung mit dem Krafteinsatz. Die Innenhebel werden dabei nicht geführt, sondern nur gezogen. Die Blätter schwimmen an der Wasseroberfläche, sodass die Blattkanten gerade noch mit Wasser bedeckt sind. Vor den Blättern entsteht während des Durchzugs ein Wasserberg, hinter den Blättern ein Schlupfloch, das bis zum Ausheben aufrecht erhalten werden muss. Der Durchzug geht fließend in die hintere Bewegungsumkehr über.

Die hintere Bewegungsumkehr

Grundsätzliches Ziel dieser Phase ist das Aufrechthalten der bis dahin erzielten Bootsbeschleunigung, das Ausheben der Blätter ohne Geschwindigkeitsverlust und die flüssige Umkehr der Bewegungsrichtung in eine entspannte Ausgangsposition für den nächsten Schlag. Die Innenhebel werden in Richtung Körper nicht geführt, sondern weiter gezogen. Die Schultern werden mit zurückgenommen, der Durchzug wird ausgeschoben, nicht abgeblockt. Die Ellenbogen sind auf Innenhebelhöhe und werden am Körper vorbeigeführt, wobei die richtige Stemmbretteinstellung die anzustrebende Zugrichtung durch die Schultergelenke sicherstellt. Der Oberkörper bietet den Armen den nötigen Widerstand und kommt weder den Innenhebeln entgegen noch schwingt er nach. Die Knie bleiben gestreckt und wippen nicht nach. In der Rücklage werden die Hände ohne Pause in annähernd gleicher Geschwindigkeit wie beim Entzug vor die Knie geführt und locker gestreckt. Schulter und Oberkörper werden mit den Händen wieder in die Vorlage gebracht. Besonders sind hier ruckartige Bewegungen zu vermeiden. Ohne Beschleunigungsspitzen geht es in das Vorrollen.

Der Auslagewinkel beträgt beim Skullen 70 bis 60° zur Orthogonalstellung. Der Rücklagewinkel beträgt 35-40° zur senkrechten. Der Gesamtwinkel des Ruderschlages beträgt 95-110°.

Begriffe

Orthogonalstellung: Die Skulls sind im rechten Winkel zur Bordwand.

Oliver Hahn

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