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Bremer Ruder-Club "Hansa" (1879/83) e.V. |
Seit vielen Jahren beobachte ich, wie unter der Stephanibrücke ein Baum heranwächst und ich frage mich: "Was ist das für ein Baum und wie ist er wohl dahin gekommen?"
Am 1. Mai radelte ich auf dem Weg zu Bärbel wieder über die Stephanibrücke und staunte. Der Baum stand in voller Blüte! Ich konnte nur erkennen, dass es ein Apfelbaum ist, der dort inzwischen zu einer beachtlichen Größe herangewachsen ist. Wieder beschäftigte mich die Frage: "Wie kommt ein Apfelbaum auf diese Stelle mitten in der Weser?"
Eines Nachts hatte ich einen Traum. In diesem Traum erinnerte ich mich an einen Tag, der lange Jahre zurückliegt und den ich längst vergessen hatte.Ich fuhr mit dem Schreiberdampfer auf einem Sonntagsausflug nach Mittelsbüren. Ich hatte einen Apfel dabei, den ich während der Fahrt essen wollte. Er leuchtete rot in der Sonne und hatte ein fein säuerliches Aroma. Durch eine Ungeschicklichkeit fiel mir der angebissene Apfel aus der Hand über die Reling ins Wasser. Dort sah ich ihm noch eine Weile nach. Er dümpelte auf dem Wasser und wurde von den Wellen auf und ab geschaukelt.
Mit der einsetzenden Ebbe fiel das Wasser und der Apfel verkeilte sich zwischen den Steinen der Buhne unter der Brücke. Der Apfel war in einen Spalt gerutscht und dort lag er unerreichbar und fest. Da er stets vom Wasser umspült war, bildeten sich feine Wurzeln, die in der Erde Halt fanden. Flut und Ebbe konnten ihm nichts anhaben und es wuchs ein kleines Bäumchen heran, das im Laufe der Jahre immer größer wurde. Nun sah es wunderschön aus im Schmuck seiner Blüte. Ich hätte kaum gedacht, dass eine Chance bestünde, dass die Blüten befruchtet würden, doch die Bienen fanden den Weg über das Wasser und es wuchsen tatsächlich Äpfel heran.
Längst hatte ich meinen Ruderfreundinnen von diesem Baum erzählt und der Gedanke, dort zu ernten, wuchs immer mehr, je einladender die reifen Äpfel in der Sonne dieses schönen Spätsommers leuchteten. Nun ist das aber nicht so ganz einfach, mit unseren Ruderbooten an die Steine heranzufahren.
An einem Tag mit besonders hohem Wasserstand ruderten Elke und Hagen im Zweier weserabwärts und nutzten die gute Gelegenheit. Elke hielt das Boot und Hagen mit seiner Länge konnte einige Äpfel erreichen. Freudestrahlend brachte Elke mir zwei dieser Äpfel. Ich habe mich sehr gefreut, sie mit einem weichen Tuch ganz blank poliert und mich erst einige Tage an dem Anblick erfreut, bevor ich sie probiert habe. Siehe da, sie hatten ein fein säuerliches Aroma wie der verlorene Apfel vor vielen Jahren.
So werden manchmal Märchen wahr.
Anneliese Ahrens