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"Hansa" (1879/83) e.V.

Main und Wein

links: vor Würzburg, rechts: enge Kahnschleuse

Unter dieser Überschrift hat Frank Brand, Wanderruderwart des Bremer Rudervereins von 1882, eine Wanderfahrt organisiert. Daran haben mit Gerd Kotzke, Jens Thilo-Pfeiffer und Olaf Köhn auch drei Hanseaten teilgenommen.

Am Freitag, den 8. Oktober starteten um 15.00 Uhr sieben Personen nach Bamberg. Zugfahrzeug war der Bus vom Post-SV, der Anhänger vom BRV war mit den Booten Didi Küntzel (BRV) und All to Hoop (BRCH) beladen - damit hatten alle stadtbremischen Rudervereine ihren Anteil am Gelingen der Fahrt.

Bei dichtem Verkehr und Regen, aber ohne Staus, erreichten wir gegen 23 Uhr Bamberg. Dort trafen wir Arvo, der als achter Teilnehmer aus Freiburg angereist war. Im Bootshaus der Bamberger Rudergesellschaft - ein beeindruckend großes, teilweise leider etwas schmuddeliges Gebäude - wurde in einer Dachkammer Quartier gemacht. In der nahen Innenstadt fanden wir noch eine gemütliche Kneipe mit warmer Küche.

Am nächsten Morgen Fahrt mit dem Bus zum Frühstücken und Einkaufen, anschließend holten wir den Hänger und brachten die Boote nach Viereth, um sie unterhalb der Staustufe aufzuriggern. Barbara und Ingmar starteten nach Aschaffenburg, um Bus und Hänger dort abzustellen. Da der letzte Linienbus der Woche bereits abgefahren war, machte der Rest einen kleinen Rundgang durch Viereth, stärkte sich mit vom Baum gefallenen Wallnüssen und im Dorfkrug mit einem Federweißen. Mit zwei Taxen ließen wir uns zum Bamberger Dom bringen und machten einen Stadtbummel durch die sehenswerte Innenstadt. Gegen 20 Uhr gingen wir in die Gaststätte vom Vorabend, eine halbe Stunde später stießen die Aschaffenburgfahrer dazu.

Nach einer unruhigen Nacht (in der Gaststätte im Bootshaus spielte bis fünf Uhr Musik) ließen wir uns mit zwei Taxen nach Viereth fahren, brachten die Boote zu Wasser und starteten zu unserer ersten Etappe. 47 Kilometer mit vier Schleusen lagen vor uns. Fast immer konnten wir die neben dem Wehr liegenden Kahnschleusen zur Selbstbedienung nutzen. Es passt genau ein Vierer rein, was immer zwei Schleusungen notwendig machte. Um die Wartezeit abzukürzen, startete das erste Boot nach der ersten Schleuse wieder, um die nächste Schleusung vorzubereiten. Leider konnte das zweite Boot die Schleuse nicht mehr nutzen (ob Bedienungsfehler oder Defekt konnte nicht geklärt werden). Die Benutzung der Schifffahrtsschleuse bescherte der vorausgefahrenen Mannschaft eine eineinhalbstündige Wartezeit an der nächsten Staustufe. Wir haben die Lektion gelernt und sind in Zukunft nur noch gemeinsam an den Schleusen abgefahren. Durch die Verzögerung erreichten wir das Ziel Schweinfurt erst nach Einbruch der Dunkelheit. Der Tag endete mit Essengehen in der Innenstadt und Übernachtung im frisch renovierten Bootshaus des Schweinfurter Ruder-Club "Franken" mit Granitfußboden im Eingangsbereich.

Ziel am Montag war Kitzingen, an der Schleuse Gerlachshausen (keine Bootsschleuse) am Ende des Mainkanals leider fast zwei Stunden Warterei - es hätte sich fast gelohnt, den sechs Kilometer längeren Flusslauf mit SB-Schleuse zu nutzen. Dadurch erreichten wir den Kitzinger Ruderverein nach 46 Kilometern wieder erst kurz nach Eintritt der Dunkelheit. Quartiermachen in der Umkleidekabine und Essen in der Stadt im Restaurant zweiter Wahl - aus dem ersten sind wir nach einem fiesen Hustenanfall des Wirtes wieder geflüchtet.

Kurze 34 Kilometer mussten am nächsten Morgen bis Würzburg überwunden werden, was wir - gut gestärkt durch ein Frühstück in einer Bäckerei - ohne Komplikationen schafften und schon am Nachmittag erreichten. Das Nachtlager in der vereinseigenen Sporthalle der Würzburger Rudergesellschaft Bayern konnte erst ab 22.00 Uhr bezogen werden, so duschten wir nur und zogen in die City. Die Suche nach einem Restaurant war angesichts der großen Auswahl schwierig. Beim Café M.U.C.K. waren dann alle so hungrig, dass wir dort aßen. Der Abend klang im Kino beim Spätfilm aus.

Am folgenden Tag präsentierte sich Würzburg nach Auflösung des Frühnebels im Sonnenschein, der Tag wurde mit Besichtigungen, darunter die Residenz (das Treppenhaus der Residenz ist auf der Rückseite des 50-DM-Scheins abgebildet), Mittagessen im historischen "Bürgerspital" und Kaffeetrinken verbracht. Abends nach dem Aufstieg zur Festung Marienberg gingen wir zum Bahnhof, um Martin als "Rowsharer" (Ablösung für Sabine, die am Dienstag wieder nach Bremen gefahren ist) abzuholen. Ein bulgarisches Restaurant servierte leckeres Abendessen mit viel zu kleinen Portionen.

Der Donnerstagmorgen begann mit einen deftigen Weißwurstfrühstück in der Vereinsgaststätte. Da nur 27 Kilometer vor uns lagen, nutzen wir den Vormittag, um zur Wallfahrtskirche "Käppele" zu spazieren. Gegen 11 Uhr ließen wir die Boote zu Wasser, schleusten durch die Würzburger Schleuse (keine Kahnschleuse vorhanden) und hatten wieder mal ein Schleusenproblem: Die Bootsschleuse Himmelstadt war defekt und da das Hinweisschild am Anfang des Schleusenkanals von beiden Steuerleuten übersehen wurde, kurbelten wir lange vergebens. Der Strom war wohl abgeschaltet, per Handkurbel ließ sich das untere Tor schließen, das obere Schott aber nicht öffnen. Eine dreiviertel Stunde später durchfuhren wir die große Schleuse, die Wartezeit wurde zum Einkaufen im winzigen Dorfladen genutzt. Trotzdem erreichten wir Karlstadt recht früh, breiteten im Mehrzweckraum des kleinen, gepflegten Bootshauses des Ruderclubs Karlstadt unsere Isomatten aus. Die warme Dusche wurde trotz Duschmarke nur lauwarm und so gingen wir erfrischter als gewünscht in die kleine Fußgängerzone des 6.000-Seelen-Ortes essen. Anschließend Lokalwechsel zum Nachtischessen - achtmal Apfelstrudel mit Sahne und Eis.

Die Rudergesellschaft Marktheidenfeld war das Ziel der Freitagsetappe (46 Kilometer). Der Hantelraum diente als Unterkunft. Das Abendessen gab es beim Türken, einen Absacker in einer Kellerkneipe mit schönem Gewölbe.

Schon um sieben Uhr - eine halbe Stunde früher als gewöhnlich - mussten wir aufstehen, denn 54 Kilometer mit vier Schleusen sollten überwunden werden. In der Nacht waren noch Wanderruderer aus Diepholz in Marktheidenfeld eingetroffen, die alle unbedingt Katjas Bruder sehen wollten.

Um 9.00 Uhr präsentierte sich der Main in dichtem Nebel, wir ruderten vorsichtig in Ufernähe, bis die Sonne den Nebel verdrängt hatte. An Wertheim vorbeirudernd erreichten wir genau um 18.00 Uhr den Miltenberger RC. Sechs Isomatten wurden in der ungeheizten Herrenumkleide ausgerollt, zwei in der Bootshalle; eine warme Dusche genossen und zum Abendessen ein italienisches Restaurant gewählt. Der mittlerweile übliche Lokalwechsel führte uns in eine Weinstube. Die Fußgängerzone von Miltenberg präsentierte sich gepflegt und idyllisch, zur Abwechslung waren hier viele Fachwerkhäuser zu sehen.

Am Sonntag dann um 6.00 Uhr aufstehen (gut, dass die Wafa nicht länger war, dann wäre nach dem Gesetz der Serie am nächsten Tag um 5.00 Uhr aufstehen gewesen), Frühstück in der Umkleidekabine, acht Uhr auf dem Wasser. Zum Glück war kein Nebel, dafür mussten erst Roll- und Steuermannsitze von Reif befreit werden.

Eine Stunde später war das letzte Eis am Boot getaut. Zügig ruderten wir Aschaffenburg, dem letzten Ziel der Wanderfahrt, entgegen. Am frühen Nachmittag erreichten wir nach 37 Kilometern, nur noch mit T-Shirts bekleidet, das Bootshaus des örtlichen Ruder-Clubs, fanden Bus und Hänger wohlbehalten vor, riggerten ab und luden auf. Auf die erhoffte Dusche verzichteten wir, der Hausmeister verlangte drei Mark pro Person dafür. Zwei Bahnfahrer wurden zum Bahnhof gebracht, um halb vier fuhren wir dann auf die Autobahn nach Bremen.

Insgesamt war es eine rundherum gelungene Wanderfahrt. Es hat, außer bei der Hinfahrt, nicht nennenswert geregnet, das Wetter wurde von Tag zu Tag schöner. Die Landschaft erreichte ihren Höhepunkt zur Mitte der Strecke, in den letzten Tagen verliehen der Sonnenschein und die beginnende Laubfärbung der Landschaft einen zusätzlichen Reiz.

Olaf Köhn

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