Homepage   Clubschlüssel   1999   || Index  || Bremer Ruder-Club
"Hansa" (1879/83) e.V.

Mit Skull und Nase unterwegs

Und auch die Nase ist beim Rudern gefordert: Klar ist es wichtig, seine Muskeln anzuspannen und die Bewegungen zu koordinieren. Sicherlich hat es besonderen Reiz, das Land vom Wasser aus zu sehen und sich auf fließendem Naß zu bewegen. Wahrscheinlich spielt auch das Gemeinsame eine wichtige Rolle - sei es im Boot oder in der Ökonomie.

Aber auch die Nase ist gefordert beim Rudern. Das fällt mir zumindest auf als Ruder-Frischling, der zur Zeit unter Obhut von Gisela Temme die Bewegungsabläufe lernt und erste Ruderkilometer zurücklegt.

Wohl nehmen viele alte Hasen gar nicht mehr wahr, wie die Bootshalle riecht: Es ist dieser eigentümliche Geruch aus Holz, Feuchte und Öl, den ich sonst nirgendwo sooo wahrgenommen habe. In den Geruch mischt sich für mich die Sorge um die Pflege der Boote und die Bedeutsamkeit der Historie: Jedes Boot könnte eine Geschichte erzählen. Jeder Handgriff hat seinen Sinn - in Jahrzehnten eingeschliffen.

Die Nase ist auch auf dem Wasser dabei: Wer aus der Stadt auf die Weser kommt, riecht richtig, dass er jetzt "außer der Welt" ist. Der Fluß riecht weich, brakig und doch nach aufrichtiger Klarheit. Und auch das Ufer verströmt Geruch: Sei es frisches oder blütenschwangeres Kraut- und Buschwerk weseraufwärts, seien es die Beck'sche Mälzerei und sonstigen Produktionsstätten gen Vegesack. -

Wieder ist der Geruchssinn angesprochen, wenn beim Putzen der Skulls Wasser, Schmiere und Zeitungspapier auseinanderzuriechen sind. Und schließlich die Umkleide, in der es - nur sparsam von Frischluft entschärft! - nach Männerschweiß aus vielen Jahren riecht. Beim Geruch der ausdünstenden Shirts und Schuhe verstehe ich Ernest Hemingway - zumindest im Hinblick auf Ruderer: Ein Mann duftet nach Mann, sonst nach nix.

Wie dem auch sei, nach einigen Wochen Ruderkurs bei Hansa kann ich (noch) nicht sagen, dass ich die Nase voll hätte oder dass es mir gar stinken würde! Im Gegenteil, dass es bei Hansa nach Hansa duftet und müffelt, das riecht mir sehr nach menschlichen Originalen, nach alten Geschichten und nach ruderkameradschaftlicher Begeisterung.

Das mag ich.

Jens Flammann

Seitenanfang