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Bremer Ruder-Club "Hansa" (1879/83) e.V. |
Wenn einer eine Reise tut, dann kann er viel erzählen. Wenn 12 Ruderinnen und Ruderer eine Wanderfahrt unternehmen, sind die Erlebnisse entsprechend vielfältig.
Eineinhalb Tage in Prag beeindruckten uns gewaltig. Wir waren untergebracht im Hotel "Admiral". Von dort aus ließen wir bei strahlendem Wetter Prag auf uns einwirken. Es ist eine wunderschöne Stadt, untrennbar verbunden mit Franz Kafka, der in dieser Stadt geboren wurde, sie nur einmal wegen einer Berlinreise verließ, mit Smetana und Dvorak, die hier viele Jahre Musikgeschichte geschrieben haben. Die Gebäude aus der tausendjährigen Geschichte glänzen zum großen Teil wieder in alter Pracht und geben der Stadt ein überwältigendes Gesicht. Fassaden unterschiedlicher Epochen reihen sich aneinander - wie es allerdings dahinter aussieht, blieb uns verborgen. Ein buntes Völkergemisch war unterwegs in den Straßen und engen Gassen, auf der Karlsbrücke, den Plätzen und natürlich dem Hradschin. Eine gemeinsame Stadtführung gab uns hier nähere Einblicke, die durch anschließende individuelle Bummel vertieft wurden. Weitere Besuche dieser herrlichen Stadt sind sicher lohnenswert.
Aber eine Ruderreise war geplant und sollte am Sonntag in Melnik gestartet werden.
Angesteckt durch begeisterte Schilderungen anderer Barkengruppen realisierten die "Ehepaarfahrer" nun endlich die langjährige Absicht, die Elbe zu berudern. Wir waren uns einig, diese Fahrt ohne unsere Barke "Gustav" zu machen. Die Anreise mit dem Auto nach Prag war uns einfach zu weit. So ließen wir für diesen Zeitraum - 8.8. bis 13.8. - die in Meißen liegende Verbandsbarke "Sachsen" reservieren.
Mit Sack und Pack - es wurde sparsam gepackt - reisten wir - Gesine und Rolf aus Papenburg, Barbara und Spyros extra eingeflogen aus Lampiri (Griechenland), Inge und Reinhold, Elke und Henning, Ute und Tilo - per Eisenbahn von Bremen nach Prag, nahmen unterwegs in Dresden Bothi und Hermann an "Bord". Die beiden haben mit einer Wanderfahrtswoche nicht genug. Sie fuhren mit dem Auto nach Dresden und brachten ihren Zweier gleich mit. Im Anschluss an unsere Fahrt wollten sie die Elbe in Richtung Hamburg kennenlernen.
Am Sonntag nach dem beeindruckenden Aufenthalt in Prag beförderte uns ein "Lastentaxi" nach Melnik, um die Barke zu übernehmen. Es war mit einem kleinen Suchspiel verbunden, da die Wegbeschreibung in Tschechisch/Englisch übersetzt werden musste. Herr Herper vom Ruderverein Meißen erwartete uns mit dem Bootstransport bereits. Bei idealer Einsatzstelle war die Barke "Sachsen" schnell zu Wasser gelassen. Beeindruckend sind die Technik des Trailers und die Kippausleger der Barke. Kein Ausleger konnte vertauscht werden, keine Schraube oder Mutter beim Montieren verloren gehen - die Ausleger wurden einfach ausgeklappt, mit Flügelschrauben befestigt und fertig war unser Schiff für die nächsten 6 Tage.
Die Sonne stand hoch am Himmel. 44 km lagen vor uns. Je älter der Tag wurde, um so erbarmungsloser traktierte die Sonne Kopf und Haut. Nicht nur ich bedauerte, dass wir "Gustav" mit dem Dach nicht bei uns hatten.
Die nächsten Tage verbrachten wir also auf der Labe. Unsere Etappen hießen Litomerice, Usti, Decin. Auch diesen Städtchen ist ehemaliger Reichtum anzusehen. Einige der imposanten Wohnhäuser sind restauriert, andere sollen folgen.
Der Fluss schlängelt sich durch eine reizvolle, abwechslungsreiche Landschaft von Wiesen, sanften Anhöhen bis zu schroffen Felsenketten mit interessanten Formationen. Usti liegt zu Füßen der Burg "Schreckenstein" und lässt eindrucksvolle Vergangenheit ahnen.
In Decin übernachtete die "Sachsen" vor dem Bootshaus des Ruder-Vereins, wir im Hotel "Faust". Ein Abstecher abends in das Bootshaus (delikate Gastronomie) von Decin vermittelte uns den Eindruck von Pracht und Reichtum früherer Zeiten. Die Bootshalle selbst konnten wir zwar nicht besichtigen, ließen uns über den Ruderbetrieb aber berichten.
Am Mittwoch, dem Tag der Sonnenfinsternis, änderte sich das Wetter schlagartig. Tiefe Wolken, Regengüsse und starker Wind machten uns zu Schwerarbeitern in Sachen Rudern. Sturm und Wellen waren gegen uns. Ungehindert von Grenzkontrollen - ob ihnen das Wetter zu ungemütlich war? - überwanden wir so die Grenze zwischen Tschechien und Deutschland. Die Labe wurde zur Elbe mit einer neuen Kilometerzählung. Unsere Rettung war ein Anlegeboot zu einem Gasthaus in Postelwitz. Hier hatten schon 3 Paddler Schutz gesucht. Der Wirt - etwas unleidlich ob der frühen Störung - ließ uns dennoch ein und versorgte uns nasse und kalte Gestalten zunächst mit Kaffee und Grog - am 11. August. Hier konnten wir nun die Sonnenfinsternis in aller Ruhe betrachten und die von Tilo mitgebrachten Brillen bei jedem Schrei zwischen den Wolken: "Da ist sie wieder !" ausprobieren. So hatten wir einen zeitweiligen Einblick in das Naturereignis der für uns partiellen Sonnenfinsternis.
Unsere Laune stieg stetig, zumal der dann eintreffende Ober noch 12 Stücke Pflaumenkuchen mitbrachte und zum späteren Zeitpunkt eine super Solianka sowie heißer Apfelstrudel mit Sahne und Vanilleeis gereicht wurde. Bester Stimmung, vollgestopft und auch wieder etwas trockener, stiegen wir am späten Nachmittag wieder ins Boot.
Dieser Regentag sollte der einzige bleiben. Die Temperaturen sanken zwar um einige Grade, es beeinträchtigte uns aber nicht weiter.
Eine vielseitige, teilweise bizarre Landschaft, aber auch sanfte Weinberge säumt die Elbe. Denkwürdige Schlösser, Festungen wie Königstein und Felsendome der Bastei stehen Spalier. Wir hätten gerne diese Sehenswürdigkeiten aus der Nähe betrachtet, doch dafür blieb keine Zeit.
Unsere erste deutsche Etappe war Halberstadt. Von dort ging es vorbei an Rathen nach Dresden. In Rathen machten wir Pause, um die von Reinhold bestellten Eintrittskarten für die Felsenbühne mit der Aufführung "Freischütz" abzuholen.
Der nächste Abstecher sollte Schloss Pilnitz sein. Obwohl das Schloss wasserseitig völlig eingerüstet ist, legten wir großartig an der Freitreppe an, um die Schlossanlagen zu besichtigen. Die eigentlich vorgesehene Flasche Sekt blieb uns verwehrt. Wir vergaßen, sie zu kaufen.
Ursprünglich wollten wir diese Tagesetappe im Dresdener Ruderverein beenden. Da wir an unserem letzten Rudertag (Freitag) aber erst ca. 7 km unterhalb Meißen die Barke herausholen konnten und wir an diesem Tag abends nach Rathen in die Felsenbühne wollten, beschlossen wir, weiter bis zum Dresdener Ruder-Club zu fahren. Wir wollten uns gern durch Dresden vorbei an den "Brühlschen Terrassen" treiben lassen. Aber Niedrigwasser und Ausflugdampferverkehr machten ein sorgloses Dahintreiben unmöglich. Dennoch genossen wir den Anblick und die wasserseitig zu bestaunenden Sehenswürdigkeiten.
Ein letztes Mal wurde die "Sachsen" zwischen zwei Stegen verankert und befestigt. Alle Dinge, die wir am letzten Rudertag nicht mehr benötigten, wurden mit ins Ibis-Hotel "Bastei" nach Dresden genommen. Leer und leicht dümpelte sie vor sich hin.
Die S-Bahn brachte uns nach Dresden. Diese Stadt ist immer eine Reise wert. Eine zügige Stadtsanierung lässt innerhalb kurzer Zeit neue Eindrücke entstehen.
Am Freitag, 13.08., verlief alles nach Plan. Die Barke wurde pünktlich um 13.30 Uhr von Herrn Herper am Anleger einer Gierfähre aufgeladen, von uns begleitet in den Meißener Ruderverein gebracht, um sie hier einer gründlichen Innen- und Außenwäsche zu unterziehen. Schäden waren nicht zu verzeichnen, so dass die Barke für die nächste Fahrt gerüstet war.
Im Eiltempo ging es ins Dresdener Hotel zurück, um uns selbst zu restaurieren und zu stärken für das Abschlusserlebnis "Felsenbühne Rathen". Zwischen Dresden und Rathen liegen ca. 45 Minuten S-Bahn-Fahrt und eine Gierfähre. Spannend für uns, diese nicht nur als absolut zu beachtendes Hindernis im Wasser zu erleben, sondern als solides, ruhiges Fortbewegungsmittel.
Der Aufstieg in die Felsenbühne, d.h. ein Stück auf die Bastei, kam einer Völkerwanderung gleich. Gewappnet mit Pullovern und Regenzeug konnten wir der Kälte standhalten und uns dem Musikgenuss "Freischütz" hingeben. So dröge der Max, so rundlich die Agathe, so imposant war auch die Wolfsschlucht. Es schallte, dampfte, sprudelte, knallte und leuchtete aus allen Felsenritzen, dazu Geisterreiter auf echten Pferden, Feuer und Totenköpfe in jeder Menge. Ein richtig schönes Freilichtgruselvergnügen!
Gut gekühlt und entspannt nach dem durchorganisierten Tag erholten wir uns in der Hotelbar bei anregenden Getränken.
Ein Besichtigungstag mit unterschiedlich gesetzten Schwerpunkten rundete die Wanderfahrt ab. Sie wird noch reichlich Stoff für Unterhaltungen und hoffentlich auch Anreiz zum Nachmachen oder Wiederholen geben. Denn merke, die Flusslandschaft bietet sich sehr unterschiedlich dar. So festgestellt von Elke, die diese Ruderstrecke vor 2 Jahren meinte kennen gelernt zu haben. Sie zweifelte manches Mal daran, denselben Fluss berudert zu haben. Seinerzeit war Hochwasser, kaum eine Böschung, Mauer oder Schleusenabgrenzung war zu erkennen - jetzt führte die Elbe sehr wenig Wasser. Die Fahrrinne war dadurch sehr schmal. Zum Glück hielt sich der Schiffsverkehr in Grenzen, so dass wir unbeschadet alle Hindernisse umrudern konnten. Fazit: Ob Hoch- oder Niedrigwasser - die Elbe ist immer ein Fluss, der sich lohnt!
Elke Siemßen und Ute Kolb
Viele Leute planen für ihren Urlaub, in ein Land mit Hochsommergarantie zu fahren und das sind meistens die Länder am Mittelmeer. Dieses Meer liegt direkt vor unserer Nase. Blau, warm und von Mitte Mai bis Oktober einladend. Trotzdem hatten Spyros und ich uns bereits vor längerer Zeit entschlossen, mal wieder an einer Rudertour mit der Barke teilzunehmen.
Glücklicherweise hatte Spyros es ja trotz seines "hohen" Alters noch gewagt, vor ca 4 Jahren ins Ruderboot zu steigen. Bothi hatte ihn damals in die Künste der Ruderei eingeweiht und danach hatten wir bereits unsere erste gemeinsame Barkenfahrt unternommen. Diese "harte" Schule sollte nicht umsonst gewesen sein und somit werden sicher auch noch andere Fahrten folgen. Vielleicht ist es für mich persönlich ein wenig Nostalgie oder ganz einfach nur die alte Liebe zur Ruderei, die auch zu diesem Entschluss beigetragen hat und außerdem vergessen wir nicht, dass Deutschland ein wunderbares Reiseland ist.
Wir sind sicher nicht die erfahrensten Barkenfahrer, aber bei der netten Crew durften wir auch trotz fehlender Ruderkilometer mitfahren. Dank der guten Informationen, die wir durch Kolbs und Siemßens erhielten, waren wir über alles bestens informiert und unsere Vorfreude steigerte sich ständig. Für uns war es doch schon ein erheblicher Aufwand, diese Fahrt zu unternehmen. Beginnend mit der Suche nach Freunden, die sich während unserer Abwesenheit um unser Haus in Lampiri kümmern wollen, d.h. einen großen Garten und Tiere für 2 Wochen hegen und pflegen. Das alles glückte zum Schluss doch noch und so konnten wir am 3.8. einigermaßen beruhigt zu unserem naheliegenden Flughafen Araxos (Patras) fahren, um von dort - natürlich mit erheblicher Verspätung - nach Hannover zu fliegen. Dort holte uns Tochter Ulrike ab und gegen 2 Uhr in der Nacht waren wir in Bremen. Wir hatten noch 2 Tage, um fehlende Dinge für die Fahrt zu besorgen, zu packen und um Familie und einige Freunde zu treffen. Am Freitag, dem 6.8. war dann endlich der Countdown beendet und es ging los.
Prag war beeindruckend und ist sicher noch einen weiteren Besuch wert. Die eigentliche Rudertour begann dann am Sonntag bei Melnik und der erste Rudertag bei strahlendem Sonnenschein und 44 km war zumindest für uns schon etwas hart. Gewisse Körperteile schmerzten aufgrund fehlender Ausübung dieser Tätigkeit. Unsere "Einarbeitung" wurde jedoch von Tag zu Tag besser und nach diesen 6 Tagen hätten wir noch bis "Hamburg" weiterrudern können. Die Tage vergingen wie im Flug. Henning hatte in alter Manier alles wunderbar geplant und war auch während der Fahrt unser guter Geist für Abrechnung, Taxen und andere Wohltaten. Die Hotels waren alle gut, die Frühstücke immer hervorragend, die böhmischen Einheitsknödel hätten manchmal etwas besser schmecken können. Dafür schmeckte Budweiser, Pilsener Urquell und Becherovka ausgezeichnet und die Kilometer-Schnapszahlen wurden immer peinlichst genau eingehalten.
Der Tag der Sonnenfinsternis war leider der Tag des großen Regens. Es goss wie aus Eimern, und wir waren froh, dass wir einen anfangs etwas ungastlichen Gastwirt fanden, der uns plitschnasse Gestalten aufnahm und sich anschließend als sehr fürsorglich herausstellte. Denn wir wurden mit Grog, frischem Pflaumenkuchen, heißer Suppe und Apfelstrudel mit Eis und Schnäpschen verwöhnt, damit unsere Lebensgeister wieder zurückkehrten. Einige wenige Löcher in der Wolkendecke genehmigten uns, die Spezialbrillen von Tilo zu benutzten und mit lautem Begeisterungsrufen so zu tun, das letzte Ereignis dieser Art in diesem Jahrtausend genossen zu haben.
Dresden war ein schöner Abschluss, zudem noch ein besonderer Genuss auf uns wartete. Reinhold hatte für die Freilichtbühne in Rathen Karten für den Freischütz reservieren lassen. Die Kulisse bei dieser Aufführung war natürlich das A und O, und so liefen einem bei den wichtigen Szenen teilweise schon die Schauer über den Rücken.
Am Sonntag war dann Rückfahrt nach Bremen und wir konnten eigentlich nur noch unsere Taschen etwas umpacken, um am Dienstag wieder den Flieger nach Araxos zu nehmen. Diese 14 Tage sind sehr schnell an uns vorbeigeflogen und waren wunderschön. Die Hitze hat uns wieder, viel Arbeit in Haus und Garten warten auf uns und sicher eine neue Rudertour.
Grüße aus Lampiri und großen Dank.
Barbara und Spyros