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"Hansa" (1879/83) e.V.

Die Barkenbrüder auf dem Neckar

Frauen sind inkonsequent, Männer nie!

So kam es, dass wir für die Fahrt vom 25.6.99 bis zum 4.7.99 zwar Schweden als Ziel wählten, dann aber konsequent den Neckar befuhren. So etwas bringen eben nur Männer fertig!

Bei der Abstimmung über das Fahrtenziel fiel mir auf, dass den Barkenbrüdern das Ziel "nahe gebracht" werden muss.

Einige - und dazu gehöre ich auch - kennen ja noch längst nicht alle schönen Ecken in Deutschland, die den älteren Barkenbrüdern natürlich bestens bekannt sind. Wir können die Beratung wirklich brauchen.

Besonders hilfreich sind natürlich immer Prospekte, weil man sich die Gegend dann gut vorstellen kann.

Nach der ersten Euphorie flaute die Begeisterung für Schweden wieder ab und nur vier Leute zahlten den Betrag für die Buchung der Fähre rechtzeitig ein. Damit war Schweden durch die Hintertür von der Mannschaft selbst wieder abgewählt worden.

Tja, wat nu? Wir waren etwas ratlos, wie es weitergehen sollte. Doch da ergriff unser Barkenkapitän, Gerhard Johannsen, die Initiative und wies uns das Ziel: AUF ZUM NECKAR!

"Zum Neckar!" rief auch die Mannschaft und es konnte losgehen. Aber während wir sonst zu unseren Fahrten mit einer stattlichen Zahl von Ruderern aufbrachen und meistens noch ein Gigboot nebenherlaufen ließen, so waren es diesmal nur neun "tapfere" Ruderer, die gewillt waren, alle "Gefahren" auf dem Neckar zu bestehen. Diese Neun waren der harte Kern und nicht aufzuhalten.

Doch da flirtete unser Ruderkamerad Dr. Günther Preuss zu sehr mit einer - vermutlich jungen - Hexe und diese schoss ihn, warum auch immer, in den Rücken. Peng! Da lag er mit seinem Hexenschuss und wir waren nur noch acht, aber dennoch zu allem entschlossene Ruderer.

Von diesen Schwierigkeiten, aber auch von unserer eisernen Entschlossenheit, hörte unser Ruderkamerad Heinz Kleemann aus Weinstadt und bot uns sofort seine starken Ruderarme zur Unterstützung an. Wir nahmen mit Freuden an und nun konnte es wirklich losgehen.

Unser Barkenkapitän unterwarf uns noch einmal einem kurzen Härtetest und ließ uns am Freitag, den 25.6.99 um 6.00 Uhr morgens zur Abfahrt antreten. Er war natürlich auch da und hatte selbstverständlich guten, trockenen Sekt mitgebracht, den er uns immer zum Abschied kredenzt. Der müde Kreislauf wurde angeregt und wir blickten schon froher in die frühe Morgensonne. Und wie wir da so auf dem Parkplatz des Clubs stehen, uns nett unterhalten und ich einige Schlückchen Sekt getrunken hatte, sagt meine innere Stimme plötzlich zu mir: "The early bird catches the worm." Ich war etwas irritiert und fragte zurück: "Was soll das? Was hat der frühe Vogel mit dem frühen Ruderer zu tun? Der frühe Ruderer catched nicht mit einem Wurm, er trinkt Sekt." "Eben," sagt die innere Stimme und ich sage darauf: "Lass mich in Ruhe, du bringst alles durcheinander!"

Haben diese Gedankengänge nun etwas mit dem Sekt zu tun? Mitnichten, die frühe Stunde war´s und nicht der Sekt, die mich an diesen unpassenden Spruch denken und fabulieren ließ.

Um 6.30 Uhr fuhren wir also los nach Stuttgart. Auf der Autobahn legte Tilo eine Kassette ein und wir hörten "Freche Lieder", gesungen von Helen Vita. Sie sang sehr gut, z. B. von Maitre Simon und wir fühlten uns etwas verrucht und recht wohl dabei.

Wir wollten zur Stuttgarter Rudergemeinschaft und irrten dabei etwas umher. Schließlich heuerten wir einen Bauarbeiter an, der zwar etwas nach Alkohol roch, uns aber dennoch zum Ziel führte. Unterwegs deutete Friedo auf die Weinberge und fragte ihn, ob das alles Tabakfelder wären. Der Mann verneinte heftig und wir unterstützten ihn in seiner Meinung.

Barke und Hänger wurden bei der RG abgestellt und wir fuhren weiter nach Remseck-Neckarrems zu unserem Hotel "Hotel Gästehaus Hirsch". Die Fahrtenleitung hatte wohl den Eindruck, dass unbeschäftigte Ruderer nur dummes Zeug machen und hatte, um ja keine Langeweile aufkommen zu lassen, sofort für abends eine Weinprobe angesetzt. So hieß es also duschen, Clubanzug anziehen und per Taxe nach Fellbach.

Dort empfing uns Andreas Nuss in Begleitung seiner netten Freundin. Andreas ist für das Marketing einer Winzergenossenschaft zuständig und zeigte uns erst einmal die Geräte, Maschinen und beeindruckenden Tanks, die für die Weinherstellung benötigt werden. Es war schon ziemlich spät und in den letzten Minuten der Besichtigung schlichen wir mit knurrendem Magen und schon etwas schwach in den Knien dahin. Aber wir wollten uns ja keine Schwäche anmerken lassen! Doch merke: Ist die Not am größten, ist Brot mit Aufschnittplatte und Weinprobe am nächsten. Andreas beendete die Besichtigung und führte uns in einen schönen Raum und da sahen wir die "Bescherung": Körbe mit duftendem Brot, silberne Platten mit dem schönsten Aufschnitt und diverse Flaschen mit köstlichem Wein! Dezent fielen wir über die Speisen her und Andreas hielt uns einen wunderbaren Vortrag über die verschiedenen Weine und wir durften sie natürlich auch verkosten.

Es war ein sehr schöner Abend und ich möchte Andreas und seiner Freundin an dieser Stelle noch einmal dafür danken.

Wir hatten gut geschlafen und wachten am Sonnabend, den 26.6. voller Tatendrang auf. Nach dem Frühstück fuhren wir zur Stuttgarter RG und wollten nun die Barke zu Wasser lassen. Das war aber aufgrund der beengten Platzverhältnisse gar nicht so einfach. Die Barke musste erst einmal vom Hänger auf einen kleinen, niedrigen Wagen abgeladen werden und mit diesem musste die Barke mit Schwung über die fast versinkende Brücke auf den Anleger bugsiert werden. Vom Anleger aus brachten wir unser Schiff dann vorsichtig zu Wasser.

Und hier und an dieser Stelle muss einmal ganz besonders der selbstlose Einsatz unseres Novizen Herrn M. aus V. gewürdigt werden. Damit ja der Barke nichts passiert, hatte er sich vorsorglich so platziert, dass die Barke beim Aufsetzen ja nicht auf die Erde kam! Auf keinen Fall da, wo er stand. Das wollte er nicht zulassen! Beim Kommando "Setzt ab!" setzten wir die Barke auf die Erde und traten einen Schritt zurück. Nur Herr M. trat nicht zurück. Stattdessen schnitt er Grimassen und wimmerte leise. Wir sahen ihn erstaunt an. Dieses Benehmen war eines Novizen nicht angemessen! Schließlich presste er heraus: "Die Barke liegt auf meinem Fuß!" Jetzt wurde uns auch klar, warum er als Einziger nicht zurückgetreten war und natürlich hoben wir die Barke sofort wieder an und befreiten unseren armen Novizen von der schweren Last, die er auf sich genommen hatte. Aber alle Barkenbrüder haben seinen Einsatz doch bewundert!

Als die Barke noch halb auf der Brücke lag, wollte Herr M. sich weiter nach vorn durchhangeln. Um nicht ins Wasser zu fallen, musste er sich dabei breitbeinig über einen Ausleger stellen. Unglücklicherweise kam da das Kommando "Boot geht hoch!" und die Dolle bohrte sich - wie uns schien - in die breitbeinig dargebotene Männlichkeit des Herrn M. Diesmal schnitt er keine Grimassen und er wimmerte auch nicht. Er schrie sofort los: "Halt, halt, absetzen, ich sitze auf der Dolle!" Erschrocken setzten wir ab und befreiten Herrn M. aus seiner misslichen Lage. Wir waren aber doch neugierig, ob er jetzt mit hoher Fistelstimme sprechen würde und unterhielten uns deshalb etwas mit ihm. Er sprach aber ganz normal und es schien alles gut gegangen zu sein. Über den Einsatz aber waren die Barkenbrüder wieder einmal des Lobes voll.

Die Barke war nun im Wasser und wurde mit Lebensmitteln und Wein beladen. Wir hatten Riesling und Müller Thurgau erstanden, der sich im Boot zu Müller Turbo entwickelte. Vielleicht lag es daran, dass wir gut vorankamen, obwohl nur sechs Mann ruderten und zwei Mann auf der Steuerbank saßen.

Das Wetter war wunderschön sonnig und warm und die Gegend war hier schon - entgegen einiger Unkenrufe aus den Reihen der jungen Barkenbrüder - sehr schön. Wir genossen die Sonne und einige badeten auch im Neckar.

Irgendwann machten wir an Bord Mittag und aßen Kohlrabi, Radieschen, Nektarinen, Honigkuchen mit Schwarzbrot und tranken von dem eingekauften Wein, der hervorragend schmeckte. Es war wunderschön. Dann hatten wir wieder Lust zu rudern und wir kamen trotz stehenden Gewässers gut voran.

Als wir beim Wassersportverein Neckarrems festmachten, wurden wir gleich für abends zum Grillen eingeladen. Die Grillparty fand "im finsteren Tann" statt und wir hatten ein preiswertes Essen und wieder mal unseren Spaß.

Es war Sonntag und es war ein schöner Tag, wie es sich eigentlich für einen Sonntag gehört. Es begann auch alles ruhig und kultiviert. Wir verließen Neckarrems Richtung Benningen. Unterwegs machten wir in Marbach Halt und besichtigten das Schillermuseum. Wieder draußen, suchten wir eine Plattform auf und schauten uns genüsslich die Gegend an. Es gewitterte und regnete etwas, aber das war schnell vorbei, so dass wir in einem Gartenlokal in der Nähe der Barke noch etwas trinken konnten.

Wir ruderten unsere Etappe zu Ende und nachdem wir uns in unserem Hotel in Remseck-Neckarrems frisch gemacht hatten, steuerten wir ein im Ort gelegenes nettes Lokal an.

Und da war es mit der Kultur und der Ruhe vorbei! Die Mannschaft lief zur Hochform auf. Unterstützt wurden wir hierbei von einigen Gläsern Escorial und einem Berliner Herrn, der am Neckar sesshaft geworden war und der u. a. fast alle Strophen bzw. Verse von "Frau Wirtin" zum Besten geben konnte. Auch Bonifatius Kiesewetter war ihm kein Unbekannter. So wurde es ein feucht-fröhlicher Abend, der auch etwas später als sonst endete.

Als wir das Lokal verlassen hatten und durch die frische Nachtluft zu unserem Hotel gingen, fielen Manni Cordes plötzlich Begebenheiten ein, die er in Amerika erlebt hatte und er sagte zu mir: "Weißt du, das ist eine Welt, von der du dir keine Vorstellung machen kannst." Das glaubte ich ihm gern, denn ich war ja noch nicht da. Gleichzeitig meldete sich aber meine Spottlust und ich forderte ihn auf, doch mal zu erzählen. Natürlich wollte ich in meinem angeheiterten Zustand nur Jokus machen und so hatte er eigentlich gar keine Chance, die Geschichte wirklich zu erzählen. Die anderen halfen kräftig mit und es wurde alles verdreht und viel gelacht. Manni sah ein, dass wir an diesem Abend nicht mehr aufnahmefähig waren. Aber wir kamen überein, dass er uns seine "Geschichten aus der neuen Welt", wie wir sie nannten, ein andermal erzählen sollte; auch möglichst dann, wenn wir etwas Wein genossen hätten, denn wir hatten ja schon bei der ersten "Geschichte aus der neuen Welt" viel Spaß gehabt.

So endete dieser Sonntag und die fröhlichen Barkenbrüder suchten leise lachend ihre Zimmer auf. Schließlich wollten wir ja niemanden stören.

Montag, der 28.6.99 war ein zäher Tag. Wir hatten die Strecke Benningen - Lauffen vor uns. Um es rundheraus zu sagen: Die gesamte Mannschaft kam mir etwas übernächtigt, wenn nicht sogar leicht verkatert vor. Aber brav ruderte sie die ihr auferlegten Kilometer, wenn auch viele - wie eine Fata Morgana - einen Schleppkahn vor sich sahen. So hatten sie es leichter.

Heinz Kleemann war am Morgen angekommen und unterstützte uns von nun an. Bestimmt hat er sich an diesem Tag gewundert, dass die Barkenbrüder so ernst und würdig waren.

Manni Cordes und Helmut Meyer hatten sich als Serviceleute verabschiedet. Kein schlechter Job an diesem Tag, dachte ich zuerst, aber dann fiel mir ein, dass wir ja ins "Gästehaus Schenk" nach Lauffen umzogen und die beiden alle Koffer zu schleppen hatten.

Nachdem wir unsere "Pflicht" getan hatten, gingen wir abends ins Restaurant "s'Dächle", wo uns gut und reichlich aufgetischt wurde. Wir blieben solide und gingen relativ früh schlafen. Anzumerken wäre noch, dass es wegen der Fata Morgana eine Ermahnung vom Barkenkapitän i. V. gegeben hatte. Daraufhin ist diese Wahnvorstellung auch nicht wieder aufgetreten.

Als ich am Dienstag, den 29.6.99 erwachte, hatte ich Appetit und da fiel mir das Gedicht "Morgenwonne" von Ringelnatz ein und das geht so:

Ich bin so knallvergnügt erwacht.
Ich klatsche meine Hüften.
Das Wasser kocht. Die Seife lacht.
Es dürstet mich nach Lüften.

Aus meiner tiefen Seele zieht
Mit Nasenflügelbeben
Ein ungeheurer Appetit
Nach Frühstück und nach Leben.

Besagter ungeheure Appetit ließ mich denn auch schnell aufstehen und den Frühstücksraum aufsuchen.

Nun hatten wir die Strecke Lauffen - Bad Wimpfen vor uns, fuhren mit dem Wagen zum Boot und dann wurde stramm gerudert. Die Truppe hatte etwas wieder gutzumachen und außerdem mussten wir ja auch den Eindruck korrigieren, den der "schlappe Montag" bei Heinz Kleemann hinterlassen haben musste.

Das Rudern auf dem schönen Neckar war eine Freude. Bei Heilbronn wurde kurz diskutiert, ab wir den Alt-Neckar befahren sollten, weil die Gegend dort schöner ist. Dazu mussten wir aber durch die "Kaiser-Wilhelm-Schleuse" und wir wussten nicht, ob diese Schleuse überhaupt betriebsbereit war. Die Wagemutigen setzten sich durch. Und siehe da, es gab dort eine kleine und eine große Schleuse und beide waren in gutem Zustand und konnten benutzt werden.

Als wir in Bad Wimpfen angelegt hatten, erreichten wir auf unserem anschließenden Rundgang zuerst den sehr schönen und ländlich gelegenen Bahnhof. Es gab dort Kaffee und Kuchen und daran konnten wir natürlich nicht vorbei. Da es schön sonnig und warm war, konnten wir draußen sitzen.

Dann sahen wir uns in Bad Wimpfen, das übrigens wie fast alle kleinen Städte am Neckar sehr schön ist, weiter um und fuhren dann mit der Bahn nach Lauffen zurück.

Um 20.15 Uhr versammelten wir uns zum Essen im Restaurant "Sonne". Wir aßen draußen in einer Weinlaube und tranken dazu den einmaligen Trollinger Rotwein. Himmlisch! Die Barkenbrüder fanden, dass das Leben doch sehr schön sein kann.

Es ist Mittwoch, der 30.6.99 und an diesem Tag sollte uns - und mir besonders - viel Gutes widerfahren. Eigentlich hätte ich an diesem Tag zusammen mit Charly Service gehabt und wir hätten den Umzug mitsamt dem Kofferschleppen zum Hotel "Wilder Mann" nach Obrigheim bewerkstelligen müssen. Aber Tilo hatte den Service verwechselt und sich und noch einen armen Kerl für diesen Tag eingeteilt. Natürlich dachte ich, dass "höhere strategische Überlegungen" die Fahrtenleitung zu dieser Änderung bewogen hätten, die man als einfacher Ruderer aber nicht so schnell nachvollziehen kann. Ich wollte mir keine Blöße geben und schwieg also.

Charly und die anderen hatten noch gar nicht auf den Plan geguckt und schwiegen auch und so schleppten die falschen Leute die schweren Koffer. Erst abends, als der Service für den nächsten Tag bekannt gegeben wurde, stutzte Tilo und die Verwechslung kam unter dem Gelächter der Mannschaft heraus. Charly und mir tat das natürlich sehr leid!

Wir ruderten von Bad Wimpfen nach Bienau. Das Wetter war durchwachsen. Wir hatten Gewitter und Regen, aber dann klarte es auf und wir konnten die Greifvogelwarte Burg Guttenberg besichtigen und die Flugvorführungen von Adler, Geier und Co. bewundern.

Wir waren vorher schon ganz gespannt und hatten viel von den "Piepvögeln" geredet. Und dann sahen wir sie! Es waren schon beeindruckende große Vögel mit einer enormen Flügelspannweite. Die Geier flogen weit ins Land hinaus und wir fragten uns schon besorgt, ob die überhaupt wiederkommen. Aber man sagte uns, dass die Tiere nach etwa 15 Minuten wieder da wären. Die meisten Vögel werden für die Auswilderung trainiert und können dann ein Leben in Freiheit führen.

Nach der Vorführung fuhren wir zurück zum Boot, das von Friedo bewacht worden war, und ruderten unsere Strecke zu Ende.

Der Abend sollte "offiziell" begangen werden. Und als wir im Clubanzug im Restaurant des Hotels "Wilder Mann" Platz genommen hatten, da widerfuhr uns die nächste Wohltat. Hugo erhob sich und verkündete, dass uns die Zocker für diesen Abend zu Trunk und Schmaus eingeladen hätten. Wir freuten uns, dass die älteren Barkenbrüder und Zocker unsere Fahrt gedanklich so begleiteten und ich kann sagen, wir tranken und schmausten ausgezeichnet. Herzlichen Dank den Zockern für diese Einladung!

Nach dem Essen wurde es noch einmal "offiziell", denn zwei Barkenbrüdern wurde je eine Urkunde überreicht. Manfred Cordes wurde für die Teilnahme an der zehnten Barkenfahrt geehrt und Dr. Tilman Kolb an der - sage und schreibe - zwanzigsten Barkenfahrt! Die beiden Barkenbrüder freuten sich über die Auszeichnung und wir übrigen freuten uns, dass wir wieder einen Grund zum Feiern hatten.

Aufgeschoben ist nicht aufgehoben! Charly und ich mussten am Donnerstag, den 1.7.99 unseren Service nachholen, während die Mannschaft die Strecke Bienau - Hirschhorn vor sich hatte. In dieser Gegend sind die hohen Ufer des Neckars dicht bewaldet und man kann fast von unberührter Natur sprechen. Die Bäume spiegeln sich im klaren Wasser, das dadurch einen leicht grünlichen Schimmer erhält. Der Neckar und seine Umgebung sind wirklich wunderschön!

Um auf der letzten Etappe bis Heidelberg rudern zu können, hatten wir zwei Ziele verändert und suchten nun nach einem geeigneten Anlegeplatz bei Hirschhorn. Dabei kamen wir an einer Burg vorbei und Charly und ich konnten es nicht lassen, einmal schnell den Turm zu besteigen. Oben angekommen wurden wir mit einem herrlichen Ausblick und einer erfrischenden Brise belohnt, die uns an diesem heißen Tag guttat.

Nachdem wir einen Wagen in Hirschhorn abgestellt hatten, fuhren wir mit dem zweiten Wagen zurück nach Eberbach und gingen dort an Bord der Barke, um die letzten Kilometer bis Hirschhorn noch mitzurudern.

Freitag, der 2.7.99, unser letzter Rudertag. Wir wurden fast etwas wehmütig darüber, dass die schöne Fahrt sich dem Ende zuneigte. Aber schon beim Frühstück im "Wilden Mann" verflüchtigte sich das Gefühl wieder, weil jetzt ein weiterer Merksatz griff, der da lautet: "Essen und Trinken hält Leib und Seele zusammen."

So zusammengehalten bewerkstelligten wir unseren letzten Umzug ins Hotel Kredell nach Neckargmünd und setzten dann zur letzten Etappe von Hirschhorn nach Heidelberg an. Wir hatten ca. 19 km zu rudern und konnten uns also Zeit lassen. Noch einmal genossen wir ganz bewusst den schönen Neckar und seine üppig bewaldeten Hänge.

Und dann kam der siegreiche Augenblick. Ein Triumpfgefühl erfasste uns. Das Mekka einer Neckarfahrt bot sich unseren Augen dar. Die Barke "Gustav" erreichte mit ihrer sonnengebräunten, gesunden und trainierten Mannschaft die Perle unter den Neckarstädten, die von vielen besuchte, gerühmte und besungene, die wunderschöne Stadt

Heidelberg.

Es war grandios. Wir hörten auf zu rudern und trieben langsam unter dem Jubel der Bevölkerung (einige Leute haben uns tatsächlich zugewinkt!) unter der roten Sandsteinbrücke hindurch und konnten dann den Anblick der Brücke und des Schlosses vom Wasser aus genießen. Die Fotoapparate klickten unaufhörlich, einige begannen zu glühen und mussten zwecks Abkühlung in den Neckar gehalten werden. Dennoch sind alle Bilder gut geworden. Es war unbeschreiblich und sehr romantisch.

Dann legten wir an und luden die Barke auf den Hänger.

Es war heiß und Friedo und ich badeten noch einmal im Neckar. Das musste einfach noch einmal sein!

Abends folgten wir einer Einladung von Frau Dr. Christel Ritz, die viele noch unter dem Mädchennamen Kirschner kennengelernt haben. Wir begaben uns im Clubanzug(!!) zum Gasthof "Zum Güldenen Schaf", der von einem echten Philosophen geführt wird, nämlich von dem Doktor der Philosophie Karl Harald Kischka.

Christel praktiziert seit vielen Jahren als Kinderärztin in Heidelberg, blieb aber stets Mitglied in unserem Club. So konnten wir ihr bei unserem Treffen ganz offiziell die Ehrennadel für 40-jährige Mitgliedschaft in unserem Club überreichen bzw. gelang es Tilo - ohne sie zu pieksen -, ihr die Nadel anzustecken.

Wir verbrachten einen sehr harmonischen und interessanten Abend im "Güldenen Schaf" und wer einmal nach Heidelberg kommt, der sollte versuchen, sich von Dr. Kischka in die "Kurapotheke des Doctor Faustus" einladen zu lassen, die in einem Nebenraum des Gasthofes eingerichtet wurde. Dort gibt es Liebestränke. Aber Vorsicht: Die verschiedenen Liebestränke dürfen nicht vermischt oder durcheinander getrunken werden, weil die Wirkung sonst eine fürchterliche ist!

Der Doktor ist ein hochinteressanter Erzähler, dem man immerzu lauschen könnte.

Christel, deine Ruderkameraden danken dir für diesen schönen Abend.

Am Sonnabend, den 3.7.99 hatten wir frei. Trotzdem wurde um 8 Uhr gefrühstückt, denn wir wollten noch, bevor die übrigen Touristen so richtig munter wurden, Heidelberg besichtigen.

Es war ein Tag, der Heidelberg 36 Grad im Schatten bescheren sollte. Nach der Besichtigung verbrachten Charly, Friedo und ich den Tag am Neckar und badeten. Die anderen fuhren mit unserem klimatisierten Bus zu der von Charly und mir bereits besichtigten Burg und schauten sich die schöne Gegend noch einmal von oben an. Abends trafen wir uns "offiziell" im "Roten Ochsen" und ließen die Fahrt noch einmal Revue passieren.

Wir fanden alle, dass es eine erquickende und harmonische Fahrt war, die die Barkenbrüder in freundschaftlicher Verbundenheit durchgeführt hatten. Wir hatten einen schönen Fluss in reizvoller und gastlicher Umgebung erlebt und danken unserem Barkenkapitän Gerhard Johannsen und unseren Ruderkameraden Heinz (Hugo) Meyer, Helmut Meyer und Tilo Kolb für die Organisation und Durchführung der Fahrt.

Am 4.7.99 fuhren wir nach Bremen zurück und freuten uns unterwegs schon auf die "Jahr-2000-Fahrt"!

Günter Bussenius

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