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"Hansa" (1879/83) e.V.

Der Shannon hat uns wieder

Die Jungen Barkenbrüder erneut in Irland

Nun schreibt er wieder, der Reporter der "Jungen Barkenbrüder" - die ja eigentlich "die zweite Barkenbruderschaft" heißen müssten, denn so jung sind sie ja nun auch wieder nicht.

Nun wisst ihr ja aus meinen Berichten - es war ja unsere 17. Fahrt -, wie eine Abschlussbesprechung unserer Fahrten verläuft. Als letzte Frage heißt es ja immer wieder: Wo geht es denn hin im nächsten Jahr? Diese Frage taucht natürlich auch schon während einer Fahrt auf, aber es muss eben alles seine Ordnung haben - also neue Diskussion, meistens aber eine erneute Besprechung ca. 1 Monat später. Und dabei, wie eigentlich in jedem Jahr, kommt dann wieder die Weserfahrt auf den Tisch, wozu der Kommentar von Max immer lautet: "Die können wir auch noch im Alter von 80 Jahren bewältigen!" Max aber hat auch immer Vorschläge, die er mit Unterlagen belegen kann. Einer davon war eine Tour in Englands Norfölk Broads, einer Seenplatte im Osten des Landes. Der zweite Vorschlag sah Irland vor, wo wir den Teil des Shannon berudern wollten, den wir noch nicht kannten.

Der Anreiz war gegeben. Diskussionen folgten. Es erfolgte eine wie immer demokratische Abstimmung, bei der, wenn auch nicht einstimmig, Irland den Zuschlag bekam. Es war fast vorauszusehen, denn wir kannten ja die grüne Insel und den Erne-Shannon-Kanal und waren nunmehr gespannt auf den Unterlauf mit den großen Seen.

Max und Otto waren wieder einmal bereit, die Organisation zu übernehmen, na, und der Rest ist schnell erzählt. Abgesehen von mündlichen Berichten erhielten die Teilnehmer so ab Weihnachten 3 Briefe, in denen Details bekannt gegeben wurden. Termine änderten sich nur um wenige Tage durch geänderte Fahrtzeiten, Häfen und Fahrverbot für unseren zu langen Trailer in England.

Durch unsere Zahlungsbedingungen standen auch die Teilnehmer zum 15. Januar fest. Leider fielen 3 alte Teilnehmer aus, aber es wurde ein neuer Kamerad gefunden, der nicht als Ersatzmann, sondern als neuer "Junger Barkenbruder" voll integriert werden konnte.

So fanden sich am 7.6.99 um 12.00 Uhr die Teilnehmer aus Bremen pünktlich im Club ein. Ingo übergab ordnungsgemäß die Barke, in der das gesamte Gepäck und die nicht gerade wenigen Paletten mit flüssigem Nass verladen wurden. Ein gemeinsames Mittagessen (aus der Barkenkasse) in fröhlicher Runde und voller Erwartungen folgte und ab ging die Fahrt mit Bus und Barke, dazu ein PKW, - natürlich alle ausgerüstet mit Handy -, erst einmal nach Köln-Frechen, wo wir die beiden letzten Barkenbrüder Conny und Günther aufnahmen.

Weiter ging es über Aachen. Um 19.30 Uhr kamen wir an die belgische Grenze. Über eine fast leere, beleuchtete Autobahn über Liege-Namur passierten wir um 21.40 Uhr die französische Grenze bei Valanziennes, fuhren weiter über Cambrai-Armiens-Rouen, die Stadt, die wir vor 3 Jahren früh morgens besichtigen durften, vorbei an Le Havre, unserem damaligen Hafen nach Cherbourg, wo wir den Terminal schon gegen 8.00 Uhr morgens erreichten. Wir waren sehr früh, aber wir wussten nicht, dass alles so glatt gehen würde. Mit Sonne fuhren wir in Bremen ab. Nachts ab und zu kleine Schauer, aber in Cherbourg schien wieder voll die Sonne. Natürlich wurden Pausen eingehalten und ein Fahrerwechsel fand alle 2 Stunden statt. Dank der Handys hatte alles zu aller Zufriedenheit geklappt.

Da wir erst gegen 16.00 Uhr verladebereit sein mussten, machten wir uns auf zu einem Stadtgang. Cherbourg in der Normandie an der Nordseite der Halbinsel Cotentin ist nach Toulon und Brest der größte Kriegshafen Frankreichs. Nach Landung der Amerikaner war dieser der erste und wichtigste Nachschubhafen. Uns aber zog es in die Altstadt, wobei Besichtigungen ausfielen, aber ein längerer Aufenthalt in einem Bistro, draußen sitzend bei strahlender Sonne mit Anblick auf das Fort de Roule, verkürzte die Wartezeit. Gegen 16.00 Uhr waren wir wieder bei den Fahrzeugen, die dann endlich um 17.50 Uhr verladen wurden.

Die Irish Ferries mit ihrem Schiff "Norway" machte auf uns nicht gerade den gepflegtesten Eindruck. Die 4-Bett-Kabinen mit Fenster waren o.k. und geräumig. Durch die Fenster in den sogenannten Salons konnte man gerade noch etwas sehen, auch die Gardinen müssten nicht nur gereinigt, sondern auch richtig aufgehängt werden. Nach einem kurzen Rundgang trafen wir uns zum Essen. Buffet mit Selbstbedienung, auch nicht mehr so reichhaltig wie vor 3 Jahren.

Der Wind war stärker geworden (angeblich war Sturm angesagt). Uns zog es in Malone's Bar, wo, nach dem Kinderprogramm, eine Eurodance-Gruppe mit 4 Damen und 3 Herren auftrat, die uns für manch anderes entschädigte.

Ohne rollenden Seegang verbrachten wir die Nacht, nahmen das Frühstück bei Sonne ein und liefen um 11.00 Uhr in Rosslare ein. Irland hatte uns wieder. Der Zoll winkte uns freundlich durch und wir fuhren diesmal auf direktem Wege, auch durch den Ort Glassen, dem geographischen Mittelpunkt Irlands, unserem Ziel Logford, das wir um 18.30 Uhr erreichten, entgegen.

Da Conny bereits seinen Urlaub in Irland verbracht hatte und so mit Hotels, Strecke und Einsatzmöglichkeiten vertraut war, fanden wir das Richmond Guesthouse schnell und bezogen unsere Doppel- und Einzelzimmer. Alles bestens. Trailer mit Barke standen sicher auf dem Hof. Ein extra Gästeraum auf der Etage, wo wir uns, bevor wir zum Essen gingen, trafen, um Absprachen zu treffen. Heute erst mal speisen im Hotelrestaurant. Der Tag war lang, das Bett rief.

Wie wird wohl der erste Rudertag? Frühstücken wollten wir eigentlich um 7.30 Uhr. Aber es kostete Überredungskünste, denn in Irland gibt es das in Hotels erst um 9.00 Uhr. Wir konnten aber um 9.00 Uhr starten und fuhren zurück nach Carrick-on-Shannon. Der Ruderverein, vor 3 Jahren noch eine größere Holzbaracke, war neu gebaut, sicher schon im Hinblick auf die Rudertouristen, denn in diesem Club ist ein Deutscher, der den DRV vertritt. Dort fanden wir eine gute Rampe. Auch der Käpt'n erschien, um das Procedere des Aufriggerns und im Besonderen den Aufbau des Regendaches zu beobachten, für das eine Gebrauchsanweisung sicher nützlich wäre.

Gegen 11.00 Uhr konnten wir zu Wasser gehen. Die Sitzordnung im Boot war bekannt, aber nicht so wie in vergangenen Jahren, wo diese für jeden Tag festlag. Max hatte sich etwas Besonderes ausgedacht, um jegliches Meckern auszuschalten. Beim Frühstück ging der jeweilige Steuermann mit einem Beutel herum, in dem 8 nummerierte grün-rote Kugeln lagen. Somit waren Diskussionen (auch wenn es diese trotzdem gab) ausgeschaltet.

Nun hatte uns der Shannon wieder, der längste Fluss Irlands. Den ersten Teil der Strecke kannten wir und da uns diese derzeit schon besser gefallen hatte als der Erne-Shannon-Waterway, bestand schon damals der Wunsch, den weiteren Verlauf mit seinen Seen kennenzulernen.

Das Wetter war o.k, erstmals kein Gegenwind. Das Regendach, hinter dem Steuermann heruntergezogen, wirkte als Segel. So ging es über den Lough Corry bis Jarnestown, wo wir in einen Kanal mit starkem Gegenverkehr einruderten, so dass wir teilweise mit "Pinsel lang" den Verkehr und eine enge Brückendurchfahrt passierten.

Bis zur ersten Schleuse Albert Lock kamen wir gerade noch rechtzeitig vor der Schleusenmittagspause. Die Schleuse wie auch die nachfolgenden waren alle um 1850 erbaut, teilweise noch mit Handbetrieb oder mit nachgerüsteter Hydraulik. Kurz danach kam dann schon der Lough Tap und der größere Lough Boderg, den wir problemlos überqueren konnten.

Nach unserem Mittag an Bord gab es eine längere Debatte um das Dessert Kuchen. Der war zwar an Bord, aber der Spender an Land, aber Dank Handy wurde uns dann die Genehmigung erteilt.

Es bestand aber auch die Vorschrift, TÜV-geprüfte Schwimmwesten mitzuführen, und plötzlich bestand unser LI Manfred Taucke auf einer ordnungsgemäßen Abnahme. Es waren auch alle vorhanden ,aber so ganz ordnungsgemäß mit Abnahmestempel und Datum - darüber schweigt des Schreibers Höflichkeit.

Es wurde noch eine schöne Etappe und das immer mit Wind von achtern. So kamen wir noch schnell quer über den Lough Bofin, bevor wir unser Ziel Roosky gegen 17.00 Uhr erreichten.

Die Rückfahrt zum Hotel war kurz. Wir hatten Zeit genug für persönliche Bedürfnisse. Wir trafen uns im Gästeraum zu einer kurzen Absprache. Gegessen wurde nach eigenem Ermessen.

Die Städte oder Städtchen Irlands weisen meistens eine einladende Gemütlichkeit aus, weil man sich aufgrund ihrer Kleinheit oder auch Größe und ihrer Menschlichkeit zu Hause fühlt. Nach einem Rundgang und Essen landeten wir als Abschluss natürlich in einem Pub unweit vom Hotel. Wenn es auch heißt, dass Irland ein armes Land ist, kann man nur erstaunt sein, wie voll diese Pubs unterschiedlicher Größe sind. Ein gemischtes Publikum jeder Altersklasse. Meistens gibt es eine lange Bierbar. Dazu spielte hier eine 7-Mann-Kapelle, bei der je nach Laune aus dem Publikum weitere Personen mitmischten. Volksmusik und Pop gemischt, viel wurde mitgesungen, tolle Stimmung. Genau um 0.20 Uhr war Ruhe. Stehend hörten alle die Nationalhymne. So endete unser erster Tag.

Der 2. Tag begann für uns gleich mit einer Schleusung, der eine Kanalfahrt folgte. Dieser Kanal, wie auch alle anderen, sind keine Kanäle nach unserem Verständnis, auch wenn sie letztendlich die einzelnen Seen miteinander verbinden. Sie winden sich durch die Landschaft und passen sich dabei den Gegebenheiten an, zumal wenn man bedenkt, dass sie teilweise handgegraben sind. Das Wetter war nicht so ganz einladend und wenn auch der Wind von achtern kam, war Segeln nicht gegeben, denn kurze Regenschauer zwangen uns, das Dach aufzuziehen. An unterstützende Beihilfe der heutigen Fahrt war nicht zu denken, denn es war Freitag und eventuelle Helfer nahmen alle die Gegenrichtung, um ihre Fahrzeuge pünktlich abzuliefern.

Wir durchquerten den Lough Forbes. Die Ufer waren wie fast alle mit einem Schilfgürtel bewachsen, einseitig mit Mischwald versehen, aus dem in der Ferne die Ruine des Castle Forbes zu sehen war. Wenn man wie wir durch die Landschaft zum jeweiligen Anlandeplatz mit dem Wagen fuhr, konnte man annehmen, dass Irlands Viehwirtschaft nur aus Schafen besteht, die auf dem relativ trockenen und teilweise unfruchtbaren Boden ihre Nahrung suchen. Hier aber an den Ufern sahen wir fast nur Rindvieh. Nachzulesen war, dass die Schafzucht nur 4% ausmacht im Vergleich zur Rinderzucht von 39%.

Wenn man auf den Kanälen, aber auch bei den Seen die Seekarte genau beachtet und die Fahrrinne, die durch schwarze und rote Bojen oder Bojenstangen ausgewiesen ist, einhält, lassen sich alle Schwierigkeiten umgehen. Max und Otto erwarteten uns an der 2 Schleuse Tarmonbarry Lock, an der Max in seiner bekannten Fürsorglichkeit die Tore mit Hand bewegte. Mittag gab es am Schleusensteg. Der Gag bei den belegten Broten war, dass es als Dessert immer ein Käsebrot mit Marmelade gab.

Auf der weiteren Fahrt sollte Jürgen, ausgewiesen als unser Arzt, in Aktion treten. Große Debatten gab es, denn unser LI meldete einen Gegenstand im Finger an, den Jürgen gleich herausoperieren wollte, wogegen Manni sich aber lediglich nur mit einem Fingerpflaster zufrieden gab. Was sollte daraus werden?

Ein durchgehender Rudertag ging zu Ende. Auf der Rückfahrt stellten unsere Kulturwarte ihre Forderungen. Wir fuhren durch das Country Rosscommen und kamen zur gleichnamigen Stadt. Hier sollte es eine Normannenburg geben, die auch eine Bewirtschaftung haben sollte. Nicht einfach zu finden am Rande der Stadt. Davor war eine Art Zigeunerlager, sicher ein nicht gerade passender Standort. Eine große Burgruine aus dem 13. Jahrhundert, leider ohne Bewirtschaftung. Imposant schon durch die Höhe der Gebäude, die mehrfach umgebaut wurden und bei denen die Höhe der Fenster aus der Tudorzeit auffiel.

Der Abend verlief wie der Tag zuvor, aber mit einem zusätzlichen Erlebnis. Vor einem Hotel stand ein Rolls Royce, mit farbigem Band geschmückt, eine Hochzeit also. Als wir dann im Pub Valentino saßen, erschien plötzlich die Braut Kathrin, die für uns, aber auch die anderen ein Bier ausgeben wollte. Dem dazugehörigen Ehemann Patric gratulierte unser Chefdolmetscher Max und beim gemeinsamen Foto sollte sich dann herausstellen, dass unser VA die gesamte Zeremonie nur für uns arrangiert hatte. Dass zwischen beiden Parteien ein verwandtschaftliches Verhältnis bestehen sollte, glaubten selbst wir nach mehreren Bieren. So wurde unser Verhältnis zu den Iren immer besser.

4 Tage einschließlich Fahrt genossen wir nun schon das irische Frühstück. - Ob ich jeden Tag Spiegeleier mit Bacon und Sousage, dazu gebackene Blut- und Mettwurstscheiben essen möchte, steht in Frage. Die Barke lag in einem kleinen Hafen sicher vertäut. Heute wollten wir den zweitgrößten See, den Lough Ree, überqueren, der uns schon die ganze Fahrt beschäftigte, vor dem man uns schon gewarnt hatte. Auch wir hatten ja schon mit Wind und Wellen genügend Erfahrung auf dem Kaledonienkanal in Schottland gesammelt. Das Wetter machte einen zufriedenstellenden Eindruck und so legten wir um 10.00 Uhr in guter Hoffnung ab. Schon nach kurzer Zeit riss die Wolkendecke auf, die Sonne schien teilweise und gestattete einen klaren Blick in die Ferne. Den brauchten wir auch, denn die Seekarte zeigte Untiefen auf und Gefahrenbereiche, die weit in den See hineinreichten. Vorbei ging die Fahrt an vielen kleinen und größeren bewaldeten Inseln. Immer da, wo man sie gar nicht vermutet hätte, tauchten Felsen aus dem Wasser auf, die man nur sehen konnte, weil Vögel darauf ausruhten.

Zur Mittagszeit suchten wir eine Halbinsel auf, durch deren Schilfgürtel wir uns vorsichtig an Land tasteten. Jan wollte gern ankern, watete aber dann barfuß an Land, wobei wir einen brütenden Schwan fast wütend machten und schnell einen anderen Platz suchten. Unser Arzt wollte endlich die Operation am LI vornehmen und hatte schon als Betäubung die Flasche Jubi parat, aber wieder kam es nicht dazu. Erst musste die Nase von Klaus verarztet werden, die merkwürdige Brandmerkmale aufwies. So kamen wir nach diesen Vorkommnissen angesichts einer herrlichen Parklandschaft und geglückter Überfahrt über einen ruhigen See mit guter Stimmung nach Athlone, wo wir in einem Jachthafen einen guten Liegeplatz fanden. Athlone, die Drehscheibe Zentralirlands und Metropole der Lakelands, ist einen Rundgang wert. Wir hatten uns fein gemacht und bestiegen erstmal das King Johns Castle, eine mächtige Festung aus dem 13. Jahrhundert, ein 12 m hohes Bollwerk und ein Wohnturm mitten in der Stadt am Shannon gelegen mit einem schönen Rundblick. Die Gruppe teilte sich. Wir suchten einen neuerbauten Pub auf, eigentlich nur zum Kaffeetrinken aber da hier eine solch tolle Atmosphäre herrschte und in der ersten Etage ein sehr gutes Restaurant vorhanden war, beschlossen wir, hier auch zu Abend zu essen. Es hat sich wirklich gelohnt, zumal unser Conny anlässlich seines Geburtstags die gesamte Zeche übernahm.

Auf der Rückfahrt machten wir noch in Tarmonbarry in der Shannon-Bar Station, die Max und Otto schon von ihrem Servicetag kannten. Hier spürten wir wieder einmal die Gastfreundlichkeit der Iren, denn wo in Deutschland werden in einem überfülltem Lokal zusätzlich noch Barhocker für Gäste aufgetrieben? Als wir dann endlich in unser Hotel kamen, las einer im TV-Videotext, dass Werder in Berlin gewonnen hatte, was keiner glauben wollte, aber neue Biere wurden sofort geordert.

Am kommenden Tag hat wohl keiner den Service beneidet. Wir wechselten heute das Hotel und zogen um nach Banagher. Der Service hatte die Aufgabe, alles Gepäck auf- und abzuladen, keine leichte Aufgabe, im wahrsten Sinne des Wortes.

Die Mannschaft fand die Barke im Jachthafen mit neuen runden Fendern belegt. Freundliche irische Mitglieder hatten die Fender zusätzlich angebracht, da diese einen besseren Abstand zu den Eisenträgern gewährleisteten.

Die heutige Strecke sollte kürzer werden als vorgesehen, da wir durch die gelungene Überquerung des Lough Ree gleich eine halbe Etappe weiterrudern konnten. So machten wir uns auf den Weg, erstmals mit leichtem Gegenwind und Nieselregen. Mit guter Stimmung konnten wir die ca. 16 km angehen, da wir genügend Zeit hatten. Die Landschaft heute war ähnlich wie auf der Hamme, nur kurvenreicher. Die Schilfufer blieben, aber die Bewaldung fehlte. Zu Mittag suchten wir eine Anlegestelle im Schilf, die unser Ausguck Jan sicher mit Augen und Füßen abtastete. Die Sonne ließ sich blicken und während die Küche arbeitete, begannen Max und Jan mit einer gefundenen Angel zu fischen, was aber durch das Schilf keinen Erfolg hatte.

Weiter ging es und schon bald sahen wir von weitem den uns schon bekannten O'Rourkes Turm von Clonmacnoise. Nun noch 2 Kurven des Shannon nehmen und an dem fast ganz belegten Besuchersteg einen Platz finden. Ein freundlicher Stegdienst war uns sehr behilflich.

Ein Teil der Mannschaft machte sich auf, um die wohl bedeutendste Ruinenstätte Irlands, einst eine ganze Klosterstadt, erneut in Augenschein zu nehmen. Gegründet 548 n. Chr. standen hier ursprünglich 12 Kirchen. Heute sind es noch 8 Ruinen, ein 17 m hoher Rundturm mit Spitzdach von 1124 und einige Hochkreuze. Lohnenswert aber auch ist der herrliche Rundblick über die weite Landschaft (alles ist näher beschrieben im CS 6/96). "Irland geht es besser als vor 3 Jahren?" fragten wir unseren Stegbewacher. Er bejahte die Frage und sagte: "Dank Deutschland, das ja alles bezahlt!" Wir antworteten, dies sei doch die EG. Er meinte darauf: "Die EG, das ist doch Germany."

So gegen 16.30 Uhr kam der Service erschöpft an und brachte uns in unser neues Hotel Brosna Lodge in Babagher on Shannon. Das war o.k., das Gepäck war bereits auf der Etage, genügend Zeit zur Neuorientierung, gemeinsames Abendessen im Hotel und relativ früh ins Bett, denn morgen, wir hatten ja einen Tag dafür vorgesehen, war Kultur in Dublin vorgesehen.

Für irische Hotels eigentlich zu früh machten wir uns auf den Weg nach Dublin. Eine gute Stunde fuhren wir auf Land- und Nationalstraßen, genossen das immer wieder verschiedene Grün von Wiesen, Weiden und Buschwerk. Kühe, Pferde und Schafe, aber auch Esel sahen wir, die einzelnen Areale abgeteilt durch Steinwälle oder Hecken. Die Häuser, meist direkt an der Straße liegend, bestehen meist nur aus einem Erdgeschoss, aber im Gegensatz zu vor 3 Jahren sieht man jetzt auch viele mehrgeschossige Bauten und villenartige Landsitze, alle aber, ob klein oder groß, mit teils prächtigen Ein- oder Auffahrten.

Mit diesem Eindruck erreichten wir Dublin. Wir fuhren vorbei an der Guinnes-Brauerei, die, 1759 gegründet, fast in der Stadt liegt. 24 ha umfasst das Gelände, das der Gründer für 9000 Jahre pachtete. Eine Besichtigung ist nicht möglich. Das Museum haben wir ausgelassen. Aber sicher nicht uninteressant ist, dass in über 100 Ländern jeden Tag 10 Mio. Gläser des dunklen Bieres über die Theken wandern.

Bei starkem Verkehr fuhren wir durch die Stadt, vorbei an der Halfpennybridge, und fanden unmittelbar im Zentrum ein Parkhochhaus. Die Fußwanderung begann. Dublin, die Hauptstadt Irlands mit 860.000 Einwohnern, ist nicht über sich selbst hinausgewachsen, aber im Gegensatz zu anderen Hauptstädten klein geraten, ist überschaubar. Alles konzentriert sich auf das Zentrum und ist zu Fuß in ca. 3 Std. zu durchwandern. Es teilte sich die Gruppe nach Besichtigung des Universitätsgeländes, in dem 9.000 Studenten zu lernen versuchen. Der sehenswerte "Long Room" der Old Library, in dem 20.000 in Schweinsleder gebundene Bücher aufgereiht sind, war begeisternd. Auch das Stadtpalais von 1745 wurde durchlaufen, in dem seit 1924 das Parlament regiert. Vieles haben wir noch gesehen und natürlich haben wir auch in einigen der 800 Pubs ein Bier getrunken, wobei wir dann auch gelernt haben, dass diese entstanden sind als heimliche Ausschankstätte für schwarz gebrannten Whisky. Als Treffpunkt war immer das O'Connell-Denkmal abgemacht. O'Conell war Anwalt, der als Liberator die Irish-Catholic Massenbewegung gegen die Britische Besatzung gründete, die ja 800 Jahre währte.1916 verlas Patric Pearse die Unabhängigkeitserklärung, der 5 Jahre später die Gründung der Republik folgte.

Mit einem Essen, endlich nun mit original Irish Stew - ein Gemüseeintopf aus Kartoffeln mit Hammelfleisch, vielen Zwiebeln und gehackter Petersilie - endete der Dublinbesuch. Ein schöner Tag, ab mittags schien die Sonne, ging zu Ende. Wahrscheinlich lag es am abendlichen Getränkekonsum, dass wir den Hotelier wieder zu einem früheren Frühstück animieren konnten. Wir hatten zwar keine längere Strecke vor uns, aber eine längere Anreise zu einem abendlichen Bankett in Bunratty.

Die Barke hatte die 2 Nächte und den Dublintag gut und unversehrt überstanden. Das Wetter war trocken, der Shannon nahm uns wieder auf. Wenn man den kurvenreichen Fluß berudert, muss man unwillkürlich an die Vorzeit denken und sich fragen, wie wohl die Wikinger oder die Normannen eine solche Fahrt überstanden haben.

Dauerrudern war angesagt und schon nach einer guten Stunde durchfuhren wir die Shannonbridge, von der ein Brückenbogen als Drehbrücke ausgebildet war, die wir allerdings nicht in Anspruch zu nehmen brauchten. Die Verpflegung war knapp geworden und so warteten wir auf den Service, der leider erst ca. 30 Min. später kam, und so kann sich jeder die Begrüßung vorstellen. John übernahm wieder die Küche, servierte leckere Brote, die kurant belegt waren, ein Ausdruck, den zwar keiner erklären konnte, der aber sicherlich richtig war.

Max, unser VA, drängte zum Rudern und so konnten wir schon um 12.30 Uhr in Bannagher anlegen. Auch hier waren wir wieder pünktlich, aber der Service.... Nun ja, den Hänger holen, fahren und alles finden, das ist in Irland keine leichte Aufgabe.

Ab ins Hotel, fein machen und wieder on the road. 110 km Fahrt lag vor uns, wieder eine Gelegenheit, die irische Landschaft zu studieren. Immer hatten wir fast freie Fahrt bis kurz vor unserem Ziel. In Limmerick, wo der Shannon die Fluten des offenen Meeres erreicht, gab es den ersten Stau in Irland, der uns über 30 Min. kostete. Hier fuhren wir leider nur vorbei am King John's Castle, einer großen fast ganz renovierten Festung aus dem 13. Jahrhundert, die mitten in der Stadt am Shannon liegt. Um 17.00 Uhr standen wir auf dem Parkplatz von Bunratty Castle. Nach dem obligatorischen Durchlauf eines großen Shops gestatteten wir uns einen Rundgang durch den Folk-Park, ein sehr großes Gelände, das sich an das eigentliche Bunratty Castle anschließt, 1425 erbaut, in dem Könige und später die Earls of Thomonds or North Munster Hof hielten. Hier finden heute die Bankette statt, so wie wir es vor 3 Jahren schon einmal in Dunguair Castle genießen konnten.

Der ganze Park ist wie ein großes Dorf angelegt. Teils alt oder nachgebaut, kann man hier alle Handwerke in einzelnen Häusern finden. Es ist schon eine imponierende Anlage, die wir schnell durchlaufen mussten, denn wir hatten ja die "Traditional Irish Night" gebucht. Bei Musik und Cherry lauschten wir den Worten des Familienvaters und Hausherrn, bis wir an unserem Tisch in der nachgebildeten Scheune Platz nehmen durften. Menüfolge: Garden-Salad - Irish Stew, das hatten wir leider gestern schon, with Parsly Potatos, Apple Pie, Tea and Barm Brack. Natürlich alles mit Unterbrechungen, die mit Musik und Tanzeinlagen untermalt wurden. Es war eine unterhaltsame Show, die 2 Stunden dauerte. Das Preis-Leistungsverhältnis entsprach sicher nicht all unseren Vorstellungen, aber es hat uns irische Sitten und Gebräuche, untermalt durch Musik mit Fiedel, Akkordeon, Dudelsack und Handtrommel, weiter näher gebracht.

Noch in der Abendsonne verließen wir die Anlage und machten uns auf den Heimweg, der uns abseits der Hauptstraße durchs Land führte. Eine traumhafte Landschaft, hügelig im Anblick eines Gebirges, lange mit Blick auf den Lough Derg, wohl der größte See des Shannon, den wir nicht mehr ruderisch erleben konnten. Mit all diesen Eindrücken waren wir um 22.30 Uhr im Hotel und schlossen den Tag erstmals mit einer ausgedehnten Whisky-Time ab.

Ein letztes Mal noch rudern. Das Wetter zeigte sich von der guten Seite, wir waren guter Laune. Der Shannon, immer kurvenreicher mit einer Unzahl von kleinen, aber auch sehr großen Inseln bestückt, auf denen Rinder und Schafe weideten, machte uns kein Problem, dank der guten Karten. Bei den vielen Nebenflüssen und Armen muss man sich immer wieder fragen, wie sich wohl die Wikinger und später die Normannen in diesem Gewirr zurechtgefunden haben.

Nach der letzten Schleuse in Melick, jeden Schleusenwärten erfreuten wir mit Beck's Bier, machten wir in Ufernähe einen Rastplatz aus, wieder einmal ohne zu ankern, was Jan gar nicht verstehen konnte. Während die Brote kurant belegt wurden, warf Max die Angel aus und siehe da, mit Erfolg von Brasse und Hecht, natürlich alles im Bild festgehalten. Der Service durchstreifte in der Zwischenzeit die Rampenmöglichkeiten in Portuna, unserem Ziel. Der ständige telefonische Kontakt stellte uns eine Zeitverzögerung in Aussicht durch fehlende Rampe und sogar die Möglichkeit einer Seeüberquerung. Es ging immer hin und her, bis dann endlich in Munster Harbour, vor Portuna, ein Jachthafen gefunden wurde, der eine vorzügliche Rampe aufzuweisen hatte. Niemand störte uns hier. Ein langer Wasserschlauch war vorhanden, Barke aus dem Wasser, das Waschen und Säubern konnte beginnen und das alles bei Sonnenschein. Einen besseren Abschluss konnte es nicht geben.

Um 18.00 Uhr waren wir wieder im Hotel. Die Barke wurde direkt vor dem Hotel geparkt. Es gab unser letztes gemeinsames Abendessen, natürlich mit den üblichen Abschlussgetränken.

Der letzte Tag in Irland begann mit Gepäckverladen und einem frühen Frühstück. Die Abfahrt erfolgte um 9.00 Uhr über Birr-Roscrea-Thurles nach Cashel. Unsere Kulturwarte hatten uns eine der größten Sehenswürdigkeiten Irlands dringend empfohlen: "Rock of Cashel", auch die Akropolis des alten Irlands genannt. Ein schon von weitem sichtbarer 60 m hoher Felsblock, gekrönt von einer mauerumringten mittelalterlichen Burg mit Kirche und Klosteranlage aus dem 4. Jahrhundert, Sitz der Hochkönige ab 1101 als Geschenk an die Kirche. 1747 niedergebrannt, 1749 endgültig zerstört. Ein weit sichtbarer Rundturm vervollständigt die gewaltige Anlage, die teilweise restauriert ist. Sie wird auch "St.Patricks Rock" genannt, wenngleich auch niemand genau belegen kann, ob er jemals dagewesen ist.

Mit Sonne konnten wir diesen Anblick genießen, der sich wirklich gelohnt hat. Da man ja immer mit Verzögerungen rechnen muss, machten wir uns wieder auf den Weg über Clonmel - Carrick-on.Suir nach Waterford durch eine der schönsten Gegenden Irlands. Eine herrliche Gebirgslandschaft für irische Verhältnisse, über Wexford nach Rosslare, unserem Verschiffungshafen, den wir schon gegen 15 Uhr erreichten. Wir ließen es uns in der Sonne gut gehen mit Kaffee und Kuchen.

Vom Anfahren bis zum Stellplatz auf der uns schon bekannten "Normandy" benötigten wir fast 1 Stunde. Das Ablegen beobachteten wir von Deck. Diesmal hatten wir 2-Mann-Außenkabinen und nahmen unser Essen im Renoir-Restaurant ein, das war o.k., die Bedienung aber ließ doch sehr zu wünschen übrig. Der Duty-Free-Shop, auch nicht mehr so vielfältig sortiert, lockte zum Einkauf, war wohl für irische Verhältnisse preiswert, für uns aber nicht. In Walone's Bar versuchten wir unser letztes irisches Geld sinnvoll anzulegen und verfolgten dabei das Eurodance-Programm, bevor wir die letzte irische Nacht an Bord verbrachten.

Die Sonne meinte es wieder gut mit uns, als wir um 8.45 Uhr im Hafen von Roscoff anlandeten, war kleiner als Cherbourg, aber sehr schön gelegen. 10.10 Uhr war es, als wir uns auf den langen Heimweg machten. Der erste Teil der Strecke führte durch eine sehr schöne Gegend, die schon sehr hügelig war, später kamen dann die typisch französischen Straßen, auf denen man wie auf einer Achterbahn fährt. Blühenden Ginster sahen wir im Gegensatz zu Irland, wo dieser schon verblüht war.

Der Rest der Fahrt ist schnell erzählt, denn nach ca. 200 km zusätzlich waren wir wieder auf den Straßen, die wir schon von der Hinfahrt kannten. Alles erlebten wir in voller Sonne, deren Untergang wir gegen 22.00 Uhr mit einer unwahrscheinlichen Himmelsfärbung in der Gegend von Armiens erlebten.

Conny und Günter verabschiedeten wir wieder in Frechen, wo wir nach einer kurzen Kaffeepause dann zur letzten Etappe aufbrachen. Trotz einer Fahrtzeit von 19 Std. kamen wir gut gelaunt gegen 5.30 Uhr in Bremen an, froh, dass alles so gut verlaufen ist.

Das also war die Fahrt der "Jungen Barkenbrüder" in Irland.

Es war eine grandiose Fahrt. Nun können wir sagen, dass wir den Shannon-Erne Waterway fast bis zum Ende berudert haben und so glaube ich sagen zu dürfen, dass wir nun wohl eine der schönsten Gegenden Irlands kennen. Wir lernten nicht nur das Land, sondern auch die Iren noch näher kennen und genossen ihre Gastfreundschaft. Wir waren eine Crew, die sich durch Harmonie ausgezeichnet hat, bei der Dissonanzen nicht in der Tagesordnung vorgesehen waren. Das Wetter hat, trotz aller Prognosen, uns keinen Strich durch die Rechnung gemacht, so dass wir alle rundherum zufrieden waren.

Ich möchte all denen, die zu dieser Fahrt beigetragen haben, meinen Dank sagen: den Fahrtenleitern Max und Otto, deren Organisation hervorragend geklappt hat, den Kulturwarten Jan und Jürgen, die uns in die Historie Irlands weiter einführen konnten, vor allem aber unseren unermüdlichen Fahrern, die uns die weiten Strecken nicht so lang werden ließen.

Schon heute höre ich die Frage: "Wohin geht die Reise im kommenden Jahr?" Nach den abendlichen Gesprächen könnte ich mir fast vorstellen, dass wir, anlässlich des Jahres 2000, es wäre unsere 18. Fahrt, eine Deutschlandtournee ins Auge fassen könnten.

Wie dem auch sei, ich sage nochmals Dank und verabschiede mich als Berichterstatter mit großer Vorfreude auf die nächste Fahrt in der Hoffnung, dass wir alle diese in Gesundheit erleben dürfen.

Martin Vaupel

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