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"Hansa" (1879/83) e.V.

Barkenschnupperfahrt nach OSch

Ziemlich spontan entschlossen wir uns, eine Barkenfahrt mit Barkenanfängern und "alten Hasen" zu machen, um auch ihnen das traumhafte Gefühl des Barkenerlebens zukommen zu lassen.

So trafen wir uns am Samstagmorgen 10.00 Uhr, um die Barke startklar zu machen. Gegen 10.30 Uhr ging es in Richtung Grohner Yachthafen. Hier rödelten wir weiter; Ausleger anbauen, Dach klarmachen und auf höheres Wasser warten. Nach einer halben Stunde war es soweit. Alles ging glatt über die Bühne, da die Schräge im Yachthafen für unsere Verhältnisse optimal ist. Während wir zu viert die Autos und den Hänger nach Osch verholten, suchte der Rest einen Kurzliegeplatz und richtete die Barke gemütlich her,denn auch beim Barkenrudern kommt es für jeden auf die persönliche Note seines Platzes an. Man hat ja mehr Platz für die persönlichen Dinge wie diverse Cremes, Becher, Ersatzzeug, Fotoapparat, Ösfass, Flaschenöffner, Lektüre etc. als in einem herkömmlichen Ruderboot.

Nach einem Wartebier kamen wir endlich um ca. 14.00 Uhr los (16.00 Uhr Hochwasser Ritterhuder Schleuse). Wir legten uns voll in die Riemen. Die "neuen Barkenfahrer" waren hellauf begeistert. Doch nach ca. 300 m rüttelte uns ein leichtes Rucken durchs Boot aus den schönsten Ruderträumen. Aus völlig unerklärlichen Gründen hatte sich die scheinbar im Wasser schwimmende Bugleine an einem Motorboot verheddert. Wir rissen an ihr, schrien um Hilfe, aber keiner hörte unsere verzweifelten Rufe, so dass wir uns dem Schicksal ergaben, um hinter diesem stinkenden Motorboot bis zur Ritterhuder Schleuse zu verweilen. Da die Schleuse zufällig geöffnet war, trieben wir völlig erschöpft hinein. Erholen konnten wir uns überhaupt nicht, da sie vollgestopft mit stinkenden Motorbooten war.

Endlich fuhren diese los und wir freuten uns schon auf eine harmonische Fahrt. Doch wieder ereilte uns das gleiche Schicksal; es half kein Schreien und Flehen; wir hingen wieder hinter so einem Stinker fest. Dank der guten Mannschaft und des erfahrenen Steuermannes konnten die vielen Hindernisse, wie Brücken, enge Kurven, Landschaft und verschiedene Getränke überwunden werden. Rechtzeitig vor dem Ruderverein Osch gelang es einem Bugmann, die verflixte Leine zu kappen, welches besonders von den Barkenanfängern mit einem erleichterte "Aaaaah!" honoriert wurde, denn sie wollten nun endlich rudern.

Leider mussten wir sie enttäuschen, denn am Ziel vorbei sind wir noch nie gefahren. Mit tröstenden Worten und Umarmungen wurden wir von der B-Mannschaft in Empfang genommen, was uns auch auf andere Gedanken brachte.

Schnell wurde Quartier gemacht (laut und leise Schlafende streng getrennt), der Grill vorbereitet, noch ein Hammebad genommen, grillfein gemacht und die Sorgen des Tages von sich gestreift. Jetzt stellte sich die schöne Seite des Wanderrudern ein, wir aßen, tranken ein wenig, diskutierten, erzählten den "Neuen" schöne Geschichten von früher, blödelten, erlebten einen traumhaften Sonnenuntergang und philosophierten bis in den frühen Morgen.

In der Nacht überraschte ein Gewittersturm zwei von uns, die im Zelt schliefen, weil sie sich nicht entscheiden konnten, zu welcher Sorte von Schlafenden sie gehörten. Sie irrten ca. eine halbe Stunde im Gelände umher, bis sie eine wind- und regengeschützte Stelle fanden. Da der Regen aber auch in ihrem Zelt Unterschlupf fand, wurde für sie die Nacht nicht lang.

Am Morgen weckte uns die Sonne, das Schnarchen und der Kaffeegeruch, denn die ersten Feen bereiteten schon das Frühstück vor. Nach der üblichen Rödelei fanden wir uns an einem reichlich gedeckten Frühstückstisch im Freien ein. Es war ein üppiges Mahl, welches uns zu neuen Taten drängen ließ.

Schnell war alles zusammengepackt und in den Autos verstaut. Der zusätzliche Zweier für einen Teil der B-Mannschaft und die Barke waren fix auf dem Wasser. Wir genossen das Rauschen des Wassers unter das Schlägen der Blätter, die harmonisch quietschenden Rollsitze, die Natur und die saubere Luft. Wie von Geisterhand getragen erreichten wir Neu - Helgoland.

Nach einem technischem Nothalt ruderten wir gemütlich zurück. Bei Melchers Hütte machten wir einen Anstandsbesuch und stärkten uns mit verschiedenen Getränken und Bockwurst. Unsere "Neuen" kamen aus dem Schwärmen nicht mehr heraus. In Osch mussten wir sie schweren Herzens vom Ende der Fahrt überzeugen.

Beinahe hätte ein falsch parkendes Auto eines Wassersportlers unsere Stimmung noch vermiest. Doch durch den erfahrenden Zugmaschinenfahrer konnten wir die Barke sicher in Osch herausnehmen.

Im Verein angekommen wurde die Barke gereinigt und wieder in die Remise verfrachtet, abgerechnet, restliche Verpflegung aufgeteilt, ein Abschlussgetränk zu sich genommen und die Heimreise angetreten.

Es war eine tolle Tour. Ich habe diesen Fahrtbericht etwas ausführlicher gestaltet, um auch die Anfänger und "Noch-nicht-Barkenruderer" auf den Geschmack zu bringen und zu zeigen, wie schön Rudern in der Vollendung ist; es kippelt nicht und wird nicht zu schnell, man sieht mehr, weil man sich nicht so konzentrieren muss, man ist entspannter, weil man auch mal einen Gang auf dem Mitteldeck unternehmen kann, man fühlt sich mehr im Urlaub, weil man auch mal auf der Bug-oder Heckplattform liegend sein Sonnenbad nimmt, man ist witterungsunabhängiger, weil man ein Dach hat. Also alles, was man zum Urlaub braucht.

A-Mannschaft: Babbel, Anja, Dorni, Andy, Wolfgang, Axel, Hans-Jörg, Heinz, Günter und Ingo

B-Mannschaft: Annett, Uwe und Hermy

Treue Seelen: Corinna, Ute und Ingo sen.

Ingo Fechtmann
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