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Bremer Ruder-Club "Hansa" (1879/83) e.V. |
Nachlese (Ehemaligentreffen)
Viele gute Reaktionen erfolgten auf das "Ehemaligen-Treffen". Alle Teilnehmenden - ob ehemalige Mitglieder oder solche, die der "Hansa" treu geblieben, aus unterschiedlichsten Gründen dem Club aber entrückt sind, waren mit Begeisterung dabei. Wir, die wir uns heute der "Hansa" verpflichtet fühlen, sehen darin die Bestätigung, für Leben im Verein gerade heute in unserer so schnelllebigen Zeit einzutreten, es vielen Menschen, gleich welchen Alters, zugänglich, zu einem Stück Zuhause zu machen.
Das Schreiben eines ehemaligen Mitglieds, Alke Patzl, drückt so viele Empfindungen früherer Zeiten aus, die sich m. E. in etwas abgeänderter Form auch auf unser heutiges Clubleben übertragen lassen.
Alke, wir danken dir für diese Zeilen, die wir mit deinem Einverständnis an alle Clubmitglieder weitergeben wollen:
Das "Ehemaligentreffen" liegt ja nun schon ein Weilchen hinter uns, aber ich denke, eine späte Reaktion ist besser als keine.
Zuallererst möchte ich mich sehr herzlich bedanken, dass dieser Abend überhaupt stattfinden konnte. Dafür gebührt Peter Kloss ein ganz großes Kompliment für seine detektivische Arbeit, so viele Adressen zu finden.
Für mich und ich glaube, auch für meine Brüder, hat die Zeit im Ruderverein einen ganz besonderen Stellenwert, wir sind da ja fast aufgewachsen.
Unsere Eltern haben sich im damaligen "Oberweser Ruderverein" anlässlich der Gründung der Damenabteilung kennengelernt. Ich habe noch Erinnerungen, als ich als kleines Mädchen in der Bootshalle herumlief, sicher allein. Helga Brüggemann erklärte mir damals, dass die Riemen und Skulls auch jederzeit als "Popoklatschen" für ungezogene Kinder, die sich ohne ihre Eltern in der für sie verbotenen, weil gefährlichen Bootshalle rumtrieben, eingesetzt werden könnten. Ich war natürlich sehr beeindruckt und habe es nie wieder gewagt.
Die ersten Anfänge nach dem Krieg haben meine Brüder und ich natürlich auch miterlebt, den Arbeitseinsatz mit Schiebkarre, Hacke und Schaufel an den Wochenenden. Besonders gute Erinnerungen habe ich aber an die Regatten und vor allem an die Siege. Für jeden Sieg, der gemeldet wurde, flatterte nach kurzer Zeit ein kleiner Wimpel unter der Vereinsflagge und wir Kinder durften uns für jeden Sieg einen Negerkuss bei Frau Pieper holen. Wir waren immerhin 4 Brinkhoffskinder, Wallerts hatten 6 Kinder und an manchem Wochenende wurden schon mal 5 oder auch 6 Rennen gewonnen. Das waren noch tolle Zeiten.
Das Rudern habe ich zusammen mit Anneliese Gottlieb bei dem alten "Mister Hach" gelernt, einem ganz besonderen Ruderlehrer. Ich glaube, wir hatten "etwas Schiss" vor ihm, nicht Anneliese?, wenn wir "Kiste schoben" und "Henkeltöpfchen" machten. Und dann später, als wir's dann endlich begriffen hatten, unsere herrlichen Wanderfahrten. Nach Bollen schafften wir an einem Tag, Badener Berge ging nur übers Wochenende, das war zu weit. Oder weserabwärts Richtung Vegesack. In Lemwerder haben wir gezeltet und den Tidenkalender hatten wir genau im Kopf. Unangenehm waren nur die Schlepper, die vor den Häfen rumkurvten. Einmal bin ich zusammen mit Ingeborg Dähncke abends mit der "Fulda" nach Lankenau gerudert, um Kilometer für den "Buttermilchsorden" zu schinden. Ohne Lampen! Ich weiß heute nicht mehr, wer uns im Dunkeln am Steg empfing, aber es hat ein gewaltiges Donnerwetter gegeben und 14 Tage Ruderverbot. Und das war eine grausame Strafe.
In sehr guter Erinnerung ist natürlich die Weserfahrt 1955. Als Anstandsdamen fuhren damals Mammi (Helga) Brüggemann und Traudi Ratjen mit uns und als Oberaufsicht war Alex Block mit von der Partie (damals sicher schon weit über 80). In ausgesprochen guter Erinnerung ist mir noch der Kleingartenverein "Helleberg" in Kassel. Selten hab ich so wohlschmeckende und sandfreie Erdbeeren gegessen. (Die Kartoffeln waren noch nicht so weit, leider.) Und die köstlichen Tütensuppen, die abends gekocht wurden und Gullasch in Dosen. Schelm Schütt hatte einen tollen Trick beim Popcorn poppen. Er spannte einen Regenschirm auf, den er extra mit auf die Reisen nahm. Und ich habe wohl nie wieder jemanden erlebt, der so unglaublich geräuschvoll rülpsen konnte.
Die Moselfahrt ein Jahr später war dagegen sehr viel kultivierter. Paul und Wilma Schneider waren diesmal unsere Aufsicht. Und wir reisten nun in der "Barke" und zwar von Trier, Pauls Vaterstadt, nach Koblenz. Die Mosel war noch nicht kanalisiert und wir brauchten nicht viel zu tun.
Der Besuch bei Müller-Konzens in Poltersdorf ist sicher noch vielen in guter Erinnerung. Tante Helmy schickte uns Mädchen erst mal zum Bäcker, als sie hörte, wir seien 15 hungrige Ruderer, und mit mit unserer (weiblichen) Unterstützung wurden Berge von Broten geschmiert. Und dann gab es eine Weinprobe.
Burg Cochem wollten wir besichtigen, war leider geschlossen, Burg Elz haben wir besichtigt, wir waren in Koblenz am "Deutschen Eck" und auf dem Ehrenbreitstein. Und die Krönung war die Regatta in Mannheim oder Ludwigshafen, wo unser "Dicker Vierer" startete und sicher auch gewonnen hat.
Gerne denke ich natürlich an die vielen Feste im Clubhaus, an die Trainingsverpflichtungen, die fröhlichen Abende anlässlich der Bremer Regatten, die Freimarktsfeiern, die Schwoofs am zweiten Weihnachtstag und natürlich an die herrlichen Stiftungsfeste im Parkhotel.
Und wie viele Ruderehen hat es gegeben. Unsere Eltern haben sich da kennengelernt, Bruder Jochen seine Ellen, Hannes hat mit seiner Renate schon unter der großen Weide auf der Wiese neben dem Anleger gespielt und ich hatte mit meinem Horst schließlich auch 25 glückliche Jahre.
Nun, alle diese Erinnerungen liegen 35 Jahre und länger zurück. Als ich Ende April nach so langer Zeit wieder ins Bootshaus kam, da ist mir dieses so richtig bewusst geworden. Der Anleger, an dem wir das Schwimmen gelernt haben, die Weser roch noch genau so schlickig wie früher, nur die Boote waren andere, aber ihre Namen waren mir wieder vertraut. Walter Messerknecht (ich sah ihn noch mit seiner Zigarre vor mir), Jochen Probst, Otto Spengler, Walter Ernst (sein hellblauer Mercedes hat so manchen Bootswagen zu den Regatten gezogen), Herbert Klutke (wie war er stolz, als der Vierer 1954 nach Posen fuhr. Der Stadtplan von Posen ragte Wochen vorher dezent, für Insider aber nicht zu übersehen, aus seiner Jackentasche.) Und noch einige andere vertraute Namen mehr, von denen ich die Gesichter noch gut vor Augen hatte.
Der Wiedersehensabend selbst hat mich nachdenklich und etwas sentimental gestimmt. Es war eine große Freude, so viele vertraute Gesichter wiederzusehen, auch wenn so mancher Name erst durch einen verstohlenen Blick aufs Namensschildchen wieder in Erinnerung war (die praktische Anneliese denkt eben an alles) und jünger sind wir ja alle nicht geworden.
Eigentlich sollte dieses nun ein kleiner Dankeschön-Brief werden, nun ist es fast eine Reise in die Vergangenheit geworden. Ich denke, ich schicke ihn einfach mal ab.
Es wäre schön, wenn dieses nicht das letzte Treffen gewesen wäre. Und ich verspreche schon heute, dass ich dann auch mit rudern werde.
Noch einmal herzlichen dank an alle, die dazu beigetragen haben, dass dieses Wiedersehen stattfinden konnte, und auf ein hoffentlich gesundes und fröhliches Wiedersehen spätestens im nächsten Jahr.
Mit rudersportlichen Grüßen