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Bremer Ruder-Club "Hansa" (1879/83) e.V. |
Rudern in Singapur – Teil 7
9. Singapur Marathon am 29.11.98
Alle zwei Jahre findet in Singapur ein internationaler Marathon statt. Die Veranstaltung 1998 war etwas sonderbar. Der Termin war lange bekannt und zusammen mit ein paar Freunden wollte ich an diesem Marathon teilnehmen. Man hat schließlich nicht so oft die Möglichkeit, 42,195 km in den Tropen zu laufen.
Dann kam im Juli die große Enttäuschung. Es gab keinen Hauptsponsor für den diesjährigen Marathon. Mangels finanzieller Mittel sollte es stattdessen nur einen Halbmarathon geben. Daran wollten wir nicht teilnehmen. Also wurde nicht für einen Marathon trainiert. Monatelang hörte man nichts mehr vom Halbmarathon, bis zum 27.11.98.
Es ist Freitagmorgen. Beim Frühstück ein Blick in die Zeitung und da steht es: 9. Singapur Marathon am Sonntag. Heute letzter Tag, um sich anzumelden.
Die spontane Reaktion, da laufe ich mit, führte zum Kommentar "Du bist verrückt!" Dem ist nichts hinzuzufügen. Wer im tropischen Klima ohne Training einen Marathon laufen will, muss schon verrückt sein, zumindest ein bisschen.
Den obigen Kommentar hörte ich im Büro nochmal, nachdem ich mich angemeldet und meine Startnummer abgeholt hatte.
Zur Vorbereitung blieb keine Zeit mehr. Der krampfhafte Versuch die Kohlehydratzufuhr zu erhöhen, hatte eine gegenteilige Wirkung und erhöhte die vorhandene Nervosität nur noch mehr.
Der Samstag war fast unendlich lang.
Dann war es endlich soweit. Sonntag, 29.11.98, sechs Uhr morgens, wird am Nationalstadion der 9. Singapur Marathon gestartet. Immerhin mit 1800 Teilnehmern.
Trotz der frühen Stunde ist es schon mehr als 25 Grad Celsius warm. Eine Stunde später geht die Sonne auf und die Temperatur steigt weiter. Am Himmel ist keine Wolke zu sehen.
Der Vorteil des hiesigen Marathons ist, dass man offiziell auch bei ¼, ½ oder ¾ der Strecke aussteigen kann und eine Auszeichnung bekommt. Das ist in Deutschland anders. Nachteile gab es auch. Die Absicherung der Strecke ließ zu wünschen übrig, z.T. stoppte die Polizei die Läufer, um Autos vorbeizulassen. Die Luft war auf einigen Straßen entsprechend. Kilometerschilder gab es nur alle 10 km, was einem kaum ein richtiges Zeitgefühl gab.
All dies sind keine Entschuldigungen für das Nicht-Ankommen. Es war eine reine Vernunftsentscheidung, nach halber Strecke aufzuhören und von dort gemütlich nach Hause zu gehen. Später hörte ich von Britta, wie viele Läufer bei Kilometer 30 schon vorbeischlichen. Bei 33 Grad Celsius und gnadenlos brennender Sonne wäre es mir auch nicht anders gegangen. Eine Folge der fehlenden Trainingskilometer.
Trotzdem war ich zufrieden. Zufrieden, überhaupt gestartet zu sein und bei Kilometer 21 ohne größere gesundheitliche Probleme angekommen zu sein.
Und dann erzählt mir unser französischer Nachbar am Abend, dass er gehört hat, ein in den Tropen gelaufener Kilometer entspricht zwei in gemäßigtem Klima gelaufenen Kilometern.
Für die Statistiker:
Von den 1800 gestarteten Teilnehmern erreichten nur etwas mehr als ein Drittel das Marathonziel.
Der Sieger kam aus Südafrika und benötigte 2:27:27 Stunden und die Siegerin aus China benötigte 2:59:58 Stunden für die 42,195 km.
Holger Hartmann