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"Hansa" (1879/83) e.V.

Gehört Rudern zu den auslaufenden "Modellen" neuzeitlichen Sporttreibens?

Die Breitensportkonferenz des Deutschen Sportbundes in Bad Kissingen konnte hierzu keine eindeutige Antwort geben, aber eines ist sicher: Wenn dem Rudersport eine stabile Basis erhalten bleibt (sprich: Mitgliederstabilität), wird der Vereinssport Rudern überleben. Der Ruderverein ist Garantie und Brücke moderner Sportpolitik für die Sportart Rudern. Daher wäre es nicht ungut, wenn die Vereine sich selbst eine langfristige Perspektive über das Jahr 2001 hinaus festlegen und zeitgemäß auf eine veränderte Sportstruktur reagieren. Der Deutsche Ruderverband kann begleitend wirken, Ideen und Projekte fördern als Verband der Vereine, anders als andere Fachverbände.

Gewiss ist, eine andere Generation erobert die Sportwelt, der sogenannte "Sporthopper" ist geboren, der ständig Neues ausprobiert, nach Abwechslung sucht, die Jugend, die medien-orientiert Sport treibt, das entsprechende Equipment braucht, der Sportler auf der Suche nach Spaß und dem "letzten Kick". Dieser Anspruch einer Gesellschaft und Generation ist schwer in eine traditionelle Sportwelt einzugliedern, geschweige langfristig an eine Sportart zu binden.

Das Referat des Freizeitforschers Prof. Opaschewski aus Hamburg, lange Zeit in Diskussion mit dem Trimm-Papst Prof. Palm vom DSB, machte es noch deutlicher, wie die nicht zu verhindernde Veränderung der Gesellschaft sich auch auf zukünftiges Sporttreiben auswirkt, und umriss dies in verschiedene Kerntrends:

  1. Globalisierung:
  2. â Arbeit rund um den Globus (Mobilität)
    â Export von Wohlstand
    â Rückgang von Sozialleistungen
    â Unternehmen fördern mehr Produktivität, aber nicht durch Schaffung von Arbeitsplätzen, sondern durch Einsatz von Informationstechniken. (Die Roboterwelt) Unverkennbar ist die Folge: Lebt ein Mensch ohne Arbeit in einer Leistungsgesellschaft, in der Status und Anerkennung den Lebenssinn verkörpern, so sind soziale Konflikte durch fehlende Anerkennung die Folgeerscheinung. Der Mensch braucht eine Aufgabe, die Sinn und Anerkennung mit sich bringt.

  3. Dienstleistung
  4. Die Dienstleistung als "florierender" Arbeitsmarkt mit steigendem Personal. Expandierende Vereine öffnen ein neues Arbeitsfeld im Dienstleistungssektor.

  5. Flexibilität:
  6. â Kurzfristigkeiten werden nicht mehr ausgeschlossen.

    â Flexibler Kapitalismus oder die Bereitschaft zum Risiko. Flexibel heißt auch: Jung und dynamisch sein. Der mobile, unabhängige Single ist gefragt. Das Lebensalter und die Familie werden zum Berufskiller.

  7. Individualisierung als Kerntrend heißt:
  8. Die betonte Ich-Karriere / Sporttreiben stellt Lebensinhalt und Engagement dar. Das soziale Engagement (Ehrenamt) engt die knappe Freizeit und den Spaß ein. Und wenn "man" Sport treibt, bevorzugt "man" den Clubcharakter im entsprechenden Ambiente.

  9. Medialisierung
  10. Man ist Online oder im Internet im Kommunikationszeitalter.

  11. Mobilität oder die automobile Generation

Langeweile ist "OUT". Akustische und optische Reizüberflutung sucht nach Ruhe und Geborgenheit, mit gehobenem Anspruchsdenken.

Fazit vom Freizeitforscher: Der Sportsuchende sucht Kurzfristigkeiten: Kursangebote von hoher Qualität, im Understatement des neuen Zeitalters, kurze Verträge in einer ausgeglichenen Atmosphäre. "Konsumsport" heißt der Zukunftssport und "Zuschauersport" mit dem Recht auf Spannung und Unterhaltung.

In seiner Mitgliederbewegung konnte der Deutsche Sportbund in den letzten Jahren die Veränderung erkennen, dass der traditionelle Vereinssport oder die traditionellen Sportarten sich im Wandel befinden. Prof. Dr. Palm, ausgeschiedener Geschäftsführer im Deutschen Sportbund, betonte gleichfalls, dass sich ebenso die Lebensabschnitte verändert haben und somit auch die sportlichen Bedürfnisse. Der Sport wird nicht mehr generationsübergreifend betrieben, wie im Rudersport häufig erkennbar war/ist. Die "neue" Sportart heißt, man treibt "Trendsport". Gerade "mittelständige" Sportvereine müssen entwicklungsorientierter handeln, will man die Mitgliederstruktur erhalten, um "nur" kostendeckend zu arbeiten. Durch Kürzung öffentlicher Mittel wird der Bedarf an Eigenmitteln eher höher als geringer. Eine Erhöhung der Mitgliedsbeiträge als Folge? Nicht unbedingt, denn das Mitglied hat seine Schmerzgrenze im Geldbeutel erreicht. Aber er/sie ist nur bereit, mehr zu zahlen, wenn das Angebot stimmt. D. h., um Mitglieder zu halten oder zu werben, bedeutet es auch, eine Vereinsmitgliedschaft zu ändern, die Strukturen der Satzungen anzupassen, eine klare Angebotsdifferenzierung zu entwickeln.

Rudern ist Tradition und überlebt!

Die Diskussion im Arbeitskreis "Welche Chancen haben Traditionssportarten?" zeigte, dass die Trendwende im Sport nicht mehr aufzuhalten ist. Viele Sportverbände haben sich schon angepasst und betreiben heute "street...." oder "beach....". Traditionssportarten wie Rudern haben eine Chance – klein, aber fein -, setzt man das Motto wie "Macht die Tore auf und zeigt, was ihr habt!" gekonnt um. Sie müssen sie nur nutzen. Warum nicht das Angebot ändern oder Zusatzangebote schaffen, freizeit- und erlebnisorientierten Rudersport aufbereiten? Wäre es abwegig, eine Pipe für die skatende Jugendabteilung auf dem Bootshausgelände zuzulassen oder aus dem meist vereinsamten, übelriechenden Kraftraum einen funktionalen Fitnessraum zu gestalten, im Clubraum eine Rückenschule anzubieten oder ein Muskeltraining im Sinne der Trends BBP (Bauch – Beine – Po)? Oder liegt die Zukunft des Rudersports im Seniorensport, der Sicherung von einem Stück Lebensqualität für ältere Menschen, die Vereinsfamilie, die Geborgenheit bietet. Den Rudersport kann man ein Leben lang ausüben.

"Der Rudersport öffnet Tore!"

Fest steht: Wer einmal positiv mit einer Sportart in Berührung gekommen ist, kommt gern zurück. Es gilt, diese schon einmal Begeisterten zurück ins Boot zu holen, wieder für den Sport und den Verein zu begeistern, und nicht, starre Vereinsstatuten zu "ertränken". Die Mitgliederbewegung darf nicht "dahindümpeln", sondern muss stabil bleiben und modern werden.

Gertraude Frischmuth

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