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"Hansa" (1879/83) e.V.

Wanderfahrt der Boschi-Truppe auf der Mecklenburgischen Seenplatte

Mit von der Partie waren vom 21. bis 31. Mai 1998:

Anja, Dirk, Doris, Gaby, Gerd, Jörg, Martin, Martina, Olaf, Wilfried

Donnerstag, 21.05.1998

Wetter: trocken, windig, im Schatten kalt, ständiges An- und Ausziehen.

Strecke: Anreise Rheinsberg

Der gemeinsame Urlaub beginnt um 11.00 Uhr am Verein. Verteilt auf 3 PKWs starten wir gen Hamburg, machen hinter der Großstadt eine Müsli-Pause (selbstgemacht von Martina - einfach köstlich) und erreichen Rheinsberg um 16.00 Uhr.

Nach einer Kaffeepause in dem alten Strandbad beginnen wir mit dem Aufbau unserer Zelte auf einem Plateau in der sehr idyllisch gelegenen kleinen Bucht mit Sandstrand. Einige sind ganz flott dabei, andere müssen Zelthaut und Gestänge erst einmal sortieren.

Nach erfolgreichem Aufbau unserer Übernachtungsstätten besichtigen wir das z. T. renovierte Rheinsberger. Schloss, das ein Foto wert ist. Hungrig geht´s zum Italiener und mit gefüllten Mägen wieder zu Fuß zurück den See entlang. Bei Taschenlampenlicht im Dunkeln gönnen wir uns noch einen köstlichen Schlaftrunk für die 1. Nacht: Erdbeerbowle (auch von Martina). Dazu hören wir Musik von Jörgs CD-Player (was Mann halt alles so auf Wanderfahrten dabei hat...) und lassen es uns einfach gut gehen. Mit dem Verlauf dieses ersten Tages verschwinden wir alle zufrieden um 22.30 Uhr in unseren Zelten.

Freitag, 22.05.1998

Wetter: Sehr windig, bewölkt, sonnig

Strecke: Rheinsberg - Kagar - retour

Von der Sonne geweckt werden - so fängt der Tag gut an. Auf sehr nett gedecktem langem Tisch erwartet uns um 8.00 Uhr ein Frühstück mit Brötchen und allem, was das Herz begehrt. Der Besitzer des Strandbades verwöhnt uns und wir lassen den Tag entspannt angehen.

Zu Fuß laufen wir zum benachbarten Ruderverein, wo wir die Boote in Empfang nehmen. Unser Tagesgepäck haben wir schon dabei und so kann es um 11.00 Uhr losgehen. Mit etwas Mühe bekommen wir die schweren Kähne ins Wasser. Wir passieren kleine Brücken, die Seen und Kanäle wechseln sich im Lauf des Tages ab. Das Rudern ist sehr anstrengend und wir gönnen uns eine ausgiebige Pause in der Sonne auf einem Bootssteg. Es fällt schwer, sich vom Faulsein wieder in die Aktion zu bewegen, aber die Natur lockt: Sehr oft hören wir hier den Kuckuck, sehen Haubentaucher, Fischreiher, Enten und Schwäne, hin und wieder kreist ein Raubvogel über uns.

Unterwegs stellen wir fest, dass an einem der Boote die Gondelleiste nicht mehr in Ordnung ist - sie löst sich vom Boot ab. Wir sind ganz begeistert.

Unterwegs treffen wir noch auf etliche Kanus, diverse Mobos und Ausflugsdampfer. In dieser Gegend herrscht reger Verkehr. Aber mit Abstand das Beste sind die zwei Amphibienfahrzeuge auf einem der Seen. Wir rudern eine ganze Weile parallel zu einem dieser wundersamen Fahrzeuge und beenden unseren Rundkurs an diesem Tag gut gelaunt wieder in der kleinen Bucht. Anlegen können wir am Anleger, die Boote ziehen wir dann auf den Strand.

Jetzt haben wir uns eine Dusche verdient und natürlich ein gutes Abendessen. Im Brauhaus des Ortes, das von den Männern am Vorabend schon gesichtet wurde, serviert man uns köstliches Bier und deftige Speisen. Da uns das noch nicht ausreichend erscheint, muss noch das Café am See für einen Besuch herhalten. Danach gehen wir dann aber recht zufrieden auf unser Plateau zurück.

Samstag, 23.05.1998

Wetter: sonnig

Strecke: Rheinsberg - Prebelow

Wieder beginnt der Tag mit Sonnenschein. Anja und ich sind von der schnellen Truppe und haben vor dem Frühstück schon alles gepackt (wenn die Zeltbesitzerin schon um 6.30 Uhr am Packen ist - was will Frau da machen?...).

Das Frühstück stärkt uns dann für das, was heute auf uns wartet - die Boote werden zum 1. Mal mit dem gesamten Gepäck beladen. Kaum zu glauben, aber diese Menge an Gepäckstücken liegt bei der Abfahr -t gut verstaut - in den Booten.

11.00 Uhr ist wieder unsere Zeit und bis zum Flecken Zechlin wird emsig gerudert. Pause mit leckeren Wurstbroten, Gurken und, wer mag, ´Fischbrätchen` am Anleger. Ein kleiner Ortsrundgang mit Martin und Dirk bestätigt uns, dass wir etwas ab vom Großstadtleben gelandet sind. Hier sieht man noch Häuser, Gärten und Läden im ursprünglichen Zustand der ehemaligen DDR.

Wir haben genug Zeit und starten erst um 15.45 Uhr mit dem Ziel: Jugendherberge Prebelow. Wir erreichen einen Kreuzungspunkt, an dem wir uns entscheiden müssen, ob wir auf den See oder in den Kanal rudern. Einige Jugendliche weisen uns den Weg in Richtung See. Hinter dem mit Schilf bewachsenen Ufer taucht auch tatsächlich ein Anleger auf. Ich steige aus und gehe durch ein Wäldchen zur Straße und frage erneut. Alles klar, hier können wir vor Anker gehen. Als wir gerade die Boote mühsam ans Ufer gezogen und das Gepäck entladen haben, kommt die andere Bootsbesatzung und erklärt uns, dass es vom Kanal aus kürzer gewesen wäre. Wir tragen das Gepäck jetzt erstmal dorthin und entschließen uns, zu zweit das Boot umzufahren. Nach der Schlepperei freuen wir uns umso mehr über die gerade völlig neu renovierte und erweiterte Anlage mit 4-Bett-Zimmern und eigenem Bad. Wir sind so ausgehungert und kaputt, dass wir vor dem Essen nicht mal mehr duschen.

Es gibt auch hier wieder recht gute Verpflegung, wenn auch der Speiseraum noch etwas steril wirkt. Hallo Echo!

Nachdem wir anschließend doch noch geduscht haben setzen wir uns noch in den Hof, um zu klönen. Die Mücken und die Kälte tun ihr Bestes und treiben uns in den Seminarraum. Wir haben nur Flausen im Kopf, reden Unsinn (Spider-Dirk wird geboren), essen Nüsse, Diätschokolade und Haribo, trinken Dosenbier und haben mächtig Spaß, die Musikuntermalung krönt den Abend. Während die Raucher zwischenzeitlich in die Kälte gehen, spielen einige mit dem nötigen Gejohle noch ein paar Runden Tischfußball. Um 23.30 Uhr geben wir uns ganz dem Matratzenhorchdienst hin.

Sonntag, 24.05.1998

Wetter: bewölkt, Schauer

Strecke: Prebelow - Kleinzerlang - Zethner See - Kleinzerlang

Zeitiges Aufstehen, Stärken für den Tag und wieder Schlepperei bergab durch den Wald mit dem ganzen Gepäck.

Um 10.00 Uhr befinden wir uns auf dem Weg nach Kleinzerlang, wo wir schon zwei Stunden später eintreffen. Hier sind wir in einer Pension untergebracht. Unser Wanderruderwart macht sich also auf den Weg und - wir warten und warten - ist ihm etwas zugestoßen? Am Horizont taucht er wieder auf und am Steg angekommen teilt er uns mit, dass die Unterkunft am Ortsende liegt. Na, das werden wir wohl auch noch schaffen!

Jetzt wird aber erst einmal Geburtstag gefeiert. Jörg bekommt eine kleine Torte und sein Geschenk entspricht ganz den Rudererbedürfnissen und wird gleich mit Sekt gefüllt.

In guter Stimmung beginnt unsere Wanderung zur Pension - wo bitte ist das Ortsende? Ich dachte, ich wäre auf einer Runder-Wanderfahrt, aber der Weg bis zur Pension lässt mich daran stark zweifeln. Wir trennen uns, denn wir schlafen in zwei Häusern. Unser Haus ist mehr ein Gartenhaus hinter der Pension, das Bad ist ´etwas` eng und nur durch die Küche erreichbar, die drei Zimmer akzeptabel als Unterkunft.

Den Weg durch den Ort gehen wir noch einige Male, bis wir auch den letzten Beutel untergebracht haben. Wir halten uns hier gar nicht lange auf, denn wir wollen noch zur 5-Schleusen-Tour starten. Kaum über den ersten See gerudert, beginnt es zu regnen und will auch gar nicht mehr aufhören. Kurze Lagebesprechung mit der einhelligen Meinung, dass die Aktion abgebrochen wird.

Um 14.30 Uhr hat die Pension uns wieder, der Wirt guckt erstaunt und wir beschließen, uns erst einmal einzurichten. Wir feiern noch im Café Geburtstag und unternehmen noch einen Waldspaziergang, der uns durch eine ehemalige Feriensiedlung noch aus DDR-Zeiten führt.

Wieder zurück versammeln wir uns hungrig an einem gemeinsamen Tisch in der Pension. Der Raum ist klein und gemütlich und die Suppe, das Schnitzel und das Eis mit Himbeeren versöhnt uns wieder mit dem heutigen Tag. Nach einem deftigen Essen gehört ein Schnaps in den Magen - Fischergeist! Dieser Abend ist noch sehr lustig, denn bei einer Runde bleibt es nicht. Es stellte sich am Abend wiederholt die Frage, wer eigentlich morgen die Boote fährt und wer des Steuerns mächtig ist. Zwei Ruderer setzen sich erfolgreich gegen den ´Geist` zur Wehr. Um 23.00 Uhr liege ich im Bett und fahre Karussell.

Montag, 25.05.1998

Wetter: sonnig

Strecke: Kleinzerlang - Labussee - retour

Das Frühstück wird immer besser und um 10.00 Uhr sind wir schon auf dem Wasser - inzwischen ein eingespieltes Team. Die Strecke erinnert sehr an den Spreewald, alles sehr urwüchsig, überhaupt keine Boote unterwegs, wir schleusen 4x und bedanken uns mit dem BRC-Ruf bei den Schleusenwärtern.

In der Mittagspause stellen wir uns alle zusammen und machen mit dem Selbstauslöser der Kamera ein Bild von unserer Truppe.

Im Eiscafé ruhen wir uns ein wenig aus und suchen unter den Sonnenschirmen etwas Schutz. Wilfried erkundet derweil den Ort, der Rest von uns hat heute kein Interesse an Kultur.

Es warten noch weitere Schleusen auf uns, die wir problemlos passieren. Die Strecke ist sehr einsam und wunderschön und schließlich gelangen wir an ein altes verfallenes Wehr. Es ist überhaupt nicht ersichtlich, wo wir dort anlegen können und einigermaßen die Boote aus dem Wasser bekommen. Wir wuchten die Boote mit Keuchen raus und sind froh, dass wir nicht das ganze Gepäck dabei haben. Jetzt wird eine Sichtung vorgenommen, denn hier müssen die Boote umgetragen werden. Einen Hang hinauf, über eine Straße und den Hang wieder runter. Verlockend sieht das wahrlich nicht aus! Es wird doch noch ein Stahlanleger gesichtet, aber über diesen Anleger geht es nicht viel besser, zumal auch hier der Bereich des Ufers so beengt ist, dass wir die Boote so gerade eben um die Kurve bekommen. Ein altes Trafohäuschen, ein Stacheldrahtzaun und Brennnesseln erfreuen uns mit ihrer Anwesenheit direkt an dieser Stelle, so dass wir die Boote über den heruntergetretenen Zaun, durch Brennnesseln hindurch, so gerade an diesem Häuschen vorbei bekommen. Was für eine Aktion!

Auf der anderen Seite erwartet uns dann ein Holzanleger und direkt daneben treiben alte Baumstämme aus der Sägemühle im Wasser. Das Hinausrudern aus dieser Bucht voller Stämme hat schon etwas Besonderes. Es ist hier sehr idyllisch und wir rudern ganz wacker weiter. In den Booten ist es heute recht still, entsprechend der Umgebung.

Die nächste Pause ist wieder abenteuerlich, was das Anlegen betrifft. Jörg und Martin benötigen danach eine Abkühlung und schwimmen kurz im See. Wir balancieren dann waghalsig über Holzstämme durch ein Sumpfgebiet, um einen geeigneten Rastplatz zu erreichen. Hier rettet mich nur noch das Teebaumöl und ich bin froh, als wir wieder auf Wasser sind.

Die Strecke heute ist recht einsam und bis 18.00 Uhr haben wir den Rundkurs geschafft. Der Weg zur Pension mit Tagesgepäck ist nicht ganz so dramatisch, mit gutem Essen und einem Schnaps stärken wir uns. Anschließend sieht man Nichtraucher plötzlich mit Zigarette im Garten stehen, eine Karte an den Verein wird geschrieben, die Rede ist von Nr. 11 in unserer Runde(?), von Körbchen-Größen (nicht jeder-Mann weiß darüber Bescheid, so muss Frau gelegentlich noch Aufklärungsarbeit leisten) und so mancherlei anderen wichtigen Dingen des Lebens.

Dienstag, 26.05.1998

Wetter: sonnig, kühl Schatten

Strecke: Kleinzerlang - Fürstenberg

Wir sind inzwischen so eingespielt, dass alles problemlos anläuft. Um 10.00 Uhr starten wir zu unserer Seen-Tour. Gelegentlich scheinen uns die Seen, die es zu überqueren gilt, endlos zu sein. In Ufernähe beginnt die Suche nach dem ´Ausgang`, was sich mitunter als äußerst schwierig erweist. Wir beraten uns, wie die Darstellung auf den Karten zu deuten ist, und nehmen Kurs auf das Ufer, ohne den Durchgang zu sehen. Erst im letzten Moment tut sich doch noch eine Schneise im Schilf auf, wir passieren sie und landen auf dem nächsten See. Wir schleusen 2x und kurz darauf entdeckt jemand einen Hinweis auf Fisch. Also wird heute in der Pause geschlemmt - es gibt frische Forellen. Zehn Personen - zehn Forellen. Na ja,... irgendwie sind es zwei zuviel. Wegtun ? Beileibe - nein! Also werden sie aufgeteilt und jeder bekommt noch etwas.

Auch hier erfreuen uns die Mücken mit ihrer Gegenwart. Als der Fisch in unseren Mägen schwimmt, rudern wir weiter, vorbei an alten Holzbootshäusern. Die Seen verlocken dazu, die Sonne in vollen Zügen zu genießen. Wir kommen noch durch einen Kanal und erreichen Fürstenberg um 16.00 Uhr. Unser Zeltplatz liegt direkt am See.

Jetzt folgt unser Routineprogramm: Boote entladen, Zelte aufbauen, duschen, Abmarsch zum Essen um 19.00 Uhr. Wir spazieren durch den Ort und wider Erwarten ist hier absolut nichts los. Menschen sieht man kaum, dafür donnern jede Menge LKWs direkt durch den Ort. Auf der Suche nach einem Lokal vergeht eine Stunde und uns hängen die Mägen schon in den Kniekehlen, als wir endlich das Ratscafé betreten. Für hungrige Ruderer gibt`s große schmackhafte Portionen für wenig Geld. Einige bestellen sogar eine 2. Runde.

Wir haben mal wieder einen netten Abend, an dem viel gelacht wird, und gehen zu Fuß 20 Min. zurück zum Campingplatz, um 23.00 Uhr machen wir uns wieder lang. Die B 96 rauscht in der Ferne, sonst ist alles ruhig.

Mittwoch, 27.05.1998

Wetter: bewölkt, Schauer

Strecke: Ruhetag

Heute ist unser Ruhetag. Auf dem Zeltplatz gibt es nette, überdachte rustikale Sitzgelegenheiten und zum ersten Mal sind wir Selbstversorger. Ein Trupp geht los und besorgt alles Notwendige. Uns fehlt es an nichts und sogar der Kaffee wird frisch gefiltert. Die Forelle vom Vortage schmeckt einigen noch mal so gut...

Der Abwasch ist schnell erledigt und wir teilen uns in Gruppen auf. Einige wollen die Umgebung erkunden, andere lesen und faul sein, der Rest Draisine fahren. Das ist allerdings so teuer, dass wir zu viert mit dem Zug nach Neustrelitz fahren. Dort shoppen wir in der gerade neu fertiggestellten Fußgängerzone. Nicht weit entfernt wohnt Gerds Vater und wir kündigen uns bei ihm an. Nach 45 Minuten Fußmarsch erwartet uns dort Kaffee und Kuchen.

Wir verplaudern den Nachmittag und fahren mit dem Bus zurück zur Orangerie, um uns das Tiergehege anzusehen. Leider sind wir an der verschlossenen Rückseite mitten im Wald und unternehmen stattdessen einen Spaziergang.

Mit dem Zug sind wir schnell zurück und treffen uns alle um 19.30 Uhr, um essen zu gehen. Diesmal speisen wir im Yachthafen, im Hintergrund untermalt ein Papagei die Atmosphäre mit merkwürdigen Lauten (Ente und Frosch kann er besonders gut nachahmen). Während es draußen regnet genießen wir das gemütliche Beisammensein und machen uns trockenen Fußes wieder auf den Rückweg. Einige bleiben am Zeltplatz noch draußen sitzen, um den Tag ausklingen zu lassen.

Donnerstag, 28.05.1998

Wetter: sonnig und warm

Strecke: Fürstenberg - Lychen - retour

Der Tag beginnt mit einem zeitigen Frühstück um 8.30 Uhr und der Abfahrt um 10.00 Uhr bei strahlendem Sonnenschein - ein Top als Bekleidung reicht da völlig aus. Während des Wartens auf das Schleusen werden die Ruderkameraden ein wenig geduscht, zur Abkühlung...

Wir rudern über große Seen und durch schöne Kanäle, begegnen einigen Mobos, aber wenigen Kanuten und sehen noch etliche Hausboote. Pausen dienen nur als Trinkpausen, denn es ist absolut zu warm für eine Sonnenbad.

In Lychen begrüßt uns gleich ein Schwanenpaar mit sieben Jungen und wir essen, was unsere Kühlboxen hergeben.

Nach einer Stunde sind wir wieder auf Wasser. Ein sehr schöner breiter, ursprünglicher Kanal mit vielen scharfen Kurven macht uns noch zu schaffen.

Die Rückfahrt ist anstrengend und es bilden sich Blasen an den Händen, wir sind still und konzentriert. Aus der Ferne hören wir dumpfe Geräusche, können aber nicht orten, was es sein könnte. Schließlich erkennen wir ein Trommeln und kurze Zeit später begegnet uns ein Drachenboot. Die Schüler werden durch rhythmisches Schlagen und das Brüllen von einer Schülerin auf Kurs gehalten. Wir sind schwer beeindruckt von dem Tempo, das sie dabei vorlegen, aber verspüren nicht den Drang Ähnliches zu leisten.

Erschöpft begeben wir uns um 18.30 Uhr wieder an Land und als Entspannung kommt da ein Bad im See genau richtig.

Unterdessen reparieren einige noch Skull und Stemmbrett soweit es geht - was für Boote...

Das Ratscafé vom Vorabend hat uns so gut gefallen, dass wir dort wieder einige ´Zettel` hinterlassen. Gesättigt erreichen wir etwas müde unsere Unterkünfte, schreiben noch einen Einkaufszettel und genießen die laue Nacht.

Freitag, 29.05.1998

Wetter: warm

Strecke: Fürstenberg - Canow

Zu dritt übernehmen wir den Einkauf für das Frühstück und liefern eine Ruderkameradin beim Arzt ab. Bis wir gefrühstückt haben und die Boote beladen sind, ist es 12.00 Uhr. Die Strecke ist warm und lang, als wir in Canow ankommen stürzen wir uns wieder zur Abkühlung in den See. Unsere kranke Mitruderin hält sich wacker - nur die Harten kommen in den Garten...

Mücken gibt es hier genug, da das Gras, in dem wir die Zelte aufstellen, sehr hoch ist. Jetzt brauchen wir nur noch eine schöne Dusche, dann wird gegessen.

Was uns hier erwartet ist die absolute Härte - Plumsklo spezial, die Waschräume und Duschen in einem Gebäude, das stark an einen Rohbau erinnert... Dazu fällt uns wirklich nichts mehr ein! Hier lohnt ein Foto!

Auf einer steinernen Tischtennisplatte breiten wir all unsere Köstlichkeiten aus, stapeln Steine aufeinander als Sitz und bei Brot und Wein fühlen wir uns bestens. Einige bleiben noch länger dort und können einen klaren Sternenhimmel be-wundern, während die Ersten schon im Schlafsack schlummern.

Samstag, 30.05.1998

Wetter: warm

Strecke: Canow - Rheinsberg

Heute starten wir ohne Frühstück, denn das wartet in Kleinzerlang in der Pension auf uns. Für Notfälle haben wir ein Handy dabei, das jetzt zum Einsatz kommt - im Boot sitzend rufe ich den Wirt an und und bestätige unsere Ankunft zum Frühstück. Das wäre eigentlich ein Foto wert gewesen!

Dort angekommen lassen wir uns verwöhnen und treten gestärkt die Pfingstfahrt an. Es ist voll unterwegs! Barken, Ruderboote und Ausflugsdampfer sind keine Seltenheit, ebenso wenig wie Angler und Mücken. Von einer Brücke aus ist es interessant zu beobachten, wie sich die kleinen und großen Boote begegnen und sich im engen Kanal arrangieren.

Die Strecke heute ist kurz und um 15.00 Uhr sind wir in Rheinsberg. Die Boote sind arg mitge-nommen und werden zum Schluss auf den Strand gezogen, gedreht (das machen wir nur einmal!), gesäubert und zum Verein zurückgerudert. Dort gibt es noch ein längeres Gespräch mit dem Verantwortlichen für die Boote. Wir genießen noch Eis und Kaffee auf der Terrasse des Strandbades, liegen auf unseren Isomatten und sind einfach nur noch faul und völlig unmotiviert, die Zelte aufzubauen. Ein kühles Bad in der Bucht tut not und frisch geduscht besuchen wir den ´Alten Fritz`. Direkt vor Ausbruch des Gewitters erreichen wir das Lokal, lassen es uns zum letzten Mal so richtig schmecken und gehen trockenen Fußes und mit Taschenlampen bewaffnet zurück zu den Zelten. Einige treiben sich noch am Strand und auf dem Steg herum, stürzenderweise wird dabei eine Hand arg in Mitleidenschaft gezogen, aber trotzdem bleibt es lustig. Von Zeltwand zu Zeltwand werden vor dem Einschlafen noch Sprüche geklopft und bis zur Abreise sind es jetzt nur noch wenige Stunden.
 

Sonntag, 31.05.1998

Wetter: diesig, Sonne

Strecke: Abreise nach Bremen

Unser letztes gemeinsames Frühstück um 9.00 Uhr. Das Routineprogramm wird heute in verkürzter Version ausgeführt. Während die anderen packen, sitze ich auf dem Steg und mache meine letzten Notizen. Ich könnte noch Stunden hier in der Sonne sitzen, aber um 11.00 Uhr geht es endgültig los.

Auf dem Rückweg will sich unsere Autobesatzung noch die Rheinsberger Keramikmanufaktur anschauen und Geld ausgeben. Als Abschluss ist das genau das Richtige. Anschließend suchen wir uns auf der Karte eine nette Strecke für den Rückweg aus, der uns nach Plau am See führt, wo wir noch ein Sumpfgebiet bei schwüler Luft (Hallo Mücken!) durchqueren, um an etwas Essbares zu kommen. Unter einer Markise bei Regen lässt es sich aushalten, ein Spaziergang durch den Ort erscheint uns vor der langen Autofahrt angebracht und so vertrödeln wir den Nachmittag.

Hinter Hamburg benötigen wir eine Kaffeepause, denn die ersten Ermüdungserscheinungen stellen sich ein.

Um 19.30 Uhr endet dieser Urlaub vor meiner Haustür. Ein merkwürdiges Gefühl stellt sich ein, nachdem man so viele Tage in der Gemeinschaft verbracht hat. Ich finde, wir waren ein Superteam, wir haben uns nicht genervt, es gab nie erwähnenswerte Auseinandersetzungen, die Absprachen und der Gesamtablauf haben hervorragend funktioniert. Aber vor allem hatten wir eine Menge Spaß, viele gute Gespräche und sind uns alle noch näher gekommen. Wir haben uns wirklich gut erholt. Von dieser, meiner ersten, Wanderfahrt bin ich begeistert und hoffe so etwas wiederholen zu können.

Gaby Meyer-Stüve

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