|
|
Bremer Ruder-Club "Hansa" (1879/83) e.V. |
Liebe Ruderkameradinnen, liebe Ruderkameraden,
Wir alle kennen den sog. "Abreißkalender" - ein Blatt für jeden Tag. Viele dieser Blätter liegen vor mir, einige davon aufgeschichtet - sie sind nun nicht mehr von Bedeutung. Einige jedoch liegen nebeneinander ausgebreitet. Es sind die, die mich an besondere Tage oder Abschnitte der vergangenen Saison erinnern. Jedes kann eine Aussage machen. Zunächst jedoch sagen die gesammelten Blätter ganz deutlich: Das Jahr 1998 neigt sich unaufhaltsam seinem Ende zu.
Lasse ich dieses Jahr an mir vorüberziehen, stelle ich fest, dass ein Jahr lang - und gleichzeitig kurz sein kann. Je nach Betrachtungsweise, nach Einschätzung des Erlebten gab es Zeiten, die mich sehr unter Druck gesetzt und belastet haben, andere wiederum waren zwar arbeits- und zeitintensiv, die Belange konnten aber zur Zufriedenheit aller gelöst werden.
Als ich im Februar dieses Jahres Uwe Schneider ablöste, war ich mir zwar bewusst, dass vielseitige Aufgaben auf mich zu kommen würden. Doch der Alltag einer Vorsitzenden sieht anders aus, als er mit Abstand erlebt wird.
Wenn ich das Jahr Revue passieren lasse, kommen mir zuerst die belastenden Momente in den Sinn. Im Trainingsbereich ist eine Veränderung eingetreten. Wir - die Vertreter des geschäftsführenden Vorstandes - haben uns nach langen Verhandlungen mit den Trainerinnen, Vertretern der Leistungssportler und Vertretern der Eltern entschlossen, den Vertrag mit den Trainerinnen zu lösen. Zu anderen Zeiten wurde im Clubschlüssel ausführlich in sachlicher und weniger sachlicher Form dazu Stellung genommen. Eine weitere Ausführung wäre nicht sinnvoll.
Wir stehen nach wie vor zum Leistungssport, wollen und werden ihn fördern. Wir wollen und müssen aber auch eine gut fundierte, breitgefächerte Jugendgruppe heranwachsen sehen. Sie ist die Zukunft der "Hansa". Wir benötigen qualifizierte und motivierte Trainer und Betreuer zum Neuanfang und Aufbau. Sie zu finden, wird unser vordringliches Ziel sein.
Unsere Jungen- und Mädchen-Abteilung erfreute sich 1998 wieder eines guten Zuspruchs. Die Kinder, unter der bewährten Leitung von Oliver Hahn, erlernen das Rudern auf spielerische Weise, nehmen aber auch an Regatten teil. Sie gingen mit gutem Beispiel voran und siegten auf den Regatten in Bremen und Hoya in 5 Rennen.
Unsere Trainingsabteilung der Jugendlichen war auf die Saison 1998 gut eingespielt. Sie nahm an vielen Regatten teil und erreichte beachtliche Erfolge. Im Junior-A- und B-Bereich und im Senior-B-Bereich erzielten die Trainierenden 25 Siege. Zudem erruderte Anja Mühlenbruch auf der Jugendmeisterschaft in Essen im Einer einen beachtlichen 2. und im Vierer (Renngemeinschaft) einen 3. Platz.
Die unentwegten Masters-Ruderer sind auf allen Regatten ihrer Art zu finden. So konnten sie auch in diesem Jahr wieder einige Siege nach Bremen holen. So gewannen die drei "Hanseaten" u.a. insgesamt 5 Siege auf der 25. FISA-World-Masters-Regatta in München.
Bleibe ich beim Thema Leistungssport, so sind die hervorragenden Erfolge von Christiane Will zu nennen. Sie bescherte sich und damit der "Hansa" die doppelte deutsche Meisterschaft im Juni 1998 in Duisburg und den Weltmeisterschaftstitel am 13. September in Köln. Wir werden Christiane auf ihrem angestrebten Weg zur Olympiade im Jahre 2000 begleiten und nach Kräften unterstützen.
Nicht vergessen sollten wir unsere wichtigen Stützen im Verein - die Damenabteilung und die Altherrenabteilung -, die quasi als "Selbstläufer" ihre Aktivitäten wiederum entfalteten.
Der Breitensport nahm auch in diesem Jahr einen umfassenden Raum ein.
Ein Schnupperkursus gab vielen Interessierten im Erwachsenenbereich Gelegenheit, sich im Rudern zu üben. Der Rudersport überzeugte sie, so dass sie der "Hansa" beitraten.
Die täglichen Fahrten in allen Bootsgrößen auf der Weser fanden zu jeder Tageszeit statt. Kaum einer/eine der Ruderinnen und Ruderer ließ sich vom diesjährigen Bremer Wetter abschrecken.
Wanderfahrten wurden von den unterschiedlichsten Gruppen auf vielen Gewässern im In- und Ausland unternommen. Immer wieder neue Flüsse und Seen werden erobert, um ein vielfältiges Angebot für Wochenend- und Urlaubsfahrten anzubieten.
Wesentliches tat sich im Haus- und Hofbereich. Die Barke bekam ein neues Haus. Der Vorplatz der Bootshalle wurde saniert und mit Platten versehen. Unser Emblem und die Hansaflagge liegen nun den Booten zu Füßen, besser "zu Kiel". Der Eingangsbereich wurde erweitert und für die Mitglieder und die Gäste attraktiver gestaltet. Der Herrenumkleide- und Duschraum bekam die dringend benötigte neue Decke. Im Clubhaus wurde eine neue, energiesparende Heizungsanlage installiert.
Die Garderobe wird ebenfalls umgebaut, so dass der Zugang nur vom Clubraum möglich ist. Ein unbeobachteter Zugriff auf Mäntel und Jacken vom Flur aus ist damit ausgeschlossen. Dieses Vorhaben ermöglichte ein langjähriges Mitglied, welches statt einer Feier zum 50. Geburtstag , das Geld für den Umbau zur Verfügung stellte. Wir sagen "danke".
Ein Verein lebt nicht nur vom Sport. Der gesellige Rahmen ist ebenso wichtig. Neben vielen kleinen Veranstaltungen wie Osterfeuer, Spargel- und Aalessen ist die Geburtstagsfeier der "Hansa" im Mai mit der Jubilarehrung ein sehr wichtiges Datum im Jahr. 1998 feierten wir den 52. Geburtstag unseres Clubs und ehrten 10 Mitglieder für 25 und 40 Jahre Treue und unseren Ehrenpräsidenten sogar für 60-jährige Clubmitgliedschaft.
Ein weiterer Höhepunkt ist das Stiftungsfest, welches wir am 7. November im Kuppelsaal des Parkhotels begingen.
Nun kommt die für die Rudersfrau und den Rudersmann ruhigere Jahreszeit. Es werden andere sportliche Aktivitäten angeboten. Der Hallensport sollte von jedem Mitglied genutzt werden. Er ist wichtig, um dem "Einrosten" in der Winterzeit vorzubeugen, aber auch die persönlichen Kontakte zu fördern.
Ein wichtiger Punkt ist der Arbeitsdienst. Die Boote müssen alle überholt werden. Sie wurden in der Rudersaison beansprucht und strapaziert. Wir alle sind gefragt, unsere Sportgeräte wieder so herzurichten, dass wir im Frühjahr 1999 beste Voraussetzungen vorfinden. Also, beachtet die Termine und Anmeldelisten zum Arbeitsdienst. Auch diese Treffen sind in großer Runde für Boot und Mensch eine willkommene Bereicherung.
Der Vorstand hat im Jahre 1998 vieles geleistet. Einiges konnte geplant werden, so manches kam unvorhergesehen. Jeder Posten ist gut besetzt und seine Inhaber wussten zu jeder Zeit zu handeln. Uwe Schneider stellte im vergangenen Jahr seinem Nachfolger einen schlagkräftigen, eingespielten Vorstand in Aussicht. Als seine Nachfolgerin kann ich dies nur bestätigen und danke allen, die mir in diesem ersten für mich schwierigen Jahr zur Seite gestanden haben. Aber auch allen anderen, die ohne Posten immer wieder für anfallende Arbeit sich ohne wenn und aber bereit erklärten, gilt mein Dank und gleichzeitig mein Appell: Wir brauchen immer wieder tatkräftigen spontanen Einsatz in vielerlei Hinsicht. Seid bereit; denn bedenkt: Es ist für uns alle.
Ein ausgesprochenes Lob hat die Mannschaft des "Clubschlüssels" verdient, die stets bemüht ist, uns zuverlässig zu unterrichten und auch den Mut zeigt, Manuskripte zu veröffentlichen, über die man - vorsichtig ausgedrückt - ins Staunen kommen kann.
Auch unsere Ökonomie gilt es positiv zu bewerten. Stets ist sie für uns da und erfüllt weitgehend all unsere Wünsche hinsichtlich Feiern, Essen und Trinken. Wenn die Laune auch einmal überschäumt, so ist das auch schnell wieder vergessen.
In diesem allgemein positiven Sinne wünsche ich Ihnen und euch eine beschauliche Adventszeit, ein besinnliches Weihnachtsfest und einen schwungvollen Start ins Jahr 1999 - mit Aktivitäten für und um den Rudersport.
Ute Kolb
[ nach oben ]