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Bremer Ruder-Club "Hansa" (1879/83) e.V. |
Themse 98 = 14 Tage Sonne pur!
Die Themse ist ein traumhaft schöner Fluß - im Oberlauf gewunden und zugewachsen, lieblicher werdend mit parkähnlichen, farbenfrohen Pubs und Anwesen, die dem Auge jeden Tag eine abwechslungsreiche Kulisse boten. Dazwischen schnuckelige Dörfer und Städte, wo man fast meinen könnte, die Zeit sei stehengeblieben.
Nach verträumten 44 Schleusen trieben wir durch 23 jahrhundertealte Brücken, vorbei am touristischen zum futuristischen London der Docklands. Dazu zwei Wochen strahlender Sonnenschein.
Von den 215 Meilen ruderten wir 256 km von Lechlade bis London Poplar (gegenüber Greenwich). Auf der ganzen Strecke erlebten wir eine gute Mischung von Natur und Kultur: Oxford mit seinen Colleges, wo wir in den Innenhöfen etliche auf den Wänden aufgemalte Ruderembleme fanden, die von entsprechenden Collegesiegen erzählten, sowie den vielen parkgleichen Anlagen zur Erholung der Studenten.
Das Rudermekka Henley, wo uns nicht nur die verschiedensten Pubs begeisterten, sondern wir auch über die traditionellste Ruderstrecke der Welt - gemächlich - ruderten.
Das royale Windsor, wo wir vor dem Besucheransturm ins beschaulichere Eton auf der anderen Themseseite flüchteten.
Hampton Court Palace, wo uns außer der Schlossanlage und einem farbenprächtigen Park besonders der gigantische Küchentrakt Heinrich des VIII. gefiel.
Sowie natürlich London vom Flohmarkt bis Shakespeare. Der Ruderverein London Poplar lag extrem günstig gegenüber der Dockland-Bahn und neben dem Fußgängertunnel nach Greenwich. Von dort konnten wir noch vier Tage lang nach individuellen Bedürfnissen London erkunden und genießen. Außerdem konnten wir dadurch das gesamte Stadtpanorama vom Wasser aus größtenteils treibend genießen. Der Höhepunkt war für uns alle die Durchfahrt durch die Westminsterbrigde.
Beeindruckt hat uns besonders die Gelassenheit, Hilfsbereitschaft, Interesse und Freundlichkeit der Engländer, die wir überall und in jeder Situation erfahren haben. Z.B. gab es trotz regen Motorbootverkehrs und z. T. kleinen Schleusen nie die bei uns üblichen Machtkämpfe oder Hektik (außer im FL-Boot, s. u.). Queing gilt auch für Motor- und Ruderboote... Vielleicht liegt die Freundlichkeit und Blumenpracht an den Schleusen ja auch an der zusätzlichen Hilfe durch die “summer assistent lockkeeper"?
In allen Bootshäusern sind wir Wanderruderexoten außerordentlich herzlich aufgenommen worden. Glück hatten wir auch mit unserer Gruppe. Außer uns drei Bremerinnen Margot, Elke, Gisela und Rosi aus Lübeck, einem Paar aus Naumburg und einem aus Köln setzte sich die restliche Truppe incl. FL aus der Südwestecke zusammen.
Fluss, Land, Leute, Wetter und Gruppe waren also prima. Aber auch beim schönsten Sonnenschein gibt es Schatten. Unserer hieß Rudi (68), der FL. Seine loriotsche Einführung in den Gebrauch der gemieteten Handys war bühnenreif.
Wir wissen jetzt, dass wir nicht steuern und keine korrekten Befehle geben können und dass man dem FL in allen Lagen bedingungslos gehorchen muss. Wir lernten auch, dass man einseitig rudernd nur mit voller Kraft aus der Schleuse fährt, da sonst angeblich keine Steuerwirkung erzielt wird und gleichzeitig die Festigkeit der Schleusentore und des Pikhakens getestet werden kann... Den Befehl „ohne Kraft" gibt es bei diesem sparsamen Schwaben nicht. Ohne sich umdrehen zu können, kann er sogar die Situationen hinter seinem Rücken besser als die Steuerfrau beurteilen.....
Aber auch an Land erwiesen wir uns als unfähig. Versuchte er doch, uns berufstätigen Frauen aus seinem reichen Erfahrungsschatz als Hausmann beizubringen, wie Wasser rechtzeitig in englischen Bootshausküchen per Tauchsieder zum Kochen zu bringen ist oder was mit nassen Geschirrhandtüchern zu geschehen hat oder wie einheitliche Vorrats- und Geschirrkisten im Bus zu stapeln sind. Da wir nur mit Familien- und Fahrtenerfahrung aufwarten konnten, waren wir hoffnungslose Fälle...
Wir konnten dies und das nicht, aber wir wissen jetzt, wie wir bei Wanderfahrten die schlanke Linie bewahren oder erhalten können: Wenig auftischen, langsam kauen und nach 20 Minuten auf die Sättigung hoffen! Da wir vier Norddeutschen dafür zu ungeduldig waren (und Abendverpflegung auch nicht in der Ausschreibung stand), sind wir nach der ersten Erfahrung der „anderen schwäbischen" Art lieber Essen gegangen. Wir ließen uns abends von der englisch-indischen Küche für die klägliche, einseitige Tagesverpflegung entschädigen. Gleichzeitig erkundeten wir neben den versifften Bootshäusern auch die netten Ortschaften und Pubs.
Fazit: Ein idealer, wunderschöner Wanderfahrtenfluss!
Es war bestimmt nicht unsere letzte Themsefahrt. Vielleicht das nächste Mal mit Hansa?
Anregungen und Ideen haben wir schon gesammelt.
Elke Siemßen und Gisela Temme
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