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Bremer Ruder-Club "Hansa" (1879/83) e.V. |
Voll Vorfreude auf eine schöne Rudertour auf der Havel trafen sich Christa, Ulla, Petra und Traudel vom VRV und Bothi, Gisela, Helga und Anneliese von Hansa am 24.07.98 um 1441 Uhr auf dem Bahnsteig des Bremer Hauptbahnhofs. Elke hatte sich einen besonderen Abschiedsgruß ausgedacht. Sie schoss mit Sektkorken Salut bis an die Bahnhofskuppel.
Der Zug kam pünktlich und alle stiegen ein. Die frohe Stimmung sank plötzlich. Wo ist Gisela? Sie hat die Fahrkarten.... Eine Minute vor Abfahrt des Zuges war von Gisela noch nichts zu sehen. Sollte sich die "Pleiten-, Pech- und Pannentour" des Vorjahres wiederholen? Alle stiegen mit dem Gepäck aus dem Zug wieder aus. Neun ratlose Gesichter und eine beginnende Verhandlung mit dem Zugbegleiter, - da, ein Aufschrei: "Gisela kommt!" Also schnell in den Zug wieder einsteigen. Die Mitreisenden konnten sich das Lachen kaum verkneifen. Große Erleichterung, es ist noch einmal gutgegangen.Ein spannender Start zu einer sehr gelungenen und harmonischen Fahrt.
Die Havel entspringt im Müritz Nationalpark und mündet in die Elbe. Sie hat auf 340 km Länge nur 39 m Gefälle und durchfließt zahlreiche Seen. Bei Gegenwind wurden uns manchmal die Arme lang und die Fahrtenleiterin musste sich die Frage gefallen lassen, warum sie die Fahrt nicht andersherum geplant hat. Seltene Gelegenheiten, bei denen wir den Wind im Rücken hatten, brachten ungeahnte Segeltalente zutage.
Die ersten drei Nächte verbrachten wir in Berlin. In Spandau hatten wir Zimmer in einer umfunktionierten Kaserne. Die Zimmer waren in Ordnung, aber es gab auf dem Flur an jedem Ende nur Herrentoiletten und -duschen. Gisela fertigte ein Kunstwerk an, mit dem sie eine Seite zur Damentoilette erklärte, aber die angetrunkenen Männer, die spätabends zurückkamen, konnten nicht einmal dieses hübsche Bild deuten. So gab es entsprechende Erlebnisse.
Ein um so schöneres Erlebnis war unser Kulturabend im Varieté "Wintergarten". Die Atmosphäre nahm uns gleich gefangen. Das Programm war Spitze. Akrobatische Nummern wechselten mit Gesangseinlagen und zwei unvergesslichen Komikern. Wenn diese beiden Künstler wüssten, dass sie zehn Frauen zehn Tage lang in Gedanken begleitet haben! Bothi hatte die "Willi-Siegerpose" am besten drauf und die Lacherinnen immer auf ihrer Seite.
Auch Potsdam lag an unserer Strecke. Eine Stadtrundfahrt mit dem "Alten Fritz" brachte uns die deutsche Geschichte und die Besonderheiten der Preußenkönige näher. Für Ulla und Petra war es die erste Wanderfahrt. Petra war überwältigt, dass eine Wanderfahrt Bildungsurlaub ist. Vielleicht sollten wir einmal entsprechende Zuschüsse beantragen.
Am Schwielowsee übernachteten wir in Geltow. Unser erster Weg nach dem Duschen führte uns zu einem Museum für Handweberei der Kunstweberin Henny Jaenisch. Sie gehörte zu den Kunsthandwerkern, die im Bauhaus studiert und gearbeitet haben. In der Fischerhütte am See verbrachten wir einen sehr schönen Abend. Kaum zu glauben, wir haben jede eine saftig geräucherte Forelle verputzt! Unsere Neulinge Ulla und Petra sorgten dafür, dass wir das Fett gut verdauen konnten. Fröhlich singend zogen wir ins Yachthotel zurück.
Am nächsten Morgen machten wir einen ruderischen Abstecher von unserer eigentlichen Strecke nach Glindow. Am Ende des Glindowsees gibt es das märkische Ziegeleimuseum. Wir besichtigten den einzigen in Europa original erhaltenen Ringofen aus dem Jahre 1868, der mit einer kurzen Unterbrechung ununterbrochen arbeitet. Es werden dort Ziegel im Klosterformat und Formziegel für die Restauration alter Gebäude und Kirchen hergestellt. Außerdem gibt es eine Ausstellung über die Entwicklung des Ziegeleiwesens. Acht Zusatzkilometer, die sich gelohnt haben, auch wenn uns hinterher im Zernsee bei Gegenwind die Arme lang wurden.
In Phoeben gab es dann für alle den ersten "Beuteleisbecher*", der die Lebensgeister wieder weckte. Kurz vor Malge, dem Tagesziel, sprangen wir auch noch in den See, eine Erholung, die wir uns jeden Tag gegönnt haben.
Von Malge ruderten wir über den Breitling und legten beim Ruderclub in Plaue an. Einige Rollsitze mussten repariert werden. Bothi hatte einen Walzerrollsitz, es fehlten vier Schrauben.
Die nächste Etappe führte uns durch Naturschutzgebiete und wir konnten viele seltene Vögel beobachten. Die Schönheit und Ruhe der Landschaft begeisterte uns. In Brandenburg haben wir nur zum Sightseeing angelegt. Der Platz war gut gewählt, aber bevor wir in die Stadt gehen konnten, mussten wir alle unsere Fähigkeit beweisen, über ein hohes Tor zu klettern. Brandenburg, eine alte Stadt mit Geschichte und alter Bausubstanz, hat sicher noch einige Jahre zu tun, bis die alte Schönheit wieder hergestellt ist.
Während Traudel bei der "Märkischen Allgemeinen" vorsprach, um den Artikel über die vorhergegangene Fahrt der Vegesacker Männer zu bekommen, besuchten wir den Roland, um ein Foto zu machen.
Die Empfehlung der Männer, die Eisdiele in Pritzerbe zu besuchen, fand unseren ungeteilten Beifall, und wir ließen uns dort den nächsten Beuteleisbecher schmecken.
Die nächste Etappe führte uns wieder durch Naturschutzgebiete mit einer unendlichen Strecke. In Rathenau am Ruderverein erwartete uns ein Fotograf der "Märkischen Allgemeinen", um von uns ein Foto zu machen. Die Bildunterschrift lautete: "SPORTURLAUB MIT DER BARKE". Die Kameraden vom Ruderclub in Rathenau fragten, ob wir jetzt jede Woche mit der Barke vorbeikämen.
Auf der längsten Etappe am letzten Tag hatten wir glücklicherweise absolute Windstille und schönes Wetter. Das war auch wichtig, denn die Strecke zog sich hin, 48 km. Mit der Barke heißt das, richtig etwas tun. Wir ruderten an Havelberg vorbei und freuten uns an dem Blick auf die Stadt. In Nitzow entdeckten wir schon von weitem den blauen Bus der Vegesacker. Doch was nun, die müssen uns doch gesehen haben! Jetzt, in diesem Moment, fährt der Bus davon! Die Anweisung von Ingo: Anlegen neben dem Kahn OTTO! Das war ein Ratespiel, denn man konnte den Bootsnamen nur vom Land aus lesen. Wir legten trotzdem an der richtigen Stelle an, und der Bus kam mit dem Trailer auch bald zurück. Da Bimbo und seine Crew noch weiterfahren wollten, konnten wir die Barke ausnahmsweise ungeputzt aufladen.
Der Abend und die Fahrt klangen auf einer sehr schönen Terrasse aus. Wir ließen die Fahrt noch einmal Revue passieren und dankten Gisela für ihre Mühe als Fahrtenleiterin.
Am nächsten Tag weinte der Himmel zum Abschied. Gisela und Anneliese fuhren dem nächsten Urlaub entgegen und alle anderen, nach einer Havelberg-Besichtigungstour und einer "A!-" und "O!-"Fahrt wegen der Unmengen von Störchen in Rühstedt, wieder nach Bremen.
* Beuteleisbecher; wird von Steuerleuten bezahlt, die in einen
Seebeutel steuern, der keinen Ausgang hat.
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