Homepage   Clubschlüssel   1998   || Index  || Bremer Ruder-Club
"Hansa" (1879/83) e.V.

Jg. Barkenbrüder auf Bodensee und Hochrhein

Wo geht es hin im nächsten Jahr? Immer die gleiche Frage auf jeder Abschlussbesprechung!

Nun ja, als es dann zur ersten Besprechung kam, gab es eigentlich keine großen Debatten, denn vorgeschlagen wurde nur noch einmal Irland oder der Bodensee. Die vielen Kilometer nach und in Irland waren vielen noch zu gut in Erinnerung. Den Bodensee hatten die ersten Barkenbrüder schon absolviert. Es gab also Unterlagen. wir brauchten nur noch einen Fahrtenleiter, der in Klaus Ahrens gefunden wurde. Als jüngstes Mitglied der "Jungen Barkenbrüder" beantragte dieser einen Helfer, der in Gerd Rau gefunden wurde. Die Lösung erschien uns allen als glücklich, zumal sein Bruder Günter das gesamte Gebiet geschäftlich bereiste und so den VAs sehr behilflich sein konnte.

Wir alle waren zufrieden. Geld traf pünktlich ein, der VW-Bus konnte bestellt werden, und so warteten wir mit Zuversicht und Freude auf den Abreisetag.

Nachdem wir am Donnerstag, den 2.7. traditionsgemäß den Hänger - diesmal in der Halle - beladen hatten, starteten wir am Freitag pünktlich um 5 Uhr, dieweil ca. 750 km vor uns lagen. Wenngleich wir auch ordnungsgemäß eine Lichtkontrolle durchgeführt hatten, fiel bereits am Osterdeich die Rückbeleuchtung am Hänger aus. Reservesicherungen waren nicht vorhanden, und so übernahm Max, der hinter uns fuhr, die Sicherung des Hängers.

Die Fahrt verlief flott. Um 7.30 Uhr machten wir in Seesen durch einen Sicherungskauf einen erneuten Lichtversuch, doch nach kurzer Strecke wurde wieder Fehlanzeige gemeldet, und Max musste sein Amt beibehalten.

Wir waren gut in der Zeit. Alle Zwei Stunden gab es einen Fahrerwechsel. Kurz nach Würzburg nahmen wir über Handy Kontakt zu Conni auf, der in Frankfurt startete. Zwischenzeitlich hatten wir - entgegen dem Reiseplan - entschieden, nicht erst zum Hotel zu fahren, sondern direkt nach Lindau, unserem Barkeneinsatzort. So gesellte sich Conni um 12.45 Uhr zu uns, und weiter ging es über Rothenburg - Ulm - Memmingen und die Oberfränkische Barockstraße, zu der unsere Kulturwarte Jan und Jürgen leider gar nichts sagen konnten, nach Lindau.

Wenngleich die Strecke auch die längere war, kamen wir bei Sonne schon um 16 Uhr an. Zwischenzeitlich hatten wir auch über Handy unseren letzten Barkenbruder Günter informiert, der von Oberkirch gestartet war und bereits im Hotel auf uns wartete.

In unserem Fahrtenbuch war der RC Lindau als Einsatzstelle ausgewiesen, aber als bessere Möglichkeit wurde uns ein Segelclub auf der Inselstadt genannt, und schon ging das Suchen los. Die Zufahrt war schnell gefunden. Durch einen engen Torbogen - na, ob das gutgeht? -, durch ein Altstadtviertel mit gassenähnlichen Straßen, an kaffeetrinkenden Touristen vorbei sahen wir auch den Verein, aber verpassten die Zufahrt. Das Ganze noch mal. Die Touristen riefen: "Da kommen wieder die Heidelberger!", wir aber fanden die schmale Zufahrt. Der Hafenmeister meinte, es sei gut, dass wir schon heute gekommen wären, denn morgen sei Regatta, und eine Menge Boote würden noch erwartet. Unsere Gedanken, Lindau schon heute anzufahren, waren also richtig.

Das eingespielte Team brachte die Barke bequem und schnell zu Wasser und - wer weiß, was kommt? - gleich mit Verdeck. 17 Uhr: geschafft! Es wurde Zeit, in unser Hotel zu kommen, und so beschlossen wir, die Fähre nach Meersburg zu nehmen, denn ca. 80 km waren noch zu bewältigen, eine schöne Fahrt entlang am Bodensee über Friedrichshafen, begleitet von einem starken Gewitter mit Regengüssen, die wir heil und trocken auf der Fähre überstanden.

Um 19.30 Uhr waren wir in Konstanz, und nach weiteren anderthalb Stunden kamen wir über Stein am Rhein in unserem Hotel "Landgasthof Schienerberg" etwas außerhalb von Schienen, von Günter sehnsüchtig erwartet, an. Noch vor dem Abendbrot überreichte Günter, nunmehr offiziell bei den "Jungen Barkenbrüdern" aufgenommen, jedem eine Bierflasche mit Hansa-Etikett und Namensaufdruck, deren Inhalt aber kein Bier auswies, sondern nach dem rückseitigen Etikett von Veronika mit Pflümli gefüllt wurde. Vielen Dank, Günter, ein wirklich toller Einstandsgag!

Das Abendessen hatten wir verdient, und mit dem Ausklang waren es insgesamt 19 Stunden, die uns müde in unser Bett fallen ließen.

Eigentlich sollte ja am nächsten Morgen Kultur stattfinden. Nicht, dass sich Jan nicht vorbereitet hätte, aber als wir nach anderthalb Stunden in Lindau eintrafen und den Betrieb im Segelhafen sahen, waren wir der Meinung, dass es besser sei, diesem Tumult durch eine baldige Abfahrt auszuweichen.

Bei klarer Sonne verließ die Barke den Hafen und startete zur Überquerung des Bodensees. Der größte deutsche See ist 63 km lang, 14 km breit und 571km2 groß. Die 263 km Uferlänge teilen sich die Schweiz, Österreich und Deutschland. Der See liegt 395 m über NN, seine größte Tiefe beträgt 252 m.

Das, was der Service sehen konnte, sah sich gut an und dachte dabei nichts Böses, als er sich mit zwei Fahrzeugen auf den Weg machte, um sich erstmal einen kurzen Überblick über Bregenz, der Landeshauptstadt Vorarlbergs, zu verschaffen. Nach einer kurzen Fahrt durch die Altstadt entlang der Seeuferstraße mit seiner schwimmenden Seebühne und den Landtribünen für 6000 Zuschauer fahren wir in Richtung Rorschach, dem ersten gedachten Barkenziel.

Rorschach ist eine alte Hafenstadt und war einst ein bedeutender Umschlagplatz für die Stadt St. Gallen. Heute ist es u. a. ein Bundesbahnhafen, der vor dem dem 1749 erbauten Kornhaus liegt. Hier fanden wir auch einen idealen Liegeplatz für die Barke.

Beim Mittagessen im italienischen Restaurant direkt am See hatten wir einen ungetrübten Blick. Was wir sahen, wenn auch bei Sonne, erfüllte uns mit keinem guten Gedanken für unsere Barkenbrüder. So wie es bei uns immer war, kam der Wind natürlich von vorn, dazu herrschte ein starker Wellengang. Nach dem Essen - es wird Zeit, dass der Euro kommt! - machten wir einen Spaziergang entlang der Uferpromenade, die mit einem ausgedehnten Seepark verbunden ist, um Ausschau nach unserer Barke zu halten. Trotz Fernglas waren nur Wellenberge zu sehen. So entschlossen wir uns, die Fahrzeuge zu besteigen, um ein Stück zurückzufahren.

Im alten Fischerdorf Altrhein auf dem Mündungsdeltas des alten Rheins fanden wir auf der linken Mündungsspitze eine Marina, die uns einen Weitblick ermöglichte. Nachdem wir uns nach einem Liegeplatz erkundigt hatten, erblickten wir die Barke Gustav, die sich uns, tief im Wasser liegend, mit erschöpften Ruderern näherte. Trotz allen Übels war die Stimmung gut. Die Grätings waren leicht aufgeschwommen, Bug und Heck standen durch überschwappende Wellen unter Wasser, und wenn auch noch nicht alle Klamotten trocken waren, wurde die Stimmung im kleinen Seerestaurant doch immer besser, zumal ein Ausflugsdampfer mit einer Hochzeitsgesellschaft anlegte, deren Fröhlichkeit uns ansteckte.

So verging schnell die Zeit. Wir bestiegen die Fahrzeuge, und ab ging es, immer am Bodensee entlang, auf der Schweizer Seite über Arbon - Romanshorn - Konstanz, entlang am Untersee mit Blick auf die Insel Reichenau bis Stein am Rhein, über Öhningen nach Schienen, wo wir zufrieden um 19 Uhr eintrafen.

Ein ereignisreicher Tag neigte sich seinem Ende zu, und obgleich sich Jan bemühte, uns für Kultur zu interessieren, siegte, wenn auch knapp, König Fußball, mit dem der Abend auch sein Ende nahm.

Unser Ingenieur, dazu ein Elektromeister und Hilfspersonal hatten sich noch mit der Elektrik unseres Hängers befasst. Alles wurde mehrfach durchgeprüft und dabei festgestellt, dass ein Stecker wohl am Kabel herausgezogen wurde, was zur Folge hatte, dass das ganze Innenleben locker oder herausgezogen war.

Ein neuer Anlauf zur Erkundung des Bodensees wurde gestartet. Vom Altrhein aus hatten wir uns erstmal Rorschach vorgenommen. Wenngleich wir auch so weit wie möglich unter Land ruderten und Wellen und Wind vielleicht etwas weniger waren und die Strecke nur mit knapp 6 km angenommen wurde, waren wir froh, als wir gegen 12.30 Uhr im Rorschacher Hafen geschützt anlegen konnten. Es hatte keinen Zweck, weiterzurudern. Wir bedauerten den Abbruch sehr, zumal Landschaft, Kultur und See noch so vieles zu bieten hatten. So lagen wir erstmal im Hafen und warteten auf den Service Jan und Klaus, die leider auch nicht über Handy zu erreichen waren. Endlich kamen die beiden, die einen kleinen Abstecher nach St. Gallen an der Oberfränkischen Barockstraße gemacht hatten, aber Jan als Kulturexperte war davon nicht begeistert, eher enttäuscht.

14.30 Uhr war es geworden, als wir uns auf den Rückweg machten, um uns an den verschiedensten Orten des Sees ein Bild über das Wasser zu machen. Aber selbst das Wasser auf dem Untersee sah nicht vielversprechender aus. Wir gaben es auf und wollten es bei Stein am Rhein versuchen, wo wir dann auch in Öhingen eine ideale Einsatzstelle fanden. Dann ging es zurück zum Hotel, wo wir auf der Terrasse in der Sonne Kaffee und Obsttorte genießen durften.

Da es noch früh am Abend war, konnte endlich wieder einmal Kultur angesagt werden. Die wohlerhaltene Burg Hohenklingen stand an, von einem Minnesänger 593 m über dem Meeresspiegel erbaut. Auch ein gutes Restaurant sollte es geben, aber hier irrte der Kulturwart, denn alles war bereits geschlossen, und so bot sich für uns nur ein herrlicher Blick auf den Rhein und die Stadt Stein, die am Ende des Untersees liegt. Mit ihren Stadttoren und den mit Erkern und Fresken geschmückten steilgiebligen Häusern gilt Stein als die am besten erhaltene mittelalterliche Kleinstadt, die einen Rundgang wert war. In der Abendsonne nahmen wir im Garten eines Restaurants direkt am Rhein unser Essen ein und ließen uns danach im Hotel vom Bier und Fußball berieseln.

Am nächsten Morgen stand die Abfahrt nach Rorschach an, um die Barke nach Öhingen zu überführen. Eine gute Rampe in einem Segelhafen war schnell gefunden, und da wir die Strecke bereits kannten, wagten wir die Fahrt mit Regendach und mit montierten Auslegern. Alles ging gut. Um 12.45 Uhr veranstalteten wir noch ein Picknick an der Einsatzstelle, wobei erst geklärt werden musste, ob der Service oder die Steuerleute für die Verabreichung der Mahlzeit zuständig war.

Dann starteten wir zu neuen Ufern, passierten Stein und sahen vom Wasser aus, wo wir gestern gespeist hatten. Hier, wo der Rhein als Hochrhein entströmt, sollte eigentlich die Strömung beginnen, schon bedingt durch das Gefälle zwischen Bodensee und Basel, das auf einer Strecke von 167 km 150 m aufweist. Nach einigen Kilometern bemerkten wir die Strömung erstmalig, doch beim Treiben machte sie mit uns, was sie wollte. also war leichtes Rudern angesagt, womit zwei bis vier Barkenbrüder voll ausgelastet waren.

So erreichten wir Dissenhofen, ein altertümliches Schweizer Grenzstädtchen linksseitig. Das rechtsseitige Ufer erreicht man über eine schöne, alte, gedeckte Holzbrücke, die gleichzeitig die Grenze bedeutete zum deutschen Ort Gailingen. Am Hochrheinufer zwischen Dissenhofen und Schaffhausen erstreckt sich die deutsche Enklave Büsingen.

Wir näherten uns nach ca. 20 Kilometern Schaffhausen, fanden eine gute Rampe, wo uns der Service bereits erwartete, und nach kurzer Fahrt im RCS Schaffhausen einen guten Stellplatz für unseren beladenen Hänger. Nach ca. einer Stunde Fahrt waren wir wieder im Hotel, wo wir unser Abendessen wieder auf der Terrasse einnehmen konnten.

Schaffhausen, die Hauptstadt des ganz nördlich des Hochrheins gelegenen und vom Gebiet der BRD umschlossenen gleichnamigen Schweizer Kantons, ist ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt und Industrieplatz, hat neben einer reizvollen Altstadt, von der unser Kulturwart Jürgen schwärmte, für die uns aber keine Zeit blieb, eine Attraktion, den Rheinfall, den wir natürlich sehen mussten. Ja, es ist der mächtigste Wasserfall in Mitteleuropa. Das Wasser des Hochrheins stürzt bei Neuhausen in 150 m Breite 22 m tief über eine Jurakalkschwelle, von der mitten im Fluss zwei höhere Felsen stehengeblieben sind. Ja, es ist schon ein imponierender Anblick, von dem wir uns aber lösen mussten, um unsere Einsatzstelle aufzusuchen, die in direkter Nähe lag.

Eine starke Strömung erwartete uns, und das Wetter zeigte sich nicht von der besten Seite. Ein Gewitter krachte über uns und, was ich bislang noch nicht gehört hatte, mit ständigem Echo, wahrscheinlich hervorgerufen durch die bewaldeten Ufer. Wir überstanden die Zeit des Gewitters und der damit verbundenen Regenschauer unter den überhängenden Bäumen in der Nähe des Ufers. Die Strömung brachte uns weiter an bewaldeten Ufern entlang, in denen man in Abständen eingewachsene Bunker oder Geschützstände erkennen konnte, nach Rheinau, einem Schweizer Grenzstädtchen, von einer Rheinschlinge umgeben, mit einem Flusskraftwerk. Was wird uns hier erwarten?

Wir sahen am Ufer eine flache Rampe, daneben eine Anlegemöglichkeit und Telefon, aus dem zu hören war, dass der Wagen gleich käme. Und wie von Geisterhand kam plötzlich ein großer Wagen über die Höhe, glitt in den Fluss, und wir wurden gebeten, aufzufahren. Alles wurde von Kameras überwacht. Die Mannschaft bis auf zwei machte sich zu Fuß auf den Weg, um auf der anderen Seite bequem wieder einzusteigen. Eine fabelhafte Lösung, die es sich lohnte, auch auf anderen Gewässern einzusetzen!

Ab ging die Fahrt, vorbei an einer doppeltürmigen Barockkirche aus dem 17. Jahrhundert, die zu einer im 9. Jahrhundert gegründeten Benediktinerabtei gehörte und auf einer Aueinsel lag, aber bereits 1862 aufgegeben worden war. Eine vom Umfang her gewaltige Anlage!

Innerhalb der nächsten 5 Kilometer erlebten wir noch zwei weitere Staustufen, wieder mit ferngesteuerten Gleiswagen, die alle von der ersten Stelle aus mit Hilfe von Kameras gesteuert wurden. Im Sechs-Minuten-Takt wurde jeweils mit der halben Besatzung weitergerudert, vorbei am linksseitig liegenden Schweizer Ort Elikon, einer alten Fischersiedlung mit Personenfähre zum anderen Ufer, bis wir nach insgesamt 26 Kilometern Eglisau erreichten, wo wir in einem kleinen Hafen alleinliegend festmachen konnten.

Ab jetzt war die Rückfahrt nicht mehr so weit, denn in Säckingen war unser neues Quartier im Hotel am Hochrhein, das wir problemlos fanden, mit sehr schönen, großen Zimmern und einem daneben liegenden Restaurant, in dem wir auch frühstückten.

"Auf denn!" hieß es zu neuen Taten. Die Gemeinschaft teilte sich in Stadtbesichtigung und Fußball. Das alte badische Uferstädtchen darf sich seit 1978 "Bad" nennen durch seine Kochsalzthermen mit 32 Grad. Außen am Chor des Fridolinmünsters findet man zwei Grabsteine, die Victor von Scheffel die Anregung zu seinem Epos "Der Trompeter von Säckingen" gaben. Am Rhein steht das Schloss Schönau mit der Statue des Trompeters, und unweit davon verbindet Europas längste gedeckte Holzbrücke das deutsche und das Schweizer Ufer. Ein Essen im "Adler" rundete die Stadtbesichtigung ab. Der Abend aber endete erst um 24 Uhr, Dank des verlorenen Fußballspiels, wobei die Traurigkeit darüber in Wein und Jubi ertränkt wurde.

Als wir am nächsten Morgen gegen 10 Uhr ankamen, erklärte uns der zufällig dort verweilende Leiter eines Kanuclubs, der noch nie eine Barke gesehen hatte, dass an der Schleuse gebaut würde und diese erst um 17 Uhr befahrbar sei. Wieder einmal ein Schuss vor den Bug! Und wenn es angeblich keine Wasserkarten von diesem Teil des Rheins gab, konnte dieser Herr uns jede Menge davon verkaufen! Ein Lustdampferkapitän, der gerade festmachte, meinte zusätzlich, dass er uns eine Weiterfahrt mit unserem Boot nicht empfehlen könnte, zumal nach ca. 20 Kilometern gefährliche Felsschwellen seien, die bei dem relativ niedrigen Wasser für uns Schwierigkeiten bringen könnten. Nein, diesen Gefahren wollten wir aus dem Wege gehen! So wurde wieder einmal der Service mit Hänger geordert. Wir aber überbrückten die Zeit mit einem vernünftigen Essen.

Danach ging es erstmal nach Waldshut, um eine neue Einsatzstelle zu suchen. Es wurde ein langes suchen! Die schiefe Ebene mit Rollen in Albbruck-Dogern war seit ewiger Zeit nicht mehr benutzt worden. Über Handy war nichts zu erreichen, da keine der angegebenen Nummern stimmte. Letztendlich fanden wir hinter einem Kraftwerk bei einer Fischerkate im Wald einen Sandstrand, der ein Einsetzen möglich machte. Dies alles ist schneller geschildert, als es in Wirklichkeit ging, aber wir waren froh, diesen Tag gut zu einem Abschluss gebracht zu haben.

Eine interessante Schleuse - Umtrage mit Schrägaufzug - stand noch an. Aus der Sicht eines Service-Teilmehmers war diese Anlage wirklich sehenswert: Schleuse und Kraftwerk Laufenburg. Nach einem Besuch im vornehmen Verwaltungsgebäude wurde uns gesagt, man wisse Bescheid und wir sollten nur den blauen Strichen auf der Staße nachgehen. Gesagt, getan! Wir gingen bis ans Wasser und sahen eine Art Containerbrücke. Nach und nach kamen vier Personen, die alle mit uns auf die Ankunft der Barke warteten. Als diese endlich kam, wurde an die Brücke eine Traverse mit großen Schlaufen gehängt und ins Wasser gelassen. Die Barke konnte einfahren, wurde gehievt, auf einem bereitstehenden Wagen abgestellt, die Mannschaft konnte wieder aufsteigen, und mittels eines Gabelstaplers ging es ca. 800 m weiter zu einer markierten Stelle. Ein Schrägaufzug fuhr vom Wasser aus auf die Höhe der Barke, die einfach vom Wagen aus auf die Plattform des Aufzugs geschoben wurde, und wieder ging es abwärts in den Rhein. So einfach geht es, in ca. einer Stunde mit vier Mann Personal, und alles ohne Kosten für uns!

Abgesehen von diesem positiven Erlebnis werdet ihr, liebe Leser, unschwer bemerkt haben, dass bei dieser Fahrt manches anders gelaufen ist, als es im Fahrtenbuch ausgewiesen war.

Zu erwähnen wäre noch, dass wir die letzte Etappe, die uns zu einem Kanuclub eben vor Rheinfelden führte, bestens überstanden haben. Der Steg war für uns ideal, um die Barke zu verladen und in den Zustand zu bringen, in dem wir sie übernommen hatten. Der ruderische Teil war für uns hier überstanden, das Programm aber lief weiter. So stand zum Beispiel noch ein Einkauf ab Fabrik an, der sich bei Burlington und Trigema abspielte. Beide Werke in Säckingen boten das, was das Sportlerherz begeht, und ich glaube sagen zu können, dass sich der Einkauf für jeden gelohnt hat.

Da wir durch die geschilderten Vorkommnisse einen Tag gewonnen hatten, nutzten wir die Zeit für einen Besuch von Basel. Wir hätten die Stadt auch per Boot erreichen können, aber durch ein Industriegebiet zu rudern wollten wir uns ersparen.

Ja, Basel ist eine Stadt mit viel Geschichte, auf die ich aus Zeitgründen nicht näher eingehen kann. Erwähnen möchte ich aber, dass hier der Arzt Paracelsus lehrte und die Mathematiker Jacob und Johann Bernoulli und der Philosoph Nietzsche zur Geschichte beigetragen haben. Wir sahen den Marktplatz, beherrscht durch das in burgundischer Spätgotik erbaute Rathaus. Das Münster nimmt den höchsten Punkt ein. Älteste Teile stammen aus dem 13. Jahrhundert. Der fünfschiffige Innenraum war durch Baumaßnahmen nicht ganz zugängig, und so wendeten wir uns dem doppelten Kreuzgang zu.

Hinter dem Münster liegt die Pfalz, eine 20 Meter über dem Rhein gelegene Terrasse mit einem herrlichen Blick auf Rhein und Schwarzwald, die zum Verweilen einlud. Anschließend machten wir einen Stadtrundgang und sahen sehr schöne und teure Geschäfte, die auch einige von uns zum Kauf animierten.

Mit einem Bistrobesuch endete unser Baselaufenthalt, und während Günter, Conni und Max auf direktem Weg nach Obernkirch, unserem letzten Quartier bei Familie Rau, fuhren, machten wir uns auf den Weg nach Säckingen, um den Hänger aufzupicken. "Fahren wir direkt oder sollen wir noch den Schwarzwald genießen?" Wir entschlossen uns für das letztere. So ging es dann über Todtmoos und über die Schauinslandstraße 1264 m hoch nach Freiburg und weiter nach Obernkirch. Auch ein schönes Erlebnis, denke ich, auch sicher für die Barke Gustav.

Noch pünktlich waren wir zum Kaffee bei unseren Gasteltern, die wieder einmal alles perfekt vorbereitet hatten. Wieder hatte jeder sein Bett, und ich kann an dieser Stelle vorwegnehmen, dass keine Vorkommnisse zu vermelden sind. Am Abend kam dann das uns schon bekannte opulente Mahl bei Veronika, bei dem natürlich auch die geistigen Getränke, die auch zum Kauf animierten, nicht gefehlt haben.

Hier endete unsere Fahrt denn. Nach einem ausgedehnten Morgenfrühstück und einem großen Dankeschön an Renate und Günter begaben wir uns wieder "on the road" in die Heimat, wo wir dann auch zu einer vernünftigen Zeit eintrafen.

Ja, was soll ich noch sagen? Für mich war es eine sehr schöne Fahrt, besonders unter dem Gesichtspunkt, dass ich im vergangenen Jahr nicht dabei sein konnte. Könnte man Kritik üben? Ich aber denke, sie überlebt uns. Vielleicht waren nur zwei Quartiere zu wenig, um lange Fahrten zu vermeiden. Erstmals konnte die Strecke nicht vorher abgefahren werden, aber hätte nicht in der Zwischenzeit auch das eintreten können, was wir so vorgefunden haben? Jedenfalls steht fest: Das Wetter, ich meine damit nur die Wellen und den Wind auf dem Bodensee, konnte keiner voraussehen.

Spaß jedenfalls haben wir gehabt, und die Harmonie unter allen Jungen Barkenbrüdern hat nicht nur funktioniert, sondern gestimmt. Ich jedenfalls freue mich schon jetzt auf eine neue Erlebnisfahrt in der Hoffnung, dass wir alle gesund bleiben, und sage nochmals Dank all denen, die mit einem Amt behaftet waren.

Teilnehmer:

Gerd Bruns Finanzen
Martin Vaupel Fahrtenbericht
John Thoms Getränke und Proviant
Conni Hennig Tele-Kommunikation
Max Gregor Apotheke
Jan Frischmuth Kultur
Jürgen Keunecke Kultur
Manfred Taucke Bootswart - Schleusenkommando
Günter Rau Gepäcklogistik - Bootsversorgung
Manfred Colby Getränke und Proviant
Klaus Ahrens VA
Gerd Rau VA
 
 

Martin Vaupel

nach oben ]