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Bremer Ruder-Club "Hansa" (1879/83) e.V. |
Liebe Junioren und Juniorinnen, liebe Clubmitglieder,
es wird keinem entgangen sein, daß in den vergangenen drei Monaten die Rennruderer des Bremer RC "Hansa" in ständigem Training und alle zwei Wochen auf Regatten waren. Unsere Stationen waren Münster, Bremen, Köln, Hamburg und Essen. In Köln und Hamburg haben wir gezeltet, in Münster in einer Schule übernachtet und in Essen im Ibis- Hotel gewohnt. Mit von der Partie, wenn auch noch nicht am Start, waren zwei Juniorinnen, die an dieser Stelle unbedingt einmal vorgestellt werden müssen. 1981 geboren, leichtgewichtig und eher von kleiner Statur, aber mit stets großer Klappe, hat Katja Waehnert Anteil an unserer Rennsaison gehabt. Sie hat beim Steuern ausgeholfen, alles mit angepackt, was zu tun war und ist ständig mit ihrer besseren Hälfte, oder sagen wir ihrem ausgleichenden Gegenpol Katharina Frantzen in unserer Nähe gewesen.
Katharina ist 1982 geboren, verteilt ihr Temperament auf einer größeren Länge und fährt zusammen mit Katja einen sehr schönen Doppelzweier, der in diesem Herbst den Schliff für die nächste Saison bekommen muß. Im nächsten Jahr sind beide A-Juniorinnen, und es ist sicher eine Freude, sie zu betreuen.
Erfreulicherweise kommen an ihre Seite eine Reihe von neuen Anfängerinnen hinzu, die zur Zeit erstmal in den Rudersport hineinschnuppern, vielleicht aber auch von der Ruderbegeisterung gepackt werden. Wir können gespannt sein auf richtige Talente, die alle im B-Juniorinnenalter sind.
Eine weitere Frau liegt mir noch am Herzen. Sie hat mir in besonderer Weise in dieser Saison geholfen. Immer, wenn bei mir Not an Steuerleuten, Trainerhilfe oder Beistand war, ist Kerstin Mocha eingesprungen und hat wie selbstverständlich ihre Hilfe und ihr Interesse den Junioren zukommen lassen. Vielen Dank, Kerstin.
Die Saison: Von Anfang an zeigte sich, daß im schweren Junior-B-Einer eine große Konkurrenz vorhanden war. Joss Mohr, der 1982 geboren wurde, ist sozusagen ein zu groß geratener Leichtgewichtsruderer. So hangelte er sich mit seinem Gewicht trotz supergesunder ausreichender Ernährung immer nur ca. drei Kilo über dem zulässigen Gewicht für Leichtgewichte entlang. Im Training konnten wir schon immer seine tolle Spannweite beobachten, die ihn, gepaart mit einem sehr guten Koordinationvermögen und der Gabe, sich im Boot immer entspannt zu bewegen, zu einem sehr schnellen Einerfahrer macht. Seine Rennen waren für ihn, wie auch für uns Zuschauer, des öfteren ein echter Krimi. So hielt ihn zu Beginn einmal eine Boje, ein verschlafener Start oder ein Krebs davon ab, am Rennstart dabei zu sein. Jedoch war das Rennen damit noch lange nicht gelaufen. In mehreren Rennen schockierte er seine Gegner mit einer rasanten Aufholjagd, die in den meisten Rennen zum Sieg führte. Auf der Deutschen Jugendmeisterschaft in Essen fuhr er in einem dichten Feld das Halbfinale, schied jedoch dann aus. Seine Möglichkeiten sind auch zukünftig sehr vielversprechend.
Auch im Leichtgewichtsdoppelvierer mit Steuermann wurde schon in Münster klar, daß die Saison alles, nur nicht leicht werden würde. Im Durchschnitt waren auf jeder Regatta 10 bis 12 Boote gemeldet, auf der Meisterschaft waren es dann 12 Boote. Zu einem frühen Saisonzeitpunkt haben wir uns einen starken Athleten zur Verstärkung des B-Vierers geholt. Julius Karner ist Jahrgang 1983 und nur sehr knapp ein Leichtgewicht. Seine Konstanz, sein Ehrgeiz und seine Kraft haben das Training und die Wettkämpfe für alle bereichert. Dem Großboot zuliebe hat er auf der letzten Regatta in Hamburg und auf der Jugendmeisterschaft in Essen auf einen Start im Einer verzichtet. Davor waren seine Starts im Einer immer von Erfolg und guten Egebnissen gekrönt. Im nächsten Jahr wird er als B-Junior wieder für seinen Verein, den Vegesacker Ruderverein starten, und wir können uns nur auf die Saison 1999/2000 freuen, denn dann sind im Junior-A-Bereich auch Renngemeinschaften möglich.
Gemeinsam mit Julius Karner saß ein wirkliches Leichtgewicht im Mittelschiff: Andreas Porthun, der als einziger die ganze Saison durch essen, essen und nochmal essen durfte. Trotz seiner minimalen Masse ist er in der Lage, enorme Kräfte freizusetzen. Seine Ergotests beweisen es. Er zieht zwischen 4,7 und 4,9 Watt/kg. Seine Saison war mit den größten Schwierigkeiten und Hindernissen gespickt, von einem Amerikaaufenthalt während des Trainingslagers über eine Klassenfahrt in der Hochsaison und jede Menge Schulstreß hat er seine Leistung aufrecht erhalten und so seinen Platz im Vierer gut behauptet. Er wird auch im A-Bereich die Möglichkeit haben, als Leichtgewicht zu starten. Durch seinen enormen Kampfgeist wird er viel erreichen können.
Im Bug, dem schwierigsten Platz im Boot, mußte Martin Gutwinski seine Qualitäten einsetzen. In der gesamten Vorbereitungsphase seit dem Winter ist es seinem Mannschaftsgeist und seinem Wunsch, einen Vierer auf die Beine zu stellen, zu verdanken, daß die "Leichten" sich in solch professioneller Weise entwickelt haben. Man kann schon sagen, daß Martin Trainerqualitäten aufweist, die mich zwar manchmal zur Weißglut getrieben haben, später aber unbedingt mal zum Einsatz kommen sollten. Für die nächsten Jahre wünsche ich ihm jedoch, daß er sich auf sein eigenes Training konzentriert und wieder ein Großboot zusammenführt.
Der vierte Mann im Boot ist und bleibt der eigenwilligste. Weder durch Krankheit noch durch sonstigen Streß hat er seinen Schlagplatz je verlassen. An Streß hat es jedoch die gesamte Saison durch nicht gemangelt, was so ein Lebemann wie Joop Flack halt zum Leben braucht, muß ja auch gearbeitet und verdient werden. Erfreulicherweise hat sich auch ein überdurchschnittlicher Erfolg in der Schule ergeben, so daß wenigstens dies als Streßfaktor entfallen konnte. Ruderisch halte ich ihn als Schlagmann im Großboot wie auch als Einerfahrer für besonders geeignet. Es würde mich jedoch sehr freuen, wenn er den Einer einem Mannschaftsboot nicht aus Bequemlichkeit vorziehen würde.
Unverzichtbar und vielseitigst einsetzbar hat Lasse- Jörn Hofmann die B-Mannschaft bereichert. Immer sich vor Wettkämpfen sträubend, hat er schließlich von allem etwas mitleisten müssen. In Hamburg war Martin Gutwinski krank, und so ruderte Lasse ziemlich aus dem Stehgreif die 1500 Meter mit, wobei er weder mit der Schlagzahl 33-35 noch mit der Technik Probleme hatte. Ziemlich früh kristallisierte sich heraus, daß die Mannschaft ihn auf den Regatten als Steuermann dabei haben wollte, zu unser aller Zufriedenheit hat er sich dazu bereiterklärt, und damit nicht genug hat er zur Deutschen Jugendmeisterschaft ca. 6-7 Kilo abgenommen, um dem Vierer die besten Bedingungen zu verschaffen. Die letzte Woche vor der Meisterschaft durfte keiner in seiner Anwesenheit in Nahrungsmitteln schwelgen, jedes Angebot von Kleinigkeiten lehnte er konsequent ab. Nach der Meisterschaft hat er, glaube ich, in einer Woche wieder 5 Kilo zugenommen. Für die kommende Saison bleibt abzuwarten, ob er leicht oder schwer wird, in jedem Fall ist ruderisch mit ihm zu rechnen, ein Großboot wäre ohne ihn nur halb so lustig.
Zu Beginn der Saison hat Jens Grosse den Vierer gesteuert und war auch mit im Trainingslager, wo er sich im Einer für seine Regatten vorbereitet hat. In der Saison hat sich dann gezeigt, daß er das Rudern im Einer intensiv trainieren wollte, das Steuern wollte er nicht an vorderste Stelle stellen. Für die nächste Saison ist Jens schwerer B-Junior und bringt schon einige Regattaerfahrungen mit.
Nun war der Vierer auf jeder Regatta einmal erfolgreich und einmal im Mittelfeld, außer in Hamburg, dort war er an beiden Tagen nicht schnellstes Boot. Als es zur Jugendmeisterschaft ging , waren die Erwartungen zwar hoch, jedoch immer mit dem Wissen aus der Saison, daß da in Deutschland zur Zeit 10 schnelle leichtgewichtige 4x+ fahren.
In Köln kamen 10 Boote, wenn auch im indirekten Vergleich, da in zwei Abteilungen, innerhalb von 5 Sekunden durchs Ziel, da kann man schon gar nicht mehr von "Favorit" oder "nicht Favorit" sprechen. Es war und ist bis zum Schluß ein echter Wettkampf gewesen, bei dem es auf mehr ankam, als nur auf eine gute Tagesform. Der Hoffnungslauf des Doppelvierers war somit das Härteste, was einer so guten Mannschaft auf der Meisterschaft passieren kann.
Dies war die erste richtige Regattasaison dieser 5 "Hansa"-Junioren, in der sie mit einem vielseitigen Training, einem hohen Trainingsaufwand, vielen Auseinandersetzungen und Nachfragen, dem richtigen Willen und wenig Erfahrung gezeigt haben, daß sie ganz vorne mit dabei sind, bei den deutschen Booten im B-Bereich. Auch wenn sich alle das Ende der Saison ersehnt haben, um wieder Partys zu feiern, mehr Zeit für sich und Freunde zu haben, nicht mehr auf das Gewicht achten zu müssen, hat diese Mannschaft immer viel Spaß und Ehrgeiz am Rudern gezeigt.
Ich wünsche Euch, daß Ihr aus dieser Saison mitnehmt, was ihr verbessern könnt, denn da gibt’s schon noch etwas, und daß Ihr Euch bewahrt, was Euch den Spaß am Rudern erhält, Eure Freudschaft, Euren Ehrgeiz und Euren Erfolg.. Ich möchte mich ausdrücklich bei den B-Junioren des Bremer Ruder-Club "Hansa" für das Vertrauen und diese einzigartige Saison 97/98 bedanken, an der ich nicht einen Tag bereue!
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