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"Hansa" (1879/83) e.V.

Wesermarathon am 3.5.98

Wesermarathon 1998, diesmal mit "warmfahren"

Wem das Wort "wieder" in diesem Artikel zu oft vorkommt, der möge bitte bedenken, daß viele der Teilnehmer diesen Wesermarathon bereits mehr als zehnmal "hinter sich" gebracht haben.

Diesmal hatte uns der Kalender aber ein langes Wochenende beschert, und so wurde die Barke bereits am Tag vor dem Marathon in Kassel eingesetzt, um dann von dort zum "Warmfahren" nach Hann.-Münden zu rudern.

Geschlafen haben wir allerdings, wieder mal, in Hann.-Münden bei Frau Wurm im Sportzentrum.

Geplant war der Rudertag auf der Fulda nach ausgiebigem Frühstück bei Frau Wurm und gemütlicher Zugfahrt von Hann.-Münden nach Kassel.

Aber statt wie geplant um 8.00 Uhr wurde schon ab 7.45 Uhr gefrühstückt und bereits nach 1/2 Stunde die Mannschaft mit dem Hinweis: "Wenn wir jetzt schon losgehen, erreichen wir den Zug eine Stunde vorher noch!" aufgeschreckt. Der "Hetzer" schaffte es tatsächlich, bei einigen Ruderern allerdings nur unter Protest, die Meute in 20 Minuten zum Bahnhof zu hetzen. Mitgliedern mit "Idealgewicht" stand jetzt schon der Schweiß auf der Stirn.

Und dann wagte die Deutsche Bundesbahn es auch noch, uns einen Zug anzubieten, bei dem sich einige Türen nicht öffnen ließen. Warum wir ausgerechnet auf diese Türen losstürmten, läßt sich heute nicht mehr rekonstruieren, wollten wir evtl. die dort angebrachten Schilder genauer studieren? Warum wir dann nicht in das Abteil mit dem schwarzhaarigen Mädel gingen, sondern uns ausgerechnet in das Abteil mit den defekten Türen begeben mußten, bleibt ebenfalls ungeklärt. Eine Mitreisende in unserem Abteil sprach uns beim Ausstieg in Kassel noch ein Lob aus: Nein, wir hätten uns nicht danebenbenommen, und durch unsere angeregten Diskussionen sei sie wenigstens nicht eingeschlafen. Leider war das Mädchen rothaarig. Schade, du suchender Mitruderer, dessen Namen wir hier nicht erwähnen wollen!

Erwähnt werden sollte auch der freundliche Schaffner, der auf Anfrage, was denn mit den Türen sei, antwortete: "Die sind defekt!" Ach so!

So war der Tag also eigentlich gelaufen, wenn es da nicht die schöne Ruderstrecke auf der Fulda, einige Schleusen mit Wartezeit, hübsche (soweit mit dem Fernglas erkennbare) Skaterinnen, uns überholende heftig rudernde Berliner Zweier mit einem rekordzeit-verdächtigen Steuermannswechsel, Würstchen, Käse und Mettwurst, von einem gesättigten Steuermann gereicht, und zum Ende der Fahrt zunehmende Sonneneinstrahlung gegeben hätte.

Jetzt beginnt eigentlich der Teil von "wie immer". Also Abendessen im Kanuclub - frühes, zum Teil sehr frühes Schlafengehen mit und ohne Ohrenstöpsel - Aufstehen um 5.00 Uhr - Schleuse um 6.00 Uhr - Frühstück im Boot auf der Weser - Betrachten der wolkenverhangenen Berge - mühsames Ziehen am Riemen mit Pause alle 5 km - Betrachten der "armen und leidenden" Steuerleute" - u.s.w.

Doch es gab auch Aufregendes und Neues zu vermelden: Zum Mittag (wie immer warme Würstchen) gab’s auch gekochte Eier - wir brauchten nur dreimal zum Pinkeln anzulegen, einmal allerdings unter scharfem Protest des suchenden Ruderkameraden, dessen Namen wir hier nicht nennen wollen, welcher doch gerade versuchte, sich mit einer Paddlerin (mit Schwester oder Tochter paddelnd?) zu unterhalten - wir waren schnell, denn bereits um 14.30 Uhr in Holzminden - traumhaft leichtes Herausnehmen der Barke mit dem neuen Hänger.

Danach alles wie immer: Heimfahrt - Saubermachen - Verteilen der restlichen Lebensmittel - und das Versprechen einiger, nie wieder die Tour mitzufahren.

Andreas Möller (Hermy)

 

"... und alles ist freiwillig"

Geschafft!! - Nach 135 km im Vierer trudelten wir immer noch ganz fröhlich, aber erleichtert und mit kleinen "Sitzproblemen", in etwas weniger als 12 Stunden (incl. Pausen) am Hamelner Kanuclub ein.

Morgens um 4.45 Uhrwar der erste Satz: "... und alles ist freiwillig!"

Ca. 3000 Kanuten und Ruderer aus ganz Deutschland - eine Kanutengruppe sogar aus Kopenhagen - treffen sich seit 28 Jahren am ersten Maisonntag zum Wesermarathon.

Immerhin 30 Frankfurter inklusive einigen Münchenern und mir (+Landdienst) hatten sich Sonnabend in Han. Münden zu diesem verrückten Wesermarathon getroffen. Die sechs Vierer wurden aus Frankfurt mitgebracht. Einige Boote fuhren Bronze, d.h. 53 km bis Bad Beverungen, einige Silber bis Holzminden (80 km), und zwei Boote wollten die Goldstrecke bis Hameln genießen.

Da wir verstreut wohnten, klappte nicht alles ganz nach Plan, so daß wir erst um 6.18 Uhr ablegten. An der Einsatzstelle unterhalb der Schleuse war zusätzlich großer Bootestau und wenig Platz. Immerhin konnte ich so unsere Barke "Gustav" noch in der Schleuse begrüßen. Die Hansa-Männer warteten dabei gespannt auf den fast fertigen Kaffee...

Die Weser und das Wetter waren uns sehr gnädig: ordentlich Regen der Tage vorher mit entsprechend hohem Wasserstand sowie den ganzen Tag bedeckt und kein Regen. Nur zeitweise ungünstiger Wind aus Nord. Auch hatten wir ein prima laufendes, neues Boot mit Kohlefaserskulls, das meine Ruderfreunde von Borussia Frankfurt mitgebracht hatten. Und dazu natürlich unsere Mannschaft:

Ulla und Uli Richter, Christian Sauer (alle Borussia Frankfurt), Sieglinde Schäfer von Germania Frankfurt und ich.

Nach 13 km dachte ich noch: Oh je, erst 1/10 der Gesamtstrecke....

Die Weser war, soweit man gucken kann, voller Boote. Schon ein faszinierender Anblick. Wir sahen auch kuriose Boote: z. B. einen Kahn mit großer Flagge, der gewriggt wurde, einen Regatta-Kanadier-Einer, mehrere Rennkajaks.

Die Strecke war wieder wunderschön: Die großen leuchtend-gelben Rapsfelder, blühende Bäume, herausgeputzte Ortschaften boten ein abwechslungsreiches Bild.

In der ersten Hälfte wechselten wir alle 16 km zum Steuerplatz - ein willkommenes "Päuschen".

Leider waren wohl wieder einige Biere (wahrscheinlich die letzten) am Vorabend schlecht gewesen - zuviel Treibmittel! Jedenfalls mußten wir drei technische Nothalte mit Gebüsch fahren. Durch unsere Pausen trafen wir viele Kanuten immer wieder, die ständig wie Roboter die Arme bewegten und nie zu pausieren schienen.

In Holzminden (km 80) gab’s Mittagspause - raus aus dem Boot, Achtersteven lüften und wieder in Form bringen, zur Keramik, essen und trinken und Bekannte begrüßen. Erstaunlich, daß wir plötzlich doch wieder in einem windgeschützten Eckchen saßen! Das Sitzen wird irgendwann zum Problemchen, da hilft der beste "Perser" nichts.

Im zweiten Teil wechselten wir alle 11 km. Es waren ja nur noch 55 km...

Bei ungefähr Kilometer 100 trafen wir auch einen Zweier aus Bodenwerder mit drei Jungs von höchstens 14 Jahren, die schon die ganze Strecke unterwegs waren! Eine supertolle Leistung an Ausdauer für Jugendliche! Auch einen Mädchen-Vierer mit Mann, der mit Liederbuch unterwegs war, trafen wir einige Male. Beim letzten Mal schallte "Schuld war nur der Bosanova..." zu uns herüber.

Hinter Bodenwerder konnten wir sogar mal segeln und genossen es sehr.

Unsere Achtersteven verlangten energisch kleine Stehpausen. Jeder fing mal an hin- oder herzurutschen. (Jetzt im Zug sind günstige Sitzpositionen trotz Polsterung hochwillkommen!)

Die Anzahl der Boote hatte ziemlich abgenommen. Es gibt doch mehr normale als so verrückte Ruderer oder Kanuten wie wir...

Kurz vorm Steg hatten wir einen "Kanutendampfer" (= Raucher im Zweier) fast wieder eingeholt. Wir hatten uns mehrmals gegenseitig durch Lästern aufgemuntert. So setzten wir alle Kraftreserven noch zum Endspurt ein und schafften es ganz knapp vor ihnen anzulanden.

In Hameln wurden wir von unseren "Silbernen" jubelnd empfangen und durften fast nichts mehr tun. Ein toller Empfang! Danke!

Da der Hänger wegen ausgeschöpftem Chaospotential nicht vor21.30 Uhr erwartet wurde, sind diejenigen, die am Montag arbeiten mußten, nach Bratwurst, Bier und kleinem Klönschnack - in der Kälte draußen sitzend - bald gen Heimat gestartet.

Wir waren stolz und glücklich, diese Strecke so gut gemeistert zu haben. Wir erreichten das Ziel mit 11,5 km/h incl. Pausen in knapp 12 Stunden.

Vielen Dank Ulla, Uli, Sieglinde und Christian fürs Organisieren unseres Bootes und so. Es hat bis zum Schluß viel Spaß mit Euch gemacht!

Bis zum nächsten Jahr!? - Wieder ganz freiwillig!

Gisela Temme

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