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"Hansa" (1879/83) e.V.

Winterbeschäftigung einiger Hansa-Ruderer:
Backen bei Martina!

Im November fragte jemand unsere Bäckermeisterin Martina um Rat, wie man Hefeteig für Stollen macht. Und wie macht man eigentlich Pralinen? Und einige andere wollten gern Plätzchen backen. Also sagte Martina (nicht wörtlich) "Ihr Kinderlein, kommet, oh kommet doch all, in meine Backstub...".

An einem Samstag wurden Ursel und ich in die Kunst des Stollenbackens und der Pralinenanfertigung eingeweiht. Staunend standen wir in der Backstube und sahen zu, wie Martina ruckzuck riesige Mengen Mehl, Hefe, in Cointreau eingeweichte Rosinen etc. etc. zu einem geschmeidigen Teig verarbeitete. Wir durften natürlich auch mal kneten und lernten den Kniff, wie der Teig zum Stollen geformt wird. Während die Stollen im Ofen waren, ging's an die Pralinen. Eierlikörtrüffel! Erst wird die Eierlikörmasse mit Sahne gekocht und gerührt, dann in einen speziellen Trichter geschüttet, mit dem man die Leerhülsen füllen muß - nicht zu voll, aber nicht zu wenig, nicht danebenkleckern. Martinas Kinder (6 und 7 Jahre) paßten auf, daß richtig gearbeitet wurde. Dann müssen die Öffnungen mit Schokoladenmasse geschlossen werden. Das alles muß schnell geschehen, denn sobald die Masse abkühlt, läßt sie sich ja nicht mehr durch den Trichter spritzen. Und schließlich muß die ganze Geschichte noch in die Schokoladenmasse getaucht werden. Das ist eine so zeitaufwendige Arbeit, daß wir an dem Abend nicht mehr fertig wurden. Nun weiß ich, wie kostbar handgemachte Pralinen sind!

Am 3. Dezember kamen dann zwar nicht die Kinderlein, sondern dreizehn Ruderer in die Backstube, um Plätzchen zu backen. Martina hatte für die fünf oder sechs verschiedenen Sorten schon die Zutaten abgewogen und mit Rezept auf den Backtisch gestellt, so daß wir uns nur noch aufteilen mußten, wer welche Plätzchen macht. Dirk wollte gern ein Lebkuchenhaus machen - die Wände und das Dach waren auch schon fertiggebacken, so daß er "nur" noch das Haus zusammenbauen mußte - mit Eischnee-Klebemasse. Natürlich assistierten wieder Pia und Anna (Martinas Kinder), die schon perfekt mit der Spritztülle umzugehen wissen.

Ein wildes Mengen und Matschen in Mehl und Butter etc. begann, Martina sauste dazwischen herum und raufte sich ihre kurzen Haare. "Nein, doch nicht so, Du mußt kneten, nicht matschen", "aber nein, das ist doch Spritzgebäck, den Teig darfst Du nicht ausrollen!". Wir hatten einen Mordsspaß, traten uns gegenseitig auf die Füße, steckten unsere Finger überall rein, probierten den Teig, leckten die Finger ab, und wieder in den Teig. Maike hatte ihren Sohn Heiko mitgebracht und legte ihn auch auf den Backtisch,und Jens paßte auf, daß er nicht mit in den Teig verarbeitet wurde. (Heiko ist erst einige Wochen alt). Der Teig zum Ausrollen wurde kurz in den Kühlschrank gestellt, damit er besser durch die Teigausrollmaschine ging - diese Maschine sieht aus wie eine Wäschemangel, und man kann genau einstellen, wie dick bzw. dünn der Teig ausgerollt werden muß. Dann ging's an das Ausstechen (Pia: "Du mußt aber noch Mehl auf den Backtisch tun!") und in kürzester Zeit waren etliche Bleche voll und konnten in den Ofen geschoben werden. Plötzlich roch es verbrannt - natürlich hatte niemand aufgepaßt, und ein Blech war schwarz. Nun - wir hatten ja noch reichlich. Nach ca. drei Stunden hatten wir ungefähr 10 - 13 riesengroße Bleche voll Plätzchen gebacken, zwei Lebkuchenhäuser waren fertig, und jeder konnte reichlich mit nach Hause nehmen.Wir waren alle voll Mehl und Teig, die Backstube sah aus..... aber in kürzester Zeit waren die Schüsseln abgewaschen, der Backtisch geschrubbt, der Boden gefegt, und ein Prüfer vom Gewerbeaufsichtsamt hätte kommen können und nichts zu beanstanden gefunden. Wir zogen alle fröhlich mit unseren Tüten und Dosen aus der Backstube und ließen eine wohl ziemlich entnervte Martina dort zurück, die sicher drei Kreuze gemacht hat, nachdem wir das Haus verlassen hatten.

Es hat uns allen so viel Spaß gemacht, daß wir diese Aktion gern im nächsten Jahr wiederholen würden - falls Martina nicht streikt. Aber ich glaube nicht, denn auf einige Fragen zum Thema Brotbacken hat sie schon vorgeschlagen, bei Interesse einen Brotbacktag für HANSA-Ruderer zu planen.

Allerdings müssen wir erst mal ganz fest Däumchen drücken, denn im Januar muß Martina noch den letzten Teil ihrer Meisterprüfung absolvieren, und dann sehen wir mal.

Margita Voswinkel

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