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"Hansa" (1879/83) e.V.

Eine ereignisreiche Saison...

In die Saison '97 startete ich als Steuerfrau des "Hannover Achters", in dem auch bekannte Ruderer wie Uwe März (Lgw.-Achter-Weltmeister 96) und Carsten Lehr (Ersatz Lgw. WM 96) saßen.

1. Regatta: Head of the River Race London, 21./22.3.97 (ca. 6km)

Als Newcomer "durften" wir auf Platz 370 starten (Nachteil: Die Strömung läßt nach, es ist fast Ebbe), aber nichts konnte uns aufhalten...

Im Ziel völlig erschöpft bzw. heiser konnten wir uns noch nicht so richtig freuen, dafür um so mehr am späten Abend, als alle Ergebnisse bekanntgegeben wurden: Platz 78! Das war schon ein Grund zum Feiern.

Sonntag noch einen Bummel durch London, und ab ging's zurück nach Hannover.

2. Regatta: INT. Gent (BEL), 12./13.4.97

Nach einem "Kurz-Trainingslager" in Breisach mit den Junioren fuhr ich direkt nach Gent in Belgien weiter. Bei kühlem Wetter und böigem Wind kämpften wir uns über die 2000-m-Strecke. Dabei belegte ich sowohl im Lgw.-Frauen-Einer A als auch als Steuerfrau im Achter Platz 2 (Sa.) und Platz 3 (So.).

Als Auftaktregatta ist Gent recht gut geeignet, da die Strecke gut einzusehen ist (Kanal - 5 Bahnen) und viele Ruderer aus dem Ruhrgebiet, Hamburg, ja sogar aus Saarbrücken da waren.

3. Regatta: Bremen, 10./11.5.97

Hier durfte ich nun endlich meine ersten Siege verbuchen. Am Samstag konnte ich im Leichtgewichts-Einer und Frauen-Doppelzweier A mit Kerstin Mocha als erste über die Ziellinie rudern. Am Sonntag mußte ich mich dann im Lgw.-Einer mit dem zweiten Platz begnügen, konnte dafür aber im "Senatsachter" "meine Crew" zum Sieg steuern!

4. Regatta: Ferrara (ITA), 18./19.5.97

Ein außergewöhnliches Wochenende...

Zugelassen sind nur Achter! Bei den Frauen hatten drei, bei den Männern elf (?) gemeldet, davon zwei aus Hannover. Diesmal saß ich auch im Frauen-Achter!

Der Samstag begann mit einer 6-km-Langstrecke, nachmittags gegen 17 Uhr bei brütender Hitze. Wir ruderten frohen Mutes mit acht Liter Wasser an Bord die Strecke hoch. Die beiden italienischen Frauen-Achter starteten vor uns, und wir frohlockten schon, da sie so aussahen, als hätten sie das - na ja zweite Mal - einen Riemen in der Hand... Im Ziel - oh Schreck - wurden wir eines Besseren belehrt: Wir waren nur dritte - ob das alles so richtig war? Die Hitze hat ihr Opfer gefordert!

Den Männern ging's nicht viel besser: im Ziel Platz fünf für "meinen" Achter, Platz neun für Hannover 2.

Am Abend war der Schmerz vergessen; es wurde ausgelassen gefeiert und mit den Ruderern aus Holland und Oxford gewetteifert, wer wohl die besten Trinklieder kennt...

Am Sonntag erwartete uns die 500-m-Strecke im K.-o.-System: Ladies first.

Leider konnte niemand den Starter verstehen, und plötzlich kam das "Go" vom Steuermann aus dem Nachbarboot. Nach einer Schrecksekunde legten auch wir endlich los, aber 500 Meter sind für eine solche Aufholjagd doch zu kurz.

Na, bei den Männern wußte ich als Steuerfrau ja nun Bescheid und gab das Kommando einfach selbst. So schafften wir es bis ins Finale und mußten uns nur dem Achter aus Oxford beugen - ganz knapp! Insgesamt Platz drei für den Frauenachter und Platz zwei für die Männer (bzw. Platz fünf für Hannover 2).

5. Regatta: Paris "Crocos Cup", 30.5.-1.6.97

Am Samstag fand die Regatta im Norden von Paris (Argenteuil - Lac d' Engin(?)) statt - 500 m! Es erwarteten uns Sonne und heftigster Seitenwind.

Diesmal war ich im A-Frauen-Vierer ohne am Start. Bis alle Boote ausgerichtet waren, waren ca. 30 Minuten vergangen, und nach dem Startschuß ruderten alle in die unterschiedlichsten Richtungen davon. Trotzdem konnten wir als erste Vorlauf und Halbfinale hinter uns bringen. Leider hatten wir dann im Finale das Pech, noch nicht richtig ausgerichtet zu sein. Nach ca. 300 Metern hatten wir uns wieder auf den zweiten Platz vorgearbeitet, als wir einen Krebs zogen und auf den vierten oder fünften Platz zurückfielen.

Am abendlichen Buffet vergaßen wir unseren Frust und stärkten uns für die 450-m-Strecke am Sonntag.

Die Boote wurden verladen, und es ging in die City von Paris, wo auf einem Seitenkanal der Seine die 450 Meter im K.-o.-System gefahren wurden. Da ließen wir dann nichts mehr anbrennen und konnten die Siegerinnen des Vortages - aus der Ukraine - auf den zweiten Platz verweisen.

6. Regatta: INT. Ratzeburg, 14./15.6.97

Hier durfte ich den Achter leider nicht steuern, weil Frauen nach den FISA-Regeln im Männerachter nicht zugelassen sind. Also ging ich nur im Lgw.-Frauen-Einer A an den Start und belegte hinter NEL und Oldenburg Platz drei. Ich freute mich auch über diesen dritten Platz, da ich gut und ohne Einbruch über die 2000 m gekommen bin - wo wir doch auf den letzten Regatten immer nur Kurzstrecken gefahren sind.

7. Regatta: INT. deutsche Hochschulmeisterschaften in Hannover, 20.-22.6.97

Obwohl wir sehr viel mit der Organisation zu tun hatten - ich saß z.B. im Regattabüro - war es für alle Helfer möglich, an den Rennen teilzunehmen. So startete ich aufs neue im Frauen-Achter. Wir hatten uns im Sechs-Boote-Feld nicht allzu große Hoffnungen auf einen der vorderen Plätze gemacht, doch das Rennen lief überraschend gut, und wir erkämpften uns die Bronze-Medaille.

Im Männer-Achter Hochschulsport (keine Renngemeinschaften) wurde es dann richtig spannend. Nach einem gelungenen Start sprang auf Backbord im Mittelschiff eine Dolle auf und der Riemen raus! Mühsam versuchte ich, das Boot in der Bahn zu halten, während zu siebt weitergerudert wurde. An der 500-m-Marke war der Riemen endlich wieder drin, und es konnte richtig abgehen... Wir spurteten den führenden Booten hinterher und hatten uns im Ziel sogar mit fast einer Länge Vorsprung wieder an die Spitze gebracht. Damit hatten wir uns einen Zuschuß von 500,- DM für Luzern - ein Studenteneinlagerennen - errudert!

Am Sonntag startete "mein Achter" noch mal in der offenen Klasse und lieferte sich einen erbitterten Kampf mit der Renngemeinschaft aus Berlin. Im Endspurt ließen sie uns nahezu stehen, und wir wurden weit vor dem restlichen Feld zweite.

Zu guter Letzt gewann Hannover noch den Hochschul-Pokal für die meisten erruderten Punkte.

8. Regatta: Royal Regatta Henley, 2.-6.7.97

Der erste Eindruck war überwältigend! Zehn große Zelte nebeneinander, in denen die Bootslager untergebracht waren. Eintritt nur für Aktive. Daran schloß sich eine riesige Tribüne an mit Platz für bestimmt 60.000 Zuschauer. Im Tribünenbereich = "Stewards Enclaswe" gab es auch diverse Bars, ein Restaurant und Cafés. Der Eintritt in die "Stewards Enclaswe" ist recht teuer (150,- DM für fünf Tage) und nur in angemessener Kleidung erlaubt - nur im Kleid / Rock, kniebedeckend bzw. im Sakko; keine Jeans erlaubt! Sehen und gesehen werden...

Entlang der gesamten Strecke - 2¼ miles - gibt es immer wieder Getränke- und Essenwagen, kleine Souvenirzelte etc. Vom Start an stehen am Ufer in Scharen Zuschauer, die jedes Boot voller Begeisterung anfeuern. Startberechtigt sind nur Männer (außer Steuerfrau) und der World Cup Frauen-Einer.

Es gibt verschiedene Startklassen, z.B. Schüler, Studenten, Spitzensportler u.a. Die Rennen werden im K.-o.-System gefahren; es gibt am Anfang 32 Startplätze. Nach der ersten Runde kommen sechzehn, dann acht, dann vier usw. weiter.

Wir starteten im "Thames Challenge Cup", d.h. nur Ruderer, die noch nie bei einer WM oder EM waren; darum mußten wir leider zwei Ruderer austauschen. Unser erster Gegner kam vom "London-Rowing-Club" und erwies sich als sehr gute Mannschaft. Die Hälfte der Strecke konnten wir die Führung übernehmen, aber dann konnten wir nicht mehr mithalten, und die "Londoner" wurden von den Zuschauern und Beifall ins Ziel getragen - gute zwei Längen vor uns. Tja, so schnell kann man raus sein... Dabei sind wir die viertbeste Zeit gefahren!

Nun ja, also "mußten" wir uns den gesellschaftlichen Events widmen und landeten fast jeden folgenden Tag in der "Fawley Bar", verfolgten die weiteren Rennen und sonnten uns in Liegestühlen.

Von 12.00 bis 14.00 Uhr ist Mittagspause, da begeben sich die Briten zu ihren Bentleys oder Rolls Royces und packen ihr Picknick aus, lustig anzuschauen. Von 16.00 bis 17.00 Uhr ist dann noch mal Tea-time, und gegen 18 oder 19 Uhr ist der Regattatag beendet. Abends vergnügte man sich in der Stadt oder im "Leander Rowing Club", wo Matthew Pinsent und Sir Steven Redgrave zu Hause sind.So verging die Woche viel zu schnell, und ich kann nur sagen: Henley ist immer eine Reise wert- auch wenn es "nur" zum Zuschauen ist.

9. Regatta: INT. Luzern, 11.-13.7.97

Wir starteten am Samstag in einem erstmalig ausgetragenen Studentenrennen. Es hatten sieben Boote gemeldet, und wir hatten uns vorgenommen, auf Medaillenkurs zu gehen.

Kurz vor dem Start mußte ich mit Entsetzen feststellen, daß meine "Cox-box" nicht richtig aufgeladen worden war und ich damit die Mannschaft nicht optimal durchs Rennen führen konnte. Also schrie ich mir die Seele aus dem Leib - die Bugmannschaft hörte mich leider trotzdem nicht, dafür die Zuschauer um so besser -, und wir lagen gar nicht schlecht: 800 m vor dem Ziel noch zweite! Die geplanten Spurts kamen aber leider nicht optimal, da die Hälfte des Achters mich nicht hörte, und so fielen wir vorerst auf den dritten Platz. Auf der Ziellinie fingen uns dann noch die Franzosen ab, und wir wurden um 4/100 vierte. 1. Oxford, 2. Essen, 3. France, 4. Hannover/Bremen, 5. Österreich, 6. Italien, 7. France.

Insgesamt war es eine sehr schöne Rudersaison. Ich war zwar genauso viel unterwegs wie die Jahre zuvor - eigentlich wollte ich das zurückschrauben -, aber es war viel entspannter für mich, da ich mich selbst nicht unter Leistungsdruck gesetzt habe.

Ich habe wieder Spaß daran gefunden, Rennen zu fahren, und wenn's mal nicht so gut lief - na und?! Und so hat es sich auch positiv auf die Uni ausgewirkt - ich bin alles locker und ohne Streß angegangen, was mit bestandenen Klausuren belohnt wurde.

Ich danke der HANSA für Fahrtkostenzuschüsse und hoffe, die Farben im Ausland gut vertreten zu haben.

Eure Annette Barkmann

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