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Bremer Ruder-Club "Hansa" (1879/83) e.V. |
Es ist Sonntag, 04. Mai, 21:27 Uhr. Ich sitze am Schreibtisch und wähle 0047-7014... (NEIN, dieses ist keine dieser dubiosen Telefonnummern in Übersee). Nach 3x Klingeln ertönt am anderen Ende der Leitung ein Kauderwelsch. Ich verstehe nichts, erkenne aber Fidis Stimme. Die letzten Einzelheiten unserer Ålesund-Wanderfahrt werden besprochen. 7 Personen und 2 PKWs werden Himmelfahrt in Bremen abfahren und tags darauf abends in Ålesund erwartet. Die erste mehrtägige Rudertour hat Fidi schon ausgearbeitet. Nach 23 min beendet Fidi das Gespräch mit folgenden Worten: "Packt Euch warme Sachen ein (lange Unterhosen, Handschuhe, Schal, Pudelmütze) und bringt Alkohol und schönes Wetter mit." Zur Zeit ist dort lausig kaltes und trübes Wetter. Trübe Aussichten für eine Ruderwanderfahrt in Norwegen.
Die Tour geht von Bremen, jedoch nicht über Bad Oldesloe, via Fähre Kiel - Oslo nach Ålesund. Eingecheckt wurde pünktlich um 13 Uhr auf der Fähre. 18 Stunden Fährfahrt lagen vor uns. Geplant (aber für die Hinfahrt nicht gebucht, Anmerkung des Verursachers) war sowohl auf der Hin-, als auch auf der Rückfahrt eine Unterkunft in 2*-Kabinen. Auf der Hinfahrt fehlte leider ein Stern; 4 Bett, Innenkabine unter dem Autodeck, Dusche/WC auf dem Flur. Was verschwiegen wurde, war, daß die Kabinen direkt über der Schiffsschraube lagen. Ein toller, monotoner Sound begleitete uns die ganze Nacht.
Der Tag begann mit einem ersten Gang auf´s Oberdeck, um die ersten Eindrücke von Oslo zu erhalten. Nach einem ausgiebigen Frühstück wurde die bevorstehende 600 km lange Autofahrt gestartet. Der Himmel war bedeckt, jedoch nicht kalt und kein Regen. Über eine gut ausgebaute Straße, Höchstgeschwindigkeit 80 km/h, fuhren wir gen Norden in die Stadt der Trolle (Dombås). Nach einer Rast ging´s links ab nach Ålesund. Nun hatte man den Eindruck, man führe in den Alpen. Die Berge, die erst am Horizont erschienen, waren nun ringsherum. Die Schneegrenze war nicht mehr auf den Gipfeln, sondern direkt im Tal. Campingplätze lagen noch unter einer 15cm hohen Schneedecke. Die Straßen waren frei! Zum Glück, denn an Schneeketten hatte niemand gedacht. Wir folgten der Straße, die sich um die Berge, Täler und Seen schlängelte, bis wir nach ca. 9 Stunden auf Fidis Klingel drückten. Eine herzliche und umarmende Begrüßung mit einem "Booaaah" erfolgte. Gemeint war der herrliche Ausblick von Fidis Balkon im 7. Stock auf den Fjord und die schneebedeckten Berge. Es dauerte nicht lange, bis die Kameras herausgeholt wurden und es 7x KLICK machte. Entgegen unserer Planung verbrachten wir den Abend und die Nacht bei Fidi.
Einige Mitreisende äußerten im Vorfeld schon Bedenken, daß sie Verständigungsschwierigkeiten hätten, da ihr Schulenglisch schon 1 Jahrzehnt zurückläge. Doch diese Bedenken waren unbegründet. Denn am 1. Abend mußten wir Rede und Antwort auf Englisch stehen. Malin, Fidis damalige Verlobte, die nicht kundig des Sprechens der deutschen Sprache ist, wollte uns kennenlernen und fragte "Who´s your name and what are you doing? Bei einem richtigen Bier und einem leckeren Abendessen lernte sie uns kennen. Leider hatten wir sie bis zum Abreisetag nicht mehr gesehen. Dafür hatte Fidi es sich nicht nehmen lassen, uns als kompetenter Reiseführer und unterhaltsamer Gesprächspartner zur Verfügung zu stehen. Nur auf der Rudertour fehlte er.
Aufgrund widriger Wetterbedingungen ist die erste geplante Rudertour (mehrtägige Fahrt durch den Geiranger-Fjord) leider ausgefallen. Wir mußten aber nicht auf diese schöne Panoramatour verzichten. Statt mit dem Ruderboot sind wir die Strecke mit dem Pkw und 3 Fähren abgefahren. Der Himmel klarte auf. Bei Sonnenschein und starkem Wind und einem Blick über den Geiranger-Fjord (7x KLICK) aßen wir unser Mittagessen. Gestärkt fuhren wir den Berg weiter rauf, bis eine Schranke uns den Weg versperrte. Meterhohe Schneeberge links und rechts der Straße waren der Grund. Kaum war ich aus dem Wagen ausgestiegen (leider kamen wir als letzte an), flogen mir schon die ersten Schneebälle um die Ohren. Schneeballschlacht im Mai auf einer Ruderwanderfahrt. (Wieder 7x KLICK). Diese Fahrt führte uns ins Landesinnere. Aber auch die historischen Inseln (Giske) um Ålesund sind von uns per PKW erkundet worden. Mit Tunneln sind sie verbunden. Sowohl die bekannte Skjong-Höhle ist bestiegen worden (mit Streichhölzern und einer Kerze bewappnet ging´s ins Dunkle), als auch die umliegende Bergwelt. Soeben war man 300m unter N.N. und nun steht man auf´m Bergplateau 1000m über N.N. und genießt den Panoramablick über die See und die Inseln. Die Bergspitze (mit Blick auf Ålesund) konnte aus Zeitgründen nicht erstürmt werden. Dies wird wohl auf der nächsten Tour nachgeholt. Ein Blick auf Ålesund aus der "Vogelperspektive" blieb uns doch nicht verwehrt. Der Stadtberg "Aksla" mit dem Aussichtspunkt "Kniven" ragt hoch über dem Zentrum empor und bietet eine phantastische Standardpostkartenaussicht. (7x KLICK) Gegenüber der Stadt liegt die "Zuckerspitze". Die Besteigung dieses Berges erfolgte bei der Abenddämmerung, um den Sonnenuntergang über der Stadt zu erkennen. Eintretende Wolkenbildung hüllte die Stadt langsam in einen weißen Schleier ein. Mit einem beeindruckenden Naturereignis endete unser vorletzter Tag in Ålesund.
Gerudert wurde natürlich auch. Leider nicht in dem Maße, wie sich das manch einer erhofft hatte. Zum einem war es wetterbedingt (Straßen, auf denen die Boote transportiert werden sollten, waren gesperrt; die See war zu kabbelig), zum anderen stand uns nur noch ein Boot (4er +, See-Gig, Innenrigger) zur Verfügung. Andere ruderbare Gig-Boote waren zur Zeit nicht vorhanden. Letztendlich konnten wir eine Ganztages-Tour durch die Fjorde machen. 5 Personen starteten am Clubhaus bei herrlichem Ruderwetter. Anja und ich übernahmen den Fahrdienst und kauften fürs Abendbrot ein. Mittags aß Anja das Lachsmenue (in D nicht erhältlich), während ich das bekannte BigMac-Menü genoß.
Danach war Mannschaftswechsel, und ich genoß nun intensiv vom Steuerplatz aus die beeindruckende Landschaft mit den Inseln und den Bergen im Hintergrund. Eine weitere Ruder-Tour mußte leider nach einigen Kilometern abgebrochen werden, da aufkommende Winde und schäumende Wellen eine Weiterfahrt nicht ermöglichten. Jede 5. Welle gehörte uns. Die See-Gig ist für diese Wetterverhältnisse ungeeignet. Zum Abschluß unseres Ålesund-Aufenthaltes wurde das Gig-Boot erneut zu Wasser gelassen, und 5 Leute sahen die Stadt nun vom Wasser aus. Die Rennboote sind von uns auch benutzt worden. 2 ganz Eifrige konnten selbst am Abreisetag morgens um 6 Uhr nicht genug vom Rennbootfahren bekommen.
Untergebracht waren wir im Clubhaus des Rudervereins. Die Küche und das zugehörige Inventar standen uns zur Verfügung. Die Geschirrspülmaschine erfreute unsere Herzen. Ein regelrechter Kontakt zu den dortigen Clubmitgliedern fand leider nicht statt. Außer den jüngeren Trainingsleuten, die sich aber in den Damenumkleideraum zurückgezogen hatten, und den Altherrentrainingsleuten hat man kaum einen Ruderer im Clubhaus gesehen. Dabei hatte man uns beim Anrudern groß angekündigt. Somit übergaben wir Fidi am letzten Abend, nach dem Krabbenpuhlessen, den Hansa-Wimpel. Apropos Abend. Das Nachtleben von Ålesund haben wir nicht kennengelernt; keine Disco, kein Kneipenbummel. Stattdessen saßen wir nach dem Abendessen zusammen (der Geschirrspüler lief nun) und spielten Doko oder unterhielten uns.
Das große "Auf-Wiedersehen"-Sagen erfolgte mittags am norwegischen Nationalfeiertag. Vormittags schauten wir uns die Umzüge durch die Stadt an. Überall war geflaggt, und die Leute trugen ihre Trachten; Malin ihre schwedische Tracht und Fidi SEINE Tracht: Jeans und Birkenstocksandalen.
Bei Sonnenschein und 19° erfolgte die Rückfahrt vorerst bis Lillehammer. Hier übernachteten wir in der schönen Jugendherberge, die direkt im Bahnhof liegt. Ein gemeinsames Abendessen und ein Gang durch die Fußgängerzone rundeten den Tag ab. Das Einchecken in Oslo verlief reibungslos. Nur konnte mir niemand sagen, wie Werder gespielt hatte. Während auf der Hinfahrt uns ein Stern fehlte, hatten wir nun 2 komfortable 3*-Kabine mit Dusche/WC. Bis zum Skandinavischen Abendbuffet hatten wir noch genug Zeit. So sonnte man sich an Deck. Die letzten Kronen sind an der Piano-Bar fürs Bier ausgegeben worden. (HALT! 1 Krone ist übrig geblieben und wurde woanders ausgegeben.) Am Pfingstmontag mittag endete diese schöne und erlebnisreiche Wanderfahrt.
1 Tag später, 21:27 Uhr, ich sitze am Schreibtisch und wähle 0047/.. . Fidi meldet sich. Alle sind gesund und munter in Bremen angekommen. In Ålesund ist das Wetter weiterhin gut, Sonnenschein, 20°.
Ich schau aus dem Fenster, es regnet und es ist kalt. Die unbenutzten Sachen lege ich in den Schrank: lange Unterhose, Handschuhe, Schal, Pudelmütze.
Martin Soltau
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