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"Hansa" (1879/83) e.V.

Jubilarinnen und Jubilare 1997

Geehrt wurden

- für 50jährige Mitgliedschaft:

Ilse Risse
Wilma Schneider
Albrecht Brüggemann
Adolf Garde
Martin Kölling
Walter Messerknecht
Heinz Meyer

- für 40jährige Mitgliedschaft:

Manfred Colby
Bodo Renne
Wolfgang Wicke

- für 25jährige Mitgliedschaft:

Helmut Jäger
Dr. Günter Preuß

Vortrag zur Jubilarehrung
der "HANSA" vom 15.05.1997

Liebe Ruderkameraden,
liebe Ruderkameradinnen,
liebe Sportfreunde!

Auch ich begrüße Euch zu unserer heutigen Jubilarehrung ganz herzlich in unserem Clubhaus und freue mich ganz außerordentlich, daß so viele bekannte Clubmitglieder neben den verdienten Jubilaren zu dieser Feier gekommen sind. Ganz großartig. Besonders freuen wir uns auch über den Besuch einer kleinen abgesandten Schar der Trainings- und Rennruderabteilung. Sogar unser lieber, altbekannter Ruderkamerad Rudi Vanderhuk hat es sich nicht nehmen lassen, aus Anlaß dieser Feier ganz aus Aachen anzureisen.

Gut gestärkt nach diesem hervorragenden und zünftigen Matjesessen - und hier gilt unserer Clubökonomie ein ganz besonderes Dankeschön - widmen wir uns nun dem offiziellen Teil des Abends. Es steht an die Ehrung langjähriger Clubmitglieder, und dazu sage ich ganz bewußt: bedeutender Clubmitglieder! Bedeutend deshalb, weil mit Namen und langjähriger Clubzugehörigkeit wie 25, 40 und diesmal sieben mit 50 Jahren (!) Tradition und Clubgeschichte untrennbar miteinander verbunden sind.

Was heißt überhaupt Tradition? Machen wir uns denn überhaupt noch Gedanken in einer so schnellebigen Zeit, Muße zu finden, sich mit Überlieferungen auseinanderzusetzen, geschweige denn zu erkennen, daß es sich hier gar um bewährtes Erleben handelt. Die Überlieferung sowie das Pflegen von Werten im übertragenen Sinne auf den Rudersport und auf unser Clubleben_ sind das Weitergeben und Weiterführen bewährter Strukturen, dabei gilt es jedoch, den jeweiligen Zeitgeist nicht zu vergessen. Das heißt mit Augenmaß und Toleranz Bewährtes und Neues, letztlich zum Wohle der Gemeinschaft, miteinander zu vereinen.

Uns Ruderern wird häufig nachgesagt, wir seien elitär, abgehoben. Vorurteil im Volksmund oder Mißgunst augenscheinlicher Bequemlichkeitsfanatiker scheinen diese Vokabel geprägt zu haben. Wer uns kennt, weiß unsere Werte, weiß unsere Inhalte zu schätzen. Wir sind nicht elitär und schon gar nicht auserwählt, wie es so schön im Duden als Definition ausgedrückt heißt.

Zugegeben......wir sind schon etwas Besonderes oder besser gesagt, mitunter etwas sonderbar. Das aber liegt in der Natur der Sache bzw. in der Ausübung unseres geliebten, gesunden, so schönen und anstrengenden Rudersports.

Wer ist denn schon bereit, als junger Rennruderer oder als junge engagierte Rennruderin sieben- oder achtmal in der Woche zu trainieren und sich am Wochenende nach langer Autoanfahrt mit Gleichgesinnten auf Deutschlands Regattastrecken im Wettkampf zu messen? Das ist sicherlich nicht die Masse!

Wer ist denn schon bereit, zum abendlichen Feierabendsport zunächst zentnerschwere Boote aus der Bootshalle über den Anleger schleppend ins Wasser zu tragen, gegen Wind, Wellen und Strömung rudernderweise anzukämpfen, sich dazu möglicherweise noch einem Hagelschauer aussetzend und hinterher unter der Dusche oder beim Bierchen an der Theke, begeistert von diesem Erlebnis zu berichten. Auch das ist nicht die Masse.

Zu allem Überfluß auch noch mit einer Ruderbarke samt Trailer und Auto 1000 km quer durch Deutschland in den Urlaub zu fahren, zeltenderweise die Nächte in der Wildnis zu verbringen und tagsüber mitunter bei glühender Hitze 30- oder 40-km-Etappen auf unbekannten Gewässern zu rudern. Auch das macht nicht die Masse!

Was sind denn nun eigentlich Ruderer? Rudern ist doch in erster Linie ein Mannschaftssport, Teamgeist, Konzentration, Kraft, Ausdauer, Motivation bilden die Voraussetzung, um gemeinsam mit dem Boot an das Ziel zu gelangen. Dennoch hat man mitunter den Eindruck, daß die Ruderer eine Gemeinschaft teils ausgeprägter Individualisten darstellen. Dies sollte keinesfalls negativ beurteilt werden, denn diese Individualisten haben auch einen ausgeprägten Gemeinschaftssinn, der für den Zusammenhalt der Clubgemeinschaft gerade in der heutigen Zeit unabdingbar ist.

Wir werden daher nicht die großen Massen für unseren Rudersport begeistern können, ebenso wird das Rudern nicht zum vielbesungenen Volkssport werden. Dennoch erfreut sich der Rudersport gleichbleibender Beliebtheit, wobei sicherlich ein wenig mehr an "Marketing-Action" den Ruder-Clubs einen Mitgliederschub verschaffen würde.

Nicht jeder ist bereit, für die vorgenannten rudersportlichen Aktivitäten auch noch einen relativ hohen Mitgliedsbeitrag zu bezahlen. Auch das unterscheidet die Ruderei von anderen Sportarten. Die Anschaffung von Booten, der Aufbau sowie die Unterhaltung von Club- und Bootshäusern sind nun einmal sehr kostenintensiv. Nur durch den dauerhaften und ehrenamtlichen Einsatz mitunter einiger Einzelner und durch die Gott sei Dank noch vielfach in den Clubs vorhandene Spendenbereitschaft, meist auch nur einiger weniger, gelingt dieses Wunder des Zusammenwirkens und Erhaltens.

Freude am Einsatz für diese Clubgemeinschaft, das zeichnet, denke ich, auch unseren Club, die HANSA, und viele Mitglieder in besonderem Maße aus. Und ich meine, es lohnte sich für unsere Vorgänger und lohnt sich für die jetzige und auch die kommende Generation, unsere schönen Club-und Sportanlagen zu nutzen, hier mitten in der Stadt im Grünen an der Weser, eine Oase der Entspannung. Es gilt, sie zu pflegen und zu erhalten. Tradition, Brauchtum, Mäzenatentum, Überlieferung, Sponsoring, gar so abwegig? Ich denke nicht, bekennen wir uns einfach dazu!

Wer als junger Mensch bei uns in der HANSA eingetreten ist und all die vielen schönen, mitunter auch anstrengenden Erlebnisse sportlicher und geselliger Art durchlebte, hat hier seine sogenannte zweite Heimat gefunden, einen Ort der sportlichen und ebenso gesellschaftlichen Begegnung,dem er mitunter ein Leben lang die Treue hält. Ist dies gelungen, hat der Club, hat die HANSA im wahrsten Sinne des Wortes ihren Zweck erfüllt.

Unsere_diesjährigen Jubilare dokumentieren mit ihrer langjährigen Mitgliedschaft und heutigen Anwesenheit nicht nur Vertrauen und Verbundenheit zum Ruder-Club "HANSA", sondern, und davon bin ich fest überzeugt, inhaltlich vieles von dem, was ich in diesem kurzen Vortrag angerissen habe.

In diesem Sinne wünsche ich der heutigen Jubilarfeier weiterhin einen angenehmen Verlauf.

John Thoms

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