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Bremer Ruder-Club "Hansa" (1879/83) e.V. |
Zum diesjährigen Steuerleute- und Bootsobleute-Lehrgang im März trafen sich ca. 40 Interessierte im kleinen Saal beim Bremer Ruderverein von 1882, um an zwei Wochenenden (samstags von 14.00 - 18.00 Uhr und sonntags von 10.00 - 13.00 Uhr) die Theorie zu lernen und am dritten Wochenende dann das Gelernte im Rahmen einer Prüfung auf dem Wasser praktisch anzuwenden.
Es ging los mit Bootskunde/-technik-/pflege:
Sibylle Maaß erklärte uns an einem im Saal liegenden halben Gig-Boot die verschiedenen Arten. Zusammen gingen wir dann in die Bootshalle, um dort die Bootstypen zu benennen. Anschließend wieder im Saal durfte jeder ein "Los" ziehen, auf dem ein Bootsteil bezeichnet war, und diesen Zettel mußte man nun an die richtige Stelle des Modellbootes kleben. Gemeinsam wurde besprochen, ob alle Teile richtig benannt waren.
Danach war Steuerkunde dran - von Jürgen Köster (gen. Herku) erläutert, und schließlich zeigte uns Jürgen Borrmann (gen. Charly), wie man Knoten schlägt - Achtknoten, Schotstek, Kreuzknoten, Palstek, (der Frosch kommt aus dem See, geht um den See, um einen Baum herum, und auf der anderen Seite wieder zurück in den See ....), Webeleinenstek und Rundtörn mit zwei halben Schlägen.
Am nächsten Vormittag erklärte Ingo Fechtmann die Ruderbefehle, dann wurde ein Video zu Gefahrensituationen auf dem Wasser vorgeführt - recht eindrucksvoll wurde gezeigt, was passiert, wenn man zwischen zwei Bockschiffen rudert oder zu dicht ranfährt! Also bloß immer schön Abstand halten!
Die Verkehrsvorschriften für Wasserfahrzeuge erläuterte Herku, und anschließend informierte uns Uwe Stark von der Wasserschutzpolizei, was wir tun müssen - z.B. bei Dunkelheit mit Licht fahren - und nicht tun dürfen - z.B. mit mehr als 0,8 Promille rudern. Das gilt nicht nur für den Steuermann, sondern für die ganze Besatzung, d.h. solange man sich nicht falsch oder auffällig verhält, wird niemand "pusten" müssen, aber wenn ..... dann sind alle im Boot dran. Zu dem Problem mit den oft zu schnell und rücksichtslos fahrenden Motorbooten empfahl er, sich unbedingt Schiffs-/Vereinsnamen bzw. Heimathafen zu merken, in einem Protokoll festzuhalten und Meldung an die Wasserschutzpolizei zu machen. Da Herr Stark früher selbst gerudert hat, zeigte er großes Verständnis für die Probleme der Ruderer - wir können also nur hoffen, daß gerade immer er Streife fährt, wenn wir unterwegs sind!
Am zweiten Wochenende erläuterte Klaus Wulff die Möglichkeiten zum Überwinden von Hindernissen und Verkehrsvorschriften bei Schleusen, Herku unterrichtete den zweiten Teil der Steuerkunde, und anschließend gab Sibylle Informationen zur Wetterkunde und zum Umweltschutz und wie man sich als Gast in anderen Vereinen zu verhalten hat. Und schließlich gab Ursel Schüßler nützliche Tips zur Ersten Hilfe.
Am Sonntag kam der letzte und wichtigste Teil:
Aufgaben der Bootsobleute bei Wanderfahrten und Verantwortung von Bootsobleuten und Steuerleuten. Der Unterschied zwischen Obmann und Steuermann ist offensichtlich vielen Ruderern (auch Alten Herren!) gar nicht bekannt und klar, ebenso wie die Wichtigkeit der Eintragung ins Fahrtenbuch, bevor man aufs Wasser geht. (Wer das noch nicht weiß, kann es nachlesen im vom DRV herausgegebenen Büchlein "Bootsobleute und Steuerleute - erhältlich bei Herku).
John Thoms berichtete aus eigener Erfahrung als "Havarie-Experte" über das Verhalten bei Bootsunfällen und Havarie - das hörte sich teilweise recht lustig an (z.B. die Geschichte mit dem Achter, der bei Niedrigwasser bei Kelloggs zwischen Dalben und Spundwand auf Grund fuhr), aber machte auch deutlich, wie schnell ein Unfall passieren kann.
Ja - und dann kam das dicke Ende: die schriftliche Prüfung. 27 Fragen mit jeweils drei bis vier Antworten - Aber welche Antwort ist richtig? Es konnten auch zwei richtig sein! Anschließend mußten alle der Reihe nach bei Charly antreten und vor seinen Argusaugen die geforderten Knoten schlagen.
Dann wurden die Fragebogen ausgetauscht und gemeinsam besprochen und Fehler angekreuzt. Zwanzig Fragen mußten mindestens richtig beantwortet sein, um die Prüfung zu bestehen.
Am darauffolgenden Samstag schoben wir nachmittags zwei Vierer zum Werdersee, um dort bei strahlendem Sonnenschein, aber kräftigem Wind nun noch die praktischen Übungen zu absolvieren. Reihum mußte also jeder mal steuern. Sibylle und Klaus ruderten als Prüfer mit. Am schwierigsten gestaltete sich das Anlegen nur nach Kommando, also ohne die Steuerleine zu betätigen. Die meisten unterschätzten den kräftigen Seitenwind, legten teilweise mit Wind an (nur der schnellen Reaktion der Prüfer ist es zu verdanken, daß es nicht zu kräftig rumste). Meine Mannschaft fuhr gemäß meinem Kommando ohne Kraft das letzte Stück an den Anleger, ich war froh, ihn halbwegs richtig getroffen zu haben, sagte noch "Achtung auf Steuerbordskulls", aber Klaus ruderte auf dem Anleger weiter: Ich hatte nicht "Ruder halt" gesagt!
Herku stand schmunzelnd (als Ober-Obmann?) am Anleger und verteilte dann die Urkunden über die erfolgreiche Teilnahme an dem Lehrgang.
Wie man sieht, war das ein recht umfangreiches Programm - einigen war es wohl zuviel Theorie, denn der Teilnehmerkreis schrumpfte nach und nach merklich. Eine Ruderin meinte, sie wollte schließlich rudern und nicht steuern...
Aus meiner Sicht sind wir nach Absolvieren dieses Lehrgangs natürlich noch lange nicht perfekte Steuerleute - dazu erfordert es noch viel, viel mehr Erfahrung. Daß diese Erfahrung jedenfalls mir noch fehlt, konnte ich einige Tage später feststellen, als ich die ATH mit den erfahrenen Ruderern Bothi, Elke und Christoph steuerte. Auf dem Rückweg vom Wehr in Höhe der Dalben kam uns ein Bockschiff mit voller Geschwindigkeit entgegen. Ich schaffte es zwar noch, das Boot schön in die Wellen zu legen, aber die waren so hoch und stark, daß wir mit Sicherheit an den Dalben zerschmettert worden wären, hätte nicht die geübte Mannschaft schnell im richtigen Moment mit ein paar Schlägen rückwärts reagiert! Auch das Anlegemanöver war wegen der sehr starken Strömung schwierig - ohne entsprechende schnelle Reaktion der Mannschaft hätte es mal wieder gerumst. Es muß also noch viel geübt werden, und deshalb bin ich ganz "jibberig" (wie man in Bremen sagt) drauf, daß bald die Rudersaison beginnt.
Margita Voswinkel
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